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Uhrenarmband kürzen – Anleitung für gestiftete und verschraubte Metallarmbänder

Die gute Nachricht vorweg: Das eigenständige Kürzen eines Uhrenarmbandes aus Metall ist keine Raketenwissenschaft. Die schlechte Nachricht ist: Ganz ohne Uhrmacherwerkzeug und ein Mindestmaß an Geschick funktioniert das nicht 😉 Denn: Die Glieder von Metallarmbändern sind typischerweise mit Stiften oder mit Schrauben gesichert, in bestimmten Fällen auch mit einer Kombination aus Schrauben und Hülsen. So oder so benötigt ihr Werkzeug wie beispielsweise Schraubendreher, Uhrmacherhammer oder Stiftaustreiber. Damit das Kürzen des Uhrenarmbandes gelingt, habe ich in diesem Artikel eine detaillierte Anleitung mit vielen Bildern für euch vorbereitet…

Uhrenarmband kürzen – Anleitung für gestiftete und verschraubte Metallarmbänder – bevor es losgeht!

Wie Eingangs beschrieben, braucht ihr zum Kürzen von Uhrenarmbändern diverse Werkzeuge, die man in aller Regel auch als Set kaufen kann (Empfehlungen hierzu am Ende des Artikels):

  • Bandhalteklotz aus Kunststoff (zum Fixieren des Metallbandes, damit es nicht verrutscht)
  • Uhrmacherhammer mit einer Metallseite und einer Kunststoffseite (zum Herausklopfen der Stifte)
  • Stiftaustreiber bzw. Stiftausschläger aus Edelstahl in verschiedenen Durchmessern (um die Kraft vom Hammer auf den Stift, der die Bandglieder zusammenhält, zu übertragen)
  • Eine weiche Unterlage (z.B. ein Geschirrtuch, damit Uhr und Band stabil liegen und nicht zerkratzen. Gleichzeitig verhindert die Unterlage, dass entfernte Schrauben, Stifte, Hülsen und dergleichen in alle Richtungen wegrollen).
  • eine kleine Zange (zum Herausziehen der Stifte)
  • ggf. Schraubendreher (nur für verschraubte Metallarmbänder)

Und so sieht das ganze Zeugs aus 😉

Bevor ihr hoch motiviert loslegt noch ein Hinweis: Wenn diese zwei Dinge zusammenkommen, solltet ihr dringend die Finger davon lassen, das Uhrenarmband selbst zu kürzen: Ungeschicklichkeit und eine teure Uhr. 😉 Ich habe beispielsweise mal eine gebrauchte Breitling SuperOcean Taucheruhr gekauft, bei der die Versuche des Vorbesitzers das Metallarmband zu kürzen offenbar gründlich in die Hose gegangen sind: Die Schrauben der verschraubten Bandglieder waren fast komplett „rundgelutscht“, das Band am Rand ordentlich verkratzt. Autsch! Wenn ihr euch also unsicher seid, solltet ihr euch erst mal an einer günstigen Uhr versuchen. Im Zweifelsfall solltet ihr aber natürlich immer zum Juwelier eures Vertrauens gehen…

Uhrenarmband kürzen – Anleitung für gestiftete Metallarmbänder / Pfeile markieren die Schlagrichtung

Nun kann es auch schon losgehen: Legt zunächst die Uhr um das Handgelenk und schätzt grob ab wie viele Bandglieder überhaupt entfernt werden müssen – so kann man sich ggf. eine Menge Zeit sparen, da man beispielsweise direkt zwei Glieder auf einmal entfernen kann.

Prüft vor dem Einspannen des Bandes in den Bandhalteklotz zunächst die Schlagrichtung, d.h. die Richtung, in die die Stifte ausgedrückt werden müssen – diese wird in aller Regel durch Pfeile markiert:

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Spannt nun das Metallband einfach so in den Bandhalteklotz, dass es fest sitzt – der Bandhalteklotz ist so aufgebaut, dass er die verschiedenen Dicken von Metallbändern aufnehmen kann, ohne dass das Metallarmband verrutscht.

