NOTSAG Aquaelite II Test

Test: NOTSAG aquaelite – GMT-Automatikuhr mit Gangreserveanzeige

Aus Los Angeles im sonnigen Kalifornien kommt die junge Microbrand NOTSAG. Der Kopf hinter NOTSAG ist der gebürtige Franzose Laurent Chardin Rischmann, der mit seinem Einstandsmodell, der Taucheruhr aquaelite Type I und Type II, eher unkonventionell unterwegs ist.

Viele junge Uhrenmarken scheuen sich davor eigene Ideen einzubringen und orientieren sich allzu häufig an altbekannten Uhrendesigns rund um Submariner, Blancpain Fifty Fathoms & Co., ausgestattet mit Einsteiger-Automatikwerken wie dem Seiko NH35. Da spricht zwar erst mal nichts gegen, leider wirken solche Konzepte schnell austauschbar.

Auch in Stadt der Engel erfindet man die Uhr nicht neu, Laurent bringt aber einige frische und eigenständige Design-Ideen mit, die seine Microbrand vom Gros der Newcomer-Uhrenmarken abhebt. Durchaus eine Besonderheit ist auch das Innenleben: Die Taucheruhr aquaelite Type II kommt mit einem fast schon etwas exotischen Schweizer Soprod-Kaliber mit Gangreserveanzeige und kleiner (!) GMT-Anzeige

Eckdaten NOTSAG aquaelite Type II:

  • Swiss Made
  • Designed in California
  • Schweizer Automatikwerkwerk Soprod C115 mit 42 Stunden Gangreserve
  • Gangreserveanzeige
  • GMT-Komplikation, separat bedienbar über den roten Drücker
  • Gewicht ca. 110 Gramm (am Leder- bzw. Kautschukband)
  • Durchmesser 42mm, Horn-zu-Horn 49mm, Höhe 13,4 mm
  • Gewölbtes Saphirglas mit Antireflex-Beschichtung innen
  • Saphirglas-Boden
  • Krone verschraubt
  • Wasserdichtigkeit 200 Meter / 20 bar (zum Tauchen geeignet)
  • Keramiklünette, unidirektional, 120 Klicks, Ziffern und Indizes mit SuperLuminova BGW9
  • 3 Jahre Garantie
  • Limitiert auf 999 Stück
  • Pre-Order-Preis (unbeschichtet): $899 before zzgl. Einfuhrumsatzsteuer (später $1199)
  • Pre-Order-Preis (schwarz DLC-beschichtet): $999 zzgl. Einfuhrumsatzsteuer (später $1299)

Über NOTSAG – Gaston’s Charity Journey

Vor etwa 2 Jahren beschloss Laurent, selbst passionierter Uhrensammler, sich mit einer eigenen Microbrand selbstständig zu machen. Eine wichtige Rolle bei seiner Entscheidung spielte sein Sohn Gaston (hierzu gleich mehr).

Laurent will 20% des NOTSAG-Netto-Gewinns für gemeinnützige Zwecke spenden. Spendenzusagen von Uhrenherstellern sind an sich erst mal nix Neues – viele setzen monetäre Zuwendungen an Umweltprojekte, Ärzte ohne Grenze, Krebsstiftungen etc. gezielt ein, um das eigene Image aufzupolieren (einige Beispiele gibt’s in diesem Artikel).

Grundsätzlich finde ich Spendenaktionen immer eine tolle Sache. Nüchtern betrachtet kann man aber natürlich nicht abstreiten, dass Uhrenhersteller (und natürlich auch alle anderen profitorientierten Unternehmen) in aller Regel nicht aus purem Altruismus Spendenzusagen machen – die finanzielle Unterstützung gemeinnütziger Projekte ist ein gängiges Marketinginstrument, welches manchmal vielleicht einen Tick zu viel ausgeschlachtet wird und dadurch an Glaubwürdigkeit verlieren kann (siehe zum Beispiel die etlichen 08/15-Pressefotos mit XXXL-Spendenschecks, die von grinsenden Werbebotschaftern in die Kamera gehalten werden).

Bei NOTSAG verhält sich die Situation anders: Laurents Sohnemann Gaston kam 2010 mit einer GABBR2-Mutation, Mitochondriopathie und Autismus zur Welt. Kein Zufall daher: Laurent will die Spendensumme nutzen, um über Gaston’s Charity Journey einschlägige Genetik-Forschungseinrichtungen zu unterstützen, die sich mit der Bekämpfung dieser Erkrankungen beschäftigen. Der sehr persönliche Bezug, den NOTSAG-Chef Laurent zu diesem Thema hat, macht die Spendenzusage aus meiner Sicht besonders sympathisch und glaubwürdig.

