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Generationenwechsel beim traditionsreichen Uhren-Hersteller Titoni aus Grenchen: Im Jahre 2022 gibt Daniel Schluep, der Titoni über 40 Jahre geführt hat, den Stab an seine beiden Söhne Olivier und Marc weiter – und damit die Verantwortung für ein über 100 Jahre altes Familienerbe und rund 50 Mitarbeiter. Ein guter Grund für eine Momentaufnahme: in diesem Artikel steht Olivier Schluep in einem Interview ausführlich Rede und Antwort über den Generationenwechsel, das hauseigene Manufakturkaliber T10 und die strategische Ausrichtung von Titoni. Darüber hinaus werfe ich einen ausführlichen Blick auf die Taucheruhr Titoni Seascoper 600, die das Manufakturkaliber T10 an Bord hat…

Eckdaten Titoni Seascoper 600 (Ref. 83600 S-BE-255):

  • Hauseigenes Manufakturkaliber T10, Automatik, Chronometer-zertifiziert, 28.800 bph, 29,30 mm x 4,10 mm, 32 Steine
  • Wasserdichtigkeit 60 bar / 600 Meter
  • Gehäuse aus 316L-Edelstahl, satiniert und poliert
  • Gehäuseboden verschraubt, mit Saphirglas-Sichtfenster
  • Durchmesser 42 mm
  • Gehäusehöhe 14,5 mm (inkl. Glas)
  • Horn-zu-Horn 52 mm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Super-LumiNova-Leuchtmasse
  • Saphirglas, beidseitig entspiegelt
  • Wasserdichtigkeit 60 bar / 600 Meter
  • Preis: 1725€ (am Stahlband), inklusive Einfuhrumsatzsteuer/Zoll und Versand
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Generationenwechsel bei Titoni: Olivier Schluep im Interview

Unabhängige, waschechte Familienbetriebe wie Titoni sind in der Uhren-Branche heute leider extrem selten: Tatsächlich kann man nur bei den wenigsten großen Uhrenmarken davon sprechen, dass diese unabhängig oder gar in der Hand der Gründerfamilie sind. Viele Uhrenmarken, deren Ursprünge häufig sogar bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, gehören heute zu einem der wenigen großen Uhrenkonzerne wie der Swatch Group (Omega etc.), LVMH Moët Hennessy (TAG Heuer etc.) oder Richemont (Panerai etc.) – woran natürlich auch die Quarzkrise nicht ganz „unschuldig“ ist, die den Uhrenmarkt in den 70er und 80ern ganz schön durcheinandergewirbelt hat. Neben Titoni sind beispielsweise heute noch Mühle-Glashütte, Wempe, Audemars Piguet und Cattin & Cie in der Hand der jeweiligen Gründerfamilien – viel mehr sind’s leider nicht.

Vor dem Hintergrund des Generationenwechsels bei Titoni steht Olivier Schluep, der zusammen mit seinem Bruder Marc seit 2022 die Geschäfte führt, Rede und Antwort…

Olivier Schluep im Interview

Warm-Up: Über Olivier Schluep persönlich

CHRONONAUTIX: Stellen Sie sich bitte kurz vor!

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die seit je her in der Uhrenindustrie tätig ist. Unser Urgroßvater Fritz Schluep hatte die Firma im Jahr 1919 gegründet.

Bereits während der Schulzeit konnten mein Bruder Marc und ich Einblicke in die Firma gewinnen, durften damals schon mehrere Male nach Asien reisen, und auch beim gemeinsamen Abendessen in der Familie war das Geschehen in der Uhrenbranche natürlich immer eines der wichtigsten Themen. Durch diesen direkten Kontakt zur Uhrenbranche konnten wir bereits früh Erfahrungen aus erster Hand sammeln.

Nach dem Abschluss meines Betriebswirtschaftsstudiums war ich zuerst in einem internationalen Beratungsunternehmen tätig. Das hat allerdings nicht unbedingt meinen längerfristigen beruflichen Vorstellungen entsprochen, und so war es für mich relativ schnell klar, dass ich in die Uhrenbranche und damit ins Familienunternehmen einsteigen möchte.