Nun setzt den Stiftaustreiber vorsichtig am Loch des zu entfernenden Bandgliedes an – wichtig: Prüft vorher welcher Stiftaustreiber-Durchmesser am besten passt. Denn: Metallarmbänder, die mit Stiften gesichert sind, haben – je nach Hersteller – unterschiedlich große Löcher.

Nun klopft vorsichtig mit dem Uhrmacherhammer auf den Stiftaustreiber, um die Kraft zu übertragen. Ich würde immer mit der weichen Kunststoffseite starten, damit, falls ihr abrutscht, keine Kratzer entstehen. Mit der Metall-Seite des Hammers kann man aber (falls nötig) etwas mehr Kraft aufbauen.

Stiftaustreiber in verschiedenen Durchmessern – am besten probiert legt man den Stiftaustreiber kurz an das Loch im Glied an, um zu prüfen, ob der Durchmesser passt

Bitte beachtet, dass man die Stifte nie komplett raushämmern braucht – es reicht, wenn der Stift an der gegenüberliegenden Seite so weit „hinausguckt“, dass er mit einer kleinen Zange herausgezogen werden kann.

Tada!

Merke: Man sollte das Uhrenarmband immer gleichmäßig links und recht von der Schließe kürzen, damit die Schließe beim Tragen der Uhr nicht seitlich am Handgelenk „rumhängt“ 😉 Oder mit anderen Worten: Nach getaner Arbeit sollte an jeder Seite der Schließe dieselbe Anzahl an Bandgliedern vorhanden sein.

Nun kann man die Bandglieder wieder zusammenfügen – hierzu stabilisiert ihr das Band optimalerweise im Bandhalteklotz. Wichtig sind hier zwei Dinge: Zum einen müsst ihr nun entgegen der Pfeil-Richtung arbeiten (siehe Bild unten), d.h. auf der anderen Bandseite den Stift wieder reinklopfen (irgendwo logisch, oder?). Zum anderen müsst ihr darauf achten, welche Seite des Stiftes ihr reinklopft – bei genauem Hinsehen hat der Stift nämlich eine Art „Widerhaken“-Seite. Es handelt sich unten im Bild um den gängigen, sogenannten Spaltstift. Natürlich klopft ihr den Stift mit dem „spitzen“ Spaltende in die Glieder (hier im Bild wäre also die rechte Seite des Stiftes am Glied anzusetzen).

Wichtig: Die „spitze“ Seite des Stiftes muss am Band angesetzt werden (hier: rechte Seite)

Klopft dann mit der Plastik-Seite des Hammers den Stift vorsichtig in das Band – den Stiftaustreiber braucht ihr nur, um den Stift (falls nötig) final noch etwas tiefer in das Loch zu schlagen.

Anstelle der Methode mit Hammer, Stiftaustreiber und Bandhalteklotz kann man auch einen sogenannten Stiftausdrücker benutzen:

„All in One“-Stiftausdrücker

Ein Stiftausdrücker ist wie ein „All-in-One“-Gerät, in das man das Band direkt einspannt und dann mit der XL-Schraube einfach Druck von der Seite aufbaut, um den Stift rauszudrücken. Das funktioniert in der Praxis ebenfalls meistens ganz gut. Ehrlich gesagt ziehe ich aber trotzdem die Methode mit Hammer, Stiftaustreiber und Bandhalteklotz vor, da man einfach viel flexibler arbeiten kann. Letztendlich ist das aber natürlich Geschmackssache 🙂

Tipp am Rande: Viele Schließen von Metallbändern haben noch eine Feineinstellungsmöglichkeit – in diesem Fall hier lässt sich das Band dreistufig verlängern oder verkürzen. Hierzu benötigt man aber keinen Hammer, da dieser Mechanismus in der Regel mit einem Federstift funktioniert – mit etwas Geschicklichkeit und einer Büroklammer ist es häufig schon getan 😉

Sieht doch gut aus, oder? 😉

PS: Das Kürzen eines Milanese- bzw. Mesh-Bandes funktioniert häufig nach demselben Prinzip: Das unten beispielhaft abgebildete, hochwertige Staib-Mesh hat ebenfalls Pfeile an der Unterseite, die auf die Schlagrichtung mit dem Uhrmacherhammer hinweisen, um die Stifte rauszuklopfen. Einziger Unterschied ist, dass die Kürzung des Bandes im Bereich der Faltschließe geschieht.

