Seiko Samurai Save the Ocean-5

Banzai! Seiko Samurai Save the Ocean im Test

Samurai trifft Mantarochen: Der japanische Traditionshersteller Seiko verpasst dem Modell Seiko Samurai ein Save the Ocean Special Edition-Zifferblatt. Gleichzeitig gibt’s das „King“-Upgrade mit Saphirglas und Keramik-Lünette. Was im Allgemeinen hinter den Save the Ocean-Modellen steckt und mit welchen Besonderheiten die Seiko King Samurai sonst noch so kommt, schauen wir uns in diesem ausführlichen Test genauer an…

Eckdaten der Seiko Samurai Save the Ocean (SRPF79K1):

  • Japanisches Automatikkaliber 4R35 mit 21600 bph, Datum und 41 Stunden Gangreserve
  • Edelstahlgehäuse, satiniert und poliert
  • Lünette mit Keramik-Inlay
  • Saphirglas mit Datumslupe, Antireflexbeschichtung auf der Innenseite
  • Leuchtmasse LumiBrite
  • Band aus Silikon mit Edelstahl-Keeper
  • Wasserdichtigkeit 200 Meter / 20 bar
  • Durchmesser 43,8 mm, Höhe 12,8 mm, Horn-zu-Horn 48,7 mm
  • Gewicht: 127 Gramm
  • Verschraubte Krone
  • Verschraubter Stahlboden
  • Listenpreis: 620€
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Seiko Samurai: Über Seiko Save the Ocean

Die Anfang 2021 lancierte Seiko Samurai Save the Ocean mit der Referenz SRPF79K1 ist Teil der Seiko Prospex Diver’s-Reihe, in welcher der japanische Traditionshersteller (gegründet 1881) heute eine Vielzahl von historisch spannenden Modellen mit mindestens 20 bar Wasserdichtigkeit und hauseigenen Kalibern (insbesondere Automatik) zusammenfasst.

Seiko flankiert die Prospex-Modellreihe mit einigen Sondereditionen, darunter beispielsweise Save the Ocean. Seit 2018 haben die Save the Ocean-Modelle vor allem eines gemeinsam: Kräftig-blaue Zifferblätter und Muster, passend zum Meeres-Thema (dazu gleich mehr). Darüber hinaus spendet Seiko passenderweise einen Teil des Erlöses unter anderem an das Ocean Learning Center (FCOLC), eine gemeinnützige Non-Profit-Organisation zum Schutz der Weltmeere, welche Anfang 2016 vom Franzosen Fabien Cousteau ins Leben gerufen wurde. Der Filmemacher und Ozeanograph Cousteau war außerdem früher einmal Seiko-Markenbotschafter – und anders als viele andere Uhrenmarken, die sich mit Markenbotschaftern noch und nöcher gegenseitig überbieten, setzt Seikos Marketingabteilung mit viel Bedacht auf nur ein paar wenige bekannte Persönlichkeiten.

Seiko und der frühere Markenbotschafter Fabien Cousteau

Bei Freunden des Tauchsports dürfte es beim Namen „Cousteau“ außerdem geklingelt haben: Fabien Cousteau ist der Enkel von niemand geringerem als Jacques-Yves Cousteau, der 1946 zusammen mit dem Techniker Emile Gagan die „Aqualunge“ erfand und damit echte Pionier-Arbeit im Bereich des professionellen Tauchens leistete. Noch heute verwenden Taucher auf der ganzen Welt Atemregler auf Basis dieser Erfindung.

Fabien ist nicht minder aktiv wie sein Großvater, wenn es darum geht, Aufmerksamkeit für die menschengemachten Schäden an den Weltmeeren zu erzeugen: Im Rahmen der Mission 31 beispielsweise leitete Fabien Cousteau 2014 ein Team von Wissenschaftlern, Pädagogen und Filmemachern auf der längsten jemals durchgeführten Unterwasser-Expedition in einem stationären Lebensraum unter dem Meer (das ganze erinnert an die bekannten Missionen Tektite I und Tektite II im Jahre 1969 bzw. 1970 – siehe dazu mein Artikel über die Certina DS PH200M).

Bei den englischsprachigen Blogger-Kollegen von timeandtidewatches.com gibt es einen Artikel über weitere konkrete, von Seiko geförderte Projekte. Eines davon ist das australische Cairns Turtle Rehabilitation Centre, in dem Schildkröten medizinische Hilfe erhalten können und nach der Genesung wieder zurück in die Natur entlassen werden.

