Mühle-Glashütte Panova Grau Test Preis Head

Der Kampf um’s Handgelenk: Mühle-Glashütte Panova Grau im Test

Mechanik vs. Elektronik – bei diesem Duell zieht Mechanik offenbar immer öfter den Kürzeren: Unter dem raketenartigen Aufstieg der Apple Watch leiden insbesondere Hersteller von hochwertigen mechanischen Uhren im Einsteiger-Segment – das belegen die Statistiken deutlich. Und trotzdem wagt sich Mühle-Glashütte mit der Panova, die den günstigsten Einstieg in das Mühle-Sortiment markiert, in den harten Kampf um den Platz am Handgelenk von Uhrenfreunden, die sich vor allem im etwas budgetfreundlicheren Segment umschauen. Ja ticken die denn da noch richtig im sächsischen Glashütte? Finden wir’s raus!

Eckdaten der Mühle-Glashütte Panova:

  • Durchmesser: 40 mm
  • Höhe 10,4 mm
  • Wasserdichtigkeit 10 bar / 100 Meter (zum Schwimmen geeignet)
  • Stundenmarkierungen und Zeiger mit Super-LumiNova belegt
  • Entspiegeltes Saphirglas
  • Geschraubter Edelstahlboden
  • Verschraubte Krone
  • Schweizer Sellita SW200-1 Automatikwerk mit patentierter Spechthalsregulierung, Mühle-Rotor
  • Verschiedene Bandvarianten, u.a. Leder-Nato
  • Made in Germany
  • Listenpreis: 1000€

Mühle-Glashütte Panova Grau und der hart umkämpfte Platz am Handgelenk

Mit Blick auf den Preis (UVP glatte 1000€), die Farbvarianten (grün, blau, grau mit orangen Highlights) und die Bänder (Nato bzw. Zulu) scheint Mühle-Glashütte mit der Panova eine eher jüngere bzw. preissensiblere Zielgruppe ansprechen zu wollen. Damit konkurriert Mühle aber gleichzeitig um den Platz am Handgelenk, der verstärkt von Smartwatch-Vorreiter Apple umgarnt wird – irre 10 Milliarden Dollar sollen die Kalifornier im Jahre 2019 mit der Smartphone-Verlängerung für’s Handgelenk erwirtschaftet haben.

Unter der Entwicklung leiden vor allem Uhrenhersteller im Einsteiger-Bereich – als Beispiel wird gern die Swatch-Gruppe zitiert, die das jüngere Klientel mit Marken wie Certina, Tissot & Co. (bis ca. 1000€) an Armbanduhren heranführen will – quasi als „Einstiegsdroge“ für Luxus-Marken wie Omega oder Blancpain (ebenfalls Swatch-Gruppe). Das funktioniert wegen der „hippen“ und „coolen“ Apple Watch nun nicht mehr so geschmiert wie einst – natürlich nicht nur bei der Swatch Group, sondern auch bei anderen Konzernen und Uhren-Herstellern, die eine größere preisliche Bandbreite in ihrem Portfolio abbilden.

Apple Watch, Bild: fancycrave1 / CC0

Und trotzdem wagt sich Mühle-Glashütte mit der Panova in dieses hart umkämpfte Segment. Ja ticken die denn da noch richtig in Glashütte? Ich sage: Ja! Und: Weiter so! Meine persönliche Meinung: Es mag zwar ein Kampf David gegen Goliath sein, aber Trends wie Nachhaltigkeit, ein wachsendes ökologisches Bewusstsein sowie ein Faible für Tradition und Handwerk werden meiner Meinung nach noch viele viele Jahre lang Marktpotentiale für mechanische Uhren bieten. Natürlich, der Platz am Handgelenk ist naturgemäß limitiert (mehr als eine Uhr sieht irgendwie doof aus 😉 ), weshalb die Apple Watch von den klassischen Uhrenherstellern als Konkurrenz ernstgenommen werden muss. Ich persönlich kann mich allerdings derzeit nicht wirklich damit anfreunden mit einer Smartwatch nach wenigen Jahren noch mehr Elektroschrott zu produzieren – davon haben wir mit Smartphone & Co. doch schon genug, oder?

