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Viele Uhren-Hersteller nutzen gerne die Begriffe Toolwatch (oder auch Einsatzuhr), um ihre Modelle zu bewerben. Da der Begriff nicht geschützt ist, wird dieser aber gerne inflationär und ohne handfesten Hintergrund verwendet. Wenn sich aber eine Uhr Toolwatch nennen darf, dann der Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer: Das Modell, das ein wesentlicher Eckpfeiler des Mühle-Sortiments ist und einige Besonderheiten an Bord hat, entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und ist seit rund 20 Jahren im praktischen Dauereinsatz in Nord- und Ostsee, zwischen Borkum und Ueckermünde. Im Jahre 2021 lancierte Mühle-Glashütte eine neue Variante der S.A.R. Rescue-Timer mit „Leuchtkeks“-Zifferblatt – und genau diese schauen wir uns nun ausführlich an…

Eckdaten Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer LUMEN (M1-41-08-CB):

  • Schweizer Automatikkaliber Sellita SW200-1 mit patentierter Spechthalsregulierung, Mühle-Rotor, 38 Stunden Gangreserve, 28800 bph
  • Durchmesser 42 mm, Gehäusehöhe 13,5 mm
  • Gehäuse aus Edelstahl mit Kautschuklünette
  • Gehäuseboden verschraubt
  • Saphirglas, 4 mm stark, entspiegelt, innen eingeschliffene Datumslupe
  • Krone verschraubt
  • Wasserdichtigkeit 100 bar
  • Bandstege verschraubt
  • Drei Bandvarianten (Kautschuk, Canvas, Edelstahl mit Kautschukelementen
  • Zifferblatt mit Super-LumiNova belegt („Leuchtkeks“), Zeiger skelettiert
  • Preis: ab 1850€, direkt im Online-Shop von Mühle-Glashütte oder bei den offiziellen Mühle-Händlern
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Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer und die Zusammenarbeit mit den Seenotrettern (DGzRS)

Unabhängig, familiengeführt und – allen Widrigkeiten in der Nachkriegszeit zum Trotz – mit unfassbar langer Unternehmensgeschichte: die 1869 von Robert Mühle gegründete Firma Mühle ist heute eine echte Ausnahme in der von Konzernen und „Shareholder Value“ geprägten Uhrenbranche.

Ich durfte die Familie Mühle und einige Mitarbeiter auf einer Presseveranstaltung vor ein paar Jahren und auch auf der Baselworld kennenlernen und insbesondere das sympathisch-bodenständige Auftreten hat mir imponiert. Auf besagter Presseveranstaltung ging es (neben der Lancierung einer neuen Mühle-Uhr) um die langjährige Zusammenarbeit mit den Seenotrettern vom DGzRS – die kam zwar nicht zufällig zustande, die Familie Mühle musste aber so einige Klippen umschiffen, bis es dazu kommen konnte.

Ein echter Stolperstein war beispielsweise, dass der Familienbetrieb – wie viele andere Glashütter Unternehmen – nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und demontiert wurde. Schnell rappelte sich die Familie Mühle aber wieder auf. Ein weiterer Rückschlag folgte in der DDR-Zeit: Bis 1972 gab es in der DDR noch über 11.000 private Betriebe, viele davon stellten Nischenprodukte her, die aus dem Alltag nicht wegzudenken waren. So wie die „Ing. Hans Mühle“, die mit 60 Mitarbeitern lange Zeit der einzige Hersteller von Zeigerwerken für Druck- und Temperaturmessgeräte in Ostdeutschland war und sich trotz der politischen Umstände in Ostdeutschland lange Zeit in Privatbesitz befand.