Staib Mesh-Band

PPS: Eine heute nicht allzu häufig vorzufindende Metallband-Art sind die sogenannten Metall-Zugbänder, zum Beispiel FixoFlex von ROWI. Hier gibt es eine Anleitung für diese speziellen Bänder.

Uhrenarmband kürzen – Anleitung für verschraubte Metallarmbänder

Das Kürzen eines Metallarmbandes mit verschraubten Gliedern ist in der Regel deutlich einfacher und verlangt nach nur einem einzigen Werkzeug: Ein Schraubendreher (Schlitz). Hierbei sollte man nur auf spezielle Uhrmacher-Schraubendreher zurückgreifen, optimalerweise mit einem „Drehmechanismus“, mit dem man gleichzeitig Druck von oben auf die Schraube ausüben und den Schraubendreher drehen kann (im Bild gut erkennbar an dem „Knubbel“ an der Oberseite des oberen Schraubendrehers). Könnt ihr nämlich nicht genug Druck auf die Schraube ausüben, so rutscht man schnell ab und Kratzer oder zerstörte Schrauben wären vorprogrammiert!

Multifunktions-Schraubendreher mit Stiftaustreiber von SINN (unten) und – besser! – ein Schraubendreher mit „Drehmechanismus“ (oben)

Das Vorgehen ist letztendlich ähnlich wie beim Kürzen eines Metallarmbandes mit verstifteten Gliedern, nur dass man natürlich nicht klopfen muss, sondern die Schrauben vorsichtig mit dem Schraubendreher löst. Ein Bandhalteklotz ist nicht unbedingt notwendig, hilft aber beim Stabilisieren des Bandes:

Bitte beachtet: Die Glieder von Metallarmbändern von hochwertigen Uhren werden häufig von Mini-Schrauben mit einer Länge von grade mal 1 mm in Kombination Hülsen oder Stiften gehalten. Mit anderen Worten löst man zwar auch hier die Schrauben, allerdings an beiden Seiten des Bandes. Zwischen den Gliedern tritt dann noch eine Hülse oder ein Stift hervor, welche man vorsichtig mit einem Stiftaustreiber entfernen muss (manchmal hilft auch vorsichtiges Klopfen mit dem Finger auf das Bandglied).

Dies ist beispielsweise bei Omega der Fall, hier am Beispiel des Stahlbandes der Omega Speedmaster Moonwatch (nach Entfernen der beiden Mini-Schrauben sollte man lieber nicht zum falschen Zeitpunkt Niesen, ansonsten sind diese schnell sonstwo im Zimmer verteilt ;-)):

Die Schrauben von Bändern hochwertiger Uhren sind außerdem häufig mit einem Spezialkleber gesichert, damit sich die Schrauben über die Zeit nicht von alleine lösen können. Hier im Bild ist eine Schraubensicherung von SINN Spezialuhren zu sehen:

Sinn U1 Schraubensicherung AN 302-42

Wie man der Artikelnummer AN 302-42 entnehmen kann, handelt es sich dabei um nichts anderes als die Schraubensicherung WEICONLOCK, die auch im industriellen Bereich genutzt wird. Hier ein kurzes Video dazu:

Uhrmacherwerkzeug Set – wer billig kauft, kauft zweimal

Bei Amazon gibt es diverse Uhrmacherwerkzeug-Sets, die das in diesem Artikel genannte Werkzeug (und darüber hinaus) enthalten, für unter 20€. Aus meiner Erfahrung heraus sind solche Sets allerdings häufig von sehr geringer Qualität (z.B. Schraubendreher, die sich schnell abnutzen oder Stiftaustreiber, die sich verbiegen).

Wenn man nur mal hin und wieder das Metallarmband einer günstigen Uhr kürzen will, mag die Qualität solcher Billig-Sets grade noch so ausreichend sein. Möchte man allerdings öfter selbst Hand anlegen, insbesondere bei teureren Uhren, so lohnt sich definitiv die Anschaffung von höherwertigerem Uhrmacherwerkzeug – denn glaubt mir: Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Empfehlenswert sind beispielsweise die Produkte von Bergeon, diese haben allerdings auch ihren Preis…

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