Mühle-Glashütte Panova Grau

Mühle-Glashütte Panova Grau im Test

Die Mühle-Glashütte Panova sticht durchaus heraus im Portfolio des unabhängigen Traditions- und Familienunternehmens rund um Steuermann Thilo Mühle. Und das nicht nur preislich: Mit Modellen wie der SAR Rescue Timer, der Teutonia, der Sea-Timer Blackmotion oder der 29er (benannt nach der gleichnamigen Segeljolle) ist der Schwerpunkt der Sachsen klar bei eher größeren, robust-sportlichen Uhren mit guter Ablesbarkeit zu sehen.

Mühle-Glashütte 29er Tag/Datum

Im Vergleich zu genannten Modellen wirkt die Panova deutlich klassischer und zurückhaltender, fast schon zierlich. Das Edelstahl-Gehäuse lässt aber keine Robustheit vermissen und ist sehr massiv. Es ist durchgängig fein satiniert und haptisch wie optisch erste Sahne, allerdings längst nicht so aufwendig verarbeitet wie beispielsweise das grandiose Gehäuse der Mühle-Glashütte 29er Tag/Datum. Grundsätzlich passt der schnörkellose Charakter des Gehäuses gut zum schlichten Gesamterscheinungsbild der Panova, auf der anderen Seite verbinde ich mit Mühle-Glashütte gedanklich immer sehr charakteristische Gehäuse, was ich bei der Panova ein bisschen vermisse (siehe beispielsweise auch die tolle, charakteristische Flanke der Teutonia II Weltzeit).

Ungewöhnlich für diesen Uhrentyp: Die Krone der Panova ist verschraubt. Dies trägt seinen Teil dazu bei, dass die Wasserdichtigkeit mit 10 bar (zum Schwimmen geeignet) überdurchschnittlich gut ist. Schlichte Uhren im Stile der Panova kommen häufig nur mit Spritzwasserschutz (5 bar oder 3 bar).

Mühle-Glashütte-Panova-Gehäuse
Die Krone der Mühle-Glashütte ist verschraubt und kommt mit dem klassischen Mühle-Signet

Das Zifferblatt der Mühle-Glashütte Panova wirkt (u.a. auch wegen des Verzichts auf eine Datumsanzeige) sehr aufgeräumt und ist durch den Sonnenschliff in Verbindung mit der grau-metallischen Oberfläche ein schöner Blickfang – je nach Lichteinfall zeigen sich immer andere Nuancen, von fast schwarz hin zu einem leichten grau. Schick!

Die großen, orange-farbenen Stundenindizes mit den kugelförmigen Leuchtpunkten (Super-Luminova) kommen bei der hier getesteten grauen Variante noch deutlich besser und kontrastreicher rüber als bei der Panova Blau oder der Panova Grün. Normalerweise bin ich ein großer Fan von applizierten Indizes, bei der Panova wirken die gedruckten Indizes aber goldrichtig.

Man beachte auch die Zeiger für Minuten und Stunden, die ungewöhnlicherweise fast komplett mit Leuchtmasse belegt sind. Die Detailverarbeitung gibt sich selbst bei Nahaufnahmen keine Blöße.