Antrag zur Weiterführung des Familienbetriebs von Hans-Jürgen Mühle aus dem Jahre 1970

Das Jahr 1972 markiert den Machtantritt von Erich Honecker, Erster Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands – und der erzwingt die komplette Verstaatlichung. Unter dem ideologischen Vorwand der Vervollkommnung des Sozialismus betreibt er wirtschaftlichen Kahlschlag. Das traf auch die Familie Mühle: Hans-Jürgen Mühle, der Enkel von Mühle-Gründer Robert, war nach dem Tod seines Vaters Hans grade mal zwei Jahre im Familienbetrieb als Oberhaupt aktiv, als die Ing. Hans Mühle enteignet und gezwungenermaßen in den „Volkseigenen Betrieb“ VEB Feinmechanik Glashütte umgewandelt wurde.

Als „Betriebsteil 7 Mess- und Regeltechnik“ erfolgte später die Eingliederung in VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB). Immerhin: Dort konnte Hans-Jürgen Mühle Verantwortung für die Leitung des weltweiten Vertriebs übernehmen – unter anderem für Schiffsuhren und Marine-Chronometer.

Nach dem Mauerfall wird Hans-Jürgen Mühle einer von vier Geschäftsführern der Glashütter Uhrenbetriebe GmbH, ließ aber wenige Jahre später den Familienbetrieb in Form der „Mühle-Glashütte GmbH nautische Instrumente und Feinmechanik“ wieder aufleben. Hans-Jürgen Mühle hatte in seiner Rolle als GUB-Vertriebsleiter weltweit Kontakte zu Werften und Yacht-Herstellern aufgebaut und gute Geschäftschancen gesehen, da in der GUB mittlerweile keine traditionellen Schiffsuhren und Marine-Chronometern mehr gefertigt wurden, die Nachfrage aber ungebrochen war. So beginnt er die Produktion am 1. April 1994 mit grade mal zwei Mitarbeitern.

Wenige Jahre später, aufgrund der Anfrage einer Werft, startete Mühle auch die Produktion von Armbanduhren, die als Teil der offiziellen Schiffsausrüstung vor allem robust und wasserfest sein sollten.

Mühle Glashütte Marine Chronometer
Bild: Mühle-Glashütte
Marinefliegeruhr 1990er Mühle Glashütte
Eine der ersten Mühle-Armbanduhren

Letztendlich kam im Jahre 2001 über das bestehende Netzwerk auch der Kontakt zwischen Mühle-Glashütte und den Seenotrettern bzw. dem DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) zustande – und aus der Kooperation heraus entstand der S.A.R. Rescue-Timer (dazu gleich mehr).

Zunächst ein paar Worte zum DGzRS: Der primäre Auftrag der Seenotretter ist es Menschen aus drohender Gefahr zu befreien und erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zu retten und zum Festland zu transportieren. Und das natürlich rund um die Uhr, bei „Wind und Wetter“ – getreu dem Motto: Regen ist erst, wenn die Heringe auf Augenhöhe vorbeischwimmen.

Mitte 2021 beispielsweise haben die Seenotretter einem schwer verletzten Seemann auf der Weser vor Bremerhaven schnelle Hilfe gebracht – der Mann hatte sich an Bord eines Tankschiffes einen offenen Armbruch zugezogen. Die Besatzung des Seenotrettungskreuzers HERMANN RUDOLF MEYER stabilisierte den Seemann und brachte ihn sicher an Land.

Nicht nur bei Schönwetter im Einsatz bei den Seenotrettern: Der Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer

Auf Nord- und Ostsee sind die Seenotretter im Jahr 2020 insgesamt 1.720 Mal im Einsatz gewesen. Die Besatzungen der DGzRS haben dabei fast 3.500 Menschen Hilfe geleistet. Allein rund 360 von ihnen wurden aus Seenot gerettet oder akuter Gefahr befreit. Seit Gründung der DGzRS vor mehr als 155 Jahren zählt die Statistik der Seenotretter rund 85.600 Gerettete. Bemerkenswert: Die vielen Millionen Euro, die beispielsweise für die Wartung der Schiffe, die Besatzung, die Seenotleitung in Bremen etc. anfallen sind zu 100% aus Spenden finanziert.

