Sachlich-funktionales Design, schnörkelloses Titan Grad 5-Gehäuse, schwarz-kontrastreiches Blatt, Diver-Lünette – die BOMBFROG Titanium Automatik ist (mit Ausnahme der linksseitigen Krone) eine Uhr, die auf den ersten Blick auffällig unauffällig bleibt. Doch hinter ihr steht eine Biografie, die man im Uhrenkosmos nicht alle Tage findet. Denn BOMBFROG-Gründer Dirk Assmann ist nicht etwa Marketingmanager, Designer und/oder Investor. Dirk, den ich auf der Uhrphoria 2026 erstmalig persönlich kennenlernen durfte, wurde bei der Bundeswehr als Minentaucher, Einzelkämpfer, Feuerwerker und Fallschirmspringer ausgebildet…



Eckdaten BOMBFROG Titan Automatik:
- Gehäuse, Lünette und Band aus Titan Grad 5
- Durchmesser 46 mm
- Horn-zu-Horn 55 mm
- Höhe 12 mm
- Bandanstoß 24 mm
- Titanband mit Schnellwechselsystem und werkzeugfreier Feinjustierung (sechsstufig)
- Im Set mit Nato Strap (mit Titan-Hardware)
- Super-LumiNova C1
- Gewicht Uhrenkopf: 78 Gramm
- Schweizer Automatikwerk Sellita SW200-1, Qualitätsstufe Elaboré
- automatisches Heliumventil
- Wasserdichtigkeit 1000 Meter / 100 bar
- Saphirglas mit Antireflexbeschichtung innen
- Superluminova C1
- Listenpreis: 1690€, direkt über BOMBFROG (Quarz-Variante: 1190€)



Über BOMBFROG, Dirk Assmann und die Titanium Automatik im Hands-On
Als Marineinfanterist trat BOMBFROG-Gründer Dirk im Oktober 1993 in die Bundeswehr ein, wechselte 1995 zu den Minentauchern in Eckernförde und durchlief dort die umfassende Spezialausbildung, die alles fordert: Apnoe bis an den Rand der Ohnmacht, Tieftauchgänge, Gewaltmärsche, Wochen auf See und Helikoptersprünge aus zehn Metern Höhe in die Ostsee. Während die Ausbilder jeden Fehler registrieren, ringen die Anwärter mit Kälte, Erschöpfung und Selbstzweifeln. „Ich bin leidenschaftlicher Taucher. Als Jugendlicher war ich bei der DLRG in der Tauchergruppe.“, so Dirk. Eigentlich hatte er Kampfschwimmer werden wollen. „Doch während der Ausbildung merkte ich, dass mir die Minentaucherei mehr zusagt. Ich hatte zuvor gar nicht gewusst, dass es Minentaucher überhaupt gibt. Ich traf erstmals bei der Kampfschwimmerausbildung auf Minentaucher.“
Während Kampfschwimmer überwiegend im Flachwasserbereich tauchen, gehen die Minentaucher in die Tiefe. Die etwa 70 Minentaucher der Deutschen Marine lokalisieren, identifizieren und beseitigen Minen, Bomben sowie Sprengsätze im Meer, in Gewässern oder auch an Land. Die einzige Minentaucherkompanie ist in Eckernförde beheimatet (zwischen Schleswig und Kiel) und gehört zu den sogenannten spezialisierten Einsatzkräften des Seebataillons. Viel in der Welt rumgekommen ist Dirk Assmann durch seinen Job allemal: Während seiner Dienstzeit hat es ihn sogar in die USA verschlagen – sein damaliger Wohnort: Virginia Beach bei Norfolk. Dort hat Dirk zwischen 2009 und 2012 Minentaucher der US-Marine für Irak- und Afghanistan-Einsätze ausgebildet.



