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Die Designvorlage für die neue Taucheruhr Super Marine von Aquatico ist ein nicht allzu bekanntes Relikt aus vergangenen Uhrzeiten: Die im Jahre 1971 erstmalig vorgestellte Omega Seamaster 1000 Ref. 166.0093 mit einem patentierten, mächtigen Monobloc-Gehäuse. Doch was „taucht“ die aktuelle Hommage von Aquatico? Schauen wir’s uns an…

Eckdaten Aquatico Super Marine:

  • Automatisches Kaliber PT5000, Top Grade (ETA 2824-2-Klon)
  • Alternativ: Variante mit Schweizer SW200 (+200 US-Dollar)
  • Saphirglas mit Antireflex-Beschichtung auf der Innenseite
  • Heliumventil bei „2 Uhr“
  • Wasserdichtigkeit 100 bar / 1000 Meter
  • Sandwich-Zifferblatt
  • Durchmesser: 43mm
  • Höhe: 15.5mm
  • Horn-zu-Horn: 50mm
  • Bandanstoß: 24mm
  • Gehäuse aus 316L-Edelstahl
  • Lünetten-Inlay aus gebürsteter Keramik
  • Dichtungen aus Viton und Tefzel
  • Vulkanisiertes Kautschukband
  • Super-LumiNova BGW9
  • ca. 540€ inkl. Zoll/Einfuhrumsatzsteuer (inklusive 30% Aquatico-Rabatt = ca. 375€)
Aquatico Super Marine Omega Seamaster 1000 Hommage Test 21

Aquatico Super Marine: Hintergründe zur Designvorlage Omega Seamaster 1000

Als Omega Mitte der 60er Jahre beschloss, eine Taucheruhr für Profis zu entwerfen, haben die Schweizer darauf verzichtet einfach nur die 1957 eingeführte Omega Seamaster 300 weiterzuentwickeln: Die Omega-Entwickler starteten ganz frisch am Reißbrett und tüftelten dabei zwei „Ploprof“-Modelle aus (abgeleitet von Plongeur Professionnel = frz. für „Berufstaucher“). Die Ploprof-Familie bestand aus der Seamaster 600 (Ref. 166.077) und einem Prototyp der Seamaster 1000 (Ref. 166.093). Der Name „Ploprof“ blieb jedoch nur bei der Seamaster 600 bestehen, die Seamaster 1000 wurde unter Omega-Sammlern als „Le Grand“ bekannt.

Omega selbst hat Stand Mitte 2022 kein einziges Modell mehr im Designdunstkreis der Omega Seamaster 1000 im Sortiment – umso beliebter waren in den letzten Jahren entsprechende Hommagen von Microbrands wie Helson mit der Sharkmaster 1000 oder Crepas mit der Decomaster oder der Le Grand, die jeweils ratzfatz ausverkauft waren.

Insofern trifft Aquatico – auch mit Blick auf diverse Foren – offenbar einen Nerv: die erste Charge der Super Marine war ziemlich schnell ausverkauft (eine zweite wurde nun aber nachgelegt, dazu mehr im Fazit).

Aquatico Super Marine im Test

Das charakteristischste Merkmal der Aquatico Super Marine ist zweifellos das Gehäuse, das im Wesentlichen dem der Omega Seamaster 1000 166.0093 entspricht – ein richtig fetter, massiver Klotz Stahl mit einem Durchmesser von 43 und einem Kampfgewicht von 177 Gramm (am Kautschukband) – so viel bringt manche Uhr am Stahlband auf die Waage (zum Beispiel die Tudor Black Bay GMT; siehe auch Ab auf die Waage: Das Gewicht von Uhren – Schwer- und Leichtgewichte im Vergleich).

Auch wegen der stattlichen Höhe von 15,5 mm wirkt die Uhr sehr mächtig und präsent am Arm. Vor dem Hintergrund braucht man sich gar nicht erst der Illusion hingeben, dass man die Super Marine mit Spargelärmchen sinnvoll tragen oder gar unter dem Hemdärmel verschwinden lassen kann. Auf der anderen Seite beträgt das Horn-zu-Horn-Maß wegen der speziellen Gehäuseform sehr humane 50 mm (Wölbung nicht mitgerechnet), wodurch die Super Marine dennoch recht gut tragbar ist (zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt ca. 19 cm).