Die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass mein Entschluss richtig war – trotz der aktuell schwierigen Zeit mit der Pandemie. Aber es ist ein schönes Gefühl, zusammen mit meinem Bruder unser wertvolles Familienerbe weiterzutragen.

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CHRONONAUTIX: Angenommen Sie hätten eine Zeitmaschine – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

Ich bin von Natur aus ein sehr neugieriger Mensch. Ich will verstehen, wie die Dinge funktionieren und warum sich etwas so und nicht anders entwickelt hat. Deshalb würde ich mit einer Zeitmaschine unter anderem gerne in die 1980er Jahre zurückreisen, in die Zeit der Quarzkrise.

Ich habe schon sehr viel darüber gehört, gelesen und mitbekommen und glaube, dass dies sicher eine spannende, wenn aber auch schwierige Zeit für die Uhrenindustrie gewesen sein muss. Mich interessiert die Frage, warum einige Uhrenfirmen überlebt haben und andere nicht. Da kann man bestimmt einiges lernen, auch für die Zukunft.  

Daneben gibt es für mich weitere spannende Zeitpunkte, wie z.B. die Gründung unserer Firma im Jahre 1919 oder das enorme Wachstum in China in den letzten 20 Jahren, die ich gerne miterlebt hätte.

CHRONONAUTIX: Wenn der Tag 48 Stunden statt 24 Stunden hätte – für was würden Sie die zusätzliche Zeit nutzen?

Die Zeit würde ich nutzen, um eine Ausbildung zum Uhrmacher zu absolvieren. Mich fasziniert die Präzision, die mit einem Uhrwerk verbunden ist. Die vielen Einzelteile, die es braucht, damit eine Uhr am Schluss auch richtig tickt. Eine Uhr erinnert ja auch immer an das Vergehen der Zeit, an den Wert des Augenblicks.

Da ich mit meinem Betriebswirtschaftsstudium keine technische Ausbildung hatte, hatte ich in den letzten Jahren in diesem Bereich viel zu lernen. Natürlich in begrenztem Maße, da ich ja noch andere Aufgaben wahrnehmen muss. Vielleicht ist das aber auch gut so, denn wir haben genügend Spezialisten im Haus, die das viel besser machen als ich.

Und natürlich würde ich, wenn der Tag zweimal so lang wäre, noch etwas mehr Zeit in meine Hobbies investieren. Wie zum Beispiel Fußball spielen oder Zeit in den Bergen verbringen.

CHRONONAUTIX: Welchen Tag bzw. welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Es gibt mehrere Momente, die ich nie vergessen werde. Auf die Firma Titoni bezogen ist einer der unvergesslichen Tage der 29. Mai 2019, als wir in der Nähe von Shanghai in China zusammen mit unseren Händlern sowie Mitarbeitern das 100-jährige Bestehen unserer Firma feiern und mein Bruder und ich uns als Vertreter der vierten Generation vorstellen durften. Das war schon ein sehr spezieller Augenblick.

Über Titoni und den Uhrenmarkt

CHRONONAUTIX: Mehr als vier Jahrzehnte lang hat Ihr Vater, Daniel Schluep, die Titoni AG geleitet. Nun, im Jahre 2022, gibt er den Stab an seine beiden Söhne – Sie und Ihren Bruder Marc – weiter. Sie beide übernehmen damit die Geschäfte in der vierten Generation mit rund 50 Mitarbeitern. Kann man auf solch eine Verantwortung überhaupt so wirklich vorbereitet werden?

Nein, das ist natürlich schwierig. Bei uns funktioniert die Übergabe glücklicherweise schrittweise und nicht auf einen Schlag, wie das z.B. bei meinem Vater der Fall war.

Dadurch, dass unser Vater nach wie vor hin und wieder in der Firma ist und uns im Hintergrund unterstützt, profitieren wir weiterhin stark von seiner langjährigen Erfahrung. Zudem haben wir viele langjährige Mitarbeiter, welche unser Unternehmen und sich untereinander sehr gut kennen. Dieses vertraute, schon fast familiäre Verhältnis, erleichtert uns die Arbeit sehr.

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Titoni-Uhrmacher @ Work

CHRONONAUTIX: Wie gestaltet sich der Generationenwechsel praktisch?

