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Tudor hat es wieder getan: Erst die Tudor Black Bay GMT Pepsi, die 2018 für hitzige Diskussionen sorgte, weil Uhrenfreunde befürchteten, dass die Rolex-Tochter sich wieder zurück zum günstigen Abklatsch bzw. zur „Poor Man’s Rolex“ entwickelt. Nun, im Rahmen der digitalen Uhrenmesse Watches & Wonders 2021, biegen die Schweizer mit dem neuen Tudor Black Bay Chrono M79360N um die Ecke – und der hat unbestreitbar gewisse Ähnlichkeiten mit der Rolex Daytona, die für Normalsterbliche derzeit quasi nicht mal annähernd zum Listenpreis käuflich erwerbbar ist (Stichwort: überquellende Wartelisten). Kann das gut gehen? Schauen wir’s uns an…

Eckdaten des Tudor Black Bay Chrono (Ref. M79360N):

  • Durchmesser 41 mm
  • Gehäusehöhe 14,4 mm
  • Horn-zu-Horn 50 mm
  • Gewicht: 185 Gramm (am Stahlband)
  • Gehäuse aus Edelstahl, satiniert und poliert
  • Manufakturwerk Kaliber MT5813 (COSC) mit 70 Stunden Gangreserve, Revisions-Intervall 10 Jahre
  • Verschraubbare Drücker in Edelstahl
  • Lünette mit mattschwarz eloxiertem Aluminium-Inlay, Tachymeterskala, Indizes in Silber
  • Gewölbtes Saphirglas
  • Zifferblatt opalfarben mit schwarzen Totalisatoren, gewölbt
  • Vernietetes Armband in Edelstahl 316L mit poliertem und satiniertem Finish mit Sicherheitsfaltschließe
  • Wasserdichtigkeit 200 Meter / 20 bar (zum Tauchen geeignet
  • Fünfjährige, übertragbare Garantie ohne Registrierung oder vorgeschriebene regelmäßige Wartung
  • Preis: 4550€ am Leder-Unterlagenband oder Textilband, 4840€ am Stahlband

Auf den Spuren des Tudor Black Bay Chrono

Die Rolex Cosmograph Daytona ist der Inbegriff eines Nachfrage-Overkills im Bereich Uhren. Wartelisten bis zum Sankt-Nimmerleinstag. Graumarktpreise, die mittlerweile fast dem dreifachen des Listenpreises entsprechen. Das sorgt für Frust bei vielen Uhrenfreunden. Nur Gott weiß wie viele Daytonas wohl in den Schließfächern dieser Welt Staub ansetzen, da die Eigentümer im Sinne einer Wertanlage darauf hoffen, dass die Preise noch weiter explodieren (mehr dazu: Rolex als Wertanlage).

Die Wettbewerber reagieren natürlich auf sowas und wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben: Anfang 2021 legte die in Le Locle ansässige Uhrenmanufaktur Zenith den historisch spannenden Chronographen El Primero in einer Optik neu auf, die (sicherlich nicht ganz zufällig) verdächtig an die Rolex Daytona erinnert. Die Reaktionen der Uhrenfreunde gingen von „eine Daytona-Hommage für 10 mille!?“ bis hin zu „genial, endlich eine hochwertige Daytona-Alternative„. Auch ein kleiner „Off-Topic“-Blick nach Biel sei erlaubt: Bei Omega versucht man einen ähnlichen Nachfragesog nach dem Vorbild von Rolex zu erzeugen – durch künstliche Verknappung der Omega Speedmaster Professional Moonwatch mit dem Schaltradkaliber 321.

Und nun, im Rahmen der digitalen Messe Watches & Wonders 2021, biegt auch noch die Rolex-Tochter Tudor mit dem neuen Black Bay Chrono um die Ecke, der ebenfalls verdächtig an die Rolex Daytona erinnert. Nicht zufällig kam es auch schnell zur Wortneuschöpfung „Baytona“, eine Kreuzung von „Black Bay“ und „Daytona“.

