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Leser dieses Blogs wissen vielleicht, dass ich in Norddeutschland geboren und aufgewachsen bin, wegen meines Jobs als Bürostuhlakrobat aber mittlerweile seit einem Jahrzehnt im Schwabenland wohne. In meine norddeutsche Heimat zieht es mich aber dennoch mehrfach im Jahr – zwar komme ich eigentlich aus der Bremer Ecke, aber ich bin dennoch großer Fan von Hamburg (nicht vom Verein, aber von der Stadt 😉 ). Eine Uhr mit hanseatischem Flair hat bei mir daher zugegebenermaßen per se immer ein paar Bonuspunkte. Ob die Umsetzung des neuen Modells Hamburg dunkelblau bronze der Marke Sternglas gelungen ist, schauen wir uns in diesem Artikel im Detail an…

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Sternglas Hamburg Blau Bronze Test 2023 00928

Eckdaten Sternglas Hamburg dunkeblau bronze:

  • Durchmesser 42mm
  • Höhe 12mm
  • Horn-zu-Horn 45mm
  • Bandanstoß 20mm
  • Japanisches Miyota 8215 Automatikwerk, 42 Stunden Gangreserve (alternativ ist auch eine batteriebetriebene Quarz-Variante erhältlich)
  • Zifferblatt dunkelblau, satiniert, gewölbt
  • LumiNova von Nemoto
  • Zeiger bronzefarben / orange
  • Saphirglas, doppelt gewölbt, doppelt entspiegelt
  • Verschraubter Boden mit Gravur der Speicherstadt
  • Vintage-Stil-Lederband oder bronzefarbenes Mesh
  • Gehäuse aus 316L Edelstahl, gebürstet, bronzefarben beschichtet
  • Preis: Automatik: 429€ / Quarz: 299€
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Sternglas Hamburg dunkelblau bronze im Test

Zusammen mit der Naos markiert das Modell Hamburg mit verschiedenen Quarz-Varianten den Einstiegsbereich im Sortiment von Sternglas. Aber auch Varianten mit Automatikantrieb sind mittlerweile Bestandteil der Hamburg-Kollektion – mit der Hamburg dunkelblau bronze als jüngsten Spross. Der Modellname ist dabei kein Zufall: Sternglas ist seit je her in der Hansestadt ansässig und zählt bereits 30 Mitarbeiter – durchaus beachtlich, wenn man bedenkt, dass Sternglas erst 2016 gegründet wurde.

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Der Schwerpunkt von Sternglas sind seit je her insbesondere Zeitmesser, die Uhrenfreunde typischerweise dem Bauhaus-Stil zuordnen – analog zur Bauhaus-Architektur, die 1919 von Walter Gropius mit Leitgedanken wie Funktionalität, Minimalismus und Klarheit ins Leben gerufen wurde. Ganz in diesem Sinne kommt auch die neue Sternglas Hamburg dunkelblau bronze mit besonders feinen bzw. schmalen Ziffern und/oder Indizes und klarer Ablesbarkeit. Gleichzeitig ist die Hamburg deutlich tooliger unterwegs als beispielsweise die Sternglas Naos – vor allem wegen der ungewöhnlich eingeteilten zwei separaten Index-“Spuren”, die zu jeder vollen Stunde über einen langen Index verbunden sind. In der Summe ergibt sich eine Optik, die an nautische Instrumente wie Schiffsbarometer erinnert – passend zum hanseatischen Modellnamen.

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Nemoto LumiNova

Die Zifferblattfarbe der neuen Sternglas Hamburg, ein tiefes bzw. dunkles Navy-Blau, harmoniert grundsätzlich wunderbar mit dem Bronzefarbton des Gehäuses (dazu gleich mehr): Bronze ist eine warme Farbe mit orangen, braunen und goldenen Untertönen, während Blau hingegen sehr kühl wirkt. Selbstredend passt die Farbe Blau sowieso auch optimal zum Leitthema Hansestadt Hamburg – nicht nur wegen des Blue Port Hamburg-Lichtspektakels. Und in jedem Fall ist Blau sowas wie ein Dauerbrenner im Bereich Uhren.

Darüber hinaus warten auf dem Zifferblatt ein paar weitere Details wie eine feine bzw. weiche Oberflächenkörnung, eine schicke Wölbung am Rande und ein dunkelgelber Sekundenzeiger, der an eine Boje erinnert. Gut: Die Datumsscheibe ist farblich perfekt auf das Zifferblatt abgestimmt – ein Detail, das viele Uhrenhersteller in der Preisklasse von unter 1000€ (und darüber hinaus) leider häufig stiefmütterlich behandeln.

