100% Pforzheim Inside: Test der Circula Heritage mit original mechanischen P.U.W.-Werken

Vor einiger Zeit habe ich mich bereits mit dem wiederbelebten Pforzheimer Uhrenhersteller Circula 1955 beschäftigt – trotz der Tatsache, dass die erste Modellreihe „nur“ mit Quarz-Kalibern kam, gefiel mir der sympathische Auftritt und das Konzept von Circula. Die Pforzheimer brauchen dabei keine zusammengesponnene Geschichte fantasieren bzw. vorgaukeln (zum Beispiel von einem „britischen Gentleman, getroffen auf einer Weltreise“ – *Hust* Daniel Wellington *Hust*) – hinter dem Circula-Relaunch steckt tatsächlich der Enkel des Firmengründers Heinz Huber, sprich dessen Enkel Cornelius Huber. Und mit der nun 2019 herausgebrachten neuen Mechanik-Kollektion hat sich Cornelius etwas ausgedacht, was man als echtes Alleinstellungsmerkmal bezeichnen kann: Die Heritage-Modellreihe wird von original Werken (Automatik und Handaufzug) von der Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH (P.U.W.) angetrieben. Es handelt sich dabei um brandneue „100% Made in Germany“-Werke, die seit den 70ern ungenutzt im Lager schlummerten und von Circula zusammengebaut, geölt und feinreguliert wurden …

Eckdaten der Circula Heritage-Kollektion mit PUW-Kaliber:

Kooperation

Quo Vadis Circula? In die richtige Richtung!

In meinem Bericht über die Circula 50s Heritage Quarz-Uhr im Jahre 2018 bin ich bereits auf den Relaunch der Pforzheimer Uhrenmarke durch den Enkel des Gründers eingegangen. An dieser Stelle noch mal ein kurzer Abriss: Hinter Circula steckt die Familie Huber, die mit der Firma Huber & Co seit 1926 in Pforzheim einen Großhandel für Uhren und Schmuck betrieben hat und somit Teil der Erfolgsgeschichte der „Schmuck- und Goldstadt Pforzheim“ war. Selbst eine im zweiten Weltkrieg komplett zerstörte Stadt Pforzheim beendete nicht das Kapitel Huber & Co.: Firmengründer Heinz Huber baute das Familiengeschäft wieder auf, zehn Jahre später entschied er sich außerdem dazu seine eigenen Uhren herzustellen und zu vertreiben – Circula (benannt nach der Zirkulation der Unruh) war geboren.

Circula-Uhren aus den 50er Jahren

Nachdem es nun ein paar Jahrzehnte keine Circula-Uhren mehr aus Pforzheimer Produktion gab, ging Cornelius Huber, Enkel des Firmengründers Heinz Huber, mit einem sympatischen Konzept an den Start – eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne im Jahre 2018 war der Startschuss für den Relaunch des Traditionsunternehmen.

Zugegeben: Echte Uhren-Liebhaber locken die verbauten batteriebetriebenen Werke in Circulas erster Kollektion nur bedingt hinter dem Ofen hervor – Schweizer Herkunft (Ronda) hin oder her 😉 In meinem Fazit zur Circula 50s Heritage Quarz-Uhr habe ich geschrieben: „Meiner Meinung nach muss sich Circula mittelfristig für einen Weg entscheiden: Will man eher den Casual-Käufer ansprechen (d.h. in eine ähnliche Richtung gehen wie die „Daniel Wellingtons“ dieser Welt) oder will man auf besser informierte Kreise setzen, die neben der Markengeschichte auch Modelleigenschaften wie […] insbesondere ein Automatikwerk zu schätzen wissen?“

Cornelius Huber Circula
Klaus-Dieter Huber (rechts), Sohn des Firmengründers Heinz, und dessen Sohnemann Cornelius

Mein Wunsch wurde erhört. Und wie! Cornelius Huber bringt nicht einfach nur eine neue Kollektion mit 08/15 Mechanikwerken raus – er hat einen Bestand mechanischer Werke der Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH (PUW), konkret das PUW 561 Handaufzugswerk und das PUW 1661S Automatikwerk aus den 70ern in ungebrauchten Neuteilen erwerben können – es handelt sich anders gesagt um New Old Stock-Ware, kurz NOS, das heißt neue Ware aus altem Lagerbestand. Und genau diese Werke finden natürlich Einzug in Circulas neue Mechanik-Modellreihe…

Retro pur: Circula und die Kaliber PUW 561 und PUW 1661s der Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH

Eine kleine Geschichtsstunde zu P.U.W.