In Verbindung mit der ebenfalls 2021 auf den Weg gebrachten Ergänzung der Daytona-Reihe um ziemlich gewöhnungsdürftige Meteorite-Zifferblätter in Kombination mit Bling-Bling-Massivgoldgehäusen (ab rund 32.000€ Listenpreis und damit kurioserweise in etwas so teuer wie die Stahl-Daytona bei den bekannten Online-Uhren(Grau-)händlern) signalisiert Rolex indirekt: Die Daytona könnt ihr euch abschminken, wenn ihr nicht genug Knete für die Graumarktpreise oder die Massivgold-Varianten aufbringen könnt. Kauft lieber gleich bei Tudor und seid gefälligst dankbar, dass wir euch wenigstens bei der Tochter eine hochwertige Alternative hinstellen.

Unter dem Motto „man kann’s ja mal probieren“ tauchten die ersten neuen Tudor Black Bay Chrono-Modelle nur wenige Tage nach der Messeankündigung am 7. April 2021 auf Plattformen wie Chrono24 oder eBay auf – natürlich mit saftigen Aufschlägen von bis zu 100%. Im Vergleich zu den fast 200% Graumarktaufschlägen auf die Rolex Daytona klingt das fast wie ein Schnapper – es ist aber dringend davon abzuraten (mehr dazu im Fazit).

Dieses Beispiel zeigt aber, dass Tudor über die letzten Jahre einen großen Schritt aus dem langen Schatten des Mutterhauses Rolex gemacht hat (und ja, dabei hat der unfassbare Erfolg von Rolex natürlich einen signifikanten Beitrag geleistet). Seit einigen Jahren gibt es für Tudor scheinbar nur noch eine Marschrichtung: bergauf im Schweinsgalopp. Das Zugpferd der Rolex-Tochter ist dabei ganz klar die 2013 lancierte Tudor Black Bay-Reihe.

Tudor Oysterdate Chronograph

Tudor baut nicht erst seit gestern Chronographen – so kam Tudors erstes Modells im Jahre 1970 in Form des Oysterdate Chronographen mit Valjoux-Kaliber 7734 auf den Markt – mit einigen eigenständigen Design-Ideen im Gepäck.

Mit der Tudor Prince Oysterdate Big Block im Jahre 1976 wurde das Chrono-Design wieder deutlich ruhiger und weniger poppig. Insbesondere…

  • die dritte Chronographen-Serie, die 1989 auf den Markt gebrachte Tudor Prince Oysterdate „Big Block“ mit der Referenz 79160,
  • die 1995 lancierte Prince Oysterdate 79280 und
  • die 2000 auf den Markt gebrachte Tudor Prince Date 79260

… kommen dem im Jahre 2021 neu aufgelegten Black Bay Chrono schon recht nah, vor allem mit Blick auf das (Reverse) Panda-Design (dazu gleich noch ein paar Worte). Dem könnte man nun natürlich spitzzüngig entgegnen, dass die Tudor Prince (Oyster)Date Chronographen schon damals nur eine Hommage der Daytona (zum Beispiel Ref. 6263) waren – und das natürlich nicht rein zufällig, denn Rolex-Gründer Hans Wilsdorf hatte mit Tudor ursprünglich eigentlich nie viel mehr im Sinn als eine günstige Alternative zu Rolex anzubieten und so zusätzliche Kundenkreise zu erschließen…

Tudor Black Bay Chrono 2021 (M79360N)

Der neue Tudor Black Bay Chrono bewegt sich zweifellos im Dunstkreis der Tudor Prince Oysterdate oder eben früheren Rolex Daytona-Modellen wie der Referenz 6263, von Rolex-Fans auch „Big Red“ genannt aufgrund des DAYTONA-Schriftzuges, der sich um den unteren Totalisator schlängelt. Irre: Ende 2020 erzielte eine Daytona 6263, die Schauspiel-Legende Paul Newman Jahre 1983 zum 25. Hochzeitstag von seiner Frau Joanne Woodward geschenkt bekam, knapp 5,5 Millionen US-Dollar beim Auktionshaus Phillips.

