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Die vom Maschinenbauingenieur Calvin gegründete, in Hong Kong ansässige Uhrenmarke Aquatico hat das Sortiment in den letzten sechs Jahren sukzessive mit klarem Schwerpunkt auf funktionale Taucheruhren ohne Schnickschnack ausgebaut – und das in einem durchaus beachtlichen Tempo. Auch eine kleine, aber feine Fangemeinde hat sich bereits rund um Aquatico versammelt. Nun legt Aquatico noch mal nach – mit dem neuen Modell Super Ocean T100, das (wie der Name schon andeutet) eine Besonderheit in Form von Tritiumgas anstelle von Super-LumiNova mitbringt…

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Eckdaten Aquatico Super Ocean T100:

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Aquatico Super Ocean T100 im Test

Die Aquatico Super Ocean (die weder verwandt noch verschwägert mit der gleichnamigen Taucheruhr von Breitling ist) bringt zunächst einmal vor allem klassische Designmerkmale mit, die Uhrenfreunde bereits aus dem Diver-Dunstkreis kennen, darunter fette Stunden-/Minutenzeiger in Pfeilform und ein allgemein klar ablesbares Design ohne große Experimente.

Die Lünette kommt mit einer tadellos verarbeiteten Einlage aus kratzfester Keramik, die eine klassische, nachleuchtende Tauchereinteilung beherbergt. Leider ist die Lünette bei der mir vorliegenden Aquatico Super Ocean ziemlich schwergängig – nur unter Androhung von Gewalt konnte ich die Lünette davon überzeugen, dass sie sich doch bitte mal dreht.

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Für die Stundenindizes auf dem Zifferblatt sowie den Zeigersatz hat sich Aquatico etwas ausgedacht, das in der Uhrenwelt (leider!) immer noch eine kleine Besonderheit ist: Nach dem erstmaligen Einsatz bei der quadratischen Aquatico Super Charger Dive 1000 Bronze setzt Aquatico bei der Super Ocean nun wieder auf moderne Tritium-Beleuchtung mit dem Namen trigalight statt “Old School” auf Super-LumiNova* – endlich, denn ich bin ein großer Fan dieser Technologie und würde mir wünschen, dass mehr Hersteller diesen Weg einschlagen. Lieferant für die trigalights ist die Schweizer mb-microtec AG, die viele Uhrenfreunde von der Eigenmarke traser her kennen.

*Okay, ein bisschen Super-LumiNova kommt zum Einsatz – bei den Spitzen der Zeiger und auf der Lünette (hellste Farbe C3).

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Bei trigalight handelt es sich um hermetisch versiegelte Glasröhrchen, die mit gasförmigem (!) Tritium gefüllt sind. Das ist technisch ein großer Unterschied zu Vintage-Uhren, deren Zifferblatt-Indizes vor einigen Jahrzehnten typischerweise mit Tritium-Leuchtmasse bzw. -Leuchtfarbe (als Nachfolger von Radium) bepinselt wurden. Diese Tritium-Leuchtfarbe wird über die Jahrzehnte gerne mal bröckelig und kann sich innerhalb des Gehäuses verteilen, beispielsweise bei Eintritt von Feuchtigkeit (mehr: Rolex GMT-Master 16750 und das Spider Dial). Das kann mit der modernen, sogenannten GTLS-Technologie (Gaseous Tritium Light Source), die von mb-microtec unter dem Markennamen trigalight vermarktet wird und beispielsweise auch im militärischen Bereich wie dem F16-Kampfjet zum Einsatz kommt, logischerweise nicht passieren.

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Gesundheitsgefahr geht vom Tritiumgas – trotz Radioaktivität – übrigens nicht aus: Das Glas der Röhrchen schirmt das Tritium vollständig ab. Im Falle eines Bruches würde sich das austretende Gas außerdem extrem schnell verflüchtigen. Selbst wenn man die (extrem dumme) Entscheidung trifft die trigalight-Röhrchen als tic tac-Ersatz einzuwerfen oder gezielt vom Zifferblatt abzunehmen, aufzuschneiden und als Nasenspray-Ersatz zu missbrauchen, mutiert man nicht direkt zu Captain Atom (ausprobieren sollte man es freilich trotzdem nicht).

Wie der Schriftzug “Swiss T100” auf dem Zifferblatt schon andeutet kommt vorrangig trigalight T100 zum Einsatz, und zwar in Form von fetten und beeindruckend intensiv leuchtenden Stunden-Indizes auf dem Zifferblatt. Bei den Zeigern kommt etwas dezenteres trigalight T25 zum Einsatz, was sicherlich dem geringeren zur Verfügung stehenden Platz geschuldet ist. Wie der Blick auf die Bilder verrät, handelt es sich bei T100 und T25 nicht um die Farben, sondern um einen Hinweis auf den maximalen (!) Strahlungsgehalt in der Einheit Millicurie (mCi), bezogen auf die gesamte Uhr. 25 mCi entsprechen knapp unter einem Gigabecquerel (Gbq).

