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Chronograph: Uhren mit Stoppuhr-Komplikation einstellen, Funktion und Definition

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Historisch spannende Chronographen wie Rolex Daytona, Breitling Navitimer, TAG Heuer Carrera oder Omega Speedmaster erfreuen sich bis heute extrem großer Beliebtheit. Ein Chronograph (fälschlicherweise manchmal Cronograph geschrieben) ist zunächst einmal keine eigenständige Uhr in dem Sinne, sondern bezeichnet nur eine Zusatzfunktion einer batteriebetriebenen oder mechanischen Uhr (im Fachjargon wird solch eine Zusatzfunktion auch „Komplikation“ genannt). Konkret erweitert eine Chronographen-Komplikation eine Uhr um eine Stoppuhr.

Breitling Chronomat Header
Breitling Chronograph

Ausnahmen bestätigen die Regel: Vereinzelt gibt es auch heute noch Hersteller, die Stoppuhren herstellen, welche nicht etwa die Uhrzeit anzeigen, sondern tatsächlich nur die Funktion aufweisen die Zeit zu stoppen. Ein Beispiel ist der im Schwarzwald ansässige, kleine Uhren-Hersteller Hanhart. Stoppuhren wurden und werden z.B. bei der Messung im sportlichen Wettkampf eingesetzt…

Die historische Funktion von Uhren mit Chronograph-Komplikation

Es lässt sich kaum abstreiten, dass heutzutage die wenigsten Leute die Stoppuhr ihres Chronographen häufig im Alltag nutzen – das Smartphone zu zücken ist, wenn man ehrlich ist, einfach viel bequemer.

Historisch betrachtet spielten Chrongraphen aber z.B. im Rennsport eine wichtige Rolle: Im Jahre 1964 brachte der Schweizer Uhrenhersteller Heuer (heute: TAG Heuer) mit dem Modell Carrera den ersten speziell für die Zeitmessung von Autorennen entwickelten Chronographen heraus. Bekannt wurde die Heuer Carrera durch den fünffachen Formel 1-Weltmeisters und Heuer-Partner Juan Manuel Fangio bei der Carrera Panamericana in Mexiko. Auch heute noch pflegt TAG Heuer die Carrera-Modellreihe intensiv…

Auch in der Luftfahrt waren Chronographen (übelebens-)wichtig: Zu Anfang des Zweiten Weltkrieges beispielsweise mussten Hersteller wie Tutima oder Hanhart robuste Fliegerchronographen für die Kampfpiloten der deutschen Luftwaffe entwickeln und produzieren. Die Piloten konnten damals mit ihren Chronographen, als Backup zu ihrer Borduhr, beispielsweise auf die noch benötigte Zeit bis zum Ziel oder den Treibstoffverbrauch schließen.

Aber egal, ob man nun die Chronographen-Funktion einer Uhr nutzt oder nicht – solche Uhren sehen in der Regel deutlich sportlicher aus als simple Dreizeiger-Pendants. Das liegt sowohl an den Hilfszifferblättern, den sogenannten Totalisatoren, als auch an häufig eingesetzten Zusatz-Indizes: So haben Chronographen meistens auch eine sogenannte Tachymeter-Skala (dazu gleich mehr)…

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Straton Syncro Wristshot
Straton Syncro Retro-Chronograph

Chronograph einstellen und Zifferblatt-Erklärung

Chronographen haben in aller Regel oberhalb der Krone einen „Auslöse“-Drücker zum Starten/Stoppen der Zeitmessung und unterhalb der Krone den Reset-Drücker zum Zurücksetzen der Zähler.

Beim Auslösen des Start/Stopp-Drückers läuft der zentrale Sekundenzähler, der sonst diszipliniert auf „12 Uhr“ steht, los. In den Hilfszifferblättern bzw. „Sub-Ziffernblättern“, den sogenannten Totalisatoren, laufen beim Start entsprechend die Zeiger für die Minutenzählung (normalerweise bis 30 Minuten) und der Zeiger für die Stundenzählung (normalerweise bis 12 Stunden) in jeweils einem Totalisator los. So kann auch über einen längeren Zeitraum die gestoppte Zeit gemessen werden.