Allzu viel hat sich gegenüber dem Vorgänger-Modell des Black Bay Chronos, der erstmalig im Rahmen der Baselworld 2017 eingeführt wurde (Ref. 79350), eigentlich nicht getan: Anstelle einer Lünette aus Vollstahl verbaut Tudor nun fortan eine Lünette mit schwarzem Inlay aus mattem, eloxiertem Aluminium. Außerdem gibt’s anstelle eines komplett schwarzen Zifferblattes weiße Totalisatoren auf schwarzem Zifferblatt. Das war’s auch schon im Wesentlichen – danke für’s Lesen dieses Reviews!

Spaß beiseite, ein paar weitere Zeilen sollen es natürlich schon noch werden. Nun, die größte „Neuheit“ am Tudor Black Bay Chrono ist sicherlich die Variante mit schwarzen Totalisatoren auf weißem Zifferblatt. Man spricht hier auch vom Panda-Zifferblatt, da die beiden im sogenannten Bicompax-Design angeordneten Totis (45 Minuten-Zähler rechts, Sekundenzähler links) an die gleichnamigen knuffigen Bärchen erinnern, die schwarze Flecken um ihre Augen haben. Umgekehrt spricht man bei Uhren (wie bei der zweiten Black Bay Chrono-Variante mit schwarzem Zifferblatt und weiß abgesetzten Totalisatoren) von „Reverse Panda“. Tudor spricht übrigens nicht von der Farbe weiß, sondern von „opalfarben“ – und tatsächlich wirkt das Zifferblatt bei bestimmtem Lichteinfall leicht cremefarben und einen Hauch metallisch.

Das Zifferblatt des Tudor Black Bay Chronos ist zum Rand hin gewölbt, was in Kombination mit dem stark gewölbten Saphirglas für eine feine Retro-Optik sorgt. Die gedruckte Minuterie ist vergleichsweise weit nach innen versetzt – das wirkt auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, soll aber vermutlich dafür sorgen, dass das gewölbte Saphirglas nicht die Ablesbarkeit durch Verzerrungen beeinträchtigt.

Der Stundenzeiger kommt im sogenannten Snowflake-Stil, um die Ablesbarkeit durch eine klare optische Abgrenzung zum Minutenzeiger zu erhöhen. Der Snowflake-Zeiger ist ein typisches Design- und Erkennungs-Merkmal von Tudor seit der Tudor Submariner 7016 bzw. 7021 aus dem Jahre 1968 und eine willkommene Abwechslung zum omnipräsenten Mercedes-Zeiger. Die Stundenindizes sind appliziert und poliert und ergänzen die polierten Zeiger ganz vorzüglich. Das Zifferblatt wirkt in der Summe stimmig aufgebaut und sehr hochwertig – wenn ich einen Wunsch frei hätte würde ich mir nur noch ein appliziertes bzw. metallisches Tudor-Logo (das Wappenschild) wünschen (so wie bei der Tudor Oysterprince).

Wie bereits erwähnt ist das Lünetten-Inlay, auf dem die Chronographen-typische Tachymeter-Skala verewigt ist, aus mattschwarz eloxiertem Aluminium, das naturgemäß deutlich anfälliger für Kratzer ist als Keramik. Man könnte nun natürlich damit argumentieren, dass Tudor eher in der Retro-Ecke platziert ist (dafür spricht auch das stark gewölbte Saphirglas und das gewölbte Zifferblatt) und da passen Alu-Lünetten optisch grundsätzlich besser. Und ja, im Vergleich wirken die auf Hochglanz polierten Keramik-Lünetten des Mutterhauses Rolex (Cerachrom) deutlich moderner. Und man kann auch keineswegs abstreiten, dass die Alu-Lünette des Tudor Black Bay Chronos optisch mehr als gelungen ist und überaus hochwertig aussieht – auch dank der mit Silber hinterlegten und fein glänzenden Ziffern und Indizes.