Seenotkreuzer HANNES GLOGNER, HANS HACKMACK, EISWETTE (Foto DGzRS Die Seenotretter, Helmut Hofer)
Seenotkreuzer HANNES GLOGNER, HANS HACKMACK und EISWETTE der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), Bild: DGzRS, Helmut Hofer

Man kann sich gut vorstellen, dass bei Einsätzen wie dem eben beschriebenen die zeitliche Abstimmung zwischen den Seenotrettern eine wichtige Rolle spielt. Und da vor der Zusammenarbeit mit Mühle-Glashütte die (oftmals ehrenamtlich tätigen) Seenotretter ihre privaten Armbanduhren verschlissen haben, kam die Kooperation zustande.

Naheliegenderweise wurden auch die Anforderungen an den Zeitmesser wesentlich von den Vormännern der Seenotretter mitbestimmt. Einleuchtend sind dabei Anforderungen wie Robustheit, eine gute Ablesbarkeit (auch bei Nacht) und eine ecken- und kantenfreie Verarbeitung, damit das Risiko minimiert wird, dass man im Einsatz mit der Uhr irgendwo hängen bleibt.

Entstanden ist dabei der Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer (S.A.R. für „Search and Rescue“) – die ersten Modelle wurden im Jahre 2002 in Warnemünde an die Vormänner Erwin Borchardt und Lutz Griesberg überreicht. Insgesamt 54 S.A.R. Rescue-Timer befinden sich seitdem bei der DGzRS im Dauertest – eine Uhr pro DGzRS-Station (mittlerweile kam eine Station hinzu, d.h. heute sind es in der Summe 55).

SAR Rescue Timer Vorstellung in Warnemünde 2002
Hans-Jürgen Mühle bei der Übergabe des ersten S.A.R. Rescue-Timers in Warnemünde im Jahr 2002

Um den S.A.R. Rescue-Timer strukturiert hinsichtlich Praxistauglichkeit zu bewerten, haben die Seenotretter-Vormänner jeweils einen Fragebogen für ihr eigenes, persönliches Modell ausgefüllt. Neben sehr guten Bewertungen für beispielsweise das Gehäuse, gab es damals auch Kritikpunkte, die ausgemerzt werden mussten: So kam zum Beispiel die Faltschließe nicht besonders gut an, woraufhin diese überarbeitet wurde. „Unsere Leute haben die Uhren bei Wind und Wetter getragen und den Test sehr ernst genommen“, sagte DGzRS-Geschäftsführer Bernd Anders als Zwischenfazit nach 5 Jahren Dauereinsatz im Jahre 2006. „Sie waren sehr offen und sehr direkt“, ergänzt er.

„Wir nahmen sieben Veränderungen vor, das meiste betraf das Handling“, berichtete der damalige Geschäftsführer Hans-Jürgen Mühle, der das Ruder im Jahre 2007 an seinen Sohn Thilo übergeben hat. „Aus unserer Sicht ist sie nicht mehr zu verbessern“, ergänzte er.

Bei besagter Presseveranstaltung von Mühle-Glashütte vor ein paar Jahren konnte ich einen S.A.R. Rescue-Timer in Augenschein nehmen, der satte 10 Jahre am Arm von Olaf Redmer, DGzRS-Vormann für 15 freiwillige Seenotretter auf der Station Breege, im Dauereinsatz war. Mit Blick auf die Seenotretter-Einsätze, bei denen es sicherlich nicht immer zimperlich zugeht, sieht das Ührchen doch eigentlich noch ganz gut aus, oder?