So gut wie alle gestandenen, heute noch tätigen deutschen Uhrenhersteller wie SINN, Mühle-Glashütte, Laco, Stowa, Junghans & Co. setzen auf bewährte Schweizer Kost aus dem Hause ETA oder Sellita und schalen diese „nur“ ein (mal mit mehr, mal mit weniger Modifikationen). Ausnahmen bestätigen die Regel: Insbesondere im sächsischen Glashütte purzeln noch mechanische Werke „Made in Germany“ aus der Produktion, zum Beispiel bei NOMOS Glashütte. Natürlich werden aber dort nicht mal ansatzweise die Produktionszahlen der Dauerbrenner ETA 2824, ETA Valjoux 7750, Sellita SW200 & Co. erreicht.

Kurzum: Mechanische Uhrwerke aus deutscher Produktion? Das war im Wesentlichen leider ein mal! War die deutsche Uhrwerksproduktion vor mehreren Jahrzehnten noch eine durchaus ernstzunehmende Konkurrenz für die Schweizer, so muss man heute leider festhalten, dass im Prinzip überhaupt nichts mehr übrig ist von diesem deutschen Industriezweig.

Das ist definitiv sehr schade, denn Werke aus deutscher Produktion konnten es durchaus mit den Schweizern aufnehmen – so zum Beispiel die als robust und zuverlässig geltenden mechanischen Kaliber von der Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH (kurz: PUW oder P.U.W.), einem der größten deutschen Uhrwerkehersteller – lang lang ist’s her!

Gegründet wurde P.U.W. bereits 1932 vom Uhrmachermeister Rudolf Wehner. Das Kaliber PUW 500 war das erste Kaliber aus der Goldstadt und der Startschuss für eine größere Unabhängigkeit von den Schweizer Herstellern.

PUW-Werbung 1966

Während des zweiten Weltkrieges wurde PUW – wie viele andere Betriebe – zwangsweise zum Rüstungsbetrieb umfunktioniert und musste primär Zeitzünder herstellen. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb bei einem alliierten Bombenangriff auf Pforzheim völlig zerstört – kein Stein blieb auf dem anderen. Rudolf Wehner baute die Produktion allen Widrigkeiten zum Trotz aber in den folgenden Jahren wieder auf – PUW wurde erfolgreicher denn je und avancierte zum größten Uhrenrohwerkehersteller in Nachkriegs-Deutschland. Im Jahre 1948 rief PUW-Gründer Rudolf Wehner außerdem zusätzlich die Uhrenfabrik „Porta“ ins Leben, welche Komplettuhren fertigte, die ausnahmslos von PUW-Werken angetrieben wurden. 1950 legte Wehner die beiden Betriebe, Porta und PUW, in Pforzheim zusammen.

Die Geschäfte liefen gut. Ende der 60er Jahre zählte PUW immerhin rund 600 Mitarbeiter und war bis in die späten 70er Jahre insbesondere Lieferant für fast alle Pforzheimer Uhrenhersteller – darunter auch Circula.

Im Jahre 1983 waren von den einst 600 Mitarbeitern allerdings nur noch 300 übrig. 1979 wurde die Produktion der Automatik- und Handaufzugskaliber aus Pforzheim gar komplett eingestellt, um sich auf die Herstellung von Quarz-Werken über die Tochterfirma Porta Mikromechanik AG zu konzentrieren. Der Grund: Die Produktion mechanischer Werke lohnte sich einfach nicht mehr, da insbesondere japanische Hersteller den Markt mit Abermillionen günstigen Quarzern fluteten und aus Sicht der deutschen und Schweizer Hersteller die sogenannte „Quarz-Krise“ auslösten. Für Porta-Geschäftsführer Klaus Wehner war es „das Ende einer Epoche“.

PUW-Werbung 1969 – die Automatikserie „Autorotor“ zählt zu den erfolgreichsten Uhrwerken aus dem Hause PUW

Wo die meisten deutschen (und auch Schweizer) Hersteller den Trend verpennt haben, hat Wehner mit der Quarz-Werke-Produktion bei Porta Mikromechanik AG einige Arbeitsplätze retten können. Immerhin 18.000 batteriebetriebene Rohwerke verließen 1983 täglich die Pforzheimer Produktion. Damit war PUW als einziger deutscher Produzent von Armbanduhrwerken übrig geblieben. Einer der prominentesten Kunden von Porta war übrigens der einstige Branchenführer Junghans. Trotzdem: gegenüber der übermächtig wirkenden Konkurrenz aus Fernost (Seiko, Casio, Citizen) wirkte die Unternehmung Wehners eher wie das Gallische Dorf im römischen Reich.