Im Jahre 2021 ist es trotzdem nicht wirklich nachvollziehbar, warum Tudor nicht auf Keramik setzt, denn Keramik in Verbindung mit einer matten Oberflächenbearbeitung hätte den Retro-Charakter des neuen Black Bay Chronos (fast) genauso gut unterstrichen. Offenbar will das Mutterhaus Rolex einen gewissen Respektabstand zur Daytona belassen, um die (theoretischen!) Kannibalisierungseffekte innerhalb des eigenen Konzerns nicht noch weiter zu befeuern (was eigentlich völlig absurd ist mit Blick auf die Quasi-Nichtverfügbarkeit der Daytona, siehe oben).

Im Vorstellungsvideo auf der Watches & Wonders 2021 hebt Tudor insbesondere die neue, flachere Bauhöhe des Gehäuses hervor. Einerseits ist es natürlich gut, dass Tudor erkannt hat, dass Uhren ab einer gewissen Bauhöhe irgendwie pummelig aussehen und auch der Tragekomfort leiden kann, indem die Uhr dazu neigt zur Seite zu purzeln (wie bei der Tudor Black Bay GMT). So darf man darauf hoffen, dass Tudor auch die Black Bay Heritage-Taucheruhren bei einer Neuauflage verschlankt (am besten mit dem flachen Kaliber der Black Bay 58 Reihe – man wird ja wohl noch hoffen dürfen 😉 ). Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass die Verschlankung von 14,9 auf 14,4 mm, sprich um grade mal einen halben Millimeter, zwar nett und sinnvoll, aber ganz sicher kein weltbewegender Quantensprung ist.

Die Verarbeitung des Gehäuses ist – wie man es von Tudor im Allgemeinen und der Black Bay-Reihe im Speziellen kennt – auf Top-Niveau. Man merkt hier definitiv die Gene der Mutter. Insbesondere die Satinierung ist überaus gelungen. Eine polierte Fase sorgt für eine kleine optische Finesse, die Flanken sind auf Hochglanz poliert.

Der Tragekomfort des Black Bay Chronos ist in Ordnung, wenngleich das Gewicht mit 185 Gramm am Stahlband nicht ganz ohne ist. Man hat das Gefühl einen richtig massiven Klotz Stahl in der Hand zu halten. Alles in allem wirkt das Modell meiner Meinung nach merkbar größer am Handgelenk als es die 41 mm Durchmesser vermuten lassen, was nicht nur an der Gehäusehöhe, sondern auch am Horn-zu-Horn-Maß von immerhin knapp 50 mm liegt. Die massive Bauweise des Black Bay Chronos wird von sehr guten 20 bar Wasserdichtigkeit untermauert – sogar Gerätetauchen ist mit dem Tudor Black Bay Chrono möglich.

Die Bandglieder sind sauber aufeinander abgestimmt und verschraubt, wodurch selbst unerfahrene Uhrenfreunde mit einem passenden Schraubendreher eine Kürzung des Bandes hinbekommen sollten (siehe auch mein Tutorial zum Kürzen eines Uhrenarmbandes). Die gebetsmühlenartige Kritik verschiedener Uhrenfreunde an den vernieteten Bandgliedern kann ich nicht wirklich nachvollziehen – grade das sorgt doch für eine willkommene Abwechslung vom Oysterband-Einheitsbrei und ist wirklich sehr dezent umgesetzt.

Die Schließe ist die altbekannte, die man auch von der Black Bay Heritage und der Black Bay 58 kennt. Leider bringt die Schließe nur eine dreistufige Feineinstellung mit, eine werkzeugfreie Feinjustierung fehlt komplett. In Verbindung mit der Tatsache, dass Tudor nach wie vor keine halben Bandglieder anbietet, kann es schon mal etwas tricky sein die exakt passende Einstellung für das eigene Handgelenk zu finden.