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Bronze als Gehäusefarbe passt zum maritimen Charakter der Sternglas Hamburg wie der Friesennerz zur Hansestadt: Das Material wird beispielsweise im Schiffbau verwendet, da es eine hohe Korrosionsbeständigkeit aufweist. Bronze wird beispielsweise häufig für Schiffsbeschläge wie Bolzen, Nägel, Ruder und Propeller verwendet. In der Navigation wurden früher außerdem verschiedene nautische Instrumente und Werkzeuge aus Bronze hergestellt, darunter Kompassgehäuse, Sextanten und Teleskope.

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Zu beachten ist, dass das Gehäuse der Sternglas Hamburg dunkelblau bronze nicht aus “Vollbronze”, d.h. nicht aus einer Bronze-Legierung wie beispielsweise CuSn8 gefertigt ist. Stattdessen ist das Gehäuse aus 316L-Edelstahl gefertigt und anschließend bronzefarben PVD-beschichtet worden. PVD-Beschichtungen (Physical Vapour Deposition, deutsch: physikalische Gasphasenabscheidung) sind eine Form der Oberflächenveredelung, bei der das Beschichtungsmaterial bei hohen Temperaturen bis 500 Grad Celsius bzw. durch Verdampfung auf das Werkstück (also in unserem Fall das Uhrengehäuse und das Milanaise-Band) aufgebracht wird. Die Verdampfung findet dabei im Vakuum statt, um kontrollierte Bedingungen zu gewährleisten und eine Wechselwirkung mit Luftmolekülen zu unterbinden.

PVD-Beschichtung müssen heute ordentlich was aushalten, denn sie dienen (neben Anwendungsbereichen im Bereich Uhren und Schmuck) heute im Maschinenbau unter anderem allem dem Verschleißschutz von bewegten Maschinenelementen. Maschinenteile für beispielsweise kunststoffverarbeitende Maschinen werden so hartstoffbeschichtet. um sie vor Korrosion zu schützen und sie robuster zu machen. Unzerstörbar ist eine DLC-Beschichtung aber natürlich nicht: durch starke Stöße oder grobe Behandlung kann die Oberfläche in Mitleidenschaft gezogen werden.

Anders als eine Bronzelegierung kann die bronzefarbene PVD-Beschichtung nicht Anlaufen, d.h. sie kann keine Patina entwickeln. Ob man das nun für sich persönlich als Vor- oder Nachteil betrachtet, muss jeder für sich entscheiden – die einen mögen die Bildung charakteristischer Patina (die sich allerdings auch durch Flecken auf der Haut bemerkbar machen kann), die anderen haben es lieber “clean”. Geschmackssache!

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Hinter dem verschraubten Gehäuseboden aus Edelstahl tickt das japanische Automatikkaliber 8215 mit 42 Stunden Gangreserve und 21.600 bph Frequenz aus dem Hause Citizen-Miyota. Zwar ist das Miyota 9015, das beispielsweise in der Sternglas Naos zum Einsatz kommt, das nüchtern betrachtet bessere Werk, in der Preisklasse der neuen Hamburg ist die Kaliberwahl aber vertretbar.

Wenn man ehrlich ist, ist das Miyota 8215 außerdem per se nicht grade eine Beauty Queen. Umso begrüßenswerter finde ich die Entscheidung, dass Sternglas bei der Hamburg dunkelblau bronze auf einen Sichtboden verzichtet und stattdessen eine detaillierte Gravur der Speicherstadt auf dem vierfach verschraubten Gehäuseboden verewigt hat.
Die Speicherstadt ist ein historisches Lagerhausviertel in Hamburg, das für seine charakteristische Architektur bekannt ist. Die Speicherstadt ist seit 2015 UNESCO-Welterbe und besteht hauptsächlich aus roten Backsteinbauten, die im neogotischen Stil errichtet wurden. Das Viertel ist von zahlreichen Kanälen und Fleeten (kleinen Wasserläufen) durchzogen, die einst dazu dienten, Waren aus aller Welt direkt an die Lagerhäuser zu transportieren. Diese Wasserstraßen verleihen der Speicherstadt ihren charakteristischen maritimen Charme.

Für eine Uhr im Bauhaus-Stil ist die Sternglas Hamburg mit 42mm vergleichsweise sportlich dimensioniert. Obwohl die meisten 42mm-Uhren grundsätzlich eher größere Handgelenke erfordern, um sie sinnvoll tragen zu können, sind die Bandanstöße der Hamburg mit einer Gesamtlänge über 45 mm allerdings sehr kompakt gehalten, was auf den Tragekomfort einzahlt. Hinzu kommt, dass das Gehäuse durch seine konische Form im Seitenprofil deutlich schmaler und graziler wirkt als es die 12mm Gehäusehöhe vermuten lassen. Besonders am super-flexiblen Lederband im Vintage-Stil ist der Tragekomfort tiptop.

