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Von der traditionellen, früher ein mal sehr großen russischen Uhrenindustrie ist – bis auf wenige Ausnahmen – nicht mehr allzu viel übrig. Eines der wenigen „gallischen Dörfer“ ist der Hersteller Slava (russisch Слава), der nach wie vor in Moskau ansässig ist und sich unter neuer Führung in den letzten Jahren berappelt hat. Ein guter Grund für eine kleine Geschichtsstunde und den Blick auf drei aktuelle Retro-Modelle mit dem vollständig überholten, original Slava-Kaliber 2427

Slava Uhren: Eine kleine Geschichtsstunde

Wenn man die Geschichte von Slava betrachtet, so muss man zunächst in die Geschichte der Zweiten Staatlichen Moskauer Uhrenfabrik eintauchen: Im Jahre 1924, zwei Jahre nach der Gründung der Sowjetunion in Folge der kommunistischen Revolution, hat die Sowjetunion den Beschluss gefasst viele kleine Werkstätten der Roten Armee zum staatlichen Wirtschaftsbetrieb MEMZ (Moskauer Elektro-Mechanische Betrieb) zusammenzufassen. Dort sollten elektrische Uhren, Wecker und Wanduhren für industrielle Anwendungen produziert werden. Ende 1930 erfolgte die Umbenennung von MEMZ in Zweite Staatliche Uhrenfabrik Moskau. Im selben Atemzug wurden tausende Arbeiter aus Moskau und dem Umland rekrutiert und ausgebildet, um die Fertigung voranzutreiben. Später wurden in der Zweiten Staatlichen Uhrenfabrik Moskau auch Taschenuhren, Borduhren für Kraftfahrzeuge und Schachuhren produziert (es ist dabei natürlich kein Zufall, dass Schach der unangefochtene Volkssport Nummer Eins in Russland ist).

Zweite Staatliche Uhrenfabrik Moskau, abgerissen ca. 2010/2011, Bild: salech hcelas, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Im Oktober 1941 musste die Zweite Staatliche Uhrenfabrik Moskau aufgrund der vorrückenden Nazis gen Osten verlegt werden: In einer Hauruck-Aktion verfrachtete das Personal sämtliche Maschinen zur Herstellung von Uhren und Munition auf rund 170 LKW. Das Ziel der 500 Mitarbeiter samt Maschinen: Die Stadt Tschistopol, knapp 1000 km östlich von Moskau. Der Wiederaufbau der Fabrik erfolgte unter kaum vorstellbaren Bedingungen – bei tiefem Schnee und arschkalten Temperaturen. Dennoch schafften es die Arbeiter die Produktion in Tschistopol wieder aufzunehmen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Produktion wieder zurück nach Moskau verlegt (in Tschistopol verblieben einige Maschinen und Mitarbeiter, dort firmiert bis heute die Firma Vostok, nicht zu verwechseln mit Vostok Europe). Im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg wurden in der Zweiten Staatliche Uhrenfabrik Moskau Herrenarmbanduhren der Marke Salut (Салют) sowie Damenarmbanduhren der Marke Ära (Эра) und Pobeda (Победа) hergestellt.

Im Sommer 1958 erhielt die Zweite Staatliche Moskauer Uhrenfabrik einen neuen Namen: Слава (Slava), russisch für Ruhm. Fortan wurden auch Uhren unter diesem Markennamen hergestellt.

Slava konzentrierte sich in den späten 50er und frühen 60er Jahren vor allem auf die hauseigene Produktion von kleinen mechanischen Kalibern, die Platz in Damenuhren fanden. Auch das eine oder andere technologische Experiment war dabei – so wie das Modell Slava Transistor mit einem Stimmgabel-Quarzantrieb, das mit Gold bei der Leipziger Handelsmesse 1964 ausgezeichnet wurde.

Kleine Anekdote am Rande: Slava erkannte in den 60ern den zunehmenden Bedarf an Herrenuhren und verfrachtete die hauseigenen Damenkaliber einfach in größere Gehäuse – das stellte eine Übergangslösung bis zur Einführung der größeren, hauseigenen Kaliber-Reihe 2400 im Jahre 1966 dar.