Mit Blick auf den Hintergrund von Marken-Gründer Dirk Assmann sind auch BOMBFROG-Logo und -Markenname natürlich schnell erklärt: Bomb wie Bombe und Frog wie der Froschmann. Und es verwundert auch nicht, dass das BOMBFROG-Sortiment vor allem aus Taucheruhren und Toolwatches besteht, wobei die meisten eher günstiger positioniert sind und mit Quarz-Werken kommen – die hier gezeigte Titanium Automatik ist da schon ein recht deutlicher Ausreißer (dazu aber gleich mehr). Interessant ist auch, dass i nden Modellen teilweise trigalight an Bord ist, also mit Tritiumgas gefüllte Röhrchen, die unabhängig von externen Lichtquellen permanent leuchten und deren Erfindung einen militärischen Hintergrund hat (Modelle Carbon One, T22 Chronograph und BT-25).
Mehr: Tritium H3-Uhren (trigalight): Hersteller, Funktionsprinzip, Sicherheit (Neuheit: spectralight)
Wer sich mit militärischen Taucheruhren beschäftigt, stößt schnell auf die vielzitierte IWC Ocean 2000. Genauer gesagt auf jene besondere Variante, die für die Minentaucher der Bundeswehr entwickelt wurde – Uhren, die nicht einfach nur wasserdicht sein mussten, sondern möglichst keine magnetischen Signaturen erzeugen durften. So war insbesondere Quarz bei der IWC Ocean 2000 in der Minentaucher-Variante kein Thema. Denn: Der Magnetismus der Schrittmotoren und der Batterie eines Quarzwerkes verbietet den Einsatz beim Minensuchen, da der Zündmechanismus von Seeminen ansprechen könnte.







Genau in diesem Umfeld begann auch Assmanns ganz persönliche Uhrengeschichte: Als Minentaucher bei der deutschen Marine erhielt er als Dienstuhr eben jene IWC Ocean 2000 – eine Uhr mit einem großem Namen, allerdings offenbarte der Alltag unter Wasser schnell eine weniger glamouröse Seite: Die Ganggenauigkeit der Uhr schaffte nicht gerade Vertrauen. Während Sammler heute von Designikonen sprechen, ging es für die Einsatzkräfte damals aber „einfach nur“ darum, dass die Uhr zuverlässig und präzise laufen musste. Nicht morgen, nicht meistens, sondern immer. Gerade wenn Tauchzeiten, Dekompressionsstopps oder Sprengarbeiten davon abhängen.
Unter Minentauchern entstand damals sogar der scherzhafte Unterschied zwischen „Real Time“ und „Ocean Time“. Ein Running Gag, der vermutlich lustiger klingt, wenn man nicht gerade selbst unter Wasser unterwegs ist und mit Sprengstoff hantiert. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich letztlich die Idee zur eigenen Marke BOMBFROG.
Gestalterisch sind die Anleihen von Dirk Assmanns BOMBFROG-Modell mit dem nüchternen Namen Titanium Automatik an die historische Ocean 2000 nicht zu übersehen. Die fließenden Gehäuseformen, die optische Integration des Bandes und die insgesamt sehr reduzierte Erscheinung erinnern an die Uhr, die damals an die Minentaucher und Kampfschwimmer ausgegeben wurde. Gleichzeitig bringt sie genügend eigene Akzente mit, um nicht als bloße Hommage durchzugehen.




Das Zifferblatt verzichtet auf überflüssige Spielereien und konzentriert sich auf das Wesentliche – eine hervorragende Ablesbarkeit. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber erstaunlicherweise eine Tugend, die längst nicht mehr jede moderne Taucheruhr beherrscht. Und im Dunkeln? Da arbeitet die Leuchtmasse Super-LumiNova, die bei Tageslicht einen neutralen reinweißen Farbton aufweist. Nicht ganz konsequent ist leider, dass das zum Einsatz kommende C1 gegenüber dem ebenfalls weißen BGW9 deutlich leuchtschwächer ist.