In Tudor-Chronographen tickte früher ein Kaliber auf Basis des B01 vom Schweizer Wettbewerber Breitling (MT5813). Im Gegenzug lieferte Tudor das hauseigene Automatikkaliber MT5612 nach Grenchen, das man von der Black Bay Heritage Taucheruhren-Serie kennt. Tudor ist mit dem Schweizer Wettbewerber offenbar ins Bett gestiegen, um sich vor allem eine Portion Zeit zu erkaufen bis das hauseigene Manufakturkaliber mit Chronographen-Komplikation in den Startlöchern stand.

Die Entwicklung war sicherlich keine schlechte Idee: Das MT5813, das nun im Black Bay Chrono tickt, kommt mit einem Chronometer-Zertifikat von der Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (und damit einhergehender, sehr guter Ganggenauigkeit von -4 bis +6 Sekunden pro Tag), amagnetischer Silizium-Unruhspiralfeder und ordentlichen 70 Stunden Gangreserve (ETA 7750 = ca. 44 Stunden). Die größte Besonderheit ist aber der nicht alltäglich anzutreffende Säulenrad-Mechanismus (auch Schaltrad genannt), der deutlich aufwendiger in der Herstellung ist als die Kulissensteuerung in heute gängigen Chronographenkalibern wie dem ETA 7750. Das Säulenrad macht sich beispielsweise positiv beim satten Betätigen der Chronographen-Drücker bemerkbar. Hellhörig werden darf man auch beim empfohlenen Serviceintervall: Laut Tudor ist eine Revision erst nach frühestens 10 Jahren fällig (genau wie bei Rolex). Da kann man nicht meckern! Zum Vergleich: Breitling empfiehlt eine umfangreiche Revision alle vier bis sechs Jahre, Omega alle fünf bis acht Jahre.

Streng genommen kommt das Kaliber MT5813 übrigens von der Tudor-Tochter Kenissi. Die (noch) in Genf ansässige Kenissi SA ist der industrielle Arm von Tudor, mit dem man offenbar einen Gegenpol zu den allmächtigen Kaliber-Lieferanten ETA und Sellita aufbauen will – dafür sprechen die Kooperationen mit Fortis, Norqain, Chanel, Cartier und Breitling, die dafür sorgen sollen, dass die Produktion möglichst schnell hochgefahren werden kann (und nein, das hat nicht mehr viel mit der romantischen Vorstellung von einem Uhrmacher zu tun, der jedes Werk „von Hand schnitzt“ 😉 ). Wie die Mutter, so die Tochter: Tudor versteckt das MT5813 hinter einem unspektakulären Stahlboden – das ist schade, denn das Kaliber ist alles andere als hässlich…

Kaliber MT5813 – das Schaltrad blitzt hier im Bild unten rechts hinter dem skelettierten Rotor hervor

Fazit zum Tudor Black Bay Chrono Panda

Was ich schon bei der Tudor Black Bay GMT kritisch angemerkt habe, kann ich an dieser Stelle nur wiederholen: „Born to Dare“, der Claim von Tudor, ist nicht unbedingt das, wofür der Tudor Black Bay Chrono steht. Wirklich nicht. Auf der anderen Seite kann man Tudor grundsätzlich eine gewisse Experimentierfreudigkeit nicht absprechen – das zeigen Beispiele wie die Tudor Black Pay P01 (die aber nicht wirklich ein Verkaufsrenner ist) oder die neue Black Bay 58 Taupe im Silber-Gehäuse.

So oder so: Am Ende des Tages bringt der Tudor Black Bay Chrono aus meiner Sicht genug eigenständige Designmerkmale und Retro-Charme mit, um eine Daseinsberechtigung in friedlicher Koexistenz mit der deutlich moderner wirkenden Rolex Daytona zu haben. Qualitativ gibt’s ohnehin nichts zu meckern: der Tudor Black Bay Chrono ist (mit wenigen Abstrichen) eine ziemlich geniale Uhr mit tollem Manufakturkaliber, für die es in ihrer Preisklasse aktuell nicht allzu viele Alternativen gibt.