Slava-Tischuhren

Seit der Gründung der Zweiten Staatlichen Uhrenfabrik Moskau im Jahr 1924, aus der Slava hervorgegangen ist, wurden dort über 330 Millionen Uhren produziert. Über die Gesamtproduktion von Uhrwerken gibt es keine genauen Angaben, klar ist aber, dass mindestens 60 Millionen Kaliber exportiert wurden. Zeitweise arbeiteten über 10.000 Mitarbeiter in Moskau (und 2000 in Frankreich bei der Niederlassung Slava-Besançon), um diese immensen Produktionsmengen zu stemmen und Uhren an die Handgelenke dieser Welt zu bringen. Dennoch sah es ab den 1990ern nicht allzu rosig aus bei Slava…

Slava Uhren: 1990er bis heute

Mit dem Zerfall der Sowjetunion ab den frühen 90er Jahren hatten russische Kunden plötzlich die Möglichkeit Uhren aus aller Welt zu kaufen, weshalb auch andere Marken aus Japan etc. natürlich Interesse weckten. Hinzu kam die Quarzrevolution, also die Überschwemmung westlicher Märkte mit günstigen Quarzuhren aus Asien, die ihr übrigens getan hat, um viele russische Hersteller in eine tiefe Krise zu stürzen.

Auch Slava hat infolge der einschneidenden Marktveränderungen die Räumlichkeiten der Zweiten Staatlichen Moskauer Uhrenfabrik aufgeben und verkaufen müssen. Es folgte der Umzug in angemietete Räumlichkeiten, die sich immer noch in Moskau befanden (und bis heute befinden).

Im Jahre 2004 wurde zunächst die russische Globexbank neuer Eigentümer von Slava. Die Fortführung der Uhrenproduktion hatte die Bank allerdings nicht im Sinne: Die Globexbank hat fast alle alten Produktionsanlagen verschrotten lassen, um das Gebäude räumen zu können. Im Jahr 2005 wurde außerdem eine Tochtergesellschaft, die Slava Trading House LLC, gegründet, in welche die immerhin 1.600 Mitarbeiter und alle Lagerbestände übernommen wurden. Aufgabe der Tochtergesellschaft war der Verkauf von Lagerbeständen, mit dem Erlös wurde gemäß russischer Gesetzgebung Personal abgebaut. Mit dieser Aufgabe wurden Pavel Petrovich Grankin und weitere Führungskräfte betraut.

Im Jahre 2006 erfolgte aber der Kurswechsel: Die in Moskau ansässige Firma Verny Khod erwarb das Slava Trade House und die exklusiven Markenrechte, um die Produktion von Slava-Uhren fortzuführen.

Auch heute noch ist Slava in der Hand der Verny Khod LLC – mit Pavel Petrovich Grankin als Inhaber. Herr Grankin ist gleichzeitig auch der Chef der heutigen Slava Watch Company LLC und Präsident der National Watch Association (NWA), dem russischen Uhrmacherverband, der 14 Mitgliedsunternehmen an Bord hat.

Grankin richtete die Marke Slava neu aus und entschied sich dafür, die Lagerbestände alter russischer Kaliber 2427 für Reissues, also Neuauflagen von Modellen aus der UdSSR, zu nutzen.

Mit Blick auf die teilweise extrem instabilen Marktverhältnisse im Bereich russischer Uhrenproduktion ist das Engagement von Pavel Petrovich Grankin mittlerweile so etwas wie ein Stabilitätsanker geworden – was Freunde russischer Uhren sicher freuen dürfte.

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Seit mittlerweile fast 20 Jahren ist die P. Maier GmbH der zuverlässige Partner für litauische und russische Uhrenmarken. Das Unternehmen ist unter anderem der offizielle Vertreter der Marken Vostok Europe, Sturmanskie und Slava in Deutschland. Neben dem Vertrieb der Uhren, schätzen Kunden die P. Maier GmbH auch als Ansprechpartner für die Gewährleistung/Garantie, Ersatzteilbeschaffung sowie Sonderanfertigungen auf Wunsch.

