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Rolex im Weißen Haus: Die Uhren der US Präsidenten

Eine Armbanduhr ist in gewisser Weise immer ein Statement. Am Handgelenk einer polarisierenden Persönlichkeit vielleicht sogar eine Botschaft an die Öffentlichkeit. Die Uhr am Arm eines U.S. Präsidenten ist, ob er will oder nicht, eine Verlautbarung. Der richtige Zeitmesser strahlt Pflichtbewusstsein, Souveränität und Zuverlässigkeit aus.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es eine absolute Selbstverständlichkeit an Politikern mit Rang und Namen auch eine teure Uhr zu sehen. Oftmals eine Rolex, denn die Marke steht ja nicht erst seit gestern für ein gewisses Prestige. Zu einem großen Teil ist der Schweizer Luxushersteller aber auch mit verantwortlich an der Verbreitung seiner Zeitmesser unter einflussreichen Persönlichkeiten gewesen: Nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann der Gründer Hans Wilsdorf, Rolex Modelle an herausragende Männer der Weltgeschichte zu verschenken, in erster Linie an die amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Infolge dessen kam auch der Spitzname der vollgoldenen Rolex Day Date zustande, sie heißt noch heute in Kennerkreisen “Rolex President”.

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Rolex Day Date, Bild: Watchmaster.com

Heutzutage ist es für hochrangige Politiker allerdings üblich, sich bescheiden zu geben und günstigere Uhren auszuwählen. Andernfalls bestünde die Gefahr, als abgehoben bezeichnet zu werden, was einer erfolgreichen Karriere nicht unbedingt zuträglich wäre…

Gastbeitrag von Manuel Luetgens, Watchmaster Magazin

 

Dwight D. Eisenhower (Amtszeit 1953 – 1961) und die Rolex Datejust

Als 34. Präsident der Vereinigten Staaten war er der Erste, dem eine Rolex zuteil wurde. Dabei handelte es sich um die 150.000. Uhr aus dem Hause Rolex: eine gelbgoldene Rolex Datejust (Ref. 6305). Da Dwight D. Eisenhower vor seiner Zeit als Staatsoberhaupt als 5-Sterne-General tätig war, finden sich auf dem Gehäuseboden seiner Datejust sowohl fünf Sterne, als auch seine Initialien “DDE” eingraviert. Der Republikaner trug das Geschenk über mehrere Jahrzehnte hinweg, berühmt wurde die Uhr durch ihren Auftritt in Eisenhowers “Life Magazine”, wo sie am 21. Juli 1952 auf dem Coverbild zu sehen ist:

Eisenhower Rolex

Kurz vor seinem Tod im Jahr 1969 verschenkte Eisenhower seine Rolex an seinen engen Freund Sergeant John Moaney. Dieser wiederum vererbte sie seiner Frau Dolores Moaney, die die Uhr letztlich an den Sammler Raleigh DeGeer Amyx verkaufte. Bis September 2014 hörte man nichts mehr von der Rolex Datejust mit der individuellen Gravur, doch an jenem Spätsommertag stand sie in einem Auktionshaus zum Verkauf. Aufgrund ihres Alters musste die Uhr bereits vielen Wartungen unterzogen werden, das Zifferblatt ist mittlerweile ersetzt worden und das Gehäuse durch häufige Polituren sehr dünn. Aus diesen Gründen wurden bei der Auktion die Erwartungen nicht getroffen und die Uhr schlussendlich nicht verkauft

 

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John F. Kennedy (Amtszeit 1961 – 1963) und die verschwundene Rolex Day-Date

Auch Eisenhowers Nachfolger, „JFK“, wurde eine Rolex angeboten – eine goldene Rolex Day-Date. Doch Kennedy schlug das Geschenk aus und trug während seiner Amtszeit nachweislich keine Rolex.

Doch um das Modell ranken sich eine Menge Gerüchte: Es handelt sich hier um ein Geburtstagsgeschenk von Marilyn Monroe, eine goldene Rolex Day-Date. Auch bei dieser Uhr ist der Gehäuseboden graviert, “Jack, with love as always from, Marilyn”. Schon vor Monroes sexy Gesangseinlage zu Kennedys Geburtstag im Jahre 1962 munkelte man über eine Affäre der beiden, doch mit dem Song “Happy Birthday” sahen sich die Schwätzer bestätigt.

"JFK" und Marilyn Monroe im Jahre 1962
„JFK“ und Marilyn Monroe im Jahre 1962

Um die Angelegenheit im Keim zu ersticken, soll Kennedy einen Mitarbeiter des Weißen Hauses gebeten haben, die Uhr vor der Öffentlichkeit zu verbergen und loszuwerden. Tatsächlich tauchte sie erst im Jahr 2005 wieder auf und wurde für 120.000 US-Dollar versteigert

 

Lyndon B. Johnson (Amtszeit 1963 – 1969) und die Rolex President Day-Date

Mit dem 36. Präsident und dessen gelbgoldener Rolex Day-Date mit dem neu eingeführten „President“-Armband etablierte sich letztendlich der Spitzname “Rolex President” für dieses exklusive Modell.

Rolex nutzte die Gelegenheit eine passende Printanzeige zu schalten, um die Uhr noch bekannter zu machen – man beachte das „Rote Telefon“, welches kurz vor Beginn von Johnsons Amtszeit eingeführt wurde. Der Grund: Nach den Erfahrungen mit der Kuba-Krise, die im Oktober 1962 beinahe zu einem atomaren Weltkrieg geführt hätte, sollten so friedensgefährdende Missverständnisse zwischen den beiden Supermächten Russland und USA vermieden werden. 