Ergänzend sei gesagt, dass Aquatico wegen der fetten T100-Indizes nach meinen Recherchen streng genommen über dem eigentlich erlaubten Tritium-Grenzwert liegt – das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt:

Einige der kommerziell erhältlichen Uhren mit bis zu 15 Tritium-Gaslichtquellen (GTLS), die eine Gesamtaktivität von bis zu 1,9 GBq besitzen, überschreiten allerdings die gesetzliche Freigrenze von 1 GBq für Tritium gemäß Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) und können daher nicht im freien Handel erworben werden.

Das ist übrigens auch der Grund warum traser, die “Hausmarke” der mb-microtec AG, die Taucheruhr traser SuperSub T100 nicht im freien Handel anbietet; das Modell kann nur mit einer Sondergenehmigung geordert werden (z.B. durch offizielle Einsatzkräfte).

Aber noch mal kurz zurück zu den Farben des Tritiums: Die Farbe Blau, die hauptsächlich bei der Aquatico Super Ocean zum Einsatz kommt, ergibt auf den ersten Blick relativ wenig Sinn. Tatsächlich aber gilt, dass die Farbe Blau unter Wasser aufgrund der Wellenlänge des Lichts auch in größeren Tiefen sichtbar bleibt, was natürlich gut zu einer Taucheruhr passt – hier ein paar Anhaltspunkte:

Bild: Thomei08 / CC BY-SA via Wikimedia Commons

Das Gehäuse der Super Ocean macht einen haptisch schweren und massiven Eindruck. Mit 42 mm Durchmesser und 13 mm Höhe (Horn-zu-Horn 50 mm) ist es auch nicht grade klein – allzu schmale Spargelärmchen sollte man daher nicht haben. Im Profil wirkt die Uhr wegen der schmalen Flanken allerdings etwas flacher. Die üppige Wasserdichtigkeit in Höhe von 30 bar bzw. 300 Meter reicht locker zum professionellen Tauchgang aus.

Die Flanken sind auf Hochglanz poliert, die Oberseite der Hörner und des Kronenschutzes sind ansehnlich satiniert. Alles in allem hat Aquatico in den letzten Jahren vor allem hinsichtlich der Gehäuseverarbeitung von Modell zu Modell qualitativ durchaus nennenswerter Qualitätssprünge gemacht.

Die Aquatico Super Ocean kommt standardmäßig mit zwei Bändern: Einerseits mit einem massiven, gut verarbeiteten und quietschfreien Stahlband mit einer Schließe samt Feineinstellungsmöglichkeit (Band und Schließe habe ich in ähnlicher Form allerdings schon bei etlichen Marken im günstigeren Preissegment gesehen). Andererseits liegt dem Set der Super Ocean auch ein sauber verarbeitetes Kunststoffband im sogenannten Tropic-Stil bei.

Tropic Rubber Bänder kamen erstmals in den 60er und 70er Jahren auf den Markt und wurden schnell populär, da diese häufig standardmäßig an Divern von beispielsweise Rolex, Enicar und Jenny Caribbean montiert waren. Die Bänder waren insbesondere aufgrund ihres hohen Tragekomforts und der charakteristischen, feinen Oberfläche beliebt. Vor allem am Tropic-Band gewinnt die Aquatico Super Ocean enorm an Tragekomfort, weshalb das Band meiner Meinung nach die bessere Wahl ist. Kleiner Wermutstropfen: das Aquatico Tropic-Band ist ein ziemlicher Staubmagnet.

Wähle weise: Die Aquatico Super Ocean kommt wahlweise mit dem chinesischen Kaliber Hong Kong Precision Technology PT5000 oder dem Schweizer Sellita SW200-1 (Qualitätsstufe “Standard”). Beides sind im Großen und Ganzen (aber nicht hundertprozentig identische) Klone des bekannten ETA 2824-2 – nur, dass das eine eben aus Hong Kong stammt und das andere aus der Schweiz. Tatsächlich fällt die Wahl mit Blick auf den Preisunterschied von 200 US-Dollar nicht so leicht: Zwar haben beide Kaliber fast identische Spezifikationen (Handaufzugsmöglichkeit, 38 Stunden Gangreserve, 28.800 bph etc.); im Fall der Fälle ist aber die Ersatzteilbeschaffung in Deutschland sicherlich nicht so einfach wie beim allseits bewährten und in Europa weit verbreiteten Sellita SW200-1; ein Kompletttausch des PT5000 gegen ein SW200-1 wäre im Reparaturfall dann vermutlich die schnellere und wirtschaftlichere, aber nicht ganz günstige Variante (mehr Infos zum PT5000 gibt’s im Test zur Aquatico Super Marine).