Slava Fernseher / Televisor (Телевизор)

Jüngere Semester werden den guten alten Röhrenfernseher (genau wie Disketten, Kassetten & Co.) nicht mehr kennen. Ich jedenfalls, Baujahr 1984, werde Röhrenfernseher nicht so schnell vergessen: Die dank Braunscher Röhre sauschweren Teile sind bei Umzügen nämlich der absolute Rückenzerstörer – alle, die so ein Teil schon mal in den vierten Stock eines Mehrfamilienhauses tragen mussten, wissen wovon ich rede.

Wie der Name schon sagt hat die Slava-Modellreihe Fernseher (bzw. Televisor von russ. „Телевизор“) viele Designelemente, die an die guten alten Röhrenfernseher erinnern. Das gilt insbesondere für den Uhrenkopf, der in der Form eines „runden Rechtecks“ kommt. An das Gehäuse wiederum dockt das vollintegrierte Stahlband direkt an – ein wenig Gérald Genta lässt grüßen. Fun Fact am Rande: Das Gehäuse in Verbindung mit dem integrierten Stahlband weckte bei einigen Uhrenfreunden in den 70ern auch gewisse Assoziationen an Panzer bzw. Panzerketten, weshalb ein weiterer, inoffizieller Beiname des Modells schlicht „Panzer“ ist.

In den 1970ern war die Slava Fernseher-Modellreihe ziemlich beliebt. Das Design entspricht dabei dem weltweiten Zeitgeist der 70er – auch weiter im Westen kamen ähnliche Modelle auf den Markt, so wie die Omega Speedmaster 1045 (Ref. 176.0014), die Rado SuperTime oder die Girard-Perregaux Gyromatic High Frequency. Auch in Fernost setzte man auf das außergewöhnliche Design, zum Beispiel in Form der Seiko 6308-5000.

Das Gehäuse der Slava Fernseher Retro-Neuauflage kommt mit ein paar schicken Finessen wie einer polierten Lünette, die das leicht gewölbte, saphirbeschichtete Mineralglas trägt. Besonders cool ist die rote Krone, die passenderweise an den An-/Ausschalter eines Fernsehers erinnert. Kleiner Wermutstropfen: Die Krone ist komplett poliert und dadurch nicht besonders griffig, der (optionale) Handaufzug des Kalibers ist dadurch nicht besonders komfortabel zu bedienen. Dazu ein passender Hinweis am Rande: Es steht eine weitere Variante der Slava Fernseher in den Startlöchern, die mit einer griffigeren Krone kommt und aus Volltitan ist.

Bei genauerem Hinsehen kann man an der Gehäuseseite etwas entdecken, das bei mir erstmal für Stirnrunzeln gesorgt hat: Eine Art Hebel, versenkt in einem Schlitz. Dahinter verbirgt sich eine Eigenart des Kalibers 2427, nämlich, dass sich das Datum nicht (wie sonst üblich) über die mittlere Kronenstellung, sondern eben über diesen kleinen Hebel einstellen lässt. Dafür verwendet man (um Kratzer zu vermeiden) am besten einen Zahnstocher oder einen gut mit Vitamin B gestärkten Fingernagel. Später mehr zum Kaliber 2427.

Auch das Zifferblatt entspricht sehr originalgetreu dem der „Ur“-Fernseher aus den 70ern. Augenscheinlich sind insbesondere Elemente wie die applizierten Stundenziffern, das metallische Slava-Logo und das mittige Streifenmuster. Das Zifferblatt ist außerdem leicht „körnig“, was den Retro-Charakter des Modells wunderbar unterstreicht.

Sämtliche Schriftzeichen auf dem Zifferblatt sind in Russisch bzw. kyrillisch gehalten – das rundet den originalgetreuen Retro-Charakter des Modells toll ab, ist bei der Wochentagsanzeige für Deutschsprachige aber naturgemäß gewöhnungsbedürftig (unten im Bild ist „Freitag“ = пятница eingestellt). Übrigens: Der Sonntag (Воскресенье, kurz „Вск“ ist in roter Schrift gehalten.

Mit Abmessungen von 42 x 40 mm ist die Slava Fernseher auf dem Papier eher kleiner – man beachte aber, dass eckige Uhren naturgemäß immer etwas größer wirken. Auch das vollintegrierte Band mit seinem Anstoß von 30 mm lässt die Uhr noch mal etwas wuchtiger wirken. Zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt in etwa 19 cm.

