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Ich darf die Schweizer Microbrand Direnzo seit der Gründung Ende 2017 begleiten. Der in Genf lebende Sergio Godoy Di Renzo hat sich dabei mit seiner Marke in nur wenigen Jahren zu einer beachtlichen Konstante in der oftmals ziemlich schnelllebigen Microbrand-Welt gemausert.

Ein wesentlicher Erfolgsbaustein von Direnzo ist sicherlich die Stringenz im Design: Die Gestaltung ist zwar nichts spektakulär Neues, Sergio hat es aber dennoch geschafft einen hohen Wiedererkennungswert mit einer ordentlichen Portion Direnzo-DNA zu kreieren – und das kriegen nicht viele Uhrenhersteller hin (auch nicht so manch großer).

Seit Ende Oktober 2021 läuft die Vorbestellerphase für das neueste Modell: Die Direnzo DRZ 05 Solaris Taucheruhr im Dual Crown Design

Eckdaten Direnzo DRZ 05 Solaris:

  • Sellita SW 200-1 Elaboré mit Incabloc-Stoßsicherung
  • Gehäuse aus 316L Edelstahl
  • Durchmesser 39 mm
  • Höhe 12,5 mm (inklusive Glas)
  • Horn-zu-Horn 47 mm
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 200 Meter
  • Beads of Rice-Stahlband, Lederband oder Tropic Rubber, Bandanstoß 20 mm
  • Saphirglas, flach und mit Antireflexbeschichtung
  • Gehäuseboden verschraubt
  • Beide Kronen verschraubt
  • Auslieferung geplant für Februar 2022
  • Vorbestellerpreis = ca. 750€ inklusive Zoll/Einfuhrumsatzsteuer (mehr dazu am Ende des Artikels)
  • Erhältlich direkt bei direnzowatches.com

Direnzo DRZ 05 Solaris Dual Crown Diver im Test

Bei der Direnzo DRZ 05 Solaris finden sich viele Direnzo-typische Merkmale, insbesondere von der Direnzo DRZ 03 Eclipse, die der Quasi-Vorgänger der DRZ 05 Solaris ist.

Das Zifferblatt wirkt auf den ersten Blick eher schlicht, ist aber bei genauerem Hinsehen überaus aufwändig verarbeitet: So ist die innere „Hauptscheibe“, die von einem „Fadenkreuz“ geviertelt wird, mattiert. Ein Außenring mit feinem Sonnenschliff und dezentem Farbverlauf (Fumé-Effekt) rundet das Zifferblatt ab. Die Stunden-Indizes sind poliert und appliziert, was insbesondere bei direkter Lichteinstrahlung in Verbindung mit den polierten Zeigern sehr hochwertig wirkt:

Der Zeigersatz ist identisch mit dem der Direnzo DRZ 03: Ein spitz zulaufender Minutenzeiger in Dauphine-Form sowie ein optisch abgegrenzter Stundenzeiger in Pfeilform haben Einzug in die DRZ 05 erhalten. Alle Modellvarianten der DRZ 05 haben den Einsatz von Super-LumiNova BGW9-Leuchtmasse gemeinsam.

Das Gehäuse der DRZ 05 wurde gegenüber den vorherigen Direnzo-Modellen in weiten Teilen überarbeitet – augenscheinlich ist beispielsweise die neue polierte, omegaeske Fase an den Hörnern. Die Oberflächenbearbeitung ist sehr fein, die Haptik ganz hervorragend.

Besonders genial ist der verschraubte Gehäuseboden mit der tiefen, reliefartigen Gravur eines Tiefseetauchers, der mit einer Harpune gegen eine XXL-Seeschlange kämpft. Prädikat: Saucool.

Der Durchmesser des Gehäuses wurde außerdem auf 39 mm verkleinert. Da mir persönlich (fast) nichts unter 41 oder 42 mm an den Arm kommt, fand ich die Entscheidung von Direnzo zunächst sehr schade. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass die DRZ 05 durch die beiden Kronen etwas größer wirkt als die 39 mm es vermuten lassen.

Direnzo DRZ 05 am 19 cm-Handgelenk

Das Dual Crown Design prägt die Optik der Direnzo DRZ 05 Solaris: Die untere der beiden Kronen wird ganz klassisch zum Einstellen der Uhrzeit verwendet. Mit der zweiten, oberen Krone wiederum (die mit dem roten Punkt) lässt sich der Drehring bzw. die innenliegende Lünette stufenlos, also ohne die typischen 60- oder 120-Klicks, ansteuern bzw. drehen. Beide Kronen sind schön griffig, verschraubt und lassen sich butterweich im Gewinde versenken.