Ich sitze zusammen mit meinem Bruder im gleichen Büro. Unser Vater war beispielsweise heute Vormittag ebenfalls hier. Wir haben uns über diverse Themen ausgetauscht, was sehr spannend ist. Jahrzehntelange Erfahrungen treffen dadurch auf neue Ideen, wie beispielsweise der stärkere Fokus auf den Onlinevertrieb oder die Entwicklung neuer Produkte.

Dieses harmonische Zusammenspiel unter den Generationen bringt uns vorwärts, und ich bin der Meinung, dass wir dadurch eine gute Position für die Zukunft haben.

Dann haben wir durch die Co-Geschäftsleitung mit meinem Bruder die Aufgaben aufgeteilt: Während sich Marc um den asiatischen Markt kümmert, beschäftige ich mich mit dem Aufbau des europäischen Marktes sowie dem Ausbau der digitalen Kommunikation. Das macht Freude, weil jeder von uns so sein Spezialgebiet hat und weiterentwickelt.

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CHRONONAUTIX: Der Uhrenmarkt ist geprägt von großen Konzernen wie der Swatch Group, LVMH oder Richemont (mit Marken wie Omega, Zenith, IWC). Heute kann man nur bei den allerwenigsten größeren Uhrenherstellern davon sprechen, dass diese (Konzern-)unabhängig, geschweige denn nach wie vor in der Hand der Gründerfamilie sind – so wie das bei Titoni der Fall ist. Wo sehen Sie Vorteile, aber auch Nachteile, in Ihrer Konzernunabhängigkeit?

Der größte Vorteil ist sicher, dass wir sehr langfristig orientiert sind. Bei uns werden Entscheidungen immer im Hinblick auf einen längeren Zukunftshorizont gefällt. Ein gutes Beispiel ist unser eigenes Werk, das T10. Kurzfristig lohnt es sich kaum, ein eigenes Uhrwerk zu entwickeln, da es sich bei einem solchen Projekt für eine Firma in unserer Größe um eine finanziell große Investition handelt. Dennoch sind wir überzeugt, dass uns dieses Projekt langfristig weitere Erfahrungen und Know-how in der Produktion von mechanischen Werken geben wird.

Ein Nachteil, wenn man das so bezeichnen will, besteht darin, dass wir durch unsere Größe und die Unabhängigkeit nur einen Teil der Wertschöpfung selber machen können und letztendlich stark auf die Unterstützung von anderen Betrieben (z.B. Zulieferern, Distributoren) angewiesen sind.

Dadurch, dass wir vollständig eigenfinanziert sind, ist es immer unser eigenes Kapital, das investiert wird und nicht das eines Investors, wodurch man sicher etwas vorsichtiger ist. Das kann längerfristig gesehen sogar ein Vorteil sein.

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Titoni-Firmensitz in Grenchen

CHRONONAUTIX: Titoni ist seit Jahrzehnten vor allem auf fernöstliche Absatzmärkte fokussiert. In Deutschland gibt es grade mal vier Händler, die Titoni-Uhren führen. Dem stehen 600 Verkaufsstellen in China gegenüber. In den letzten Jahren scheint Titoni aber auch verstärkt westliche Märkte ins Auge zu fassen – warum so spät? Ist ein Ausbau der Einzelhandelspartner im deutschsprachigen Raum geplant oder liegt der Fokus auf dem Online-Direktvertrieb?

Ja, das ist richtig. Wir haben uns in den letzten 50 Jahren aus historischen Gründen vor allem auf den fernöstlichen Markt fokussiert. Mein Großvater hatte den asiatischen Markt schon früh entdeckt, als noch niemand nach Osten schaute. Als Firma in unserer Größe ist es natürlich extrem wichtig, dass wir uns fokussieren. Da sich die Vorlieben der westlichen Kunden von denen der asiatischen Kundschaft unterscheiden, war es schwierig, sich auf beide gleichzeitig zu fokussieren.

Aktuell haben wir das Gefühl, dass sich die Geschmäcker der Kunden in Ost und West vermehrt überschneiden bzw. angleichen. Produkte wie die Seascoper 600 kommen sowohl beim europäischen wie dem asiatischen Publikum gut an.