Es half am Ende alles nichts, die Verluste zwangen auch PUW einige Jahre später in die Knie: 1990 wurde der Pforzheimer Traditionshersteller von der Schweizer SMH (heute Swatch-Group) übernommen. Mittlerweile ist PUW sogar ganz verschwunden…

PUW-Werbung 1971

Circula trifft mechanische PUW-Kaliber: Das Handaufzugswerk P.U.W. 560 und das Automatikwerk P.U.W. 1661s

Die von Circula aufgekauften Lagerbestände des Handaufzugs-Kalibers PUW 560 und des Automatik-Kalibers PUW 1661S liegen seit der Quarz-Krise ungenutzt rum und wurden nie zusammengebaut, da PUW keine Verwendung mehr für die Teile hatte (wir erinnern uns: PUW-Gründer Wehner konzentrierte sich notgedrungen mit Porta auf Quarz-Werke). Daher vermachte PUW den Bestand einem Uhrmacher, der zu dieser Zeit als Kurator tausende Uhrwerke zahlreicher Fabriken einsammelte.

Die neuwertigen mechanischen Kaliber aus dem alten Lagerbestand wurden natürlich noch mal einzeln von Circula überholt: Die Einzelteile wurden von einem Uhrmacher…

Es handelt sich also quasi um neue Werke, die nie benutzt wurden und auch nie mit Öl verunreinigt gewesen sind.

Trotzdem war das Projekt ein echtes Geduldsspiel, wie Cornelius Huber zugibt: „Es war gar nicht so einfach einen Uhrmacher in Pforzheim zu finden, der solche Werke zusammenbauen kann. Die anderen Pforzheimer Hersteller schalen ja auch nur ein, bei mir fing es aber ja ein paar Schritte vorher mit dem Werkzusammenbau und der Regulierung an.“

Die PUW-Werke sind zu 100% in Deutschland gefertigt und nach meinen Recherchen vielleicht kein Wunderwerk der Technik, brauchen sich aber hinsichtlich Zuverlässigkeit und Robustheit keinesfalls hinter den namhaften Schweizer Werken wie dem ETA 2824 zu verstecken (welches bekanntermaßen ja ebenfalls aus den 70ern stammt).

PUW 1661s: In der finalen Version der Uhr wird die Brücke ebenfalls vergoldet sein.

Ich habe noch einen Experten um seine Meinung zu den PUW-Werken gebeten, den Uhrmachermeister und Blogger-Kollegen Uli Kriescher, bekannt aus der ZDF-Sendung kaputt und zugenäht. Uli hat viel Erfahrung mit PUW-Werken, da er während seiner Ausbildungszeit zum Uhrmacher in den 90er Jahren oft mit diesen gearbeitet hat. Damals waren die Werke noch weit verbreitet, zum Beispiel in Modellen von Dugena oder Zentra. Laut Uli sind die Werke der Pforzheimer Uhren-Rohrwerke GmbH gänzlich ohne „Schnickschnack“ und erreichen ordentliche Gangergebnisse – laut Circula-Angaben -10 bis +30 Sekunden pro Tag. De facto ist der mir vorliegende Prototyp mit +5 Sekunden pro Tag schon mal hervorragend einreguliert. Da hat der Uhrmacher in Pforzheim offenbar eine ruhige und geduldige Hand 😉

Circula hebt einen weiteren Vorteil der Werke heraus: Während moderne Klinkenräder nach fünf bis zehn Jahren verschlissen sind, hält der Wippenwechsler der verbauten PUW-Werke ein Leben lang.