Johnson Rolex Day Date

Johnson war bekennender Rolex-Fan und bekannt dafür, Zeitmesser des Schweizer Herstellers an Freunde zu verschenken. So schenkte er kurz vor seinem Tod auch seinem Kardiologen (!) eine goldene Rolex mit der Gravur “JWB/Love LBJ”.

Politisch galt Johnson allerdings als umstritten: Zwar wurde unter der Führung des Demokraten Johnson 1964 dank des Civil Rights Act die öffentliche Rassentrennung abgeschafft, die die Präsidentschaft wurde aber auch vom Vietnamkrieg überschattet.

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Dean Rusk, Lyndon B. Johnson and Robert McNamara im Februar 1968

 

Ronald Reagan (Amtszeit 1981 – 1989) und die Rolex Datejust

Der überzeugte Antikommunist Reagan war der 40. Präsident der Vereinigten Staaten. Während seiner Amtszeit wurde er häufig mit einer Rolex am Handgelenk fotografiert, allerdings trug er keine Rolex President sondern eine unauffälligere Rolex Datejust aus Edelstahl mit Jubilee Armband…

Timex, Jorg Gray & Co.: Präsidenten nach der Jahrtausendwende

Schon mit Bill Clinton (Amtszeit 1993 – 2001) schien eine Wendung in Bezug auf teure Uhren am Handgelenk einflussreicher Persönlichkeiten stattzufinden: Clinton trug regelmäßig eine bodenständige Timex Ironman, ein Modell, welches rund 50€ kostet.

Bill Clinton Timex Ironman Uhr

George W. Bush (Amtszeit 2001 – 2009) trug ebenfalls eine günstige Timex Quarzuhr, die auch heute noch für knapp 60 US-Dollar erworben werden kann

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George W. Bush im Oval Office im Oktober 2001, Bild: Eric Draper, Courtesy of the George W. Bush Presidential Library

Barack Obama (Amtszeit 2009 – 2017) wurde vor seiner Kandidatur oft mit einer TAG Heuer 1500 gesehen, doch im Jahre 2007 erhielt er vom Secret Service zum Geburtstag eine rund 400€ teure Jorg Gray JG6500. Mit diesem Chronographen bestritt Obama acht erfolgreiche Jahre als Präsident…

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Barack Obama mit seiner Jorg Gray, Bild: Official White House Photo by Pete Souza [Public domain], via Wikimedia Commons
Das aktuelle Staatsoberhaupt, Präsident, Unternehmer und Milliardär Donald Trump, besitzt privat eine große Sammlung hochwertiger Luxusuhren. Er wurde in der Vergangenheit häufig mit einer Patek Philippe Ellipse und einer goldenen Rolex Day-Date, der sogenannten Rolex President, gesehen. Doch während seiner Zeit als amtierender Präsident, wird sein Handgelenk zumeist durch ein Hemd bedeckt. Nur bei Trumps zahlreichen Golf-Sessions (einen Counter gibt’s hier ;-))kann man einen Blick auf seine Uhren erhaschen…

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Offensichtlich sein Lieblings-Sport: Trump beim Golfen, Bild: 内閣官房内閣広報室 [CC BY 4.0 or CC BY 4.0 ], via Wikimedia Commons
Luxusuhren, besonders Rolex Modelle, sind allerdings mittlerweile nur noch selten an US-amerikanischen Staatsmännern zu sehen. Das mag daran liegen, dass es heutzutage wesentlich strengere Richtlinien in Bezug auf die Annahme von Geschenken gibt. Die einleuchtendste Erklärung ist jedoch, dass die Politiker auf eine gewisse Bodenständigkeit bedacht sind. Sie möchten ungern als überdurchschnittlich wohlhabend oder gar protzig abgestempelt werden. Als Vertreter des Volkes macht sich eine Verbundenheit zur Bevölkerung gut, Bescheidenheit geht mit einer sympathischen Ausstrahlung Hand in Hand…

“Rolex President”: Details und Zusammenfassung

Aufgrund verschiedener Rolex Modelle an den Handgelenken der U.S. Präsidenten über die vergangenen Jahrzehnte, ist aufkommende Verwirrung durchaus verständlich. Einige trugen das Modell Rolex Datejust, andere die Rolex Day-Date. Zudem gibt es auch noch das dreigliedrige “President-Armband”.

Als Rolex im Jahre 1946 begann Uhren an einflussreiche und herausragende Persönlichkeiten zu verschenken, erfolgte dies um die 50.000. produzierte Uhr zu feiern. Die Uhr, die diesen Meilenstein markierte, war eine Rolex Oyster Perpetual (Ref. 3372) und wurde an den Schweizer General Henri Guisan verschenkt. Er behauptete sich im Zweiten Weltkrieg vehement gegen die Nationalsozialisten und wurde deshalb von Rolex-Gründer Hans Wilsdorf als Empfänger auserkoren.

 

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Seit die 100.000. Rolex an Winston Churchill im Jahre 1948 vergeben wurde, handelte es sich bis 1961 bei allen Geschenk-Uhren um Modellvarianten der Rolex Datejust.

Eine solche trug auch Präsident Eisenhower, dennoch wurde der Uhr der Spitzname “Rolex President” damals noch nicht zuteil. Dies geschah erst mit der Einführung der Rolex Day-Date, zusammen mit dem Zeitmesser wurde auch das President-Armband veröffentlicht. Die Rolex President ist ausschließlich in Gelbgold und Platin erhältlich, das Armband gab es nur zur Day-Date. Zwar kann man besagtes Armband heute auch an anderen Modellen finden, dies bleibt aber eher eine Ausnahme und ist auf einen speziellen Kundenwunsch zurückzuführen.

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Rolex Day-Date „President“, Bild: Watchmaster.com
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Variante der Rolex Day Date, Bild: Watchmaster.com

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