Besonders ins Auge springt die linksseitige Anordnung der verschraubten Krone – unter Uhrenfreunden häufig als „Destro“-Design bezeichnet. Was heute als eher exotisches Designmerkmal gilt, hatte ursprünglich einen ganz praktischen Hintergrund: Frühe militärische Taucher trugen ihre Uhren nicht selten rechts, weil das linke Handgelenk bereits von Tiefenmessern oder anderem Equipment belegt war. Zwar hat Dirk in seiner Zeit als Minentaucher seine Uhr meistens ganz „normal“ rechts getragen, eine linksseitige Krone hat aber den Vorteil, dass sie sich beim, Beugen des Handgelenkes nicht ins Handgelenk bohren kann. Aber auch fernab des Wasser: Wer schon einmal eine wuchtige Taucheruhr beim Arbeiten getragen hat, weiß, dass dieser kleine Unterschied überraschend viel Komfort bringen kann.
Das Gehäuse besteht aus Titan Grad 5, einer Legierung, die mit ca. 350 Vickers deutlich härter und damit kratzresistenter ist als das häufig(er) verwendete Titan vom Grad 2 und auch Edelstahl (ca. 200 Vickers). Gleichzeitig bleibt das Material angenehm leicht am Handgelenk – Titan hat eine Dichte von etwa 4,5 kg/dm³, Edelstahl hingegen ist mit etwa 7,9 kg/dm³ fast doppelt so dicht. Während viele Stahluhren ihre Präsenz über Gewicht definieren, verfolgt die BOMBFROG einen anderen Ansatz. Sie wirkt robust – sowohl wenn man sie in die Hand nimmt, aber auch aufgrund ihrer schieren Größe -, ohne dabei schwer zu sein. Das Gehäuse besitzt ferner jene matte, technische Ausstrahlung, die hervorragend zu einer funktionalen Taucheruhr passt – kein Zufall, denn wenn ein Soldat eines nicht gebrauchen kann, dann sind es wohl störende Reflexionen von der Uhr.
Mehr: HART im Nehmen? Typische Materialien bei Uhren und ihre Härte nach Vickers | CHRONONAUTIX Uhren-Blog



Hinzu kommt ein unscheinbar an der rechten Gehäuseflanke untergebrachtes Heliumventil, das dazu dient überschüssiges Heliumgas sicher aus der Uhr zu entlassen, wenn es so richtig tief geht. Bei solchen Tauchgängen in 300 Metern Tiefe (oder noch tiefer, meistens über Sättigungstauchen) dringen Heliumgas-Moleküle in die Uhr ein. Das Heliumgas bleibt in der Uhr eingeschlossen bzw. dort „gefangen“, was zu Druckunterschieden führen kann. Das Heliumventil ist, ähnlich wie ein Schnellkochtopf, eine spezielle Vorrichtung, die sich automatisch öffnet, wenn der Druck in der Uhr einen bestimmten Punkt erreicht. Dies ermöglicht, dass das Heliumgas kontrolliert und sicher aus der Uhr entweicht. Denn: Ohne das Heliumventil könnten diese Druckunterschiede dazu führen, dass insbesondere das Saphirglas unter Druck steht und beschädigt wird.
Natürlich muss man dazu sagen, dass die allermeisten Otto Normal-Uhrenfreunde wohl nie im Leben ein Heliumventil brauchen werden. Natürlich untermauert BOMBFROG mit dieser eher seltener anzutreffenden Eigenschaften aber das Selbstverständnis einen professionellen Hintergrund zu haben.





Das Titanband dockt nahtlos an die Optik des Gehäuses an und macht auch haptisch einen absolut gelungenen Eindruck. Leider sind die Glieder verstiftet und nicht verschraubt. Eine werkzeugfreie Feinjustierung bzw. Tauchverlängerung in sechs Positionen (siehe Bilder unten) ist an Bord – allerdings in der von mir nicht geliebten Variante mit einem „Auszieh-Stück“. Über Schnellwechselfederstege lässt sich das Titanband ratzfatz werkzeugfrei entfernen und auf das dem Set beiliegende Nato Strap mit passender Titan-Hardware wechseln. Kleiner Wermutstropfen: Die separat beiliegenden Federstege für das Nato Strap kommen ohne Schnellwechselmechanismus, was leider nicht ganz konsequent ist. Aber sowieso gilt: Mir fällt eigentlich kein Grund ein das tollte Titanband abzumontieren, denn die Optik ist einfach rattenscharf und das Gewicht am Titanband ist, trotz der durchaus ziemlich sportlichen Abmessungen von 46 mm im Durchmesser und 55 mm Horn-zu-Horn, mit 135 Gramm lächerlich gering.