Kurzum: Wer lieber auf Nummer sicher gehen und bewährte Schweizer Kost wählen will, der greift zur Variante mit Sellita SW200-1 – allerdings muss man dann immerhin 200 US-Dollar (knapp über 200€) Aufpreis berappen.

Leider läuft das SW200-1 in der mir vorliegenden Aquatico Super Ocean nicht innerhalb der Standard-Spezifikation von +/-12 Sekunden pro Tag – ein Rückversand nach Hong Kong ist in solchen Fällen aber nicht nötig: Aquatico hat ein europäisches Service-Center in den Niederlanden und Calvin zeigt sich erfahrungsgemäß sehr kundenorientiert (siehe auch: Reglage: Ganggenauigkeit einer Automatikuhr einstellen):

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Aquatico versteckt das Kaliber hinter einem massiven, verschraubten Stahlboden

Der Umrechnungskurs von US-Dollar zu Euro hat sich leider in den letzten Monaten sehr ungünstig entwickelt – das drückt (aus deutscher Sicht) naturgemäß auf das Preis-Leistungs-Verhältnis von Uhren aus dem nicht-EU Ausland im Allgemeinen und damit auch auf die Attraktivität der Aquatico Super Ocean. Der Listenpreis des Modells (Variante mit SW200-1) beträgt 799 US-Dollar – abzüglich der immer wieder von Aquatico herausgegebenen Rabatt-Codes in Höhe von 30% (derzeit Halloween-Aktion) landet man bei 559 US-Dollar oder derzeit umgerechnet rund 570€. Man beachte aber, dass noch Zoll (80 Cent) und vor allem Einfuhrumsatzsteuer (19%) hinzuzurechnen sind (erfahrungsgemäß ist der Zoll bei der Abfertigung auch äußerst penibel und lässt nichts “durchrutschen”). Der Endpreis liegt also bei knapp 680€ (PT5000-Variante = 500€).

Das ist wahrlich kein Pappenstiel, vor allem im Vergleich zu deutschen Wettbewerbern wie beispielsweise Microbrand-Platzhirsch Steinhart aus der Nähe von Augsburg (zum Beispiel Steinhart Ocean One Double-Green Keramik 42 für 630€), Laco aus Pforzheim (siehe z.B. Laco Skorpion 39) oder Circula aus Pforzheim (Aquasport II; ab 699€).

Mit der trigalight-Technologie hat Aquatico aber ein sehr gutes Argument auf seiner Seite, denn entsprechende Automatik (!)-Diver im Preisbereich von um die 500€ sind nach wie vor äußerst rar gesät – eine Ausnahme bilden am ehesten diverse Uhren-Modelle von Vostok Europe (mehr über Tritium-Uhren).

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Herbert
10 Monate zurück

Hallo Mario,

grundsätzlich ist die Super Ocean in grün sehr schick.

Leider lief meine nicht ordentlich. Das Servicecenter in den Niederlanden kann ich nicht bestätigen. Die Uhr musste laut Aquatico zurück nach Hong Kong (Stand April 2023). Auf dem Rückweg ist sie nun beim Zoll hängen geblieben.

Laut FedEx nennt sich das passive Veredlung. Und kostet am Ende rund 50 Euro.

Da bleibt die Begeisterung etwas auf der Strecke.

Viele Grüße

Herbert

Herbert
10 Monate zurück
Antworten...  Mario

Hey Mario, hier noch ein Update. Die Uhr ist wieder da. Und siehe da, eine neue Uhr. Nummer 151 anstatt 175. Inklusive eines neuen Stahlbands. Auf der Zeitwaage ist sie ein Traum. Also ziehe ich alles Gemecker zurück. Und die 50 Euro… OK, gegessen.

Es ist eine schicke Uhr 😀.

Liebe Grüße

Herbert

Chris
1 Jahr zurück

Mit den Lünetten tut sich Aquatico offensichtlich schwer: ich habe mittlerweile drei Uhren von Aquatico. Die sind zwar nicht so bockig wie bei dieser Uhr und sind recht präzise. Aber alle drei haben haben backplay oder sonst Spiel. Da sollte der Hersteller dringend nachbessern, denn sonst sind die Uhren klasse verarbeitet.