Eckdaten Slava Fernseher:*

  • Hergestellt in Russland
  • Gehäuse aus 316L-Edelstahl, je nach Variante beschichtet
  • Slava-Automatikkaliber 2427, 18.000 bph, Handaufzug möglich, Gangreserve 40 Stunden, Stoßsicherung, Datumsanzeige mit Schnellverstellung über einen zusätzlichen Drücker (auf 14h), Wochentagsanzeige in kyrillischen Buchstaben
  • Maße: 42 x 40 mm
  • Höhe: 14 mm
  • Mineralglas, saphirbeschichtet
  • Verschraubter Gehäuseboden
  • Gewicht: 176 Gramm (am Stahlband)
  • Edelstahlband, Bandanstoß 30 mm
  • Wasserdichtigkeit: 10 bar / 10 atm / 100 Meter (zum Schwimmen geeignet)
  • Limitiert auf 500 Stück
  • Preis: Ab 659€

Slava Frieden / Mir (Мир)

Auch das Modell Slava Mir (russ. Мир = Frieden oder Welt), das in der Sowjetzeit millionenfach verkauft wurde, steht ganz im Zeichen der Siebziger: Bei der Neuauflage sticht vor allem das 316L-Edelstahl-Gehäuse ins Auge (im Falle der hier gezeigten Variante roségold PVD-beschichtet), das in der sogenannten Tonneau-Form (franz. für ‚Fass‘) kommt. Das Gehäuse weicht allerdings von der klassischen Tonneau-Form ab, wirkt deutlich „rundlicher“ wie beispielsweise bei der Seiko Turtle.

Slava-Katalog aus 1983 mit der damaligen Slava Mir

Das Roségold des Gehäuses wird durch einen goldfarbenen Zeigersatz und goldfarbene, applizierte Indizes aufgegriffen. Ansonsten ist das Zifferblatt eher schlicht und unaufgeregt gehalten. Zum Einsatz kommen wieder originalgetreue kyrillische Zeichen wie автоподзавод (Selbstaufzug bzw. Automatikaufzug) oder 25 камней (25 Steine) auf „6 Uhr“. Auch die Wochentage sind wieder auf Russisch. Eine kleine Besonderheit ist die Minuterie, die an Vampirzähne erinnert:

Mit einem Durchmesser von 43 mm ist die Slava Mir (zumindest für eine Uhr mit klarem Retro-Charakter) eher größer dimensioniert, wegen der speziellen Gehäuseform beträgt das Horn-zu-Horn-Maß aber humane 48 mm. So oder so ist der Tragekomfort am phänomenal weichen Lederband ganz hervorragend. Sehr praktisch sind die großen ausgestanzten Löcher im Band, wodurch beim Tragen der Uhr etwas Luft an den Arm darf.

Eckdaten Slava Mir:*

  • Hergestellt in Russland
  • Gehäuse aus 316L-Edelstahl, je nach Variante beschichtet
  • Slava-Automatikkaliber 2427, 18.000 bph, Handaufzug möglich, Gangreserve 40 Stunden, Stoßsicherung, Datumsanzeige mit Schnellverstellung über einen zusätzlichen Drücker (auf 14h), Wochentagsanzeige in kyrillischen Buchstaben
  • Durchmesser: 43 mm
  • Höhe: 14 mm
  • Horn-zu-Horn: 48 mm
  • Mineralglas, saphirbeschichtet
  • Verschraubter Gehäuseboden
  • Gewicht: ca. 100 Gramm (am Lederband)
  • Echtlederband, Bandanstoß 22 mm
  • Wasserdichtigkeit: 10 bar / 10 atm / 100 Meter (zum Schwimmen geeignet)
  • Limitiert auf 500 Stück
  • Preis: Ab 509€

Slava Ära (ЭРА)

Das russische Wort ЭРА, deutsch „Ära“, wurde für eine Weile bewusst aus dem russischen Wortschatz verdrängt, stand es doch im engen Zusammenhang mit der Zeit seit der Geburt Christi, dessen Existenz die Kommunisten nach der Machtübernahme leugneten (Stichwort: Oktoberrevolution).