Ein Einstieg in einen neuen Markt ist nie einfach und vor allem auch kostenintensiv. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, in Europa zu Beginn vor allem auf den Online-Direktvertrieb zu setzen. Später, wenn die Zeit reif ist, werden wir aber bestimmt auch die Zusammenarbeit mit Einzelhandelspartnern anstreben.

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CHRONONAUTIX: Inwiefern unterscheiden sich der hiesige und der fernöstliche Uhrenmarkt? „Ticken“ die Kunden gänzlich anders?

Ja und nein. Es gibt gewisse Produkte, welche im asiatischen Markt sehr gefragt, hier jedoch fast unverkäuflich sind. Andere Produkte sprechen jedoch ein viel breiteres Zielpublikum an.

Grundsätzlich sind die asiatischen Kunden markenorientierter als wir im Westen. Dort geht es noch mehr um den Status, wie zum Beispiel, dass man im Besitz einer Schweizer Uhr ist. Das ist bei uns weniger der Fall.

Diese unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. Mit dem Fokus auf unsere Grundwerte, d.h. auf erstklassige Qualität, auf Unabhängigkeit und Schweizer Uhrmacherkunst, werden wir auch in Zukunft alles geben, um die Wünsche der unterschiedlichen Kundschaften zu erfüllen.

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Titoni widmete 2005 dem berühmten chinesischen Seefahrer Zheng He diese «Special Edition»

CHRONONAUTIX: Titoni hat mit dem T10 im Rahmen des 100-jährigen Firmenjubiläums ein eigenes, Chronometer-zertifiziertes Manufakturkaliber mit 72 Stunden Gangreserve präsentiert. Welches Ziel verfolgt Titoni mit der Eigenentwicklung? Hat Titoni für die Entwicklung des Manufakturkalibers einen Partner ins Boot geholt?

Mit der Entwicklung unsers eigenen Werks möchten wir, wie ich das schon erwähnt habe, unsere Unabhängigkeit sowie unser Know-how im Bereich des mechanischen Werks weiter stärken. Selbstverständlich setzen wir gleichzeitig und weiterhin auf die gute Zusammenarbeit mit unseren langjährigen Partnern.

Einige Leute sind der Ansicht, dass es aus Kostengründen für eine Uhrenfirma in unserem Preissegment keinen Sinn ergibt ein eigenes Werk zu entwickeln.

Das ist natürlich teilweise richtig, da die Produktion eines Uhrwerks, wie bei den meisten anderen Produkten auch, erst bei höheren Stückzahlen interessant wird. Wir fokussieren uns schon seit über 100 Jahren auf mechanische Uhren. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Und so gesehen ist die Eigenentwicklung eines mechanischen Werks für uns das Pünktchen auf dem i.

Das Design und die Konstruktion des T10-Manufakturkalibers haben wir intern, ausgerichtet auf unsere Bedürfnisse, entwickelt. Somit liegen alle Pläne und das technische Know-How vollständig bei uns.

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CHRONONAUTIX: Was sind die wichtigsten Ziele für Titoni innerhalb der nächsten fünf Jahre?

Wir wollen unsere Position als unabhängiger und familiengeführter Uhrenhersteller weiter stärken. Dies einerseits durch den Einstieg von Marc und mir als Vertreter der vierten Generation in die Firma sowie mit der Weiterentwicklung unseres eigenen Uhrenwerks. Darin liegt noch viel Potential verborgen, das in den nächsten Jahren zur Entfaltung kommen möchte.

In Bezug auf die Absatzmärkte wollen wir neben der Beibehaltung unserer guten Position im asiatischen Markt auch die Bekanntheit auf dem westlichen Markt weiter stärken. Ich bin überzeugt, dass wir das auch schaffen werden!

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Titoni eröffnete 2012 die vierte Galerie in der Region Greater China

Titoni Seascoper 600 damals und heute: Test und Erfahrungen

Die erste Seascoper-Taucheruhr erschien erstmalig im Jahre 1963 – damals noch unter dem Namen Felca, der ursprünglich im Jahre 1919 von Fritz Schluep auf den Markt gebrachten Marke. Die Felca Seascoper kam damals in einer Vielzahl an Varianten, darunter auch eine Variante im beliebten Super-Compressor-Gehäuse, die u.a. offiziell von der Tauchereinheit der Südafrikanischen Polizei genutzt wurde.