Das Dual Crown-Design geht zurück auf die 1950er Jahre als sich das von der Firma Ervin Piquerez S.A. (EPSA) entwickelte, besonders wasserdichte Super Compressor-Gehäuse beim „Who is Who“ der Schweizer Uhrenindustrie durchsetzte. Das Besondere an den Super Compressor-Gehäusen war, dass dank einer Feder im inneren des Gehäuses die Wasserdichtigkeit mit steigender Wassertiefe steigt (sic!). Diese Gehäuse kamen meistens (aber nicht immer) mit einem Taucherdrehring, der über eine zweite Krone angesteuert wurde. Den echten Super Compressor-Mechanismus von damals bringt die Direnzo DRZ 05 Solaris nicht mit, sehr wohl aber eine mehr als ordentliche Wasserdichtigkeit von 20 bar bzw. 200 Meter.

Der Taucherdrehring bzw. die innenliegende Lünette ist leicht gewölbt, um den Direnzo-typischen, optisch sehr schicken „Bowl Shape“-Effekt der Modelle DRZ 01 bis DRZ 04 aufzugreifen.

Sergio Di Renzo hat bei der Beschriftung des Drehrings außerdem eine kleine Besonderheit eingebaut: Er hat auf die typischen Minuten-Ziffern verzichtet (15-30-45…) und stattdessen auf 3-6-9 Uhr Kreise bzw. Punkte in verschiedenen Designs untergebracht (Kreis, Kreis mit innenliegendem Punkt, nur Punkt):

Die Direnzo DRZ 05 Solaris kommt mit einem Edelstahlband im Beads of Rice-Stil (BoR), auch genannt Grains-de-Riz. Übersetzt bedeutet das schlicht und ergreifend Reiskorn. Und das bringt es auch direkt auf den Punkt: Mittig angeordnet befinden sich je Bandglied drei feine Komponenten, die an Reiskörner erinnern. BoR-Bänder gehen zurück auf eine Entwicklung von Gay Frères in den 50er Jahren, Abnehmer waren unter anderem Patek Philippe und Longines. Optisch lassen die kleinen „Reiskörner“ das Band etwas eleganter wirken. Alles in allem passt ein BoR-Band ganz hervorragend zu einer Retro-Taucheruhr wie der Direnzo DRZ05.

Auch qualitativ gibt’s nix zu Meckern: Das Beads of Rice-Stahlband in der DRZ05 ist sauber aufeinander abgestimmt und schmiegt sich sehr angenehm um das Handgelenk. Das zahlt immens auf den Tragekomfort ein. Die Faltschließe lässt sich in sechs Stufen feinjustieren – leider aber nicht werkzeuglos, sondern über klassische Bohrungen an den Seiten der Schließe, bei denen man sich im Notfall aber auch mit einer Büroklammer aushelfen kann.

Ein schönes Detail sind die durchbohrten Hörner, ein typisches Merkmal von Vintage-Taucheruhren, das den Bandwechsel enorm erleichtert, da man nicht mit einem Bandwechselwerkzeug an der Unterseite „herumpopeln“ muss, um irgendwie die Federstege rauszubekommen, sondern einfach mit einem Werkzeug in die Bohrungen „sticht“. Wegen der durchbohrten Hörner verzichtet Sergio nachvollziehbarerweise auf Schnellwechselfederstege beim Stahlband. Das optional erhältliche Lederband und das Kautschukband im Tropical-Stil wiederum haben Schnellwechselfederstege an Bord.

In der Direnzo DRZ 05 Solaris tickt eine bewährte und robuste ETA 2824-Alternative, das Schweizer Kaliber Sellita SW 200-1. Gut: Zum Einsatz kommt die höhere Qualitätsstufe Elaboré mit der besseren Incabloc-Stoßsicherung (anstelle Novodiac), die man sonst nur in der Top-Variante des Kalibers bekommt. Die Ganggenauigkeit bei Sellita-Kalibern der Qualitätsstufe Elaboré beträgt 7±7 Sekunden pro Tag.

