Irrer Viertelmillion Dollar-Sofafund: Rolex Daytona „Paul Newman“ / die teuerste Uhr der Welt

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So viel Glück muss man erst mal haben: Eine Kanadierin hat zwischen den Kissen ihres Sofa, welches sie vier Jahre zuvor für schlappe 25 US-Dollar in einem Second-Hand-Laden gekauft hatte, eine Rolex gefunden. Eigentlich hat sie zwischen den Sofakissen nur ihr Handy gesucht, welches ihr heruntergefallen war. Der Clou: Es handelte sich bei dem ungewöhnlichen Fund nicht um irgendeine Rolex (was ja schon krass genug wäre), sondern um eine Rolex Daytona Paul Newman (Referenz 6241) aus den 60er Jahren mit einem geschätzten Wert von über einer Viertelmillion US-Dollar! Da Nachforschungen zum Eigentümer im Sande verlaufen sind, darf die Frau die Uhr sogar behalten. Was sie mit dem Geld machen will weiß sie auch schon: “buy a house and get a boob job” [ein Haus kaufen und die Brüste machen lassen] – na dann! 😉 Doch was macht die Rolex Daytona Paul Newman zu einer solch extrem begehrten Vintage-Uhr, die 2017 sogar als die teuerste Uhr der Welt in die Geschichte einging? So ganz ohne Bling-Bling, Edelsteinchen oder super-komplexem Uhrwerk? Schauen wir’s uns an…

Rolex Daytona „Paul Newman“, Bild: Rolex

3…2…1…: Die teuerste Uhr der Welt / Auktion der Rolex Daytona Paul Newman

Paul Newman ist natürlich nicht der offizielle Beiname des Rolex Daytona Cosmograph und dennoch seit den 80ern gängig unter Kennern und Vintage-Uhren-Sammlern. Denn: der namensgebende US-amerikanische Oscar-prämierte Schauspieler und Rennfahrer trug als prominenter Träger der Rolex Daytona 6239 maßgeblich dazu bei diese berühmt zu machen. Übrigens: Die Rolex Daytona mit der Referenz 6241, die die glückliche Kanadierin zwischen den Sofakissen gefunden hat, ist quasi die Zwillingsschwester der Daytona 6239 – der einzige Unterschied besteht in einer schwarzen Acryl-Lünette.

Charakteristisch für die „Paul Newman“-Varianten der Rolex Daytona sind insbesondere die kontrastreiche Sekundeneinteilung der Minuterie am Außenrand des Zifferblatts. Außerdem sind die Totalisatoren für eine erhöhte Ablesbarkeit mit „Klötzchenindizes“ versehen.

Rolex Daytona 6239 „Paul Newman“, Bild: Phillips Press Release

Paul Newman erhielt seine Rolex Daytona 6239, die später für eine Rekordsumme versteigert werden sollte, ursprünglich von seiner Ehefrau Joanne Woodward als Geschenk für dessen neu entdeckte Passion für den Motorsport bzw. seine eingeschlagene Karriere als Rennfahrer. Paul Newman wurde vom PS-Fieber zu seinen Dreharbeiten zum Film „Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod“ (Originaltitel „Winning“, Jahr 1969) gepackt. Newman spielte in dem Film den Indy 500-Rennfahrer Frank Capua. Auch seine Frau Joanne, ebenfalls Schauspielerin, hatte eine Rolle im Film – passenderweise als die Film-Ehefrau Elora Capua.

Bild: Phillips Press Release
Das schön gewölbte Plexiglas der Paul Newman „Paul Newman“, Bild: Phillips Press Release

Joanne schenkte ihrem Mann die Uhr nicht ganz ohne Hintergedanken: Motorsport war lange wie Russisch Roulette mit zwei Kugeln im Lauf – in den 50er, 60er und 70er  gab es etliche Tote bei Unfällen. Mit einer persönlichen Gravur auf dem Gehäuseboden wollte Joanne eine unmissverständliche Botschaft mit besorgtem Unterton überbringen: „Drive Carefully – Me“.

„Drive Carefully – Me“, Bild: Phillips Press Release

Newmans Rennsport-Karriere war durchaus von ein paar Erfolgen gekrönt: Im Jahre 1979, im Alter von 54 Jahren, erreichte er beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans zusammen mit dem Kölner Rennfahrer Rolf Stommelen Platz 2. Mit schlappen 70 Jahren war Paul Newman außerdem Mitglied im Siegerteam beim 24-Stunden-Rennen von Daytona – dem namensgebenden Ort des Chronographen.

Daytona International Speedway on the day of the Daytona 500
Daytona International Speedway, Bild: Nascarking [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Kaum zu glauben: Die Rolex Daytona mit dem charakteristischen „Exotic Dial“ (schwarzes oder weißes Zifferblatt mit kontrastreichen Totalisatoren) war zunächst ein echter Ladenhüter. Daher verschwand sie auch wieder relativ schnell aus dem Sortiment des Schweizer Herstellers – nur rund 3000 Stück der Paul Newman Daytona wurden im Zeitraum von 1963 bis 1970 produziert. Auch das ist ein wichtiger Grund dafür, weshalb diese spezielle Daytona heute ein extrem begehrter und damit teurer Vintage-Klassiker ist.

