Heinrich-Watch-Taucher-Uhr-Kickstarter-Test

Schaffe, schaffe, Uhren baue: Schwaben-Microbrand HEINRICH Taucher im Test

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Eine neue Kickstarter-Kampagne. Mit einer Taucheruhr. Im Retro-Stil. Wer jetzt direkt in Anbetracht der gefühlt drölfmillionen Kickstarter-Taucheruhren, die in den letzten Monaten und Jahren lanciert wurden (oder werden sollten), wegnickt, dem sei gesagt, dass sich weiterlesen absolut lohnt: Mit HEINRICH Watch kommt endlich wieder eine Microbrand aus deutschen Landen – konkret aus meiner Wahlheimat, dem schönen Schwabenländle. Und noch besser: das erste HEINRICH-Modell mit dem Namen „Taucher“ bringt viele liebevolle, eigenständige Designelemente mit – inklusive einer Prise Lokalkolorit.

Ich habe den überaus sympathischen, gebürtigen Schwaben hinter der neuen Made in GermanyMicrobrand, Wolfgang Heinrich, persönlich auf ein Käffchen getroffen und mir einen Eindruck von den Prototypen der Taucher gemacht. So viel sei schon mal verraten: Die HEINRICH Taucher gehört zu meinen Kickstarter-Favoriten des Jahres…

Eckdaten der HEINRICH Taucher:

  • Made in Germany (Pforzheim)
  • Durchmesser 41 mm
  • Horn-zu-Horn 47 mm
  • Höhe: 11,5mm (13,6mm inklusive Glas)
  • Schweizer Sellita SW200 Automatikwerk (Qualitätsstufe Standard, 38 Stunden Gangreserve, 28800 bph)
  • Lünette mit 120 Klicks und Saphirglas-Überzug
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 20 atm / 200m / 660ft
  • Doppelt gewölbtes Saphirglas mit Antireflexbeschichtung
  • Feingliedriges Edelstahlband, Bandanstoß 20 mm
  • Verschraubte Krone
  • Super-LumiNova BGW9
  • Kickstarter-Preis für Early Birds: 555€ (inklusive Versand aus Deutschland)
  • Beginn der Kickstarter-Kampagne: September 2020

Über HEINRICH Uhren

Über Wolfgang Heinrich

Bist du ein „echdr Schwob“ oder ein „Neigschmeggder“? [Anmerkung für Nicht-Schwaben: Echter Schwabe oder Zugezogener]

Ich bin ein “echdr Schwob”. Geboren in Reutlingen, aufgewachsen im Nordschwarzwald bei Freudenstadt und seit dem Studium 2001 in und um Stuttgart hängengeblieben. 

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Angenommen du hättest eine Zeitmaschine – in welches Jahr würdest du reisen und warum?

“Zurück in die Zukunft” ist einer meiner Lieblingsfilme. Wenn man die Herausforderungen die Marty McFly in der Vergangenheit aufgrund seiner Zeitreise zu meistern hat mal ausklammert, würde ich gerne nochmal das Ende der 70er und die Anfänge der 80er erleben wollen. Das waren die Jahrzehnte, in denen ich aufgewachsen bin und es hat sich in puncto Design, Musik und Kunst sehr viel getan, sodass vieles, was man heute sieht, seine Ursprünge in diesen beiden Jahrzehnten hatte und ich mich deshalb gerne daran nostalgisch zurückerinnere. 

Die Zukunft möchte ich nicht unbedingt bereisen, da ich hoffe, dass ich dort ohne Zeitmaschine hinkomme. Zudem würde ich auch nicht genau wissen wollen was wie passieren wird. Das würde dem Leben die Spannung nehmen.

Welchen Tag bzw. welche Uhrzeit wirst du nie vergessen?

07.07.2010 8:10 Uhr – Die Geburt meines Sohnes.
Ansonsten versuche ich mich immer wieder an die schönen Seiten des Lebens zu erinnern, auch wenn ich dazu das genaue Datum nicht immer im Kopf habe: Tauchen in den Cenoten von Mexiko, Wandern & Radfahren in den Bergen, am Strand liegen und die Meeresbrise einatmen, gutes Essen…

Wenn der Tag 48 Stunden statt 24 Stunden hätte – für was würdest du die zusätzliche Zeit nutzen?