In der Sowjetunion kam das Wort aber zunehmend zurück – im Allgemeinen vor allem im technologischen Zusammenhang und im Speziellen mit Beginn der sowjetischen Raumfahrt, die mit dem Start des ersten Erdsatelliten Sputnik 1 im Oktober 1957 ihren Anfang nahm.

Anders als Slava Fernseher und Slava Mir hat die Slava Ära keine Armbanduhr als Vorbild, sondern eine Tischuhr mit dem Namen „Kristall“ , die in den 1960er in vielen Haushalten anzutreffen war.

Slava Kristall

Die größte Besonderheit der Slava Ära ist schnell identifiziert: Ein 45° Grad Kantenschliff des Uhrenglases, welcher tatsächlich (wie damals bei der Tischuhr) an einen Kristall erinnert und ein wunderschönes Lichtspiel bietet. Die Lünette und die Krone greifen den Schliff des Glases auf. Das Gehäuse ist passenderweise durchgängig poliert, was den Kristall-Effekt unterstreicht.

Anders als bei den Modellen Slava Fernseher und Slava Mir wurde bei der Slava Ära ein Drücker verbaut, der an einen klassischen Chrono-Drücker erinnert und einen deutlich komfortableren Datumswechsel ermöglicht. Allerdings kann man natürlich argumentieren, dass der Drücker eine Spur Sportlichkeit mit sich bringt, was nicht so ganz zum klassischen Dresswatch-Charakter der Slava Ära passen will.

Neben dem ungewöhnlichen Schliff des Glases sticht auch das Zifferblatt mit seinem tollen Goldton, Dégradée-Effekt und feinem Sonnenschliff ins Auge. Die applizierten Indizes werden von plastischen „Dots“ begleitet. Prädikat: ziemlich genial.

Für die Slava Ära gilt dasselbe wie für die Slava Mir: Für eine Retro-Uhr ist sie vergleichsweise groß (43 mm), durch den Datums-Drücker wirkt das Modell auch noch etwas größer. Das freut Uhrenfreunde wie mich natürlich, die mit dem Downsizing von Retro-Modellen auf unter 40 mm, den viele Hersteller betreiben, nicht viel anfangen können (alles unter 40 mm sieht an meinem 19 cm-Handgelenk meistens eher mickrig aus). Auch das Lederband der Slava Ära kommt mit „Luftlöchern“, die für etwas Luftzirkulation sorgen.

Eckdaten Slava Ära:*

  • Hergestellt in Russland
  • Gehäuse aus 316L-Edelstahl, je nach Variante beschichtet
  • Slava-Automatikkaliber 2427, 18.000 bph, Handaufzug möglich, Gangreserve 40 Stunden, Stoßsicherung, Datumsanzeige mit Schnellverstellung über einen zusätzlichen Drücker (auf 14h), Wochentagsanzeige in kyrillischen Buchstaben
  • Durchmesser: 43 mm
  • Höhe: 14 mm
  • Horn-zu-Horn: 48 mm
  • Mineralglas, saphirbeschichtet
  • Verschraubter Gehäuseboden
  • Gewicht: ca. 100 Gramm (am Lederband)
  • Echtlederband, Bandanstoß 22 mm
  • Wasserdichtigkeit: 10 bar / 10 atm / 100 Meter (zum Schwimmen geeignet)
  • Preis: Ab 539€

Slava-Uhren und das Kaliber 2427

Slava Fernseher, Mir und Ära kommen allesamt mit dem Slava-Kaliber 2427, das erstmalig im Jahre 1973 in den Prototypen der Modelle Fernseher und Mir auf den Markt kam. Das Automatikwerk wird zwar schon seit vielen Jahren nicht mehr produziert, der aktuelle Slava-Eigentümer zehrt aber von Restbeständen. Dabei wird jedes Uhrwerk einzeln einer umfangreichen Revision und Reglage unterzogen, bevor es in den neuen Retro-Modellen zum Einsatz kommt.

Slava-Kaliber 2427

Das Slava 2427 gilt als robust, zuverlässig und (für ein russisches Kaliber) als relativ präzise, obwohl die Frequenz eher geringe 18.000 bph beträgt (zum Vergleich: Heutige Kaliber wie das NH35 oder das Sellita SW200 kommen mit 21.600 oder 28.800 bph). In den 70ern und 80ern war das Kaliber jedenfalls – sicher nicht zu Unrecht – ein echter Exportschlager.