Die Oberflächenbearbeitung des Gehäuses ist weitgehend einfach und „asketisch“ gehalten – so wie bei der Vorlage von Omega. Ins Auge sticht aber der markante, radiale Schliff. Das Lünetten-Inlay ist aus kratzfester Keramik und passenderweise matt-gebürstet. Die Wasserdichtigkeit des Gehäuses ist mit 100 bar bzw. 1000 Meter weit überdurchschnittlich und genauso beeindruckend wie das Gehäuse. Darüber hinaus hat Aquatico dem Gehäuse ein Heliumventil spendiert, das unscheinbar an der Gehäuseseite auf der Höhe von „2 Uhr“ untergebracht ist.

Ein Heliumventil funktioniert wie ein Schnellkochtopf: Es sorgt durch automatisches Entweichen von Helium klassischerweise bei der Dekompression beim Auftauchen oder in der Dekompressionskammer für einen Druckausgleich im Inneren der Uhr, damit das Glas nicht abspringt. Euch sagen Begriffe wie Caisson-Krankheit, Chokes, DCS und Heliox so rein gar nichts? Nicht schlimm, dann bringt aber auch das Heliumventil nüchtern betrachtet keinerlei Nutzen. Da das Ventil aber unscheinbar ist und kein „Knubbel“ wie bei der Omega Seamaster 300m ist, stört es auch nicht (das wäre bei der deutlich wuchtigeren Aquatico Super Marine auch a bissl too much gewesen).

Auch das Zifferblatt entstammt im Wesentlichen der Omega Seamaster 1000: Charakteristisch sind vor allem die zusätzlichen Stundenindizes in Verlängerung zur außen liegenden Minuterie und der besonders auffällige Index auf „12 Uhr“. Aquatico hat aber zwei wesentliche Ergänzungen vorgenommen: Zum einen sind die Indizes teilweise im Sandwich-Design umgesetzt, was dem Blatt zusätzliche Tiefe verleiht. Zum anderen kommt die schwarze Variante der Super Marine mit einem schönen Dégradée-Effekt, also einem Farbverlauf von schwarz am Rand hin zu bräunlich im Zentrum.

Das Datum wirkt allerdings etwas mickrig mit Blick auf die wuchtige Erscheinung der Uhr. Hier wäre vielleicht ein „Dreierfenster“ wie bei der Gruppo Gamma Vanguard Mk I oder einfach gleich der Verzicht auf ein Datumsfenster die geschicktere Lösung gewesen.

Aquatico liefert die Super Marine in einem dicken und dabei trotzdem flexiblen, gut verarbeiteten Kautschukband im ISOfrane-Stil aus. Der Bandanstoß beträgt 22 mm. Das Band verjüngt sich nicht und wirkt dadurch – passend zur Uhr – recht mächtig.

ISOfrane Straps mit ihrer dicken Machart und charakteristischen, schmalen Schließenlöchern, waren die Standard-Bänder bei vielen Taucheruhren der 60er und 70er Jahre und ersetzten die für Risse und Bläschenbildung anfälligen, damals gängigen Bänder aus Naturgummi. Wie bereits geschrieben handelt es sich „nur“ um ein Kautschuk im ISOfrane-Stil, also nicht um ein original ISOfrane, deren Markenrechte heute von der Synchron Uhren Manufaktur aus Wien gehalten werden, deren Kopf wiederum Rick Marei ist.

Qualitativ merkt man den Unterschied gegenüber dem Original natürlich schon, vor allem in den Schließenlöchern tun sich ein paar Unsauberheiten auf (das ist aber auch zu erwarten, denn das Original kostet alleine deutlich über 100 Flocken). Gegenüber dem Original hat das Aquatico-Lookalike aber sogar einen Vorteil: Es riecht nicht penetrant nach Vanille (das Aquatico-Band ist völlig geruchlos).

So oder so passt das Kautschuk im ISOfrane-Stil sehr gut zur Super Marine. Dennoch ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, warum Aquatico nicht auch noch ein optionales Mesh-Band anbietet, so wie es damals bei der Omega Seamaster 1000 zum Einsatz kam. Die Optik wird durch ein Mesh meiner Meinung nach deutlich aufgewertet (die Bilder unten zeigen die Super Marine an einem Mesh von Staib, eine günstigere Alternative wären auch die Bänder von Vollmer oder Geckota).