Mühle bewirbt auch bei der Panova die Mühle-typischen, erfahrungsgemäß sehr ansehnlichen Veredelungen des Werkes, darunter diverse Zierschliffe und der klassische (teilskelettierte) Mühle-Rotor. Leider verstecken die Sachsen die Verzierungen hinter einem (verschraubten) Gehäuseboden aus massivem Stahl. Ein Glasboden wäre mir da irgendwie schon lieber gewesen 😉

Für den Antrieb sorgt das Schweizer Sellita SW200-1 Automatikwerk, welches von Mühle mit der patentierten Spechthalsregulierung ausgerüstet wird, wodurch das Kaliber (ganz im Sinne des Mühle-Images) robuster und stoßsicherer wird. Mühle produziert unter anderem die Bestandteile der Spechthalsregulierung im eigenen Hause auf modernen Werkzeugmaschinen. Viele Arbeitsschritte, darunter die Finissierung, werden aber ganz traditionell händisch durchgeführt.

Mühle-Glashütte bietet die Panova mit verschiedenen Durchzugsbändern (Nato- bzw. Zulu-Bänder) aus Textil oder Leder an. Die Verarbeitung des Leder-Natos ist allemal tiptop, die orange Ziernaht passt wie die Faust auf’s Auge zu den orange-farbenen Indizes.

Im Allgemeinen wird eine Uhr durch ein Durchzugsband merkbar erhöht (siehe Bild unten). Auch die Panova wirkt durch das Leder-Nato etwas größer und sportlicher, für meinen Geschmack ist das Band aber vielleicht einen Tick zu wuchtig.

So oder so: Allzu große Popeye-Arme sollte man nicht haben, wenn man sich für die Panova interessiert: Das Modell ist mit einem Durchmesser von 40 mm und einer Höhe von knapp über 10 mm wohl proportioniert, aber eher kleiner dimensioniert. Bis rund 18 cm Handgelenkumfang ist die Panova meiner Meinung nach gut tragbar, wer allerdings nur fette Diver gewohnt ist, dem wird das Ührchen wahrscheinlich zu klein vorkommen.

Um die Panova im Sinne einer „Dresswatch“ zu feineren Anlässen tragen zu können ist der Wechsel auf ein zweiteiliges, weniger wuchtiges Band sinnvoll – es wäre natürlich schön gewesen, wenn Mühle standardmäßig ein solches Wechselband mit der Uhr ausliefern würde. Hier daher noch ein paar eher klassische Alternativen aus meiner Bänder-„Grabbelkiste“, die mir persönlich gut gefallen (keine original Mühle-Bänder!):

Test-Fazit zur Mühle-Glashütte Panova

Die Mühle-Glashütte Panova bietet grundsätzlich kein aufregend neues Design. Schlichte Uhren im Stile der Panova gibt es nicht grade wenige am Markt. Dennoch muss man sagen, dass die liebevollen Details wie beispielsweise die Indizes (Farbe, Kombination Strich- und Punkt-Indexe) und das tolle Sonnenschliff-Zifferblatt in dieser Kombination sehr gefällig sind. Die Spechthalsregulierung bietet außerdem aus technischer Sicht einen erwähnenswerten Mehrwert.

Die Verarbeitung ist (auch im Detail) Mühle-typisch erste Sahne. Das gilt insbesondere für das Zifferblatt sowie das Gehäuse, welches qualitativ zweifellos tiptop ist, gleichzeitig aber nicht die Mühle-typischen Finessen mitbringt, die man von anderen Modellen des Herstellers kennt.

Natürlich kann man sich über den Preis streiten: Eine schlichte Dreizeiger-Uhr für 1000€? Einerseits ist es verständlich, wenn man da schon zwei mal überlegt, ob es nicht auch ein optisch ähnliches Modell von einer Micro-Brand für weniger Geld tut. Der deutsche Wertschöpfungsanteil hält sich bei solchen Micro-Brands allerdings naturgemäß in aller Regel in Grenzen und ist keineswegs mit „Made in Glashütte“ vergleichbar (irgendwo muss der günstige Preis ja herkommen, oder?). Allerdings kann man die Frage auch anders stellen: Eine Uhr aus Glashütte für 1000€? Da sieht die Welt schon anders aus – hier kann Mühle mit der Konkurrenz problemlos mithalten (siehe Alternativen unten).