Heutzutage kommen aber nur noch wenige Uhren mit PUW-Kaliber in Uli Krieschers Werkstatt. Er ergänzt: „Mein Uhrmacherlehrling hat im letzten Monat zwei Uhren mit PUW Kalibern wieder zum Laufen gebracht. Die Aufzugfedern bei beiden Uhrwerken waren defekt. Ich mußte bei der Bestellung der Aufzugfedern feststellen, dass die Ersatzteile für diese Uhrwerke rar und teuer geworden sind.“

Wegen eventueller Reparaturen, Ersatzteile oder einer irgendwann mal fälligen Revision muss man sich allerdings beim Kauf einer Circula-Uhr mit PUW-Kaliber – obwohl die PUW-Werke ja gar nicht mehr produziert werden – keine Gedanken machen: Auf Nachfrage bestätigte mir Cornelius, dass er mehr als genug Ersatzteile an Lager hat, um bei eventuell nötigen Reparaturen gewappnet zu sein. Auch nach dem Garantie- bzw. Gewährleistungszeitraum sind zum Beispiel kostengünstige Revisionen kein Problem: Der Circula-Uhrmacher, der die PUW-Werke zusammengebaut hat, hat bei der Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH seine Lehre gemacht – er kennt die Werke daher in- und auswendig und wird auch weiterhin den Service für Circula kostengünstig vornehmen.

Die Circula Heritage-Mechanikkollektion mit P.U.W.-Automatik- und Handaufzugwerk

Nachdem wir uns nun ausführlich das Innenleben der neuen Circula-Uhren angeschaut haben, darf natürlich auch das Äußere nicht fehlen. Das Design des Zifferblattes ist dabei klassisch-schlicht im Stil der ursprünglichen Circula-Modelle aus den 50er Jahren gehalten. Augenscheinlich sind insbesondere die plastischen, polierten Ziffern, die das Licht genial reflektieren…

Die Ziffern harmonieren außerdem sehr gut mit den schlichten Zeigern. Ein feiner Sonnenschliff rundet das unaufgeregte Erscheinungsbild des Zifferblattes ab. Auch der Farbton weiß zu gefallen – das Blau zeigt in Abhängigkeit der Lichtverhältnisse immer neue Nuancen.

Man beachte, dass das Zifferblatt-Design sich je nach Kaliber unterscheidet: Die Variante mit PUW-Handaufzugswerk kommt mit Strichindexen (außer auf „12“ und „6“ Uhr), die Variante mit Miyota 9015 kommt ausschließlich mit Strichindexen. Letztere Variante hat in der Zifferblattfarbe „weiß“ ein feines Waffelmuster.

Positiv hervorheben möchte ich auch die geniale Gehäuseverarbeitung: Die Satinierung ist perfekt, polierte Stellen und eine detailreiche, geprägte Krone (eine stilisierte Unruh im Sinne der Namensherkunft von Circula) runden das Gehäuse ab – toll!

Auf der Gehäuse-Unterseite befindet sich – neben Standard-Informationen wie beispielsweise „Made in Germany“ – auch die gravierte Seriennummer: Wegen der begrenzten Anzahl an P.U.W.-Kalibern gibt es von der Handaufzug- und der Automatikvariante jeweils nur 499 Stück.

Der (verschraubte) Gehäuseboden kommt mit einem Sichtfenster aus synthetischem, kratzunempfindlichen Saphirglas – das ist keine Selbstverständlichkeit, viele Hersteller verbauen an der Unterseite nur günstigeres Mineralglas.

Das Gehäuse ist bis 5 bar bzw. 50 Meter wasserdicht, weshalb die Uhr maximal unter der Dusche Wasserkontakt bekommen sollte (kein Schwimmen oder Tauchen erlaubt). Das ist für diesen Uhren-Typ aber durchaus üblich und daher kein Kritikpunkt.

Die Bänder der Circula Heritage werden in Deutschland hergestellt, das Leder kommt dabei aus einer Gerberei in der Nähe von Stuttgart. Qualitativ merkt man das dem Band absolut an – es ist weich, flexibel und riecht sehr natürlich. Das Schnellwechselsystem ist außerdem sehr praktisch, damit auch ein Wurstfinger-Spezi wie meine Wenigkeit das Band ohne Werkzeug, und damit kratzerfrei, tauschen kann.

Die Optik des Standardbandes ist mir allerdings einen Tick zu schlicht. Die optional von Circula angebotenen Bänder mit Kontrastnaht gefallen mir da schon deutlich besser, sind allerdings leider aufpreispflichtig.

