Gar nicht mal so schön: Hässliche Uhren und sonstige Design-Unfälle – eine subjektive Auswahl

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Ich freue mich immer wieder, wenn ich Uhrenfreaks treffe, die auch nur annähernd so ticken wie ich. Unter meinen Arbeitskollegen tummeln sich ein paar solcher Uhrennerds. Mit einem dieser Kollegen pflege ich beispielsweise einen Running Gag über die Hublot Tutti Frutti, die an zeitloser Eleganz Hässlichkeit kaum zu übertreffen ist. Ohne Flachs – die Uhr heißt wirklich so! 😉 Und noch schlimmer: Sie sieht auch genau so aus, wie der Name es vermuten lässt.

Schönheit liegt natürlich im Auge des Betrachters – zum Glück ist das hier aber ein privater Blog und kein Uhren-Magazin, weshalb ich zu etwas augenzwinkerndem – 100% subjektiven – Design-Bashing ausholen kann. Gleichzeitig versuche ich der Frage auf den Grund zu gehen wie man auf die Idee kommt, solche Uhren auf den Markt zu bringen… 😉

Werfen wir also mal ein Auge auf meine persönlichen Highlights unter den hässlichen Uhren…

I am watching you! Bild: Corum

Über die Korrelation von „teuer“ und „hässlich“

Design-Fails finden sich natürlich in allen Preisklassen. Man denke beispielsweise nur an so manche Kuriosität des eher günstigeren Uhrenherstellers Invicta, der offenbar nur „Hommage“ oder „völlig abgedreht“ kann. Dazwischen gibt’s gefühlt irgendwie nix. Hier zum Beispiel ein auf 52 mm Durchmesser aufgepumptes Ungetüm, die Invicta 28142

Erwähnenswert ist auch so manche Schöpfung von Swatch: Hier die ganz neuen Sonderedition, die in Zusammenarbeit mit dem Pariser Louvre entstanden und alles andere als schön ist (Preis: Unter 100€):

Trotzdem kommt es mir manchmal so vor, dass ein hoher Uhren-Preis zwangsläufig mit einem Uhren-Design einhergehen „muss“, welches mit Unfall noch nett betitelt ist. Aber hey – Hauptsache auffallen, oder? Schließlich will der gut betuchte Käufer ja, dass jeder auf das eigene Handgelenk glotzt, wenn man schon für eine Uhr einen Geldbetrag in Höhe einer gut ausgestatteten Eigentumswohnung (oder mehr) berappt hat. Dieser dezent gekleidete Herr, der ehemalige Profi-Boxer Floyd Mayweather, zeigt hier beispielsweise seine – freundlich ausgedrückt – gewöhnungsbedürftige und gleichzeitig schweineteure Richard Mille:

Mein subjektiver Eindruck ist außerdem, dass eher junge, hochpreisige Uhrenmarken den Hang zu extravagent-hässlichen Designs haben, die für teuer Geld an den Mann (oder manchmal auch die Frau) gebracht werden sollen. Wenn man sich schon nicht auf eine lange Uhrmacher-Tradition berufen kann, müssen halt hin und wieder irgendwelche Kuriositäten aus der Design-Bude purzeln, um auf sich aufmerksam zu machen. Beispiel gefällig? Wie wäre es mit der BR01 Laughing Skull von Bell & Ross (gegründet 1992)…

Bell & Ross BR01 Laughing Skull, Bild: Bell & Ross

Ein besonderes Schmankerl ist auch dieser 45 mm große, durchgängig edelsteinbesetzte Bling-Bling-Regenbogen für’s Handgelenk von Hublot (gegründet 1980): Die Hublot Big Bang Unico Rainbow. Der Preis? Wer danach fragt, kann sie sich eh nicht leisten… 😉

Hublot Big Bang Unico Rainbow, Bild: Hublot

Eine besonders seltsame Abscheulichkeit ist auch die 2019 vorgestellte Bonbon Collection des 1999 gegründeten Lieblings der Millionäre, die es gerne extravagant und exorbitant teuer mögen: Richard Mille. Ganz getreu dem Motto – Zitat: „The playful and sweet side of watchmaking“. Gut, dass Richard Mille betont, dass die Uhr kein Aprilscherz ist – „A SERIOUS PRODUCT“ heißt es auf der offiziellen Seite der Kollektion.

(Bilder: Richard Mille)

Angesiedelt irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Oder wie die Welt schreibt: „Mit Raumschiff-Enterprise-Ästhetik und einer Technik aus dem 17. Jahrhundert schockiert der Schweizer Uhrmacher Felix Baumgartner seine Kollegen.“ Die Rede ist von der 1997 gegründeten Uhrenmanufaktur Urwerk, die regelmäßig neue Raumschiffe für’s Handgelenk entwirft. Prädikat: Gewöhnungsbedürftig!

Beam me up, Scotty! Urwerk EMC Time Hunter X Ray, Bild: Urwerk

An Abnehmern für bunte oder extrovertierte (und vor allem teure) Design-Unfälle scheint es jedenfalls nicht zu mangeln: Der testosterongeschwängerte Fußballer Cristiano Ronaldo beispielsweise scheint ein Faible für entsprechende Uhren zu haben – hier im Bild die Cintrée Curvex Tourbillon Sertissage Invisible von Franck Muller (gegründet 1991) .