Im Inneren der hier gezeigten Variante arbeitet ein Sellita SW200-1 in der höheren Qualitätsstufe Elaboré, also mit Incabloc-Stoßsicherung und 7 ±7 s/d Ganggenauigkeit. Das Schweizer Automatikwerk gehört mittlerweile zu den etablierten Standards der Branche. Es mag weder exotisch noch spektakulär sein, besitzt aber genau jene Eigenschaften, die man bei einer Uhr dieser Art eigentlich sehen möchte: Es ist robust, gut regulierbar, weltweit wartbar und technisch ausgereift. Spezielle antimagnetische Eigenschaften (AMAG) wie die damalige IWC Ocean 2000, die an die Minentaucher ausgegeben wurde, bringt das Kaliber aber natürlich nicht mit. Übrigens: Wer Quarz gegenüber offen ist, der findet das Modell auch in einer solchen Variante bei BOMBFROG – Dirk Assmann hatte bei dieser Variante seine ehemaligen Kampfschwimmer-Kollegen im Sinne, bei denen AMAG-Eigenschaften keine so entscheidende Rolle spielen wie bei den Minentauchern.
Übrigens: Die Sellita-Kaliber schickt Dirk zusammen mit den Saphirgläsern nach Asien zur dortigen Montage mit den anderen Komponenten wie dem Gehäuse – daraus macht er keinen Hehl. Ungewöhnlich ist dieses Vorgehen trotzdem, da normalerweise Microbrands, aber auch größere Hersteller, ihre Komponenten nach Europa liefern lassen, damit diese hier in unseren Gefilden zusammengebaut werden, um beispielsweise „Swiss Made“ oder „Made in Germany“ auf die Blätter drucken zu können. Für die Marken des mittleren Preissegments der Swatch Group kommen die Blätter beispielsweise teilweise aus Thailand. In dem Zusammenhang soll daher nicht unerwähnt bleiben, dass die BOMBFROG Titanium Automatik zwar keinerlei für mich erkennbare Qualitätsnachteile aus der asiatischen Montage zieht, denn hochwertige Fertigung ist längst nicht mehr an einen bestimmten Standort gebunden. Der gewählte Fertigungsweg entspricht ehrlicherweise jedoch nicht ganz dem Bild, das sicherlich einige Uhrenfreunde von einem höherpreisigen Flaggschiffmodell – was die Titanium Automatik zweifelsfrei ja ist – haben dürften. Viele verbinden ein Modell dieser Preisklasse sicherlich nicht nur mit hochwertigen Komponenten, sondern auch mit einer möglichst europäischen Wertschöpfung bzw. Endmontage. Bitte nicht falsch verstehen: Die Kritik richtet sich dabei überhaupt nicht gegen die (richtig gelungene) Qualität des hier gezeigten BOMBFROG-Modells als vielmehr in Richtung der Erwartungshaltung, die ein gewisses Preisschild naturgemäß weckt. Ein eventuell notwendiger Service an der Uhr findet aber in Deutschland statt.
Mehr: Swiss Made-Uhren: Intransparenz und Kalkulations-Käse
Abschließende Gedanken
Nach einigen Tagen am Handgelenk bleibt vor allem eines hängen: Die BOMBFROG Titanium Automatik fühlt sich nicht wie das Ergebnis einer Marktanalyse an. Vielmehr wirkt sie wie die Umsetzung dessen, was Dirk Assmann über Jahrzehnte als Minentaucher in seinem Berufsalltag von einer Uhr erwartet hat. Natürlich gibt es Details, über die man diskutieren kann (wie die Tauchverlängerung), und natürlich bewegt sich die Uhr preislich in einem Bereich, in dem die Konkurrenz stark ist. Dennoch besitzt die BOMBFROG etwas, das sich nicht so einfach auf Datenblätter schreiben lässt: Authentizität. Und genau das ist im heutigen Taucheruhrenmarkt eines der seltensten Merkmale überhaupt.


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