Auf eine langfristig gute Ganggenauigkeit zahlen unter anderem die Stoßsicherung und die Glucydur-Unruh ein. Letztere hat den Vorteil, dass sie nicht so stark auf Temperaturschwankungen und Magnetfelder wie eine Nickelunruh reagiert.

Auf der Zeitwaage machen die Modelle Fernseher (Телевизор), Mir (Мир) und Ära (ЭРА) mit Werten zwischen +5 und +11 Sekunden pro Tag in der Summe eine ordentliche Figur.

Die Gangwerte der Slava Ära

Die Gangreserve des Kalibers 2427 ist dank Doppelfederhaus, also zwei in Reihe geschalteter Federhäuser, mit 40 Stunden auf dem Niveau von Kalibern wie dem Sellita SW200.

Eine Besonderheit am Kaliber 2427 ist, dass die Datumsverstellung über einen separaten Schalter erfolgt – wie oben bereits beschrieben. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, man hat den Dreh per Fingernagel aber schnell raus. Schade: Für den Wochentag gibt es leider keine Schnelleinstellung über die Krone. Auch ein Sekundenstopp (bei gezogener Krone) fehlt. Eine Handaufzugsmöglichkeit ist aber an Bord.

Eine Schönheit ist das Slava 2427 ganz sicher nicht, weshalb es eine nachvollziehbare Entscheidung von Slava war, das Werk bei allen hier vorgestellten Modellen hinter einem verschraubten Stahlboden zu verstecken.

Gehäuseboden der Slava Mir (Мир)
Gehäuseboden der Slava Ära (ЭРА)

Übrigens: Ein großer US-Blog behauptet, dass die Werkeproduktion von Slava in die Hände von Alexander Shorokhov gefallen ist. Das ist aber schlicht falsch. Holen wir kurz aus: Der gebürtige Moskauer Shorokhov lebt schon seit drei Jahrzehnten in Deutschland und hat mit seiner eigenen Marke eine beachtliche Markenbekanntheit aufgebaut (siehe hierzu auch den Doppel-Test zu Alexander Shorokhoff Revolution Avantgarde und Chrono C01).

Mit der Marke Slava im Allgemeinen oder Slava-Uhrwerken im Speziellen hat Herr Shorokhov aber faktisch Null Komma Nix zu tun – korrekt ist nur, dass er ursprünglich die Uhrenmarke CCCP (russisch für UdSSR, d.h. die ehemalige Sowjetunion) gegründet hat und für diese Marke Restbestände alter Slava-Kaliber aufkaufte und verwendete. Die Marke CCCP, die man mittlerweile hin und wieder auch auf Teleshopping-Sendern antrifft, ist Richtung Fernost gewandert – die Rechte liegen bei einem Unternehmen in Hong Kong. Slava-Kaliber kommen dabei nicht mehr zum Einsatz.

Slava-Uhren: Fazit

Die hier vorgestellten Slava-Uhren kommen mit einer Menge originalgetreuem Retro-Charme und eigenständigem Design. Qualitativ und haptisch (Gehäuse, Zifferblatt etc.) können die Modelle problemlos mit der (in dieser Preisregion) zweifellos vielzählig vorhandenen Konkurrenz aus Deutschland, der Schweiz und Japan mithalten.

Ein Kritikpunkt betrifft aber das Uhrenglas: In meinem Artikel über Vostok Europe-Uhren habe ich bereits ausführlich dargelegt, dass Mineralglas zwar auch gewisse Vorteile gegenüber Saphirglas hat. Am Ende des Tages muss man aber einfach sagen, dass ein Saphirglas für Otto-Normal-Uhrenfreunde einfach die alltagstauglicheren Vorteile hinsichtlich Kratzfestigkeit bietet. Immerhin setzt Slava eine zusätzliche Härtebeschichtung („Saphirbeschichtung“) ein – ähnlich wie Seiko es beim hauseigenen Hardlex-Glas tut.

