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Da sich der neue Tudor Black Bay Chrono „Panda“ am Stahlband doch ziemlich wuchtig und schwer trägt, war ich auf der Suche nach einem passenden, leichteren Band für den Sommer. Wenn es um „Aftermarket“-Kautschukbänder für Rolex oder die Rolex-Tochter Tudor geht, landet man schnell bei den Anbietern Rubber B oder Everest Bands. Kein Wunder, denn der Genfer Luxusuhrenhersteller bietet nicht grade eine üppige Auswahl an Bändern an…

Everest Straps: Band aus FKM-Kautschuk im Test

Das verwendete Material für die Kautschuk-Bänder von Everest ist sogenanntes Fluorkautschuk (FKM). FKM wurde ursprünglich natürlich nicht für Uhrenbänder entwickelt, sondern für militärische Anwendungen, als die US Air Force in den 50er Jahren Dichtringe benötigte, die auch bei hohen Temperaturen zuverlässig gegen aggressive Medien abdichteten. Auch heute wird in verschiedenen Industriebereichen wie der Luft- und Raumfahrt sowie in der Automobilindustrie FKM-Kautschuk als Dichtmaterial verwendet.

Aufgrund der hohen Robustheit ist FKM-Kautschuk als Material für Armbänder bei einer sportlichen Uhr mit hoher Wasserdichtigkeit, die gerne auch mal an den Strand oder den Pool ausgeführt und somit beispielsweise Chlor- oder Salzwasser und Sand ausgesetzt wird, grundsätzlich ziemlich gut geeignet. Ein weiterer Pluspunkt von FKM-Kautschuk ist, dass es keinen Staub anzieht und sehr flexibel ist.

Das FKM-Kautschuk des Everest-Bandes riecht nach… nix. Keine Chemiekeule, keine Aromen, einfach nix. Auf Facebook habe ich den Kommentar eines Everest-Käufers gelesen, der darüber enttäuscht war, dass sein Band nicht nach Vanille riecht. Tatsächlich kommen viele Kautschukbänder, die man bei Drittanbietern kaufen kann, aber auch Originalbänder von den Herstellern selbst, mit einem Geruch, der an Vanille erinnert – so zum Beispiel das Band der Mühle-Glashütte SAR Rescue Timer. Nun muss man allerdings sagen, dass dieser Geruch schnell auch mal penetrant sein kann und oftmals dazu eingesetzt wird, um von Chemiegeruch abzulenken – und auch, wenn mich persönlich der typische Vanille-Geruch nicht stört, ist mir ein völlig geruchloses Band dann doch irgendwie noch etwas lieber.

Gut ist auch, dass die Aussparungen für die (mitgelieferten) Hörner recht üppig bemessen sind – das Lösen der Federstege geht dadurch sehr einfach von der Hand. Positiv zu erwähnen ist auch die massive Dornschließe, deren Mittelteil die „Linien“ des Bandes aufnimmt bzw. fortführt.

Immerhin 220 bis 235€ ruft Everest Bands für das „Curved End Rubber Strap“ auf. Das ist ein ganz schönes Pfund. Und da auch Everest Bänder nicht aus Elfenstaub gezaubert werden, darf man natürlich kritisch hinterfragen wie der Preisunterschied zu FKM-Kautschukbändern von beispielsweise Watchgecko oder Strapcode, die Bänder für unter 50€ anbieten, zustande kommt.

Nun, zum einen muss die Kostenseite betrachtetet werden: Everest Bands kommen mit einem Bandanstoß, der genau auf das Gehäuse der jeweiligen Uhrenmodelle abgestimmt ist (Rolex Submariner, Rolex Explorer, Tudor Black Bay Chrono etc.). Oder anders gesagt: Das Band dockt lückenlos an das jeweilige Gehäuse an, was natürlich besser aussieht als bei Bändern von der Stange mit gradem Anstoß, bei denen sich naturgemäß zwischen Band und Gehäuse eine Lücke auftut. Diese exakte Passform verlangt nach speziellen Werkzeugen, die im Rahmen der Produktion (sogenanntes Spritzgussverfahren) eingesetzt werden – ein Werkzeug pro Gehäuseform, für das ein Band passend produziert wird, wohlgemerkt (es gibt keine Kombiwerkzeuge). Und ein einzelnes (!) Werkzeug knackt in der Anschaffung schnell mal die 10.000€-Grenzen. Das sind Kosten, die ein Hersteller logischerweise irgendwie „reinholen“ will und entsprechend mit in das Band einpreist.