Wenn sich die Lebenszeit des Menschen dadurch nicht verändert, würde sich dadurch nicht viel ändern. Zeit ist ja bekanntlich relativ, von daher berufe ich mich auf Albert Einstein:  „Wenn man zwei Stunden mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden!“

D.h. ob es ein 24- oder 48-Stunden Tag ist, die Herausforderung bleibt weiterhin, die Zeit sinnvoll zu nutzen und die Freuden des Tages genießen zu können; auf den Moment zu fokussieren und so gut es geht ab an zu entschleunigen.

Wenn du nicht grade Uhren verkaufst dann…

… bin ich als IT Projektleiter bei einem grossen schwäbischen Technologieunternehmen, der Firma Bosch, angestellt.

Uhren zu verkaufen ist bisher nur ein Hobby. Verkaufen ist das eine, die Arbeit im Hintergrund ist dabei aber umso wichtiger. D.h. ich sketche, designe, überlege mir neue Ideen oder Konzepte, um die Uhr attraktiv zu machen, lese, höre Podcasts oder lasse mich bspw. auf Instagram von anderen Uhren inspirieren. Im Prinzip ist dieses Hobby mehr oder weniger eine One-Man-Show. D.h. ich bin für alles selbst verantwortlich, was aber bisher auch noch den Reiz dabei ausmacht. Da ich – wie oben beschrieben – Vollzeit arbeite, verlagert sich dies (wie bei jedem Hobby) auf die Feierabende, Nächte oder Wochenenden.

Über HEINRICH Watches

Mit der Marke Tastemaker hast du bereits mit einer Quarz-Kollektion Erfahrungen gesammelt – preislich bewegst Du dich mit Tastemaker im Bereich der Daniel Wellingtons dieser Welt. Mit der neuen HEINRICH-Taucheruhr setzt du nun auf Mechanik. Warum der Kurswechsel?

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Die Marke Tastemaker wird es weiterhin geben, allerdings ist dieses Projekt auf eine andere Zielgruppe ausgerichtet und eher in einer Nische der höherwertigen Fashionuhren angesiedelt, in welches ich Daniel Wellington nicht unbedingt einkategorisieren würde. Mit Tastemaker möchte ich den Fokus auf individuelles, modernes Design und den lokalen Fokus der Marke legen. Mit HEINRICH dagegen möchte ich nun eine Uhr launchen, die noch stärker auf meinem persönlichen Geschmack bzw. Vorstellungen einer Uhr basiert, Retro-Charme versprüht und trotz individuellem Design an die Vergangenheit erinnert. Die Zielgruppe der Marke ist zudem klar auf Männer ausgerichtet. Der Preis wird nicht nur wegen des mechanischen Swiss Made Uhrwerks in einem anderen Segment als Tastemaker liegen. Aus diesen Gründen war dafür eben auch eine eigene Marke notwendig und folgend daraus ist HEINRICH entstanden. 

Tastemaker-Uhr mit Quarz-Werk

Was sind/waren die größten Herausforderungen bei der Vorbereitung der HEINRICH-Kickstarter-Kampagne?

Die Verknappung von ETA Werken ist ein Punkt, welcher insbesondere Microbrands zu schaffen macht, was gleichzeitig auch zu höheren Preisen von Sellita Kalibern führt, da diese aufgrund höherer Nachfrage auch rarer werden. Das ist keine gute Entwicklung momentan.
Die Herausforderungen sind allerdings vielfältiger, wenn man so ein Projekt alleine stemmen will. Da ich dieses Projekt aber nebenberuflich mache, bin ich nicht an Deadlines gebunden, was meiner Meinung nach der Qualität der Uhr zu Gute kommt. Aus der Erfahrung heraus lohnt es sich nicht auf Biegen und Brechen auf einen bestimmten Termin hinzuarbeiten sondern iterativ sich vorzuarbeiten bis man dann das finale Produkt am Handgelenk trägt. Dieser Prozess kann aber dennoch herausfordernd sein und Rückschläge gibt es immer wieder. Des Weiteren ist es nicht einfach als neue, unbekannte Uhrenmarke Aufmerksamkeit zu bekommen. Hier kann man meiner Meinung nach nur mit dem bestmöglichen und eigenständigen Produkt punkten und mit gutem Kundenservice überzeugen. 