Mit Blick auf die Preise kann man außerdem natürlich argumentieren, dass man zu den von Slava aufgerufenen Preisen jenseits der 500€ auch schon Dreizeigermodelle aus Deutschland oder der Schweiz mit Sellita-Kalibern bekommt (zum Beispiel Circula, Steinhart, etc.). Dabei hat das Sellita SW200 technisch sicherlich die Nase vor dem 2427, am Ende des Tages sind aktuelle Slava-Uhren aber eine gute Option, wenn man Interesse an umfangreich auf Vordermann gebrachten, original russischen „Traktor“-Kalibern, verpackt in einem qualitativ und haptisch hochwertigen Gewand, hat.

*Hinweis / Reklame
Seit mittlerweile fast 20 Jahren ist die P. Maier GmbH der zuverlässige Partner für litauische und russische Uhrenmarken. Das Unternehmen ist unter anderem der offizielle Vertreter der Marken Vostok Europe, Sturmanskie und Slava in Deutschland. Neben dem Vertrieb der Uhren, schätzen Kunden die P. Maier GmbH auch als Ansprechpartner für die Gewährleistung/Garantie, Ersatzteilbeschaffung sowie Sonderanfertigungen auf Wunsch.

Übrigens: Neben den hier vorgestellten Retro-Modellen, hat Slava auch einige moderne Uhren mit ziemlich außergewöhnlichen Designmerkmalen im Sortiment, darunter das Modell Cosmonaut der Sub-Marke Speznas mit einer ins Band integrierten zweiten Mini-Uhr für eine weitere Zeitzone und seitlich montierter, abnehmbarer Taschenlampe.

Abschließend noch Neuigkeiten von Slava: Im Januar/Februar 2022 wird eine neue, auf 500 Stück limitierte Modelllinie namens „Kapitän“ erscheinen – an Bord sind das Kaliber 2427, 20 bar Wasserdichtigkeit und charakteristische Designmerkmale wie eine Krone in Form eines Kingston-Ventils und eine „Schiffskette“ als Lünettenumrandung.

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Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

  1. Rumburak Klötenschneider

    Beim Lesen dieses wie immer gut recherchierten und geschriebenen Artikels mußte ich unweigerlich an die ersten Folgen von Pan Tau, Lolek und Bolek und den kleinen Maulwurf denken; Fernsehereignisse meiner Kindheit aus einem unbekannten Reich namens Ostblock. Haben die genannten die Zeit einigermaßen gut überdauert, die drei Nüsse für Aschenblödel haben es sogar ins alljährliche Weihnachtsprogramm geschafft, so sieht es bei den vorgestellten Uhren jedoch völlig anders aus.

    Kein denkender Mensch, der diese Zeiten mit einigermaßen Bewusstsein erlebt hat, würde sich orange Tapeten, knallrote Plastiklampen, Hosen mit Schlag oder grüne Hemden mit blauen Krawatten zurückwünschen. Auch Prilblumen an den heimischen Küchenfliesen und der Flokati im Wohnzimmer wären nicht mehr en vogue. Jedoch gerade bei den Armbanduhren feiert die Retrowelle eine historische Geschmacksverirrung nach der anderen. Die Uhren in diesem Artikel, allen voran die „Fernsehuhr“, zeigen eine Scheußlichkeit längst vergangener Zeiten, die ihresgleichen sucht und wohl kaum finden wird. Dem ästhetisch geschulten Beobachter wird nachdrücklich vor Augen geführt, wie gut es sein kann, wenn manche Modeerscheinungen und ihre Produkte in der Versenkung der Geschichte verschwunden sind.

    Daß das nicht immer so bleiben muß, zeigt dieser Artikel leider sehr deutlich. Denn seit jenen Zeiten sind viele junge Menschen nachgewachsen, die durchaus ihre Freude an diesen Objekten haben könnten und Geschmacksicherheit ist ja heute nicht mehr unbedingt angesagt bzw. wird auch nicht vermittelt. Schaut man sich in den sogenannten Sozialen Medien um, ist eher das Gegenteil der Fall. Trash for President. Der ältere, in Ruhe gereifte und gut abgehangene Beobachter wendet sich mit größtmöglichem Grausen ab, aber es hilft nichts. Die Jugend (und alle, die sich ihr zugehörig fühlen) ist begeistert von dem coolen Retrokram, und ganz ehrlich, warum sollte sie auch nicht, wir waren es vor ‚zich Jahren ja auch (mehr oder weniger). Also: Häßlichkeit ist wieder Trumpf und Toleranz ist angesagt. Geschmack ist keine Geldfrage und jeder Jeck ist anders.