Wundertüte? HK Precision Technology PT5000

Zunächst die nüchternen Fakten zum Kaliber: Das PT5000 wurde 2015 erstmalig auf den Markt gebracht und basiert im Großen und Ganzen auf der Konstruktion des Schweizer ETA 2824-2. Entsprechend bringt das Automatikkaliber auch zeitgemäße 28.800 bph Frequenz, Handaufzugsmöglichkeit Sekundenstopp und 38 Stunden Gangreserve mit. Verantwortlich für die Produktion ist die Firma Hong Kong Precision Technology. Insbesondere bei auf Hommagen spezialisierten China-Marken wie San Martin wird das Kaliber gerne genutzt.

Aquatico Super Marine Omega Seamaster 1000 Hommage Test 25

Die Erfahrungsberichte in diversen Foren zum PT5000 stimmt erst mal grundsätzlich positiv: Man findet einige Stimmen über hohe Zuverlässigkeit und eine ordentliche Ganggenauigkeit – letzteres kann ich mit Blick auf die Zeitwaage absolut bestätigen (siehe oben). Hinsichtlich der Zuverlässigkeit fehlen mir persönlich allerdings die Langzeiterfahrungen mit dem Kaliber. Am Ende des Tages steht und fällt die langfristige Zuverlässigkeit des Kalibers aber auf jeden Fall mit der Qualitätskontrolle.

Ein theoretischer Nachteil ist die Ersatzteilbeschaffung: Uhrmacher in Deutschland werden sehr schwierig, wenn überhaupt, an Ersatzteile kommen. Da das PT5000 ein ETA-Klon ist, können eventuell Ersatzteile von ETA genommen werden – garantiert ist das aber nicht, da auch „Klonkaliber“ leicht vom Original abweichen können. Im Falle eines ernsteren Schadens am Werk, wäre aber der Tausch gegen ein neues PT5000 oder ein neues ETA 2824-2 (die Gesamtabmessungen sind identisch) vermutlich ohnehin wirtschaftlicher.

Alles in allem erscheint das PT5000 keine schlechte Wahl in der Preisklasse der Aquatico Super Marine zu sein, wenngleich mir ein Miyota aus der 9000er Reihe lieber gewesen wäre. Übrigens: Es gibt auch einige wenige Super Marine-Modelle mit einem anderen ETA-Klon – der kommt aber aus der Schweiz: Das bewährte Sellita SW200-1.

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Fazit zur Aquatico Super Marine

Die erste Charge der Aquatico Super Marine war innerhalb weniger Tage ausverkauft. Aquatico-Gründer Calvin hat daher eine zweite Charge nachgeschoben, die ab dem 25. August 2022 erwerbbar ist. Die Beliebtheit des Modells (siehe auch Uhrforum) wundert mich jedenfalls nicht, da kaum ein Uhrenhersteller eine qualitiativ gut gemacht Uhr im historischen Design der Seamaster 1000 anbietet.

Gleichzeitig muss man aber den Preis kritisch betrachten: Der Listenpreis für die Aquatico Super Marine beträgt 459 US-Dollar, was beim derzeitigen Umrechnungskurs rund 450€ sind (Sellita SW200-Variante kostet 200 US-Dollar mehr). Hinzu kommen aber noch Zoll und Einfuhrumsatzsteuer wegen des Versandes aus Asien, wodurch man letztendlich bei 540€ landet. Das ist – vor allem mit Blick auf deutsche Microbrands wie Circula oder Steinhart – nicht grade schnäppchenverdächtig. Bei Interesse an der Super Marine empfehle ich daher dringend eine Rabattaktionen von Aquatico mitzunehmen. Derzeit lässt sich beispielsweise ein 30% Code über eine Newsletter-Anmeldung aktivieren, sodass die Super Marine inklusive allem drum und dran circa 375€ kostet – das rückt das Preis-Leistungs-Verhältnis auf jeden Fall in ein besseres Licht.

Aquatico Super Marine Omega Seamaster 1000 Hommage Test 10

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Dlanor Lepov
26. August 2022 13:07

Können wir das mit dem Zoll bitte beerdigen?
Der EU Zolltarif beträgt 0.80 Euro für eine mechanische Armbanduhr.
Die Umsatzsteuer ist dieselbe wie bei einem Kauf in der EU.
Problematisch ist höchstens die Zollabfertigungsgebühr von DHL und Konsorten. Die ist Wucher.