HEINRICH Taucher – die erste Automatikuhr von Wolfgang Heinrich

Micro-Brands, die sich mit ihren Taucheruhren im Preisbereich bis 1000€ über Kickstarter finanzieren wollen, gibt es einige Dutzend. Insbesondere der Wettbewerb aus Asien, speziell dem Micro-Brand-Hotspot Singapur, ist stark. Warum sollte sich ein Uhrenfreund grade für HEINRICH entscheiden?

Das ist richtig, Taucheruhren gibt es wie Sand am Meer und keiner draußen wartet darauf, dass endlich mal wieder eine weitere Uhr dazukommt. Und Du hast recht, dass mittlerweile aus Singapur schöne Uhren kommen, bspw. Uhren der Marken Zelos oder Gruppo Gamma. Dennoch sehe ich nach wie vor Potential, wenn es sich um etwas Eigenständiges handelt und sehe es eher als Ansporn auch von Deutschland aus eine Uhr aus der Microbrand-Welt anzubieten. Mich persönlich reizen Taucheruhren auch immer noch und ich wollte auch nicht noch eine weitere Diver-Hommage-Uhr kreieren, sondern designtechnisch etwas eigenes machen und eine Uhr mit Charakter fertigen. Dabei ist mir bewusst, dass dies auch polarisieren kann, aber das nehme ich in Kauf und das macht für mich auch den Reiz aus. 

Zudem mag ich eben Tauchuhren aus den 70ern mit eckigen Designs, individuellen Gehäuseformen und den Patina-Markern (Bulova, Citizen, Blancpain, Doxa waren bspw. Inspirationen). Gleichzeitig habe ich viel Wert darauf gelegt eine hohe Qualität für alle Komponenten umzusetzen sowie auch die Details nicht zu vernachlässigen – da habe ich viel Arbeit und Zeit reingesteckt. Beim Design wollte ich darauf achten, dass das Gehäuse und Edelstahl-Band eine Einheit bilden und integriert wirkt und dennoch die Flexibilität eines Bandtauschs ermöglicht. Zudem habe ich mich bewusst dafür entschieden, trotz Taucheruhr, die Minuterie wegzulassen. Ich finde die fehlende Minuterie kann auch zur Entschleunigung beitragen und man kann die Uhr dennoch auch zwischen den 5-Minuten-Indexen ablesen. Aber mir ist bewusst, dass das bei manchen eine Grundsatzdiskussion auslöst und etwas polarisiert. Dass die Uhr nie als alleinige Tauchereinsatzuhr verwendet werden wird, sollte klar sein. Dafür werden heute Tauchcomputer verwendet. Dennoch kann man sie als “Taucheruhr” titulieren – trotz fehlender Minuterie -, da die Inspiration zur Uhr offensichtlich aus der Welt der Taucheruhren stammt.

Gleichzeitig ist mir der lokale Fokus und die Herkunft der Marke wichtig. Das sieht man nicht nur am Modellnamen “Taucher” und am Logo der Marke (Inspiration aus dem Baden-Württemberg-Wappen) sondern auch daran, dass die Uhr in Pforzheim unweit von Stuttgart gebaut und eingestellt wird. Die Qualitätskontrolle wird dort ebenso gemacht (Druck, Wasserdichtigkeit, Staubkontrolle…) sowie mache ich auch nochmal einen finalen Check und übernehme die Komissionierung bevor es von Stuttgart aus dann in den weltweiten Versand gehen kann.

Was sind deine wichtigsten Ziele für HEINRICH innerhalb der nächsten fünf Jahre?

Zunächst fokussiere ich mich ausschließlich auf den Start der Kickstarter Kampagne und hoffe dass ich dadurch das nötige Funding zur Umsetzung des Projekts bekomme. Wenn die Kickstarter Kampagne erfolgreich verläuft, werde ich gut mit der Produktion und Auslieferung beschäftigt sein. Des Weiteren habe ich bereits viele Ideen für neue HEINRICH-Modelle. Aber letztendlich hängt die Zukunft von HEINRICH am ersten Modell und darauf möchte ich mich erstmal konzentrieren.

Hat sich der Status der Uhr in den vergangenen Jahrzehnten nach deinem Empfinden verändert?