Mühle Glashütte Rescue Timer nach 10 Jahren
S.A.R. Rescue-Timer vom DGzRS-Vormann Olaf Redmer nach 10 Jahren Dauereinsatz

Übrigens: aufgrund der Zusammenarbeit mit dem DGzRS kamen auch die Rettungsflieger der Deutschen Marine auf Mühle-Glashütte zu und fragten nach einem robusten Chronographen, der die Berechnung von Fluggeschwindigkeiten ermöglicht. So entstand der S.A.R. Flieger-Chronograph

Mühle-Glashütte SAR Flieger-Chronograph Marine
Mühle-Glashütte SAR Flieger-Chronograph

Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer LUMEN im Test

Das charakteristischste Merkmal der Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer ist sicherlich die Lünette aus Kautschuk, welche die gröbsten Stöße parieren soll – egal, ob nun an Deck eines Seenotretter-Schiffes oder einfach an der nächstbesten Bürotür 😉 . Grundsätzlich ist der Kritikpunkt, dass Kautschuk über die Jahre spröde bzw. trocken werden kann, nicht von der Hand zu weisen – es handelt sich nun mal um ein Naturprodukt, das nicht ewig hält. Mühle-Glashütte nennt diesbezüglich einen Zeitraum von 7-9 Jahren bis dieser Effekt merkbar eintritt, am Ende des Tages kommt es aber natürlich auch auf den Gebrauch der Uhr an – so kann beispielsweise Schweiß Kautschuk zusätzlich angreifen. Mühle-Glashütte ist sich dieser Thematik aber bewusst und hat auf der digitalen Vorstellung der neuen Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer LUMEN betont, dass die Kautschuk-Lünette ausgetauscht werden kann ohne den Gehäuseboden öffnen zu müssen – der Aufwand (und damit die Kosten) halten sich damit in Grenzen, der Austausch kostet grade mal 55€ inklusive Arbeitszeit.

Kleiner Exkurs: Auch eine Revision direkt bei Mühle-Glashütte ist fair bepreist – die Wartung für den S.A.R. Rescue Timer LUMEN kostet beispielsweise aktuell 294€ (bei Direkteinsendung an Mühle durch den Endkunden) – da rufen andere Hersteller in der Preisklasse von Mühle-Glashütte schon ganz andere Preise auf. Die Revision beinhaltet:

  • Prüfung von Gehäuse und Band
  • Ausbau des Werkes
  • Prüfung von Aufzug, Hemmung, Räder- und Zeigerwerk sowie der Kalenderschaltung
  • Vollständige Zerlegung des Werkes in seine Einzelteile
  • Reinigung der Einzelteile im Ultraschallbad
  • Prüfung aller Teile und Ersetzen verschlissener Bauteile
  • Montage des Uhrwerks, alle Bauteile werden dabei mit neuem Öl oder Fett versehen
  • Regulierung: Überprüfung des Uhrwerks in 6 Lagen
  • Kontrolle aller Werkfunktionen
  • Montage von Zifferblatt und Zeigern
  • Aufarbeitung des Gehäuses
  • Für perfekte Wasserdichtheit werden Krone, Tubus und alle Dichtungen ersetzt
  • Einsetzen des Uhrwerks ins Gehäuse
  • Prüfung von Wasserdichtheit, Ganggenauigkeit und Gangreserve durch den für die Uhr zuständigen Service-Uhrmacher
  • Unabhängige Endkontrolle durch einen Mühle-Uhrmachermeister

Das Gehäuse der S.A.R. Rescue-Timer ist voll auf Funktionalität ausgelegt: Die Oberflächenbearbeitung ist durchgängig satiniert und frei von Schnickschnack. Augenscheinlich ist die „abgerundete“ Machart und das Fehlen klassischer Hörner, wodurch verhindert werden soll, dass die Seenotretter, nach deren Anforderungen das Modell ja entstanden ist, mit der Uhr im Einsatz irgendwo hängenbleiben. So kam aus Sicherheitsgründen auch die Krone auf 4 Uhr zustande.