Paul Newman hat sein Geschenk in den folgenden Jahren häufig getragen, zum Beispiel auf Presseterminen oder – ganz funktional – als Zeitmesser bei seinen Autorennen. Damit hat er stark zur steigenden Beliebtheit der Rolex Daytona Cosmograph beigetragen.

Hier trägt Paul Newman die Daytona beim Besuch eines Autorennens mit seinem Sohn Scott im Jahre 1972:

Im Jahre 1984 hat Newman einen Knigge-Fauxpas begangen: Er verschenkte die Daytona weiter – an den damaligen Mitstudenten und Freund seiner Tochter Elinor „Nell“ Newman: James Cox. Newman machte Cox das Geschenk den Überlieferungen zufolge ganz spontan: Newman fragte ihn nach der Uhrzeit, da er vergessen hatte seine Rolex Daytona aufzuziehen. Cox musste allerdings passen, da er keine Uhr besaß. Mit dem Satz “if you can remember to wind this each day, it tells pretty good time” soll Newman dann Cox seine Daytona geschenkt haben.

Laut Töchterchen Nell war diese Geste typisch für den als großzügig und extrem hilfsbereit geltenden Superstar. James Cox trug die Daytona viele Jahre lang – bis ihm irgendwann bewusst wurde, dass die Uhr zum gesuchten Sammlerstück avanciert ist. Und wie begehrt würde wohl die Ur-Paul Newman-Daytona sein, sozusagen die Paul Newman „Paul Newman“ ;-)? Also ließ Cox die Uhr zunächst im Bankschließfach verschwinden. Sicher ist sicher!

Im Jahre 2017 wurde die von Paul Newman höchstpersönlich getragene Rolex Daytona beim Luxus-Auktionshaus Phillips nach grade mal 12 Minuten versteigert – für sage und schreibe 15,5 Millionen US-Dollar (bzw. 17,8 Millionen US-Dollar inklusive Gebühren). Das macht den Chronographen zur teuersten, jemals versteigerten Uhr. Und das wohlgemerkt trotz eher unspektakulärer Eckdaten (37 mm Stahlgehäuse, Handaufzugswerk, Plexiglas) und einiger Kratzer. Ein Teil des Erlöses brachte James Cox in die gemeinnützige Nell Newman Foundation ein.

3…2…1… – der Käufer der Rolex Daytona Paul Newman darf sich freuen, Bild: Phillips Press Release

Retro-Neuauflage? Rolex Daytona Paul Newman Hommagen!

Rolex hat bis heute darauf verzichtet die Daytona 6239 mit einer Retro-Neuauflage wieder zum Leben zu erwecken. Auf der einen Seite verwundert das schon – eine Daytona mit „Exotic Dial“ würde sich heute unter Garantie wie geschnitten Brot verkaufen. Originalgetreue Klassiker wie die Omega Speedmaster Moonwatch leben einen konstanten und beachtlichen Erfolg vor. Auf der anderen Seite ist Rolex‘ Vorgehen nachvollziehbar: Wie könnte man besser den Newman’schen Daytona-Mythos aufrecht erhalten als durch das konsequente Ignorieren der Rufe nach einer originalgetreuen Neuauflage?

Ebenfalls heiß begehrt, aber optisch doch recht weit weg von der Paul Newman-Daytona: Die aktuelle Rolex Daytona, Bild: WatchReviewBlog.com

Wenn man sich in das Design der Rolex Daytona Paul Newman verliebt hat, muss man aber trotzdem keine Viertelmillion Euro oder mehr berappen: Es gibt diverse Hommagen, die sich optisch sehr nah an dem Vintage-Klassiker bewegen, darunter den Steinhart Ocean One Vintage Swiss Made-Chronographen mit ETA 2824-2 und einem Chrono-Modul von Dubois Dépraz sowie gewölbtem Saphirglas. Der Preis: Sehr faire 980€.

Alternativ lohnt sich auch der Blick auf die Race King G5, ein Quarzer vom Hommagen-Spezialisten Gigandet:

Bling-Bling: Die noch teureren teuersten Uhren der Welt

Viele Superreiche können bei einer 17 Millionen-Daytona nur müde lächeln. Und die Rolex Daytona Paul Newman ist natürlich sowieso viel zu viel Understatement für Ronaldo, Mayweather und andere im Rampenlicht stehende (Neu)Reiche. In der Hinsicht darf es auch ruhig etwas noch Teureres und deutlich Extravaganteres sein. Beispiel gefällig? Darf ich vorstellen: Ein Modell von Jacob and Co., erhältlich für schlappe 18 Millionen US-Dollar – unmissverständlicherweise trägt dieses Ding den Namen „The Billionaire“ („Der Milliardär“):

Aber auch da geht preislich natürlich noch mehr: Die Graff Diamonds Hallucination beispielsweise kostet 55 Millionen US-Dollar – ein echter Schnapper für jeden Milliardär!

Der Knackpunkt – ihr ahnt es vielleicht schon 😉 – ist: Viele solcher extrem teuren Uhren sind weit Weg von der klassisch-zeitlosen Optik einer Paul Newman-Daytona. Stattdessen müssen es kuriose Designs und möglichst viele Edelsteinchen richten, um Aufmerksamkeit bei der überaus solventen Kundschaft zu erhaschen.

Mehr über hässliche und teure Design-Unfälle gibt’s in diesem Artikel:

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