Fazit zur Direnzo DRZ 05 Solaris

Wie man es von Direnzo gewohnt ist, kommt auch die DRZ 05 Solaris mit vielen liebevollen und eigenständigen Designmerkmalen (wie zum Beispiel die Drehring-Indizes auf 3-6-9 Uhr oder das „mehrstufige“ Zifferblatt“). Die Verarbeitung ist mit Blick auf den aufgerufenen Preis überdurchschnittlich gut, das Preis-Leistungs-Verhältnis entsprechend ganz hervorragend.

Sieben Varianten der DRZ 05 Solaris stehen zur Auswahl: Blau, schwarz und rot, jeweils als Date und No-Date-Variante (gut: die No-Date kommt ohne „Geisterposition“ der Krone). Die Variante mit einem Zifferblatt aus einem echten Meteoriten (Meteoriten-Zifferblatt) ist leider bereits ausverkauft.

Wie auch bei der Direnzo DRZ 04, wickelt Sergio den Vorverkauf über seine eigene Website, d.h. ohne Kickstarter oder dergleichen, ab. Da Plattformen wie Kickstarter aber ohnehin keinen nennenswerten Käuferschutz bieten, hat der Vorverkauf über die Direnzo-Website sogar den großen Vorteil, dass man mit PayPal zahlen kann und den regulären PayPal-Käuferschutz bekommt. Davon mal abgesehen ist es aber ohnehin äußerst unwahrscheinlich, dass Sergio mit seiner jahrelangen Erfahrung im Uhrengeschäft das Projekt gegen die Wand fährt.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass auf den Vorverkaufspreis noch Einfuhrumsatzsteuer bzw. Zoll hinzuzurechnen sind, da Produktion bzw. Montage, Endkontrolle und Versand direkt in/aus der Schweiz erfolgt. Der effektive Endpreis stellt sich also wie folgt dar:

650 CHF = ca. 615€ ➔ (615€ * 1,19) + 0,80 Euro + Fedex-Gebühren = rund 750€

Alternative aus Pforzheim

Eine naheliegende Alternative zur Direnzo DRZ 05 Solaris ist die Circula SuperSport: Die Taucheruhr des Pforzheimer Herstellers kommt dabei ebenfalls im Dual Crown Design und hat sogar einen echten Super Compressor-Mechanismus an Bord…

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Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb kurzer Zeit, geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Alf aus Mannheim

    Hallo, Mario,

    als stolzer Besitzer einer DRZ 04 war ich auf deinen Artikel schon sehr gespannt. Wie immer: klasse Fotos und viel Hintergrundinformationen!
    Zwei Fragen (und eine Zusatzfrage) bleiben. Du schreibst:
    „Mittig angeordnet befinden sich je Bandglied drei feine Komponenten, die an Reiskörner erinnern.“ Werden die beiden anderen „Reiskörner“ nicht mitgezählt? Ich sehe nämlich fünf von den Dingern …
    „Die Ganggenauigkeit bei Sellita-Kalibern der Qualitätsstufe Elaboré beträgt 7±7 Sekunden pro Tag.“ Also 0-14 Sek./Tag? Oder wie ist diese Angabe zu verstehen?
    Die Zusatzfrage: Du kennst doch Herrn Godoy/Di Renzo persönlich, oder? Kannst du hier verraten, wie der Mann mit Nachnamen heißt? „Godoy“ und „Di Renzo“ ist sein „Künstlername“? Oder ist „Godoy“ sein 2. Vorname? Oder heißt er, wie Handelsregisterauszüge nahelegen

    Name
    Sergio Martin Godoy
    Register
    Ktreg
    Schweizer Handelsregister CHE-318.199.084
    Adresse
    rue du Pré-Jérôme 23, CH-1205 Genève
    Gegenstand
    Handel, Schmuck und Uhren.?
    Ist jetzt nicht sooo wichtig, wäre aber schön zu wissen; und du als Insider …

    Grüßle aus Mannheim!

    1. Mario

      Hi Alf,
      Wegen der Reiskörner: Im Prinzip hast du recht, kommt immer bisel drauf an wie man zählt wegen der „Verbindungsreiskörner“ 🙂
      7±7 Sekunden pro Tag meint -7 bis +7 Sekunden pro Tag, also eine „Range“ von 14 Sekunden, die aber auch ins Minus gehen kann.
      Wegen dem Namen: Weiß ich ehrlich gesagt nicht – das, was du gefunden hast, müsste aber die richtige Spur sein 😉
      Grüßle in Richtung meine alte Heimat
      Mario

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