Warum Cristiano Ronaldo nicht seine ihm gewidmete CR7-Sonderedition von TAG Heuer trägt ist übrigens nicht überliefert 😉 Ob es vielleicht an der meiner Meinung nach ziemlich lieblosen Umsetzung liegt? Hmmm! Naja, mit hässlichen Dingen hat der Superstar aber ja ohnehin Erfahrung

Genialer Fußballer, hässliche Uhr: Die TAG Heuer CR7 Sonderedition, Bild: TAG Heuer

Hässliche Uhren: Auch traditionsreiche Hersteller langen mal daneben

Mit Blick auf so manch verunstaltete Uhr lobe ich mir doch Traditionshersteller, die auf eine behutsame Entwicklung von Modellreihen Wert legen – so beispielsweise Rolex, denen nicht mal im Traum einfällt Klassiker wie die Submariner oder die Daytona zu verhunzen – die grüne „Hulk“-Submariner ist für Rolex-Verhältnisse beispielsweise schon recht gewagt. Experimentelles Design (in Maßen) verlagert Rolex lieber gen Tochter Tudor – wie beispielsweise die Tudor Black Bay P01:

Tudor Black Bay P01, Bild: Tudor

Für manchmal etwas fragwürdige Rolex-Kreationen sind dann Verschlimmbesserer – pardon – Rolex-Modder wie Bamford oder Blaken verantwortlich und übernehmen gerne Aufträge gut betuchter Kunden. Ein besonders bunt-hässliches Exemplar ist der Rocketbyz-Mod, eine quietschbunte Verunstaltung der Rolex Milgauss. Eine Rolex auf LSD quasi. Oder wie Blaken sagt: „Neon-Kunst ziert Rolex-Können“ (das ist ehrlich gesagt nicht das erste, was mir persönlich zu dieser Kreation einfällt).

Klassisches, nicht verhunztes Design: Die Rolex Submariner

Wobei… gegenüber dieser gemoddeten Rolex-Verunstaltung im Leoparden-Design am Arm von Schauspieler Nicolas Cage ist Blakens Milgauss-Mod „Rocketbyz“ ja fast schon als edler Klassiker zu titulieren. Miau!

Allerdings sind auch alteingesessene Uhrenhersteller nicht vor Designunfällen gefeit: 2019 brachte TAG Heuer eine Sonderedition des Klassikers Carrera sowie der Formula 1 raus – mit einem Zifferblatt-Design des Künstlers Alec Monopoly. Man möge an dieser Stelle einwenden, dass Kunst doch alles darf! Aber jetzt mal ernsthaft: Wer zum Geier soll – außer Alex Monopoly selbst – solch eine Uhr tragen wollen? Also freiwillig… 😉 Mir käme das Teil jedenfalls nicht mal geschenkt an den Arm …

Und noch ein Beispiel vom Traditionshersteller Fortis (gegründet 1912), der vor einigen Jahren mit der Fortis IQ Blackboard eine auf 999 Stück limitierte Sonderedition, designt von Rolf Sachs, auf den Markt gebracht hat. Rolf Sachs betont zwar den augenzwinkernden Charakter der Uhr („the humorous IQ watch, created in the spirit of Dadaism, recalls school blackboard lessons with a sense of nostalgia and emotion“), aber: Wer gibt 1050 US-Dollar für eine Spaß-Uhr aus?

Gar nicht mal so schön: Fortis IQ Blackboard, Bild: Takashi Hososhima [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Ebenfalls aus der Feder von Rolf Sachs stammt diese Fortis-Kuriosität:

Und noch ein Beispiel von einem Uhrenhersteller, der immerhin schon seit 1955 im Geschäft ist: Corum. Die in La Chaux-de-Fonds ansässigen Schweizer spalten insbesondere mit der Bubble-Modellreihe die Gemüter. Hier eine kleine Auswahl von Zifferblatt-Designs, die teilweise eher an Swatch erinnern statt an eine ernstzunehmende Uhrenmanufaktur. „STOP“ trifft es hier aber zumindest ganz gut… 😉

(Bilder: Corum)

Der Pokal für die seltsamsten und gleichzeitig hässlichsten Uhrenschöpfungen geht aber aus meiner Sicht an die „Erotica“-Modelle des 1846 im Schweizer Le Locle gegründeten Herstellers Ulysse Nardin. Beispielhaft seien die Modelle Hourstriker Erotica Jarretiere oder die fast 400.000 US-Dollar (!) teure Ulysse Nardin Classic Voyeur genannt – Film ab (aber Achtung: NFSW)!

Und die Moral von der Geschicht‘?

Nun, natürlich ist immer ein schmaler Grat von „Mut zu Neuem“ hin zu „Designunfall“. Ich begrüße es grundsätzlich sehr, wenn Uhrenhersteller nicht über Jahrzehnte im eigenen Design-Saft schmoren und einfach nur die drölfmillionste Neuauflage bzw. Variante eines „Klassikers“ auf den Markt werfen (Grüße an dieser Stelle an Omega und TAG Heuer, die das Ausschlachten von Design-Klassikern über Limited Editions perfektioniert haben).

Ich habe zwar jetzt schon ein paar mal auf Hublot-Designs eingedroschen, aber natürlich kommen von dort auch Kreationen, die zwar sehr gewagt sind, meiner Meinung nach aber auch einen Schritt in die richtige Richtung darstellen, um etwas Leben in die angestaubte Uhrenindustrie zu bringen. Hier ein Modell mit sehr spannender Geometrie, bei dem ich spontan „geiles Teil“ dachte:

Hublot Big Bang Sang Bleu II, Bild: Hublot

Dennoch hätte man meiner Meinung nach der Uhrenwelt einen Gefallen getan, wenn das eine oder andere Design bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag in der Schublade geblieben wäre…

So viel zu meinen Eindrücken über einige Uhren-Kuriositäten. Wie findet ihr meine Auswahl? Kennt ihr noch mehr besonders hässliche Uhrenmodelle? Hinterlasst mir einen Kommentar!

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6 Gedanken zu “Gar nicht mal so schön: Hässliche Uhren und sonstige Design-Unfälle – eine subjektive Auswahl”