Was sofort auffällt ist insbesondere die massive Haptik der S.A.R. Rescue-Timer, die keine Zweifel daran lässt, dass das Modell eine Menge aushält – am Kautschukband bringt der Zeitmesser immerhin fast 150 Gramm auf die Waage. Mehr als ordentlich ist auch die Wasserdichtigkeit des S.A.R. Rescue-Timer-Gehäuses: satte 100 bar (1000 Meter) reichen selbst für professionelle Tauchgänge in die Tiefen der Nordsee dicke aus. Laut Mühle-Glashütte hat das Modell bei internen Tests sogar deutlich höherem Druck standgehalten – erst bei einem Druck, wie er in 2500 Metern Tiefe herrscht, verbog sich der Bodendeckel (der Rest blieb unversehrt).

Dafür, dass die S.A.R. Rescue-Timer eine solch hohe Wasserdichtigkeit mitbringt, ist das Gehäuse erstaunlich flach (13,5 mm), das Horn-zu-Horn-Maß ist mit 47 mm ebenfalls sehr human dimensioniert. Die 42 mm Gehäusedurchmesser werden außerdem nur am Boden erreicht, da sich das Gehäuse zur Lünette hin auf rund 40 mm „verjüngt“. Dadurch wirkt das Modell deutlich kleiner und ist auch für schmalere Handgelenke gut geeignet. Schön: Die Hörner sind durchbohrt und das Band ist an das Gehäuse geschraubt – das ermöglicht einen kratzerfreien Bandwechsel und sorgt für zusätzliche Sicherheit vor Verlust der Uhr. Der Gehäuseboden ist verschraubt und beherbergt unter anderem eine Gravur des Seenotretter-Logos.

Das Ziffernblatt der Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer LUMEN wurde gegenüber der Standardvariante quasi „invertiert“ und kommt mit schwarzen Indizes auf weißem bzw. cremefarbenem Grund. Es handelt sich dabei aber nicht einfach nur um „normale“ weiße Farbe: Das ganze Zifferblatt ist mit bläulich leuchtender Super-LumiNova bepinselt, wodurch sich im Dunkeln eine sehr schicke und nicht allzu häufig anzutreffende Optik ergibt, welche die Ablesbarkeit erhöht (was wiederum den Seenotrettern bei nächtlichen Einsätzen gefallen dürfte). Uhrennerds sprechen übrigens auch von „Leuchtkeks“.

Die Indizes sind kontrastreich in der Farbe Schwarz gehalten – besonders ins Auge stechen die großen Dreieck-Indizes auf 12-3-6-9 Uhr, welche die charakteristische Optik des Zifferblattes maßgeblich prägen. Gut: Mühle-Glashütte hat auf die Details geachtet und das Datum ebenfalls schwarz gehalten.

Das Zifferblatt wird von einem Saphirglas geschützt, das satte 4 mm dick ist. Eine weitere, meiner Meinung nach ziemlich geniale Besonderheit ist die aufwendig innen eingeschliffene Datumslupe – denn normalerweise werden Datumslupen einfach auf das Glas geklebt. Das macht übrigens sogar Rolex (böse Zungen sprechen auch vom Rolex’schen „Datums-Pickel“).

4 mm dickes Saphirglas SAR Rescue Timer Mühle

Der S.A.R. Rescue Timer LUMEN kommt in drei Bandvarianten: Kautschuk, Stahl mit zentralen Kautschuk-Elementen und – ganz neu – ein Textilband mit Seenotretter-Druck. Ich war von der Flexibilität und dem Tragekomfort des Kautschukbandes direkt positiv überrascht. Das Band riecht außerdem leicht nach Vanille, was nicht unüblich für Kautschukbänder ist. Ich finde den Geruch zumindest nicht störend, wenngleich mir ein komplett geruchloses Band lieber gewesen wäre (meine liebe Gattin hat übrigens ziemlich die Nase gerümpft und konnte sich nicht so recht mit dem Geruch des Bandes anfreunden).