Nur eines sollte man nicht tun, das zeigt einfach die allgemeine Erfahrung: Den Tudor Black Bay Chrono als „Lückenbüßer“ kaufen, weil man vom Rolex-Konzi bei der Frage nach einem Wartelistenplatz für die Rolex Daytona mit schallendem Gelächter wieder hinausbegleitet wurde. Denn dann wird man mit der Tudor wahrscheinlich eher nicht glücklich…

Neben der Variante am Stahlband bietet Tudor auch ein Textilband und – in Anlehnung an die Paul Newman Daytona – ein Lederband samt Leder-Unterlage an. Die Listenpreise liegen bei 4550€ bzw. 4840€ (am Stahlband). Außerdem sei gesagt, dass ich von den überhöhten Preisen, die derzeit bei eBay Kleinanzeigen, Chrono24 & Co. aufgerufen werden, nur dringend abraten kann…

Bild: Tudor

Alternativen

Die erste nennenswerte Alternative kommt vom einstigen Tudor-Kooperationspartner Breitling: der Premier B01 Chronograph 42 mit der Referenz AB0118221G1P1 kommt ebenfalls in Panda-Bicompax-Optik und mit einem Manufakturkaliber, dem Breitling B01 (ebenfalls mit Schaltrad). Der Preis ist mit 7850€ ziemlich knackig, wie bei Breitling üblich gibt’s aber nette Rabatte auf den Listenpreis: die „Straßenpreise“ bei Uhren-Online-Shops liegen entsprechend bei knapp unter 6000€.

Eine nennenswerte Alternative ist auch die TAG Heuer Autavia Heritage mit dem Manufakturkaliber Heuer 02 (Ref. CBE2110), 42 mm Durchmesser, „Reverse Panda“-Design und ebenfalls sehr viel Retro-Charme. Der Listenpreis beträgt 5100€. Am Lederband ist das Modell für gut 4000€ zu bekommen. Schade: Die Panda-„Jack Heuer“-Variante ist leider nur limitiert und ausverkauft bzw. nur noch gebraucht erhältlich.

Eine deutlich günstigere Alternative kommt in Form des Hamilton Intra-Matic Auto Chrono H38416711, eine Neuauflage des Hamilton Chronograph A aus dem Jahre 1968. Der Bicompax-Chrono im Panda-Design kommt mit dem Automatikkaliber H-31 (Basis: ETA Valjoux 7753, gepimpt auf 60 Stunden Gangreserve), schlanken 40 mm Durchmesser, 10 bar Wasserdichtigkeit und Saphirglas. Preispunkt: 2045€ („Straßenpreise“ bei rund 1800€).

Wer’s noch etwas günstiger haben möchte, der darf in Richtung Augsburger, auf die auf Hommagen spezialisierte Uhrenmarke Steinhart schielen: Der Steinhart Ocean One Vintage Chronograph mit ETA 2824-2 und einem Chrono-Modul von Dubois Dépraz sowie gewölbtem Saphirglas ist eine glasklare Paul Newman-Daytona Hommage und mit 980€ sehr fair bepreist.

Steinhart-Ocean-One-Vintage-Chronograph-Paul-Newman-Daytona-Hommage

Zu guter Letzt sei noch eine Alternative für den sehr kleinen Geldbeutel genannt: Der Gigandet Race King Quarz-Chronograph für knapp 200€ mit 5 bar Wasserdichtigkeit, Mineralglas und 40,3 mm Durchmesser…

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Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb kurzer Zeit, geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Armin

    Hallo!