Der Tragekomfort ist allemal sehr hoch – mit 41 mm ist die Automatik-Variante der Circula Heritage für einen schlichten Dresser vergleichsweise groß. Circula hat sich auf meine Nachfrage hin für diesen Durchmesser entschieden, um die Proportionen des Modells zu wahren, d.h. damit die Uhr nicht zu „pummelig“ wirkt. Denn: Das PUW-Automatikkaliber ist immerhin 5,6 mm hoch, weshalb die Bauhöhe der Automatik-Uhr mit 11,6 mm (technisch bedingt) auch etwas größer ausfällt als bei der Handaufzugs-Variante. Mir gefällt der sportliche Durchmesser, da ich mit meinem Handgelenkumfang von 19 cm in aller Regel sowieso keine Uhren unter 41 mm trage. Für Interessierte mit einem deutlich kleineren Handgelenkumfang empfehle ich aber den Blick auf die 39 mm große Handaufzugvariante mit PUW-Kaliber 561. Falls ihr euch unsicher seid, schaut doch auch mal in meinen Uhrengröße-Guide.

Fazit und Informationen zum Vorverkauf / günstige Circula-Alternative mit Miyota 9015

Ich hatte hin und wieder Kontakt mit Cornelius während der Entstehung der neuen Heritage-Modellreihe. Dabei habe ich definitiv gemerkt wie viel Herzblut und Aufwand er in das Projekt steckt, um die Familientradition fortführen zu können. Und vor allem glaubt er an seinen eingeschlagenen Kurs: Er hat einen ordentlichen Batzen seines Privatvermögens investiert, um die Circula-Uhren mit PUW-Kalibern zum Leben zu erwecken. Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit: Neue Uhrenmarken gehen in der Regel (auch für kleine Summen, um Folge-Kollektionen zu finanzieren) den Umweg über Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo. In diesem Sinne finde ich es toll, dass Cornelius kein unternehmerisches Risiko scheut und Cojones zeigt, indem er die zweite Circula-Modellreihe (Klassik und Heritage) ohne Crowdfunding abwickelt.

Auch der Preis (ab 790 Euro) ist für dieses Retro-Gesamtpaket absolut gerechtfertigt: Allein der Aufwand, um die NOS-Kaliber aus dem Hause PUW wieder zum Leben zu erwecken ist nicht ohne und deutlich höher als wenn nur ein ETA oder dergleichen eingeschalt wird (Sortieren, Reinigen, Zusammenbauen, Ölen und Regulieren!). Auch die sonstigen Eckdaten (gewölbtes, entspiegeltes Saphirglas, Saphirglasboden, plastische Indexe etc.) sowie die allgemein sehr hohe „Made in Germany“ Verarbeitungsqualität überzeugen. Kurzum: Wer eine schlichte Uhr bzw. einen Dresser mit einer authentischen Historie und einem 100% Made in Germany-Innenleben sucht, welches man nicht alle Tage findet, liegt mit der Circula Heritage goldrichtig.

Nur ein Kritikpunkt sei erlaubt: Das Design der neuen Circula Automatikuhren ist zweifellos gefällig und zeitlos, gleichzeitig aber auch nichts aufregend Neues. Hier hätte Circula zumindest ein wenig mehr Mut aufbringen können, um das Design noch etwas klarer von der Vielzahl an minimalstischen Bauhaus-Designs abzuheben. Außerdem hätte ich es gut gefunden, wenn Circula ein (stark gewölbtes) Hesalitglas als Option (anstelle des Saphirglases) anbieten würde – Retro-Fans würde das sicherlich das Herz erwärmen 😉

Übrigens: Für den kleineren Geldbeutel bietet Circula auch noch eine Variante mit Miyota 9015 Automatikwerk an, welches auf Augenhöhe mit dem ETA 2824 ist – für 390€ kann man mit der „Klassik“-Modellreihe definitiv nichts falsch machen.

Dennoch rate ich, trotz des höheren Preises, eher zu den Modellvarianten mit PUW-Kalibern: Circula hat mit den Pforzheimer Werken ein tolles Alleinstellungsmerkmal, nämlich Werke, welche man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt. Und die Uhren wird es auch nicht ewig geben: Wenn der Bestand der PUW-Werke aufgebraucht ist, ist erst mal Schicht im Schacht. Die Modelle der „Heritage“-Linie sind daher naturgemäß limitiert.

Tipp: Im Rahmen des Vorverkaufs erhalten die ersten 50 Bestellungen der Circula-Uhren mit PUW-Kaliber ab sofort 50€ Rabatt mit dem Code „PRESALE50“ (direkt auf circula-uhren.de). Die Auslieferung soll auf jeden Fall noch deutlich vor Weihnachten, im November 2019, erfolgen. Die Modelle der „Klassik“-Modelllinie (mit Miyota 9015) sind ab sofort erhältlich.

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