Übrigens: Gaston war auch quasi-namensgebend für die Uhrenmarke – man lese einfach GASTON rückwärts (*Klugscheißmodus an* es handelt sich um ein sogenanntes Anagramm *Klugscheißmodus aus*).

Soprod C115: GMT-Automatik-Kaliber mit Gangreserveanzeige

Normalerweise starte ich meine Reviews nicht mit Informationen zum Werk – in Falle von NOTSAG aber prägt das Soprod Kaliber C115 maßgeblich auch die Optik (hierzu gleich mehr).

Soprod? Das hört sich irgendwie russisch an, oder? 😉 Tatsächlich aber kommt die Soprod SA aus der Schweiz – der auf Uhrwerke spezialisierte Hersteller ist seit immerhin 1966 aktiv und lässt sich durchaus als Traditionsunternehmen bezeichnen. Seit 2007 ist Soprod in der Hand der spanischen Festina Group. Soprod-Werke sind aber nach wie vor Swiss Made: die Produktion findet in Les Reussilles im Berner Jura statt.

Besonders stark ist Soprod bei Quarzwerken: Hier gehört der Hersteller in die Riege der Top 3. Seit einigen Jahren hat sich Soprod außerdem auf Smartwatches spezialisiert (Software und Elektronik-Bauteile).

Man sieht aber auch zunehmend mechanische Uhrwerke von Soprod im Markt: Die Entwicklungen rund um das Gezicke zwischen der Schweizer Wettbewerbskommission WEKO und ETA (Swatch Group) dürften die Auftragsbücher bei Soprod auch in Zukunft gut füllen.

Das in der NOTSAG Aquaelite verwendete Kaliber C115 basiert allerdings nicht etwa auf einem ETA-Kaliber (wie beispielsweise bei STP oder Sellita aufgrund des ausgelaufenen Patentschutzes), sondern auf dem japanischen 4L25, welches von Seiko Anfang der 2000er Jahre als Konkurrenzprodukt zum ETA2892A2 ins Rennen geschickt wurde. Soprod ergänzt die Werke außerdem um einige pfiffige Komplikationen (wie Gangreserveanzeige etc.).

Soprod C115

Hinter dem Saphirglasboden kann man dem durchaus recht ansehnlich dekorierten Soprod C115 bei der Arbeit zuschauen – man beachte zum Beispiel die Perlage sowie den Streifenschliff samt Logo-Gravur auf dem Rotor. Schade: Gebläute Schrauben wären noch das i-Tüpfelchen gewesen.

Gut: Der Rotor wird bei der schwarz beschichteten Variante der aquaelite passenderweise ebenfalls schwarz beschichtet sein (bei den Prototypen-Bildern oben noch nicht zu sehen) – es handelt sich also quasi um die Ninja-Variante des Soprod C115 😉 Das soll dann später so aussehen:

Das Soprod C115 kommt mit zwei Komplikationen, die in dieser Kombination ziemlich exotisch sind: Eine Gangreserveanzeige auf „12 Uhr“ sowie GMT-Funktion für eine weitere Zeitzone. Das besondere an der GMT-Anzeige: Den typischen zentralen GMT-Zeiger sucht man hier vergebens, stattdessen wird die zweite Zeitzone über einen zusätzlichen Totalisator auf „6 Uhr“ angezeigt, der über den roten, verschraubten Drücker unten rechts angesteuert wird – das ist vielleicht etwas ungewohnt, funktioniert in der Praxis aber exquisit und butterweich: einfach den Drücker rausdrehen und mit einem sanften Druck springt der kleine GMT-Zeiger jeweils eine Stunde vor.

Der rote Drücker wirkt besonders kontrastreich bei der schwarz-beschichteten Variante der NOTSAG aquaelite (DLC, diamond-like carbon): In Verbindung mit den teilweise rot lackierten, auf der Keramiklünette eingefrästen Ziffern und Indizes sowie der roten Highlights auf dem Zifferblatt, ergibt sich ein sehr sportlich-tooliges Gesamtbild.

Nur der auf der Gehäuseseite eingravierte Name des Modells ist mir persönlich vielleicht ein Tick zu viel des Guten. Auf der anderen Seite stört er aber auch nicht, da er vergleichsweise unauffällig ist (anders als beispielsweise bei Uhren mit seitlich aufgesetzten, gravierten Plättchen).