Mehr: Die richtige Uhrengröße für jeden Handgelenk-Umfang

Alternativ ist die Sternglas dunkelblau bronze auch am feingliedrigen Mesh- bzw. Milanaise-Band erhältlich. Das Mesh macht wegen der zweiteiligen Machart auf den ersten Blick den Eindruck, als könne man jederzeit eine Feinjustierung vornehmen. Tatsächlich aber handelt es sich um eine Schließenkonstruktion, bei der man einen kleinen Clip mit viel Schmackes runterdrücken muss, um die Schließe an der richtigen Stelle (also passend zum Handgelenkumfang) zu fixieren. Lösen lässt sich diese Fixierung wiederum mit Hebelwirkung, zum Beispiel mit einem kleinen Schraubenzieher. Ist die Schließe an der richtigen Stelle, so so kann man das andere Band-Ende “einhängen”. Prädikat: Etwas friemelig. Haptisch macht das Band in der Summe aber einen guten Eindruck und Mesh-Bänder sind ohnehin grundsätzlich sehr komfortabel zu tragen. Auch optisch passt das Band optimal.

Gut: Sowohl das Leder- als auch das Mesh-Band kommen mit Schnellwechselfederstegen, wodurch sich die Bänder werkzeuglos innerhalb weniger Sekunden wechseln lassen (alternativ gibt es aber auch viele Drittanbieter mit solchen Schnellwechselfederstegen. Achtet aber auf den passenden Bandanstoß von 20mm und eine Schließe aus Bronze – sieht einfach besser aus).

Abschließende Gedanken zur Sternglas Hamburg dunkelblau bronze

So, und jetzt ma’ Butter bei die Fische: Dass die Hamburger Uhrenmarke Sternglas ein maritim bzw. hanseatisch angehauchtes Bauhaus-Modell im Sortiment hat, ist quasi ein “No-Brainer”. Definitiv kein No-Brainer ist allerdings die konkrete Umsetzung eines solchen Zeitmessers – und die ist bei der neuesten Variante des Modells Hamburg meiner Meinung nach bis ins letzte Detail durchdacht und stimmig. Vor allem die Kombination aus bronzefarbenem Gehäuse sowie navyblauem und toolig wirkendem Zifferblatt funktioniert richtig gut.

Die Sternglas Hamburg dunkelblau bronze ist seit Ende Juli 2023 zum Preis von 429€ (Automatik) bzw. 299€ (Quarz) direkt über sternglas.de oder verschiedene Fachhändler erhältlich.

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5 Kommentare
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Alf aus Mannheim
8 Monate zurück

Hallo, Mario,

eine schöne Uhr, die du hier zeigst! Vor allem die verlängerten Indizes bei den 5er-Minuten/Stunden sind ein schönes Detail.

Eines verstehe ich aber nicht. Du schreibst: „Die Datumsscheibe ist farblich perfekt auf das Zifferblatt abgestimmt.“ Meines Erachtens ist die Datumsscheibe schlicht und ergreifend schwarz; „farblich perfekt … abgestimmt“ wäre sie, wenn sie ebenfalls blau wäre.

Oder täusche ich mich?

Alf

Rolf
8 Monate zurück

Moin Mario,
als gebürtigem Hamburger war mir die Lektüre des Sternglas Artikels ein großes Vergnügen. Herzlichen Dank dafür!
Rolf

Karsten
8 Monate zurück

Schöne Uhr, das machen die “Sterngläser” schon sehr ordentlich.
Hätte bei mir auch fast einen Kaufreflex ausgelöst, habe zum Glück bis zum Ende gelesen.
Die Kupferfarbe (das sieht nicht im Ansatz wie Bronze aus) hätte ich ggf. hingenommen aber das Modell “Bronze” nennen und dann eine Edelstahlschale mit PVD???
Sorry, das ist wie “vegane Wurst”. Beides ist o.k. hat aber nichts miteinander zu tun.
Schöne Grüße
Karsten

Wladimir
8 Monate zurück

Vielen Dank für die Vorstellung dieser Uhr, die ich sonst nicht auf dem Schirm gehabt hätte.

Allgemein recht ansehnlich uns sie wird ihre Käufer schon finden.

Zwei Fragen habe ich aber:

1. Wie soll man die Skaleneinteilung der Stunden und Minuten verstehen? Ein intuitives Ablesen fällt mir recht schwer.

2. Wieso ist bei der PVD-Beschichtung aus Bronze keine Patinabildung möglich? Die Beschichtung besteht doch trotzdem aus Bronze, wenn auch sehr dünn.

Falls mich da einer erleuchten kann schon im Voraus vielen Dank.