Dass Uhrenhersteller Spendierhosen anhaben und gemeinnützige Projekte unterstützen, ist an sich nichts weltbewegend Neues – und natürlich darf man kritisch einwenden, dass Spenden letztendlich „nur“ ein Marketinginstrument aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit sind. Mit böser Zunge könnte man auch sagen: Kein Uhrenhersteller überweist einfach so aus Herzensgüte oder Altruismus Geld an gemeinnützige Organisationen.

Bei Seiko musste ich eine Weile recherchieren, um herauszufinden, welche konkreten Projekte die Japaner im Rahmen der Save the Ocean-Sondereditionen unterstützen: Seiko ist mit vergleichsweise viel Bescheidenheit unterwegs und verzichtet darauf die Spenden kommunikativ bis zum Gehtnichtmehr auszuschlachten. Der kulturelle Aspekt spielt hierbei sicherlich eine Rolle: Die Japaner gelten gemeinhin als Meister des Understatements. Im krassen Kontrast dazu stehen Aktionen wie beispielsweise von der Schweizer Luxusuhrenmarke Breitling, die ebenfalls das Thema „Rettung der Weltmeere“ für sich entdeckt hat – nur eben mit dem großen Unterschied, dass Breitling im Rahmen der Einführung einer neuen Taucheruhr gleich mehrere Markenbotschafter auf Bali über den Strand gescheucht hat, um Plastikmüll einzusammeln – natürlich stets begleitet von der Kamera, um später die Presse mit werbewirksamen Bildern zu versorgen. Da ist mir die Seiko’sche Bescheidenheit doch irgendwie lieber… 😉

Seiko Samurai Save the Ocean im Test

Das Gesicht der Seiko Samurai SRPF79K1, das Zifferblatt, sticht sofort ins Auge: Dort sind auf sehr dezente Art und Weise stilisierte Mantarochen untergebracht, welche majestätisch im Meer zu schweben scheinen. Die Optik ist insbesondere in Kombination mit den tiefen, fein strukturierten Wellen und dem Verlaufsmuster (etwas dunkler am Rand, zur Mitte heller) einfach genial. Darüber hinaus wirkt die Oberfläche des Zifferblattes leicht metallisch – ich habe diesen tollen Effekt versucht mit der Kamera zu transportieren, so wirklich kommt dieser aber nur zur Geltung, wenn man die Uhr tatsächlich in der Hand hält.

Das Zifferblatt passt wie Fisch und Meer zu einer Save the Ocean-Sonderedition: Mantarochen sind erst mit fünf Jahren geschlechtsreif und vermehren sich daher nur in geringem Maße. Außerdem landen die größten Rochen der Welt leider immer häufiger als Beifang in den Netzen von Fischern. Daher gelten sie als vom Aussterben bedroht und tatsächlich sind die Malediven einer der wenigen Orte der Erde, an denen man die beeindruckenden Kreaturen noch in relativ großer Zahl finden kann.

Weitere charakteristische Merkmale des Modells sind das sehr gut verarbeitete, massive und kantig-maskuline Gehäuse mit toller, wechselnder Oberflächenbearbeitung (satiniert und poliert) sowie eine griffige, strukturierte Krone. Der mit Lumibrite-Leuchtmasse belegte Zeigersatz erinnert außerdem an Schwerter…

Die Seiko-Fangemeinde wäre nicht die Seiko Fangemeinde, wenn sie sich in Anbetracht dieser Designmerkmale keinen griffigen Spitznamen aus dem Dunstkreis der japanischen Kultur ausgedacht hätte: Der inoffizielle Spitzname Seiko Samurai kommt da her, dass das kantige Gehäuse ein wenig an die Rüstung eines Samurai und die Zeiger an ein Samurai-Schwert erinnern (okay, ein bisschen Fantasie braucht man schon). Banzai! 😉

Genauer handelt es sich bei der Seiko Prospex Save the Ocean SRPF79K1 übrigens um die sogenannte „King Samurai“. Der inoffizielle Beiname „King“ ist natürlich ebenfalls kein Zufall und rührt daher, dass Seiko dem Modell zwei Upgrades, konkret ein Keramik-Inlay für die Lünette (gegenüber Aluminium mit Titancarbidbeschichtung) und ein Saphirglas mit Datumslupe (gegenüber Hardlexglas), spendiert hat.

Die Keramiklünette ist nicht nur aus praktischen Gründen (Kratzfestigkeit), sondern auch aus optischen Gründen Aluminium vorzuziehen: Die sehr feine Hochglanz-Optik ist wirklich exquisit, auch dank der leicht „eingelassenen“ Ziffern und 60-Minuten-Indizes. Die King Samurai wirkt durch die Keramiklünette alles in allem merkbar hochwertiger – das sollte Sie aber auch mit Blick auf einen Aufpreis von fast 40% gegenüber „nichtköniglichen“-Varianten der Samurai wie die SRPB49K1 (dazu mehr im Fazit).