Man beachte übrigens, dass man große Vorsicht walten lassen sollte, wenn man das Kautschukband in Eigenregie kürzen möchte: Nachdem man die Schließe abmontiert hat, sollte man die einzelnen Kautschuk-Elemente Schritt für Schritt (und natürlich gleichmäßig an jeder Seite) mit einem scharfen Messer entfernen und im Zweifel die Uhr zwischendurch lieber noch mal anlegen – denn die abgeschnittenen Elemente kann man ja schlecht wieder mit Klebstoff anbringen, wenn man zu viel abgesäbelt hat 😉 . Man beachte auch, dass sich der Handgelenkumfang in Abhängigkeit der Temperatur stark ändern kann. Kürzt ihr das Band beispielsweise im kalten Keller, sollte man aufpassen, dass das Band im Hochsommer nicht regelmäßig zu eng sitzt. Und noch mal: Im Zweifelsfall lieber die Uhr auch mal etwas loser kürzen und eine Weile Probe tragen.

Die Schließe des Kautschukbandes macht einen hochwertigen und sehr massiven Eindruck. Leider ist keinerlei Fein- oder gar Schnelljustierung möglich – stattdessen gibt es eine herausklappbare Tauchverlängerung (20 mm), die allerdings (außer für Taucher mit Neoprenanzügen, siehe auch mein Artikel über gewellte Kautschukbänder) keinen wirklichen Alltagsnutzen mitbringt. Auch vor diesem Hintergrund ist eine perfekte Bandanpassung unabdingbar.

In der Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer tickt das bewährte Schweizer Kaliber Sellita SW200-1 mit 38 Stunden Gangreserve, Sekundenstopp bei gezogener Krone und eine Frequenz von 28.800 bph (4 Hz). Mühle spendiert dem Kaliber außerdem die patentierte, im eigenen Hause gefertigte Spechthalsregulierung, die für zusätzliche Stoßsicherheit und Robustheit sorgt. Keine Selbstverständlichkeit: Mühle-Glashütte reguliert jede Uhr in sechs Lagen. Bei meiner Messung brachte der S.A.R. Rescue-Timer gute +5,1 Sekunden pro Tag auf die Zeitwaage.

Spechthalsregulierung
Modell der Spechthalsregulierung
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Fazit zur Mühle-Glashütte S.A.R. Rescue-Timer LUMEN

Der Mühle-Klassiker schlechthin, der S.A.R. Rescue-Timer, bekommt nur sehr sparsam neue Varianten wie das „Leuchtkeks“-Modell LUMEN spendiert (auf meinem Instagram-Account hieß es in einem Kommentar scherzhaft: „Blue dial in the next ten years, followed by a green dial ten more years later. 😁“). Andere Uhrenmarken sind da deutlich aggressiver unterwegs und schlachten gut laufende Modelle mit Limited Editions noch und nöcher aus. Das zeigt auch noch mal, dass man bei Mühle mit viel Bedacht und Nachhaltigkeit arbeitet – unabhängig von einem großen Konzern im Nacken. Das ist etwas, was man heute kaum noch findet und meiner Meinung nach dicke Sympathie-Bonuspunkte bringt.

Vom Sympathie-Bonus mal abgesehen, bietet der S.A.R. Rescue-Timer auch richtig viel Uhr für’s Geld: die waschechte Toolwatch ist überaus eigenständig und fernab des Einheitsbreis gestaltet und hat einige Besonderheiten an Bord, die das Modell wohltuend vom Wettbewerb abheben (Kautschuk-Lünette, Gehäuseform, eingeschliffene Datumslupe, überdurchschnittliche Wasserdichtigkeit…). Die Haptik ist überaus massiv, die Detailverarbeitung sehr gut – da gibt’s nix zu meckern. Punktabzug gibt’s aber für die Schließe – das Fehlen einer Fein- bzw. Schnelljustierung ist nicht mehr recht zeitgemäß.