    1. Mario

      Danke für deine ausführlichen Gedanken 😉

  2. Herbert J

    Hallo Mario, mit wachsender Begeisterung lese ich seit einigen Monaten deinen Uhrenblog – super Recherche und viele Hintergrundinfos. Seit über 20 Jahren sammele ich u.a. russische Uhren und besitze inzwischen einige, auch mit dem Uhrwerk 2427. Diese Uhren laufen sehr zuverlässig, auch nach Jahrzehnten ohne Wartung. Mir ist bei disen Neuauflagen augefallen, dass sie ein 25-Steine Uhrwerk haben sollen (zumindest lt. Zifferblattaufdruck). Das alte Slava 2427 Uhrwerk hat aber 27 Steine….wie kann das sein – angeblich sind alte Uhrwerke aus Lagerbeständen verbaut worden. Du kannst da bestimmt Licht ins Dunkel bringen und diese Diskrepanz aufklären. Vielen Dank und Grüße aus Bonn, Herbert

    1. Mario

      Hi Herbert, ich habe da gerne mal nachgehakt:
      Das 2427 wurde Mitte/Ende der 80er Jahre modernisiert und dabei wurden 2 Steine entfernt, so dass nur noch 25 übrig waren.
      Es ist nach wie vor ein echtes, originales 2427, nur eben aus einer späteren Produktion. 🙂
      Viele Grüße
      Mario

  3. Harry Bauer

    Wieder ein sehr guter und interessanter Artikel. Zum Thema CCCP wollte ich noch anmerken das dieses Brand nach wie vor von den Engländern https://www.dartmouthbrands.co.uk/ vertrieben wird.Wobei mir nicht so ganz klar ist, warum der Name „Slava“ Uhrwerke nach wie vor in den Uhren gebrandet wird, obwohl diese zum Großteil keine 2427 Kaliber mehr sind, sondern oft Seiko SH35 oder Miyota Uhrwerke. Scheinbar ist der Name „Slava“ evtl. hier nicht geschützt. Hast Du evtl. hier eine Erklärung? Grüsse HB

    1. Mario

      Hi Harry, du hast recht und nach meinen Informationen benutzt die Marke den Namen zu unrecht…

  4. Jens-Olaf B.

    Also wirklich, Mario: Hut ab! Respekt! Vieles von dem, was Du schreibst, hatte ich zwar hier und da schon gehört oder gelesen, aber ich kann sehr gut Russisch und nutze russischsprachige Quellen. Trotzdem fand ich Deinen Beitrag sehr schön und informativ. Vielen Dank! Ich finde es überhaupt bemerkenswert, dass Du den russischen Uhren, die ja heute weltweit keine bedeutende Rolle mehr spielen, Beachtung schenkst. Ich selbst habe einige alte und neue russische Uhren und mag sie.
    (Nur das Wort „arschkalt“, das ich gelegenlich auch benutze, hätte ich an der Stelle gemieden, weil ich mir immer die furchtbare Situation vor Augen führe, in der die Russen damals steckten.)
    Also noch einmal: Vielen Dank für für Deine tolle Arbeit!

  5. Watchout

    Einmalig – Deine Recherchen mit allen wichtigen Details und Bildern. Ich lese nicht viel, aber Deine Berichte motivieren mich sogar zu schreiben.
    Vielen Dank und weiter so!

  6. Olaf M.

    Hallo Mario,
    Einen großen „Daumen hoch“ für Deinen tollen Artikel.
    Ich habe eine Ära in der schwarzen Version. Sie ist ein wirklicher Hingucker.
    Es ist erstaunlich, wie Du die vielen Informationen zusammentragen kannst. Einen kleinen Teil hatte ich selbst recherchiert.
    Durch Deinen Beitrag hast Du mir ein weiteres aufwendiges Suchen erspart.
    Dankeschön und mach weiter so!

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