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Felca/Titoni Seascoper (Nummer 6, ganz rechts), Ende der 60er Jahre

Im Jahre 1952 führte die zweite Schluep-Generation die Marke Titoni ein, die parallel zur Marke Felca geführt wurde. Und so lancierten die Schweizer in den 70er Jahren auch eine Titoni Seascoper-Referenz 848 mit charakteristischer, roter Lünette:

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Titoni Seascoper, 70er Jahre

Das 100-jährige Firmenjubiläum haben die Schweizer zum Anlass genommen, um die Seascoper neu aufzulegen – und zwar nicht mit irgendeinem Kaliber, sondern mit dem ersten hauseigenen, Chronometer-zertifizierten Manufakturkaliber (dazu später mehr).

Viel hat das Design der früheren Titoni Seascoper aber nicht mit der aktuellen Seascoper 600 zu tun: Anstelle einer Retro-Neuauflage entschied sich Titoni für eine grundlegend neue Gestaltung. So kommt die Seascoper 600 mit klassischen, gleichzeitig aber auch modernen Elementen. Insbesondere die charakteristischen, extragroßen Ziffern auf „12“, „6“ und „9 Uhr“ stechen ins Auge. Die Ziffern sind – genau wie die Taucheruhren-typisch runden Stundenindizes – appliziert und mit Super-Luminova belegt, die im Dunkeln bläulich leuchtet. Die Verarbeitung ist auf einem Top-Niveau, bis ins kleinste Detail.

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Der Kontrast und damit die Ablesbarkeit ist bei der Seascoper 600 optimal, vor allem dank der beidseitigen Entspiegelung des Saphirglases, die im Zusammenspiel mit der auf Hochglanz polierten Lünetteneinlage aus Keramik und dem polierten Finish von Indizes, Ziffern und Zeigern sehr hochwertig, aber auch etwas „bling bling“ wirkt.

Die Ziffern und Indizes auf der Lünette sind vertieft bzw. eingefräst, das farblich rot gefärbte erste Viertel der Lünetteneinteilung (0 bis 15) kommt übrigens nur bei der navyblauen Variante der Seascoper (navyblaues Zifferblatt + navyblaue Keramikeinlage) zum Einsatz und sorgt für eine sportliche Note. Schade nur, dass der rote Akzent nicht auch auf dem Zifferblatt aufgegriffen wird (zum Beispiel rote Spitze des Sekundenzeigers, roter „Seascoper“-Schriftzug oder dergleichen).

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Das Gehäuse der Seascoper 600 ist schwer und massiv. Die Flanken sind auf Hochglanz poliert, die Oberseite der Hörner ist fein satiniert. Die Krone ist schön griffig und gut dimensioniert, der Kronenschutz aber recht klein, fast schon etwas schüchtern. Sehr schön ist die polierte Fase an der Innenseite (!) der Hörner, die für eine große Liebe zum Detail spricht.

Ein weiteres „Gutsel“ ist der verschraubte Gehäuseboden mit einem Innenring mit angedeuteten Nieten, der im Zusammenspiel mit dem Saphirglasfenster an ein Schiffsbullauge erinnert. Das Sichtfenster ermöglicht einen Blick auf das Manufakturkaliber T10 (dazu gleich mehr) – und das ist dank seiner Schliffe und des vergoldeten Rotors durchaus ansehnlich, wenngleich die Bullaugen-Optik gleichzeitig die Sicht etwas verbaut.

Dennoch finde ich es natürlich gut, dass Titoni das T10 nicht hinter einem Stahlboden versteckt – so wie das bei Taucheruhren mit hoher Wasserdichtigkeit normalerweise der Fall ist, denn ein Stahlboden ist in aller Regel günstiger in der Produktion, da ein Sichtfenster ein deutliches Plus an Präzision, zum Beispiel für die Dichtungen und das Glas, verlangt.