Evtl. hat sich der Status oder die Bedeutung einer teuren Uhr etwas verändert, wie beim Auto auch. Nichtsdestotrotz sind mechanische Uhren nach wie vor populär. Das sieht man nicht nur daran, wie sehr sich die Mircobrand-Welt und deren Community entwickelt hat, sondern auch daran wie hoch die Nachfrage nach alteingesessenen Luxusuhrenmarken ist. Zudem hat eine mechanische Uhr etwas beruhigendes und braucht auch keine “Transformation” wie bspw. das Auto. Ich denke nicht, dass Uhrenenthusiasten aufgrund der Popularität von Smartwatches aussterben werden und ich sehe momentan nicht, dass eine Smartwatch begehrlicher wirkt als bspw. eine Royal Oak von Audemars Piguet. Oder auch Rolex macht aus Marketingsicht einiges richtig, um auch die jüngere Klientel oder Jugend nicht zu verlieren. Beides hat meiner Meinung nach seinen Markt – und das ist auch gut so…

Schwaben-Taucher: HEINRICH im Test / Kickstarter-Kampagne 2020

Taucher – der von Wolfgang Heinrich auserkorene Name für sein erstes Automatikmodell gewinnt sicherlich nicht den Kreativitäts-Award des Jahrhunderts ;-). Manchmal ist aber auch grade solch Einfachheit erfrischend – Taucher ist meiner Meinung nach allemal besser als ewig-lange Modellnamen, die ganz offensichtlich dadurch entstanden sind, dass sich der Markeninhaber durch das Meeresbiologie-Lexikon gewuselt hat, um „auf Teufel komm raus“ etwas Bedeutungsschwangeres herauszufischen 😉

Weniger ist mehr gilt auch für das Zifferblatt der HEINRICH Taucher, welches zum Glück nicht mit englischen Wörtern zugeballert ist (Automatic – Professional – Diver – Sapphire etc. pp.). Ein bisschen schade finde ich allerdings, dass nicht auch der „Made in Germany“-Schriftzug einem „Hergestellt in Deutschland“ gewichen ist (so wie es Guinand aus Frankfurt teilweise umsetzt).

Nanu, wo sindse denn? Der eine oder andere hat es sicherlich schon bemerkt: Minuten-Indizes sind bei der HEINRICH Taucher dem Rotstift zum Opfer gefallen – aber natürlich nicht, weil Wolfgang Heinrich ein sparsamer Schwabe ist 😉 . Wolfgang Heinrich hat mit verschiedenen Designs experimentiert, darunter auch welche inklusive Minuterie. Letztendlich hat er sich aber dann bewusst für das schlichtere Design entschieden – wohl wissend, dass dieser Schritt dem einen oder anderen Uhrenfreund sauer aufstößt.

Auf Facebook habe ich beispielsweise einen solchen Kommentar gelesen: „Ohne Minuterie – das ist für mich keine echte Taucheruhr!“. Hmm nunja, dieser Logik folgend wäre auch so ziemlich jede Panerai-Uhr keine echte Taucheruhr 😉 . Letztendlich ist es natürlich Geschmackssache. Mir gefällt’s definitiv, denn die „fetten“, mit retro-bräunlicher Super-Luminova BGW9 gefüllten, applizierten Stunden-Indizes als dominantes Design-Element machen eine Menge her. Man beachte auch die Tropfen-Form der Indizes auf 3-6-9-12 Uhr und die schicken Reflexionen bei direktem Lichteinfall.

Ein dezent umgesetzter Sonnenschliff sorgt für abwechslungsreiche Nuancen, die aber naturgemäß nur bei der blauen und der grünen Variante so richtig gut zur Geltung kommen. Die schwarze Taucher ist in dieser Hinsicht deutlich zurückhaltender.

Wolfgang Heinrich hat auf dem Zifferblatt der HEINRICH Taucheruhr einige Details und „Easter Eggs“ untergebracht, die auf die schwäbische Heimat des Microbrand-Gründers hindeuten: Das Logo beispielsweise, ein Löwe in einem stilisierten Wappen mit Krone, ist eine Intepretation des Baden-Württembergischen Landeswappens, welches drei schreitende schwarze Löwen mit roten Zungen zeigt. Form und Spitze des Sekundenzeigers (in den Farben weiß-rot) sollen außerdem an den Stuttgarter Fernsehturm erinnern. Ein Fest für waschechte Schwaben 😉 . Produziert werden die Uhren allerdings nicht in Schwaben, sondern in der Goldstadt Pforzheim – einem der wenigen verbliebenen großen deutschen Uhren-Cluster.