    Einen Type gibt es, da ist von einer Black Pay P01 die Rede 😉

    LG

  2. Alex

    Informativer Artikel, aber ein krasser Fehler: Nix Tochter/Mutter hier! Rolex und Tudor sind beides Marken der Hans Wilsdorf-Stiftung. Also wäre richtigerweise von Schwestern die Rede. Auch nicht ganz korrekt: Panda bzw. Reverse-Panda werden nur die Ziffernblätter mit *drei* Totalisatoren bezeichnet, also Augen und Schnauze des possierlichen Tierchens. Im vorliegenden Fall haben wir zwei Totalisatoren, was gelegentlich als „Big Eye“ Design bezeichnet wird.

    1. Mario

      Hi Alex,
      danke für deinen Kommentar. Hinsichtlich Tochter/Mutter muss ich aber widersprechen:
      Die Montres Tudor SA ist der Rolex Holding SA zugeordnet und damit als Tochter anzusehen. Über der Rolex Holding SA steht wiederum die Fondation Hans Wilsdorf.
      Viele Grüße
      Mario

  3. Carsten

    Um die Alternativen noch nach unten abzurunden, sei auf die „Pagani Design bzw. Bersigar verwiesen. Sie bietet für unter 100,-€:
    – Keramiklünette
    – Saphirglas
    – Seiko VK63 Werk
    – Verschraubte Bandglieder
    – Massive Bandanstöße
    Ich sammle Uhren von 100,- bis fünfstellig und kann aus vergleichen sagen, daß es eine wirklich gute Uhr ist, außer man hast Hommagen grundsätzlich 🙂

  4. Motzi

    Morgen, den Panda habe ich mir bestellt, dieses cremefarbene Retroziffernblatt ist echt toll. Finde die Anlehnung an die Daytona gar nicht verwerflich, die Eigenständigkeit durch nur 2 Hilfsziffernblätter bleibt gewahrt. Und nur Tudor darf wirklich der Mutti ähneln, ohne als Abklatsch zu gelten.
    Die Speedy hat sich erledigt, nach dem neuerlichen Preisrausch, 6000€ für die Hesalithglasvariante, die spinnen wohl. Und Zumindest bei mir gilt Tudor nicht als Lückenbüßer, eher als Understatement und Begeisterung für deren Uhren.

  5. Werner

    Moin Mario, wie immer ein toll recherchierter Artikel mit super Fotos zu einet schönen Tudor. Wer Panda mag und auch auf Schaltrad mit Schwanenhals-Regulierung nicht verzichten möchte wird aktuell bei Bartels Watches fündig. Es gibt hier neu die RED STAR SEA-GULL 1963 CHRONOGRAPH REISSUE in 40 mm natürlich mit Habdaufzug und Glasboden. Du hattest sie ja mal in ähnlicher Form im Test, ich habe die klassische Variante und bin echt zufrieden, für den Preis von unter 250 € bekommt man niergens mehr, über die Kalkulation sollte man besser nicht nachdenken. LG Werner

    1. Mario

      Danke für die Ergänzung, Werner!

  6. Thore

    Servus Mario,
    danke für deinen umfangreichen Bericht und die wieder einmal tollen Bilder. 🙂
    Über 12 Jahre hab ich einen Mido All Dial Chronometer (komplett in Weiß und am Stahlband) mein Eigen genannt. Lag leider meistens in der Box, weil es ein Impulskauf war und der Funke nicht mehr überspringen wollte. Letztendlich ist er gegangen.
    Bei der „Baytona“ (schönes Wortspiel) muss ich jetzt allerdings aufpassen, die könnte mir auch längerfristig gefallen. Mal schauen, wie sich die Warteliste und die Preise hier entwickelt. Bei der BB GMT hatte mir der Konzi Ende 2018 erklärt, dass er bis auf weiteres keine mehr hat. Gebraucht und beim „Grauen“ lagen die Preise damals auch deutlich über „normal null“.

    Viele Grüße in den Sonntag Abend
    Thore

    1. Mario

      Ersten Meldungen zufolge beträgt die Wartezeit 1 Jahr +. Schon krass…

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