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Circula Uhren aus Pforzheim: Cornelius Huber im Interview

In meinem ersten Artikel über die neue Kollektion der Pforzheimer Uhrenmarke Circula habe ich mich umfangreich mit dem Alleinstellungsmerkmal der neuen Circula Heritage-Modelle beschäftigt: Original mechanische, 100% Made in Germany-Kaliber der Pforzheimer Uhren-Rohwerke (P.U.W.) aus den 70er Jahren, die Circula-Geschäftsführer Cornelius Huber im Neuzustand (!) ankaufen und verbauen konnte. Parallel zum Modell Heritage mit PUW-Kaliber hat Circula auch die günstigere Klassik Automatik-Serie mit Miyota 9015 eingeführt (Preispunkt: ab 390€). Cornelius Huber verrät in diesem Interview mehr über sein Konzept, die Hintergründe im Zusammenhang mit seiner Familie sowie über die größten Herausforderungen beim Wiederaufbau der Marke…

Circula-Klassik-Automatic
Circula Klassik Automatik

Warm-up: Über Cornelius Huber persönlich

Angenommen du hättest eine Zeitmaschine – in welches Jahr würdest du reisen und warum?

Na dann natürlich ins Jahr 1955, dem Gründungsjahr von Circula. Aber nicht nur deshalb, ich finde die Wirtschaftswunderzeit grundsätzlich sehr spannend. Die positive Aufbruchsstimmung, gepaart mit einer interessanten Mischung aus Tradition und Neuem, gefallen mir gut. Insbesondere auch das Design der Zeit hat es mir angetan und deshalb sind die Uhren von Circula auch daran angelehnt.

[Bilder: Alte Circula-Modelle der Familie Huber]

Wenn der Tag 48 Stunden statt 24 Stunden hätte – für was würdest du die zusätzliche Zeit nutzen?

Angenommen wir denken dann weiterhin in 12-Stundenabschnitten, würde ich die Zeit nutzen, um eine Uhr zu entwerfen, die deutlich ablesen lässt in welchem der vier 12-Stundenfächer wir uns befinden und dabei auch gut aussieht. Etwas in die Richtung eines Chronographen oder wie eine Mondphase. Und den Rest sicher mit meiner Familie und Freunden.

Angenommen du hast eine Teleporter-Maschine – wo stellst du diese auf und warum?

Ich denke in Amsterdam, damit meine Frau regelmäßiger Ihre Eltern sehen kann und unsere Kinder mehr Zeit mit Ihren niederländischen Großeltern verbringen können. Zum Uhrenbau und -Verkauf haben wir in Pforzheim und Umgebung alles was man braucht, von unseren mechanischen P.U.W. Werken bis hin zu spezialisierten Fotografen für Produktfotos. Da muss man nicht weit reisen.

Welchen Tag bzw. welche Uhrzeit wirst du nie vergessen?

Sicherlich meinen Hochzeitstag, an dem ich gleich zwei zukunftsweisende Entscheidungen getroffen habe. Meine Frau zu heiraten und Circula wiederzubeleben. Meine Eltern hatten mir an dem Tag die erste Circula von 1955 geschenkt, in die ich mich sofort verliebt habe. (Sehr viel) Später am Abend, habe ich beschlossen, so eine schöne Uhr wieder neu aufzulegen. 

Darf auch mal eine andere Uhrenmarke als die eigene ans Handgelenk? Falls ja, welche?

Klar, v.a. meine Junghans Flieger Chronograph Replika mit Valjoux 7760. Auch ein Geschenk meiner Eltern, dieses Mal zum Abitur. Als kleiner Junge war ich unzählige Male in Schramberg bei Junghans und während meine Eltern in Besprechungen waren, bin ich mit dem dortigen Paternoster hoch und runter gefahren. Einmal bin ich im Speicher ausgestiegen und habe auf einem Bild diese Uhr gesehen. Abends hatte ich meinem Vater begeistert davon erzählt. Über 10 Jahre später hat er mir die Uhr geschenkt, inklusive dem Bild vom Junghans-Speicher. Lustigerweise steht in der Beschreibung der Uhr: „Der Flieger-Chronograph im originalen, zeitlos-sportlichen Design von 1955“. Es kommt doch irgendwie alles auf dieses Jahr zurück.

Wenn du nicht grade Uhren verkaufst dann machst du …

Uhren entwerfen, über Uhren reden. Nein, im Ernst, ich liebe gutes Essen, mit den Kindern hinten drauf Radfahren und mich mit Freunden und Familie treffen und eine gute Zeit haben.

Circula-Uhren-Test-Erfahrungen
Circula Klassik Automatik blau

Über Circula und den Uhrenmarkt

Die Familie Huber ist seit fast 100 Jahren im Uhrengeschäft tätig. Nun hast du letztes Jahr deinen Job als  Berater in der Energiewirtschaft an den Nagel gehängt, um dich voll und ganz der Wiederbelebung der Uhrenmarke Circula zu widmen. Wie schwer fiel dir damals der Schritt vom Arbeitnehmer-Dasein in die Selbstständigkeit?