Auch bei der Lünettenmechanik gibt es nichts zu meckern: Sie lässt sich perfekt zentrieren und rastet genauso kräftig-satt wie man es von Seiko-Taucheruhren gewohnt ist.

Das in der Seiko Save the Ocean King Samurai verbaute Saphirglas ist gegenüber Hardlex-Glas ein weiteres nennenswertes Upgrade, welches in der Preisklasse der King Samurai aber auch erwartet werden darf: Das von den Japanern in günstigeren Modellen wie der Seiko 5 Sports eingesetzte Hardlex-Glas ist zwar deutlich kratzresistenter als normales Mineralglas, Saphirglas ist hinsichtlich Kratzfestigkeit mit einer Härte von ca. 2000 Vickers aber immer vorzuziehen.

Gegenüber der Seiko King Turtle kommt die Seiko Samurai – aufgrund fehlender Wochentagsanzeige – mit einer deutlich kleineren Datumslupe. Gut so, denn bei der King Turtle war mir die XXL-Lupe dann doch etwas zu viel des Guten.

Die Seiko King Samurai Save the Ocean kommt an einem überaus flexiblen und geruchsneutralen Silikonband, welches sich wunderbar um den Arm schmiegt. Zwischen dem ziemlich steifen Kunststoffband der Seiko SKX007 und dem Silikonband der Seiko King Samurai liegen tatsächlich qualitative Welten. Ungewöhnlich, aber gefällig: Die King Samurai kommt mit einem Stahl-Keeper mit Seiko-Gravur.

In der Seiko King Samurai tickt das bewährte und robuste Automatikkaliber 4R35 mit Datum, 41 Stunden Gangreserve, beidseitigem Aufzug („magischer Hebel“) und einer Frequenz von 21600 bph. Das Kaliber kommt von Time Module (TMI), einer Tochtergesellschaft von Seiko (SII, Seiko Instrumentcs Inc). Das baugleiche Microbrand-Pendant, das Seiko NH35, kommt standardmäßig mit einer Ganggenauigkeit von -20 bis +40 Sekunden pro Tag (bei einer Referenztemperatur von 23º± 2ºC), was sich in gewissen Fällen tatsächlich mit einer unzufriedenstellenden Gangabweichung äußern kann. Die Feinregulierung beim Seiko 4R35 in der mir zum Test übersandten Seiko King Samurai darf aber als ordentlich bezeichnet werden (+7,6 Sekunden pro Tag).

Fazit zur Seiko Samurai Save the Ocean

Meerestiere auf dem Zifferblatt? So etwas kann schnell kitschig und irgendwie billig wirken – eine echte Gratwanderung! Bei der Seiko King Samurai Save the Ocean ist den Japanern meiner Ansicht nach aber eine sehr dezente und „erwachsene“ Umsetzung gelungen – das liegt auch an dem Metallic-Effekt in Verbindung mit dem dunklen Blauton, der mir deutlich besser gefällt als beim Mitte 2020 lancierten, Mantarochen-Sondermodell SRPE33K1. Das Zifferblatt ist in der Summe optisch eine Wucht – Eins mit Sternchen! Auf der Haben-Seite steht außerdem eine tadellose Detailverarbeitung und ein überaus eigenständiges Design, welches im Meer der Taucheruhr-Hommagen wohltuend heraussticht (Gehäuse, Indizes, Zeiger…).

Ohne Frage sinnvoll ist auch das Keramik-/Saphirglas-Upgrade (optisch wie funktional) – meiner Meinung nach dürften diese Merkmale gerne zum Standard im Seiko-Sortiment werden. Die Upgrades lässt sich Seiko allerdings auch gut bezahlen: Mit einem Listenpreis von 620€ kostet die King Samurai fast 40% mehr als derzeit erhältliche Standard-Samurais (450€).

Die Japaner bewegen sich mit der King Samurai (oder auch der King Turtle) preislich außerdem verdammt nah an Einsteiger-Divern gestandener Schweizer Hersteller wie beispielsweise Tissot (z.B. Seastar 1000 mit Kaliber Powermatic 80). Das heißt natürlich nicht, dass die Japaner im Vergleich zu den Schweizern schlechtere Qualität abliefern – da kann Seiko meiner Meinung nach problemlos mithalten. Und dennoch ist die Konkurrenz in dieser Preisklasse einfach ungleich größer (und damit – aus Endkundensicht – die Alternativen deutlich vielfältiger). Die Seiko King Samurai Save the Ocean-Sonderedition wird aber mit Sicherheit viele Freunde finden – allein schon wegen des grandiosen Zifferblattes…

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8 Gedanken zu “Banzai! Seiko Samurai Save the Ocean im Test”