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Wie der Name schon sagt kommt die Seascoper 600 mit einer Wasserdichtigkeit in Höhe von satten 600 Meter (60 bar). Das ist weit über der internationalen Norm für Taucheruhren nach ISO (die verlangt 200 Meter) und sogar deutlich besser als bei Schweizer Spitzenmodellen wie der Rolex Submariner (300 Meter).

Nun kann man aber natürlich hinterfragen, ob so eine hohe Wasserdichtigkeit für Otto-Normal-Uhrenfreunde wirklich notwendig ist – viel mehr Wasserkontakt als Händewaschen/Badewanne/Dusche/Pool oder dergleichen bekommen die allermeisten Taucheruhren auf dieser Welt (bzw. deren Besitzer) nämlich nicht. In der Hinsicht darf man natürlich kritisch einwenden, ob 60 bar nicht etwas „overengineered“ sind.

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Gleiches gilt für das Helium-Ventil, das recht unscheinbar an der Gehäuseseite auf „9 Uhr“ untergebracht ist: Dieses erhöht per se (obwohl gemeinhin angenommen) nicht die Wasserdichtigkeit, sondern hat im Sinne eines Sicherheitsventil den Zweck, in Phasen des abnehmenden Druckes (Dekompression beim Auftauchen oder in der Dekompressionskammer) für einen Druckausgleich zu sorgen – notwendig ist das beispielsweise beim professionellen Sättigungstauchen bzw. Tiefseetauchen während der Dekompressionsphasen in der Druckkammer, damit das Uhrglas nicht vom Gehäuse abploppt. Vergleichbar ist das Prinzip des Heliumventils mit einem Schnellkochtopf: Ist der Druck im Topf durch den Wasserdampf zu hoch, so entweicht durch das Rückschlagventil ein Teil der Flüssigkeit – genau wie das Helium aus der Uhr.

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Am Ende des Tages bin ich persönlich eher pragmatisch veranlagt: Ich hätte mich sehr gut auch damit anfreunden können, wenn Titoni bei der Seascoper 600 auf ein Heliumventil verzichtet hätte und sagen wir mal „nur“ 30 bar Wasserdichtigkeit an Bord gewesen wären. Dadurch wäre (konstruktionsbedingt) vielleicht auch eine etwas geringere Gehäusehöhe möglich gewesen – die ist mit 14,5 mm zwar in einem vertretbaren Rahmen, aber eben auch nicht ganz ohne.

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Das Stahlband im klassischen, dreiteiligen „Oyster“-Stil ist mit Blick auf die Preisklasse haptisch bzw. qualitativ gelungen. Kleiner Wermutstropfen: Die Bandglieder sind leider nur verstiftet – in der Preisklasse der Seascoper 600 hätte ich ehrlich gesagt verschraubte Bandglieder erwartet.

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Die Faltschließe kommt mit einem integrierten Feinjustierungsmechanismus, der sich ganz simpel über den Druck auf das Titoni-Pflaumenblütenlogo auslösen lässt. Um rund sechs Millimeter lässt sich das Stahlband somit verkürzen oder verlängern, was meinen Erfahrungen nach im Sommer mit steigenden Temperaturen Gold wert ist, um das Band etwas „luftiger“ einzustellen (und Tausend mal sinnvoller als eine klassische Taucherverlängerung ist).

Solch ein Feineinstellungsmechanismus verlangt naturgemäß nach mehr Platz, da die Mechanik dahinter natürlich irgendwo untergebracht werden muss. Mit 9 mm Dicke trägt die Schließe daher durchaus merkbar auf, was beim Arbeiten mit Maus und Tastatur schon manchmal etwas nerven kann. Dennoch würde ich ein Stahlband mit Feinjustierung immer bevorzugen.

Seit Februar 2022 bietet Titoni außerdem ein Textilband aus Nylon im zweiteiligen Nato Strap-Stil an, dessen Farben perfekt zur Seascoper 600 passen. Eine Besonderheit: Das Band ist zu 100% aus Ozeanplastik, das von der Schweizer Tide Ocean SA im Auftrag von Titoni produziert wird. Tide Ocean sammelt Plastikmüll in und an den Weltmeeren, sortiert, wäscht und schreddert diesen, um im Upcyclingverfahren das Material für die Uhrenbänder zu produzieren. 