Ich muss zugeben, dass ich normalerweise beschichtete Uhren meide und (wenn ich die Wahl habe) in 95% aller Fälle zum unbeschichteten Modell greifen würde – im Falle der NOTSAG aquaelite würde ich aber definitiv die Schwarze wählen, da der Rot-Schwarz-Kontrast live wirklich lecker aussieht!

Neben der Gangreserveanzeige und dem GMT-Hilfszifferblatt laden weitere Details zum Entdecken ein. Nennenswert sind beispielsweise die polierten, applizierten Ziffern und Indizes und das plastische NOTSAG-Logo. Dank der gänzlich symmetrischen Anordnung wirkt das Zifferblatt meiner Meinung nach sehr stimmig und keineswegs überladen.

Das Kautschukband ist schön flexibel und – für mich ganz wichtig – geruchsneutral. Auch das Stahlband macht einen wertigen Eindruck – da quietscht und knarzt zum Glück gar nix! Nur das Lederband haut mich ehrlich gesagt nicht aus den Socken – es wirkt etwas steif und fast schon etwas plastikartig.

Besonders gut hat mir aber gefallen, dass alle (!) Bänder mit einem Schnellwechselmechanismus kommen – sogar das Stahlband, was alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Einfach die Federstege zusammendrücken und schon kann das Band problemlos ohne Werkzeug und ohne die Gefahr Kratzer zu produzieren getauscht werden. Schon bei der Maurice Lacroix Aikon fand ich dieses System äußerst praktisch.

Fazit zur NOTSAG aquaelite GMT-Automatikuhr mit Gangreserveanzeige

Die Eckdaten (Saphirglas, Keramiklünette etc.) in Verbindung mit den gelungenen und eigenständigen Design-Elementen auf Basis des Soprod-Kalibers (GMT, Gangreserveanzeige) geben beim NOTSAG-Einstandsmodell meiner Meinung nach ein durchaus attraktives Gesamtbild ab. Die aufgerufenen 799 US-Dollar (Stahlvariante) bzw. 899 US-Dollar (DLC-Variante) im Vorverkauf erscheinen in diesem Licht als recht fair – und gleichzeitig tut man durch die glaubwürdige Spendenaktion noch etwas Gutes. Beachtet aber, dass noch Einfuhrumsatzsteuer (in Deutschland = 19%) oben drauf kommt – mit den aktuellen Wechselkursen landet man summa summarum bei 990€ für die Stahlvariante und 1100€ für die schwarze DLC-Variante.

Wem die die aquaelite II vielleicht ein wenig zu verspielt ist, der darf auf das Modell aquaelite Type I schielen, welches auf Basis des Soprod C140 nur eine Gangreserveanzeige auf 12 Uhr bietet und ohne GMT-Funktion kommt. Das Design wirkt dadurch etwas klassischer. Die aquaelite Type I ist ca. 100€ günstiger (umgerechnet ca. 880€ bzw. 990€).

NOTSAG aquaelite I

NOTSAG nimmt Vorbestellungen seit dem 1. April 2020 entgegen – Tipp: ihr könnt bei der Vorbestellung auch direkt euren Seriennummer-Wunsch für das limitierte Modell angeben (001-999). Eine Website ist derzeit in Arbeit und wird bald online gehen. Die Auslieferung der NOTSAG aquaelite soll Ende 2020 erfolgen.

Mehr auf notsag-watches.com.

Taucher-Alternativen mit Gangreserveanzeige

Alternative Uhren mit der charakteristischen Gangreserveanzeige auf 12 Uhr und GMT-Anzeige findet man ziemlich selten! Eine Ausnahme bildet der Schweizer Underdog CLERC Geneve, der mit dem Modell Hydroscaph GMT Power Reserve ebenfalls auf das Soprod C115 setzt – allerdings in einer COSC-zertifizierten, besonders exakt laufenden Variante. Für den CLERC XL-Klopper musst die Geldbörse aber ziemlich gut gefüllt sein – mit fast 8000 US-Dollar ist die wuchtige Taucheruhr alles andere als erschwinglich.

CLERC Hydroscaph GMT Power Reserve

Wer auf die GMT-Komplikation verzichten kann, der findet bei den Japanern aber eine Geldbeutel-schonende Alternative mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis: Die Orient Triton Taucheruhr, die mit eigenständigem Design und sogar mit dem hauseigenem Manufakturkaliber 40N5A samt Gangreserveanzeige kommt. Auf eine Keramiklünette muss man allerdings verzichten. Preispunkt: ca. 300€ aufwärts.

Mehr über Orient gibt’s in meinem umfangreichen Artikel über den japanischen Underdog.

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