Hier eine kompakte Darstellung der Begrifflichkeiten anhand des Beispiels der Omega Speedmaster Moonwatch:

Chronograph beschriftet Funktionen Omega Moonwatch

Durchschnittsgeschwindigkeit mit Chronographen messen

Die Tachymeter-Skala ist ein wesentlicher und häufig anzutreffender Bestandteil von Uhren mit Chronographen-Komplikation (Stoppuhr). Mit der Tachymeter-Skala (häufig auch Tachymetre-Skala oder Tachometer-Skala) lassen sich Einheiten pro Stunde (Units per Hour) messen. Eine klassische Anwendung ist die Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit, zum Beispiel bei Autorennen.

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Die Tachymeter-Skala ist in der Regel außen auf der (in aller Regel nicht drehbaren) Lünette aufgebracht – wie z.B. bei der Omega Speedmaster Moonwatch, der TAG Heuer Carrera, der Rolex Daytona oder dem ANONIMO WRC Rally-Chronographen. Seltener wird die Tachymeter-Skala innen auf dem Rehaut untergebracht – wie z.B. bei der Breitling Chronomat B01 42.

Rolex Daytona Wiederverkauf Werterhalt
Rolex Daytona Chronograph mit außen liegender Tachymeter-Skala

Ausnahmen bestätigen die Regel: Ein echter Blickfang ist beispielsweise die rote, spiralförmige Skala im Zentrum des Hanhart TachyTele. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine „normale“ Tachymeter-Skala zur Messung von Durchschnittsgeschwindigkeiten. Da aber durch die spezielle Form der Skala insgesamt drei Umläufe des Stoppzeigers berücksichtigt werden können, ist der Messbereich deutlich erweitert. So lassen sich auch noch relativ langsame Geschwindigkeiten von 60 bis 20 km/h messen.

Exotische Chronographen: Flyback und Rattrapante

Eine zusätzliche Komplikation von Chronographen ist die eher exotische, sogenannte Flyback-Funktion (auch Einholfunktion genannt), die auf den Schweizer Traditionshersteller Longines und das mechanische Kaliber 13ZN aus den 30er Jahren hervorging. Die Flyback-Funktion ermöglicht es mit nur einem einzigen Betätigen des unteren Drückers (auf „4 Uhr“) die Messung zu stoppen und den Zeiger zu nullen. Die zweite Messung kann dann sofort wieder gestartet werden, sobald der Drücker losgelassen wird.

Bei „normalen“ Chronographen ist dafür das dreimalige Auslösen der Drücker nötig (Start/Stop – Zurücksetzen – Start/Stop). Durch einen Flyback-Mechanismus ist also eine Zeitersparnis möglich, die z.B. bei der Messung von Rundenzeiten nützlich sein kann.

Mechanische Chronographen mit Flyback-Komplikation sind in der Regel im höherpreisigen Segment angesiedelt, darunter mechanische Modelle wie z.B. der Sinn 910 SRS Schaltrad-Chrono (ab 3700€). Quarz-Chronographen mit Flyback-Funktion sind schon für deutlich weniger zu bekommen.

Eine weitere spannende Komplikation ist die Rattrapante-Funktion (sogenannte Doppel-Chronographen) mit einem weiteren, zentralen Sekundenzähler (Sekundenschleppzeiger = Rattrapante). So können Zwischenzeiten oder eine zweite Endzeit gemessen und festgehalten werden. Beim IWC Pilot Watch Doppelchronograph wird der Sekundenschleppzeiger über einen separaten Drücker ausgelöst, die Stoppzeiten können addiert werden:

Liste: Beliebte Chronographen für Herren im Überblick

Die Chronographen in der folgenden Liste erfreuen sich unter Uhrenfreunden großer Beliebtheit – das liegt insbesondere daran, dass diese Modelle eine besonders reichhaltige Historie und/oder technische Besonderheiten mitbringen. Alle hier genannten Chronographen prägten ihr Zeit maßgeblich und sind bis heute erhältlich:

  • Zenith El Primero: Zenith wollte mit dem Kaliber El Primero das allererste automatische Chronographen-Kaliber auf den Markt bringen. Doch Seiko und das Schweizer Kaliber 11-Konsortium (u.a. Heuer) zogen davon. Zenith gebührt leider nur der Dritte Platz auf dem Siegertreppchen. Macht aber nix: Der El Primero-Chronograph bringt dank des Schnellschwinger-Kalibers (36000 vph) auch heute noch eine bemerkenswerte technische Besonderheit mit.
  • Omega Speedmaster Moonwatch: Offizieller Bestandteil der NASA-Mondlandemission am 20. Juli 1969 und die erste Uhr auf dem Mond – allerdings nicht am Handgelenk vom ersten Mann auf dem Mond, Neil Armstrong (der hat seine „Mooni“ in der Kapsel vergessen), sondern am Arm von Astronaut Nummer zwei, Buzz Aldrin. Sei’s drum: Die Omega Speedmaster ist bei Uhrenfreunden bis heute einer der beliebtesten Chronographen der Welt.
  • Breitling Navitimer: Weiterentwicklung der Breitling Chronomat im Jahre 1952 – mit der Rechenschieber-Lünette der Navitimer war es (neben Dreisatzrechnungen, Mulitplikation und Division) nun auch möglich speziell für die Luftfahrt benötigte Kalkulationen durchzuführen (z.B. Treibstoffverbrauch).
  • Breitling Chronomat: Der Vorgänger der Breitling Navitimer, entwickelt während des Zweiten Weltkrieges und beispielsweise offizielle Dienstuhr für die United States Air Force. Dank Rechenschieber-Lünette damals revolutionär.
  • Sinn 903: „Der schnelle Helmut“ kaufte während der Quarzkrise fast den gesamten Lagerbestand an Navitimer-Ersatzteilen sowie Maschinen und Designrechte von der taumelnden Breitling SA und baute eine Navitimer „Made in Frankfurt“. Unter Uhrenfreunden gilt die Sinn 903 daher als qualitativ hochwertige (und etwas günstigere) Navitimer-Alternative.
  • TAG Heuer Carrera: Benannt nach dem populären Autorennen Carrera Panamericana und klar auf die Zielgruppe der Rennfahrer ausgerichtet. Ab 1969 mit einem der ersten Automatik-Chronographen-Kaliber, dem Kaliber 11.
  • TAG Heuer Autavia: Jack Heuers erste Chronographen-Schöpfung! Im Jahre 1962 lanciert, richtete sich das Modell an Sportwagen-Fahrer und Flugzeug-Piloten (daher auch die Wortschöpfung aus “automotive” und “aviation”).
  • TAG Heuer Monaco: Quadratisch, praktisch gut – das Design der TAG Heuer Monaco hob sich im Erscheinungsjahr (1969) designtechnisch stark von der Konkurrenz ab. Niemand geringeres als Schauspieler Steve McQueen trug die Monaco im Film „Le Mans“ am Handgelenk und machte den Chrono bekannt. Die Heuer Monaco kam in der Erstausführung ebenfalls mit dem Kaliber 11.
  • Rolex Daytona: Benannt nach dem Daytona-Autorennen am Strand von Florida und damit das Rennsport-Pendant zur Carrera aus dem Hause Rolex. Im Jahre 1962 startete Rolex sein Engagement als offizieller Zeitnehmer, bereits ein Jahr später erschien der Daytona Cosmograph Referenz 6239. Feine Sache: Der Sieger des Rennens bekam nicht nur einen Pokal, sondern auch eine Rolex Daytona spendiert.
  • Fliegerchronographen von Hanhart, Tutima und aus Glashütte: Im Zweiten Weltkrieg mussten Hersteller wie Hanhart oder Tutima robuste Chronographen für die Kampfpiloten der deutschen Luftwaffe entwickeln und produzieren, damit diese während ihres Einsatzes beispielsweise auf den Treibstoffverbrauch schließen konnten. Fliegerchronographen sind von Beobachtungsuhren abzugrenzen, die von den Navigatoren an Bord getragen wurden und in Kombination mit einem Oktanten Aufschluss über die Position des Flugzeugs gaben. Hanhart beispielsweise produzierte ca. 25.000 Stück des Zweidrücker-Chronographenkalibers 41. Nach dem Krieg produzierte Hanhart auch Uhren für die Bundeswehr
  • Casio EDIFICE: Okay, zugegeben – so ganz passt die moderne Casio EDFICE vielleicht nicht in diese Auflistung historischer, mechanischer Chronographen. Und dennoch darf man bei den Quarz-Chronographen aus dem Hause Casio durchaus von „Neo-Klassiker“ sprechen. Mit Modellen wie der EDIFICE EQB1100 zeigen die Japaner, was analoge Uhren heute alles können ohne dabei eine Smartwatch sein zu müssen und dabei gleichzeitig auch noch sportlich schick auszusehen.

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