Das Textilband kommt außerdem mit Schnellwechselfederstiften, mit denen man das Band werkzeuglos und schnell entfernen kann. Leider kommt das Stahlband nicht mit Schnellwechselfederstiften, wodurch ein Wechsel von Stahl- auf Textilband nicht ohne Werkzeug möglich ist.

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Titoni Seascoper 600 und das Manufakturkaliber T10

Im Jahre 2013 fasste Titoni den Entschluss ein hauseigenes Kaliber zu entwickeln und sich damit in die Schweizer Riege der Manufakturen einzureihen – pünktlich zum 100-jährigen Firmenjubiläum war es soweit und Titoni präsentierte das Manufakturkaliber T10, das komplett händisch im eigenen Hause in Grenchen montiert wird.

Nun darf man natürlich grundsätzlich immer Fragen, was denn ein Manufakturkaliber für handfeste Vorteile gegenüber „Stangenware“ von Sellita oder dergleichen vorzuweisen hat. Von einem gewissen Exklusivitätscharme mal abgesehen ist das zum einen vor allem eine größere Unabhängigkeit von externen Lieferanten (dazu gleich mehr).

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Zum anderen setzen viele Uhrenhersteller, die ein eigenes Manufakturkaliber in petto haben, vor allem auf eine deutlich verbesserte Gangreserve gegenüber Standardkalibern – und das ist auch beim Titoni T10 der Fall, das mit 72 Stunden Gangreserve weit über den rund 40 Stunden des Sellita SW200 liegt.

Löblich: Titoni „erkauft“ die hohe Gangreserve nicht mit einer reduzierten Frequenz wie das etwa beim Powermatic 80 oder dem Longines L888.2 (Basis Eta A31.L01) mit 64 Stunden Gangreserve und 25200 bph der Fall ist – das T10 tickt mit zeitgemäßen 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (28.800/3.600 = 8 Schläge pro Sekunde; 4 Hertz), was für einen schön schleichenden Sekundenzeiger und eine langfristig gute Ganggenauigkeit sorgt, da hochfrequentere Kaliber die alltäglichen Stöße und Erschütterungen schneller kompensieren als niederfrequente Uhren, d.h. sie geraten für einen geringeren Zeitraum aus dem Takt und legen damit in der Summe eine kleinere Gangabweichung an den Tag.

Das i-Tüpfelchen beim Manufakturkaliber T10 ist eine Chronometer-Zertifizierung von der Schweizer COSC, die eine Gangabweichung von -4 bis +6 Sekunden pro Tag garantiert. Satte 15 Tage werden die Werke in fünf Lagen und bei drei verschiedenen Temperaturen (8 °C, 23 °C, 38 °C) von der COSC getestet, bevor sie an Hersteller wie Titoni zurückgesandt werden. Das COSC-Zertifikat in Papierform liegt der Seascoper 600 bei. Was will man mehr?

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Mal ganz unabhängig von den technischen Vorzügen des T10, sollte sich Titonis Entscheidung ein eigenes Manufakturkaliber zu entwickeln mit Blick auf die Querelen zwischen der Swatch Group bzw. ETA und der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) als strategisch sinnvoll und weitsichtig herausstellen, da die Liefersituation in den letzten Jahren mehr als einmal ziemlich unsicher war. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Weko eigentlich das Ziel verfolgt hat, das Uhrwerke-Monopol der ETA schrittweise abzubauen – de facto hat das nun dazu geführt, dass heute kaum noch ein Uhrenhersteller an ETA-Werke kommt und daher kaum noch ein Weg an der Schweizer Sellita SA vorbeiführt, die als einziger Werkelieferant derzeit offenbar die richtige „Mischung“ aus hoher Qualität, Preis, Image und vor allem Produktionskapazitäten zu haben scheint, um die vielen vielen Uhrenmarken, die auf Schweizer Kaliber setzen wollen (oder müssen, um weiter Swiss Made sein zu dürfen), beliefern zu können. Ronda Mecano R150? Eterna-Kaliber 39? STP-Kaliber 1-11 (Fossil-Gruppe)? Alles eher Randerscheinungen, die sich „in der Breite“ nicht so recht durchsetzen wollen (aus verschiedenen Gründen).