Übrigens: Das HEINRICH-Logo auf der Taucher ist derzeit noch ziemlich groß und daher – auch für meinen Geschmack – einen Tick zu präsent. Wolfgang Heinrich plant es daher in der finalen Version noch zu verkleinern.

Wenden wir den Blick auf das Edelstahlgehäuse, welches das Retro-Thema nahtlos fortsetzt. Das Gehäuse der HEINRICH Taucher ist fast durchgängig satiniert, durch die „eckige“ Machart und die „Genta’sche Kante“ wird der toolige Charakter des Modells hervorragend unterstrichen. Man beachte auch das schnieke, durchgängige Wellenmuster an der Seite der Lünette.

Alles in allem bewegt sich das Design zweifellos im Dunstkreis der Taucheruhren der 70er Jahre (siehe beispielsweise Omega Seamaster 200), bringt aber gleichzeitig eine Menge Eigenständigkeit mit.

Auch die Krone und der massive, verschraubte Gehäuseboden kommen mit dem HEINRICH-Logo. Schön ist insbesondere das tiefe Wellen-Relief mit eingelassener schwarzer Farbe. Übrigens: Wer genau hinschaut, der entdeckt auf den Bildern ein Schnellwechselsystem für das Stahlband. Gleichzeitig sind auch die Hörner durchbohrt. Beide Varianten ermöglichen (unabhängig voneinander) einen kratzerfreien und unkomplizierten Bandwechsel. Wolfgang Heinrich hat sich aber letztendlich dafür entschieden, in der finalen Variante der Taucher nur die durchbohrten Hörner umzusetzen – eine gute Entscheidung, denn das ist ebenfalls ein klassisches Merkmal von Taucheruhren der 70er Jahre.

Das Gehäuse ist mit einem Durchmesser von 41 mm auf dem Papier eher kleiner dimensioniert. Praktisch wirkt die HEINRICH Taucher aber aufgrund der kantigen Gehäuseform merkbar präsenter am Arm – eher wie 42 bis 43 mm. Dank des vollintegrierten Stahlbandes (dazu gleich mehr) und einem damit einhergehenden kleinen Horn-zu-Horn-Maß von 47 mm ist die Taucheruhr trotzdem auch für schmalere Handgelenke geeignet. Das Gewicht ist mit 160 Gramm (am Stahlband) für eine Taucheruhr außerdem noch recht human. Mehr dazu in meinem Artikel über die optimale Uhrengröße.

Abgerundet wird das Gehäuse von einem doppelt gewölbten Saphirglas und einer Lünette mit Saphirglas-Überzug. Beides unterstreicht den Retro-Charakter des Modells ganz hervorragend. So erinnert die Lünette an die in den 70ern typischerweise zum Einsatz kommenden Acrylglas-Lünetten – und bringt praktischerweise gleichzeitig die hohe Kratzfestigkeit von Saphirglas mit. Das gewölbte Saphirglas in Kombination mit dem Saphirglas-Überzug sorgen – je nach Lichteinfall – auf jeden Fall für eine tolle, sehr „weiche“ Optik. Aber seht selbst:

Angetrieben wird der HEINRICH Taucher von einem Sellita SW200 Automatikwerk. Gott sei Dank – endlich mal kein Kaliber NH35, welches gefühlt von quasi jeder neuen Microbrand verbaut wird (offenbar haut Seiko ziemlich gute Konditionen für das NH35 raus 😉 ). Versteht mich nicht falsch: Das Seiko NH35 ist ein grundsolides Automatikwerk, mit dem ich in Langzeittests schon hervorragende Erfahrungen gemacht habe. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich gut. Ich mag das NH35.

Und dennoch blutet mir ein wenig das Uhrennerd-Herzle, wenn ich sehe, wie selten noch ETA-Kaliber wie das 2824 oder das baugleiche Sellita SW200 zum Einsatz kommen. Insbesondere durch den austrocknenden ETA-Markt und damit einhergehende Verknappung, steigen die Preise zunehmend (nicht nur bei ETA-Kalibern, sondern auch bei Sellita, die mit der Produktion nicht mehr hinterherkommen).