Hinzu kommt, dass Mühle-Glashütte ein sympathischer, familiengeführter und absolut unabhängiger Uhrenhersteller ist. Ich durfte den Geschäftsführer Thilo Mühle und einige Mühle-Mitarbeiter vor ein paar Jahren persönlich kennen lernen und war sehr angetan vom bodenständigen Auftreten des Traditionsunternehmens. So etwas in der Form findet man in der Konzern-geprägten Uhrenindustrie heute kaum noch vor (siehe Swatch-Gruppe, Richemont, LVMH etc.)…

Familie Glashütte Thilo Hans-Jürgen
Sympathischer Auftritt: Geschäftsführer Thilo Mühle mit seinem Sohnemann und Thilos Vater Hans-Jürgen Mühle (Jahr 2017).

Alternativen: Union Glashütte Viro Datum und Noramis / NOMOS Club Campus / Circula Klassik

Die Konkurrenz im beschaulichen Uhren-Cluster Glashütte schläft nicht: Mit den Modellen Viro Datum und Noramis hat Union Glashütte (Swatch Group) eine optisch schlichte und preislich ähnliche Alternative im Angebot. Die Listenpreise starten ab ca. 1100€, bei der Viro Datum fehlt aber meiner Meinung nach vielleicht etwas der „Pfiff“. Da wirkt die Noramis mit ihren applizierten Ziffern/Indizes, Sonnenschliff-Zifferblatt und stark gewölbtem Saphirglas schon deutlich aufwendiger verarbeitet und hochwertiger. Mehr über die Geschichte von Union Glashütte gibt’s in meinem Test des Modells Belisar GMT.

Auch der „Newcomer“ NOMOS (gegründet 1990) bietet mit dem Modell Club Campus einen vergleichsweise günstigen Einstieg in die Welt der Glashütte-Uhren. NOMOS bewirbt die Campus seit der Einführung recht aggressiv als „Uhr zum Abitur“ und bietet passenderweise kostenlose Gravuren an. Mit Preisen ab 1100€ ist man auch hier für eine Uhr aus Glashütte vergleichsweise günstig dabei. Die Mischung aus arabischen und römischen Ziffern ist allerdings ziemlich gewöhnungsbedürftig. Erwähnenswert ist auch, dass NOMOS grundsätzlich auf selbst entwickelte bzw. hauseigene Kaliber (Manufakturkaliber) setzt – das ist ein durchaus beachtliches Quasi-Alleinstellungsmerkmal, da die Produktion mechanischer Uhrwerke aus Deutschland seit Jahrzehnten so gut wie tot ist.

Wenn es nicht unbedingt Made in Glashütte sein muss, dem kann ich eine günstige Alternative aus Pforzheim wärmstens empfehlen: Cornelius Huber, der Enkel des Gründers des Uhren-Herstellers Circula, führt das 1955 gegründete Unternehmen in der dritten Generation und bietet mit der Circula Klassik Automatik eine Uhr mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis (Saphirglas, Miyota 9015 Automatikwerk, Sonnenschliff-Zifferblatt, 5 bar Wasserdichtigkeit, Saphirglas-Boden, ab 390€). Mit Preisen ab 890€ findet man im Modell Circula Heritage außerdem eine echte Besonderheit: Angetrieben werden die Uhren von original „New Old Stock“ Manufakturkalibern der Pforzheimer Uhren-Rohwerke aus den 70er Jahren (Automatik oder Handaufzug). Mehr über Circula gibt’s hier.

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei FacebookInstagramYouTubePinterest oder Twitter. Ooooooder

Du kannst auch im Facebook Messenger immer auf dem Laufenden über neue Beiträge auf meinem Blog chrononautix.com bleiben.

Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb weniger Minuten, freigeschaltet). Vielen Dank!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Gedanken zu “Der Kampf um’s Handgelenk: Mühle-Glashütte Panova Grau im Test”