Cornelius Huber Circula
Klaus-Dieter Huber (rechts), Sohn des Firmengründers Heinz, und dessen Sohnemann Cornelius

Nach über acht Jahren im selben Beruf, war der Schritt einfach, im Nachhinein sicherlich auch ein Stück weit naiv. Allerdings würde ich es jederzeit wieder tun. Meine Begeisterung für Uhren ist doch deutlich größer als für Strom. Der Leistungsdruck war auch als Berater schon hoch, nur jetzt macht es mir z.B. viel weniger aus, auch am Wochenende zu „arbeiten“, da es wirklich Spaß macht.

Inwiefern unterstützt dich dein Vater, der bis Ende 2017 noch den traditionsreichen Pforzheimer Uhren-Großhandel Huber & Co geführt hat, beim Wiederaufbau der Marke? Kann er überhaupt seine Rente genießen oder wird er voll eingespannt? 😉

Haha, ja er macht sehr viel und interessanterweise auch fast alles mit dem Fahrrad. Wenn mal ein Teil fehlt radelt er los und holt es, dazu den Versand und am Wochenende stellt er sich ohne zu murren auf Messen. Natürlich profitiere ich auch von seinem Wissen und Netzwerk. Ohne ihn würde es nicht gehen. Ein großes Dankeschön!

[Bilder: Ersatzteile gefällig? – Huber & Co., Pforzheim]

Was war die größte Herausforderung beim Neuaufbau der Marke Circula?

Ich denke v.a. die fehlende Räderwerkbrücke beim P.U.W. 1661s Automatikwerk. Die hat mir zahlreiche schlaflose Nächte eingebracht. Aber jetzt ist das endlich gelöst, das Teil in der Produktion und im Januar kann die Auslieferung der Vorbestellungen beginnen. Die Handaufzug mit dem P.U.W. 561 ist ja jetzt schon verfügbar.

PUW 1661s in der Circula Heritage: In der finalen Version der Uhr wird die Brücke ebenfalls vergoldet sein.

In der ersten Circula-Modellreihe tickte noch ein Schweizer Ronda-Quarz-Werk. Preislich bewegte man sich im Bereich der Daniel Wellingtons dieser Welt. Die Quarz-Modelle sind mittlerweile im Abverkauf. Mit der neuen Circula-Kollektion setzt du nun auf deutlich höhere „Made in Germany“-Qualität und mechanische Manufakturkaliber aus alten Lagerbeständen (New Old Stock, NOS) der Pforzheimer Uhren Rohwerke (PUW). Warum der Kurswechsel?

Die Quarzuhren waren für mich quasi eine Testreihe, um mit wenig Risiko zu schauen wie die Marke und das Design angenommen werden. Nach dem das so erfolgreich gestartet ist, war klar, dass ich schnellstmöglich mechanische Uhren herstellen möchte, allein schon wegen meinem eigenen Faible und der Geschichte von Circula. Als ich den Kontakt zu den P.U.W. Werken bekommen habe, war das nur ein logischer Schritt. Ich denke, dass niemand anderes Uhrwerke bieten kann, die zu 100% in Deutschland hergestellt sind und das dann auch noch für unter 1000€ – ganz abzusehen davon, dass sich so der Kreis für uns als Pforzheimer Marke einzigartig schließt.

In der Heritage-Kollektion setzt du mit den PUW-Kalibern auf einen ziemlich unkonventiellen mechanischen Antrieb. Wie aufwendig war die Beschaffung und das „Zum Leben Erwecken“ der alten Lagerbestände?

Viel Arbeit: Die unsortierten PUW-Kisten, die Cornelius vorgefunden hat

Das war eine unglaubliche Arbeit. Zuerst jemanden finden, der die Werke zusammenbauen kann ohne Explosionszeichnung und dann ein Gehäuse dafür zu konstruieren, ohne technische Zeichnung und Maße. Da haben wir viel Zeit gebraucht und viel Geduld. Ich habe jetzt einen Uhrmacher, der bei P.U.W. gelernt hat. Das hilft ungemein. Als das gelöst war und die Teile bei uns angekommen sind, haben wir nach nächtelangem sortieren feststellen müssen, dass beim Automatikwerk die Räderwerkbrücke und beim Handaufzug die Winkelhebelfeder fehlte. Letzteres konnte ich noch in Pforzheim in ausreichender Stückzahl auftreiben, die Brücke müssen wir aufwändig nachproduzieren. Und aufwändig ist hier buchstäblich zu nehmen. Es sind drei Lagersteine, das Lager für den Sperrkegel und die Sperrklinkenfeder auf der Brücke montiert und das muss alles im Mikromillimeter Bereich passen. Dazu sind die Werkteile vergoldet und die Farbe gilt es genau zu treffen. Auf der positiven Seite muss man aber hervorheben, dass alle Teile neu sind, das heißt nie als Werk verbaut waren und daher nicht ein Krätzerchen oder Ölfleckchen haben. Sie scheinen blitzeblank und das nach fast 40 Jahren Lagerung.