Seit Mitte Juli ist auch klar: Die Situation wird sich aller Voraussicht nach mittelfristig nicht verbessern, da die Swatch-Group-Tochter ETA ab sofort frei ist, ausgewählte Drittkunden mit Uhrwerken zu beliefern. Und die Swatch Group hat bereits mehr als deutlich gemacht, dass man ETA-Kaliber vor allem innerhalb des eigenen Konzerns, d.h. an Marken wie Certina, Tissot & Co. verteilen will. Kein Wunder: ETA-Kaliber genießen einen ausgezeichneten Ruf – warum sollte die Swatch Group diesen Wettbewerbsvorteil freiwillig an andere Uhrenmarken weitergeben? Auf jeden Fall gilt: Durch die Preisentwicklung sind Schweizer ETA- und Sellita-Kaliber für viele Microbrands, die Modelle in der Preisregion 500€ anbieten wollen, einfach deutlich unattraktiver geworden. Umso schöner, dass Wolfgang Heinrich es geschafft hat Sellita-Kaliber für sein Modell Taucher „zu organisieren“ 😉 .

Übrigens: Der Rotor des in der HEINRICH Taucher verbauten Kalibers SW200 wird auch noch das HEINRICH-Logo spendiert bekommen – auch wenn man es hinter dem Gehäuseboden im Alltag nicht sieht. Das zeigt auf jeden Fall Wolfgang Heinrichs Liebe zum Detail.

Last but not least: Kommen wir noch zum Stahlband der HEINRICH Taucher, von dem ich äußerst positiv überrascht war. Endlich mal kein 08/15-Stahlband im dreigliedrigen Oyster-Stil war mein erster Gedanke. Optisch passt das feingliedrige, „Mesh“-artige Stahlband ganz hervorragend zum Retro-Thema der HEINRICH Taucher und auch die Gehäuseintegration ist gelungen. Alles wirkt wie aus einem Guss.

Das Band fällt außerdem aufgrund des feingliedrigen Mittelteils sehr angenehm um das Handgelenk. Die Haptik des Stahlbandes ist – mit Blick auf den Preis – überdurchschnittlich hoch. Toll!

Und es kommt noch besser: Wolfgang Heinrich hat der massiven Schließe sogar einen Schnelleinstellungsmechanismus für die Banderweiterung spendiert (siehe Bilder unten). Was will man mehr? Okay, okay, ein kleiner Wermutstropfen sei genannt: Die Glieder des Bandes sind leider nur verstiftet.

Fazit zur HEINRICH Taucher / Infos zur Kickstarter-Kampagne 2020

Wie bereits eingangs angedeutet erfindet auch Wolfgang Heinrich die Taucheruhr nicht neu. Aber das muss er auch gar nicht: alle Bestandteile fügen sich ganz wunderbar zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, das Design spricht eine eigenständige (Retro-)Sprache, die Haptik ist tiptop (insbesondere das Gehäuse und das geniale, integrierte Stahlband). Und auch bei den Eckdaten gibt’s nix zu meckern (okay, ein Sellita in der Qualitätsstufe Elaboré wäre noch ganz nett gewesen 😉 ). Alles in allem erscheint mir das Gesamtpaket mit 555€ sehr fair bepreist (600 US-Dollar für Early Birds; der Versand erfolgt natürlich aus Stuttgart, der Preis „all in“ für Kunden aus Deutschland beträgt somit umgerechnet 555€).

Ich beobachte den Microbrand-Markt bzw. neue Kickstarter-Kampagnen sehr intensiv. Über jeden einzelnen frischgebackenen Microbrand-Emporkömmlinge zu schreiben, würde aber naturgemäß den Rahmen dieses Blogs sprengen 😉 . Und dennoch fällt mir die Einordnung von HENRICH nicht schwer: Für mich gehört das Modell „Taucher“ definitiv zu den Kickstarter-Kampagnen 2020, die sich Uhrenfreunde genauer anschauen müssen.

Die Kickstarter-Kampagne ist für September 2020 geplant. Über die HEINRICH-Website und die dortige Newsletter-Anmeldung oder auch über soziale Medien (Facebook, Instagram) kann man sich benachrichtigen lassen, sobald es losgeht (man beachte, dass die Early Bird-Preise auf Kickstarter oftmals schnell „abgegrast“ sind).

Alternative aus Pforzheim

Als Alternative zu HEINRICH lohnt sich der Blick auf die Made in Pforzheim-Microbrand Circula, die mit dem Modell Aquasport eine Neuauflage aus den 70ern lanciert. Das Gehäuse der Aquasport ist etwas kleiner, die Taucheruhr somit auch für etwas schmalere Handgelenke gut tragbar. Auch eine Chronometer-Variante steht optional zur Verfügung.

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