Alles in allem hat der Preis in Höhe von 1850€ vielleicht keinen Schnäppchen-Charakter, die S.A.R. Rescue-Timer ist aber jeden Cent wert. Auch mit Blick auf die Preisgestaltung der Wettbewerber aus dem deutschen Uhren-Cluster Glashütte ist der Preis angemessen.

Alternativen

Abschließend seien noch ein paar Alternativen mit hoher Wasserdichtigkeit aus Glashütte genannt: In einer ähnlichen Preisklasse wie der S.A.R. Rescue-Timer ist die Taucheruhr Belisar Datum Sport von Union Glashütte unterwegs. Was die Optik angeht ist die größte Besonderheit sicherlich die aufgeschraubte Flanke, was ein charakteristisches Element aller Modelle in der Belisar-Kollektion ist. Im Falle der Union Glashütte Belisar Datum Sport ist die Flanke aus Kautschuk, um das Gehäuse zu schützen. Der Durchmesser ist mit 45 mm ziemlich ausladend. Hinter dem Motor des Modells, das Kaliber UNG-07.S1, verbirgt sich ein bekanntes Gesicht: Es handelt sich dabei um eine Variante des Kalibers 2892-2 aus dem Hause ETA mit amagnetischer Silizium-Spiralfeder und einer erhöhten Gangreserve von 60 Stunden (allerdings zu Lasten der Frequenz). ETA ist genau wie Union Glashütte Teil des Swatch-Konzerns. Preispunkt: Knapp 2000€ (am Kautschukband).

Eine deutlich dressigere Alternative ist die 42 mm große NOMOS Tangente Sport Neomatik – das Modell ist bis 30 bar wasserdicht (zum Tauchen geeignet) und kommt mit dem automatischen Manufakturkaliber DUW 6101 (42 Stunden Gangreserve). Preispunkt: Knapp 4000€.

Wer einen guten gefüllten Geldbeutel hat, darf Richtung Glashütte Original (ebenfalls Teil der Swatch Group) schielen: Die SeaQ ist eine klassische Taucheruhr mit Manufakturkaliber und 20 bar Wasserdichtigkeit. Die kleinste Variante (39,5 mm) kostet 8500€, die größere Panoramadatum-Variante startet bei 11.300€.

Glashütte-Original-SeaQ-Taucheruhr

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Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb kurzer Zeit, geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Tobias R.

    Klasse Artikel, wieder top recherchiert. Die Firmengeschichte ist auch hoch interessant, ebenso wie das Tätigkeitsfeld der Seenotrettung. Zuletzt eine sehr coole Uhr, die schon bewiesen hat, was sie drauf hat.

    1. Mario

      Danke Tobias 🙂

  2. Frank T aus MZ

    Hi Mario, angesichts des gekürzten Kautschukbandes nehme ich an, Du hast Dir den SAR Rescue Timer persönlich gegönnt? Mit diesem Klassiker hatte ich mich auch schon beschäftigt, bin damals jedoch zur SINN U2 S abgebogen. Von Deinem Blog habe ich gelernt, dass es bereits 2017 einen SAR Rescue Timer „Leuchtkeks“ gab, das Jubiläumsmodell in Bronze. Die Zeiger scheinen skelettiert zu sein, was bei Zifferblättern mit Superluminova-Auftrag Sinn macht. Die genannte Sollbruchstelle besitzt meines Wissens jedoch nur das Stahlband mit Kautschukelementen. Die, in das Saphirglas eingeschliffene Datumslupe, ist genial und sicher sehr aufwendig in der Fertigung, erstaunlich dass dies keine anderen Hersteller abkupfern. Prominenter Träger einer SAR Rescue Timer ist bzw. war übrigens Dieter Nuhr. Viel Spaß mit dieser Kultuhr und danke für diese tolle Vorstellung!

    1. Mario

      Hi Frank, jup die SAR Rescue Timer ist in meine Sammlung gewandert – bin schon die ganze Zeit um die schwarze herumgeschlichen, bei der neuen hat’s dann aber endgültig „klick“ gemacht 😉

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