Wie stellst du sicher, dass im Fall der Fälle auch der Service an den PUW-Kalibern gewährleistet ist? Schließlich gibt es den ursprünglichen Hersteller, die Pforzheimer Uhren Rohwerke (PUW), nicht mehr…

Wir halten 20% Ersatzteile zurück, damit wir den Service auf lange Zeit erfüllen können. Für mich stehen die P.U.W. für die Ewigkeit von mechanischen Uhrwerken und diesen Anspruch sollen sie natürlich auch erfüllen können. Zudem sind die Werke schon von Haus aus auf lange Laufzeiten ausgelegt. Während moderne Klinkenräder nach fünf bis zehn Jahren verschlissen sind, hält der Wippenwechsler hier ein Leben lang. Mit 21.600 Halbschwingungen gehören sie zu den klassischen Werken, was sich vor allem in langen Wartungsintervallen niederschlägt.

Circula-Uhrmacher @ Work

Ergänzend zur Heritage-Kollektion mit PUW-Kalibern, setzt du parallel in der günstigeren „Klassik Automatik“-Modellreihe auf das Miyota 9015 Automatikwerk. Warum hast du dich für dieses Werk entschieden?

Das Miyota 9015 ist mich eines der besten Werke überhaupt und die ideale Ergänzung zu den P.U.W. Werken. Als modernes Hochfrequenz-Werk mit 28.800 Halbschwingungen ist es sehr präzise, ermöglicht aber einen günstigeren Einstiegspreis bei gleichzeitig sehr hoher Verarbeitungsqualität.

[Bildergalerie der Circula Klassik Automatik: Zum Vergrößern bitte klicken /// Bilder der Circula Heritage mit PUW-Kaliber gibt’s hier]

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Wo siehst du Circula in 10 Jahren?

Pläne für die Zukunft gibt es reichlich, neue Modelle, neue Ideen. Vor allem ist es mir wichtig etwas Besonderes zu bieten, um sich von der Masse abzuheben und damit Liebhaber zu erreichen. Dafür habe ich ein paar Ideen, die ich in den nächsten Jahren nach und nach angehen werde. Aber es wird auch weiterhin Uhren im Einstiegssegment geben, als Brot und Butter-Geschäft quasi.

Im Preisumfeld von Circula tummeln sich viele Micro-Brands. Wöchentlich kommen neue dazu. Genauso schnell verschwinden viele aber auch wieder von der Bildfläche. Warum sollte sich ein Uhrenfreund grade für Circula entscheiden?

Genau aus dem oben genannten Grund. Circula wird auch in Zukunft etwas Besonderes bieten, womit sich nicht nur die Marke abheben kann, sondern auch der geneigte Uhrenfreund. Die P.U.W. sind limitiert. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass man bald jemanden mit noch einer trifft, v.a. da die Uhren in USA und Australien sehr beliebt sind.

Smartwatches: Ernstzunehmende Konkurrenz oder belebender Faktor im Uhrenmarkt?

Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umschaue, denke ich im ersten Moment Konkurrenz. Klar, die haben alle noch die ein oder andere mechanische Uhr, aber die Mehrheit für den täglichen Gebrauch eine Smartwatch. Der Unterschied ist, dass die Smartwatch eine funktionale Uhr ist und die mechanische eine emotionale. Daher mache ich mir wenig Sorgen, da wir immer auf der Suche nach emotionalen Elementen sind, die unser Leben bereichern. Heißt aber auch, dass die Smartwatch definitiv eine Daseinsberechtigung hat, zumindest in unserem jetzigen Gesellschaftsmodell, in dem Effizienz und Gesundheit eine große Rolle spielen.

Hat sich der Status der Uhr in den vergangenen Jahrzehnten nach deinem Empfinden verändert? 

Der Status der Uhr grundsätzlich denke ich nicht, aber die mechanische Uhr hat natürlich Höhen und Tiefen hinter sich. Im Moment sind wir in einem Hoch, da viele Menschen einen Ausgleich suchen zum digitalen Stress. Eine mechanische Uhr, v.a. eine Handaufzug kann dieses Bedürfnis wie kaum etwas anderes befriedigen. Das morgendliche Aufziehen der Uhr ist beruhigend und man fühlt förmlich die Mechanik darin, die sich drehenden Rädchen.

Warum gibt es auch in Zukunft noch mechanische Uhren?

Ich halte es da mit Jean-Claude Biver: Mechanische Uhren stehen für die Ewigkeit. Nicht umsonst werden sie vom Vater an den Sohn verschenkt. Sie sind Kultur und Tradition.

Vielen Dank für das Interview, Cornelius!

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