Hinzu kommt, dass die Bänder nach Angaben von Everest ausschließlich im Hochlohnland Schweiz hergestellt werden – Everest schreibt: „100% Swiss-made“ und „We mold our straps in Switzerland, using Swiss-made compounded rubber material“.

Es sei auch noch der Effekt genannt, dass Besitzer einer Rolex oder Tudor bei einem zu günstigen (!) Preis unter Umständen abgeschreckt sind – so habe ich sinngemäß mal in einem Forum gelesen: „Mir kommt ganz sicher kein 40€-Band an meine Rolex„. Viele denken einfach, dass ein 200€+ Band von Everest oder einem der Wettbewerber, die preislich ähnlich teuer unterwegs sind, an einer Rolex oder Tudor für viele Tausend Euro einfach „stimmiger“ ist (und im Vergleich zu Originalbändern des Genfer Herstellers ist der Preis ja sowieso fast schon schnäppchenverdächtig). Kurzum: Everest berücksichtigt natürlich auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden, wenn es um die Preissetzung geht.

Abschließend seien noch zwei Wermutstropfen genannt: Zum einen ist das meiner Meinung nach auffälligste Manko beim mir vorliegenden Everest-Band für den Tudor Black Bay Chrono, dass es nicht dem „Schwung“ der Hörner nach unten folgt. Zum anderen ist es zwar gut, dass der vordere Keeper fixiert werden kann, ehrlich gesagt finde ich aber das System der Rolex-Armbänder von R-Straps optisch stimmiger.

Alles in allem kocht auch Everest nur mit Wasser. Dennoch sind die Bänder von Everest eine zwar sehr teure, aber sinnvolle Anschaffung, wenn man seiner Rolex oder Tudor eine neue Optik verpassen und gleichzeitig einen guten Tragekomfort haben will (grade im Sommer). Wer keinen großen Wert auf einen passenden Bandanstoß legt, der ist aber auch mit deutlich günstigeren Standard-FKM-Bändern von anderen Händlern wie Strapcode gut beraten – oder natürlich mit Nato-Straps

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Rumburak Klötenschneider

    Ich verstehe die Begeisterung für diese Plastikstrippen nicht nur nicht, sondern überhaupt nicht. Zum Teil (wie hier) sind die Dinger schweineteuer und, gerade bei Wetter wie in diesen Tagen, schwitzt man darunter wie Hulle. Im Wasser (das war der ursprüngliche Sinn) ist das völlig ok., aber die meisten Leute sind wohl eher Schreibtischtaucher. Ein ordentliches Stahlband ist erheblich universeller und praktischer. Aber das hat ja jeder und es ist überhaupt nicht zeitgeistig, also hip (oder so). Aber ich bin auch alt und old-fashioned (das Gegenteil von hip).
    Aber, nur so zum Spaß, riech mal an so einem Plastikstraps nach eines langen Tages Ritt: 😵‍💫 🤢 🤮 . Viel Vergnügen!

    1. Mario

      Am Kautschuk fühlt sich eine massive Uhr wie die Tudor Panda halt deutlich leichter an – finde ich im Sommer daher viel angenehmer.

  2. Nico

    Habe für meine BB58 lange nach so einem Band gesucht und mich dann für das Vanguard Band entschieden – ist auch kein Sonderangebot überzeugt aber auf der ganzen Linie! Die Schließe könnte auch von Tudor stammen – dezente Gravur! Kurze Version erhältlich – war für mich der Hauptgrund bei 170mm HGU – tolle Haptik und einwandfreie Integration in die BB58 – klare Kaufempfehlung!
    Es ist die blaue Variante und die Farbe harmoniert mit dem Blau der BB58 perfekt!

    1. Mario

      Danke, Vanguard schaue ich mir bestimmt auch mal an.

  3. Ratman

    Puuuhhh…. Der Preis ist ja mal ziemlich heftig! Die meisten meiner Uhren haben weniger gekostet als eines dieser Everest-Straps 🙂 Andererseits ist das natürlich relativ. Wer sich nen Wecker für 10K oder 20K an den Arm binden kann, lacht vermutlich über die Everest-Preise. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass einige Rolex-Besitzer ein wenig enttäuscht darüber sind, dass auf der Außenseite der Everest-Straps weder ein Krönchen noch das Everest-Logo zu sehen ist. Man will doch schließlich zeigen, was man hat…

    Bei Kautschuk-Bändern bin ich persönlich raus, wie auch bei Kunststoff, Silikon und Leder. Ich schwitze darunter einfach zu stark. Da sind mir klassische Metallbänder, Natos und andere Gewebe lieber.

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