Das Kaliber T10 ist für Titoni, wie Olivier Schluep im Interview ja bereits erläutert hat, in der Summe sicherlich ein nicht zu verachtender Baustein, um die Unabhängigkeit als Familienunternehmen nachhaltig zu gewährleisten.

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Fazit zur Titoni Seascoper 600

Wie die meisten Uhrenhersteller hat auch Titoni die Preise 2022 nicht unwesentlich erhöht: So kostet die Seascoper 600 am Stahlband statt 1.595€ nunmehr 1.725€ (+8%), inklusive Einfuhrumsatzsteuer/Zoll und Versand.

Trotzdem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis nach wie vor phänomenal: Die Seascoper 600 deckt quasi alles ab, was man sich von einer hochwertigen Schweizer Taucheruhr wünscht: Manufakturkaliber mit satter Gangreserve, Chronometer-Zertifizierung, (zu?) hohe Wasserdichtigkeit, Keramiklünette, hochwertige und moderne Optik sowie eine Feinjustierung beim Stahlband. Da kann sich die ähnlich teure HydroConquest Automatik Keramik vom Wettbewerber Longines noch das eine oder andere abgucken (vor allem mit Blick auf Stahlband/Schließe und Werk).

Kleinere Wermutstropfen bei der Titoni Seascoper 600 sind die leider nur verstifteten Bandglieder, die wegen der Feinjustierung etwas hoch bauende Schließe und der fehlende Schnellwechselmechanismus beim Stahlband.

Wenn ich außerdem noch zwei Wünsche frei hätte, wäre es zum einen ein Upgrade des Kalibers T10 um eine amagnetische Silizium-Spiralfeder (gerne auch als aufpreispflichtige Option). Zum anderen könnte ich mir die Seascoper 600 auch sehr gut an einem FKM- oder Viton-Kautschukband mit vollintegriertem (!) Bandanstoß vorstellen – was nicht ist, kann aber ja vielleicht noch werden.

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Neben der Longines HydroConquest seien auch Taucheruhren wie die Formex REEF (Chronometer-zertifiziert), die Maurice Lacroix Aikon Venturer oder die Sinn U1 / Sinn U50 in der Preisklasse bis 2000€ als Alternativen genannt – ein Manufakturkaliber mit der Extraportion Gangreserve haben diese allerdings nicht an Bord.

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Jan
20. Februar 2022 19:06

Nun, vor einem Jahr war ich kurz davor, die Uhr zu kaufen. Das gesamte Konzept zu dem Preis ist an sich unschlagbar. Jetzt das „Aber“, irgendwas hatte mich gestört, die Uhr immer wieder angeschaut….es war das Schriftbild der Zahlen. Wie schafft man es nur, oder was denkt sich jemand dabei, an einer Uhr drei verschiedene Schrifttypen für die Zahlen zu verwenden. Auf der Lunette, dem Zifferblatt und dann noch das Datum mit jeweils anderen Zahlen, und das sieht man jeden Tag bei jedem Blick auf die Uhr. Für mich ein absolutes No Go.

Werner
18. Februar 2022 21:16

Hallo Mario, sehr interessanter Artikel über diese für viele noch unbekannte Marke, was aber aufgrund der Fokussierung auf den chinesischen Markt nicht wirklich verwundert. Ich bin über Bartels-Watches auf Titoni aufmerksam geworden. Als stolzer Besitzer einer Seascoper in bicolor kann ich Dein Fazit nur bestätigen, obwohl mich die tolle Schließe wegen der Höhe nicht wirklich stört. Besonders begeistert hat mich zum einen der Verkauf, mir wurde die sehr seltene Bicolor extra „zurückgelegt“ und zum anderen der Service, denn eine Gangabweichung jenseits der Chronometernorm wurde extrem schnell und professionell über die Servicewerkstatt behoben. Jetzt läuft sie wieder tadellos und ist neben U1, Stowa Prodiver, Melanocetus II und Circula Aquasport mein absoluter Lieblings-Diver. Das Kürzen des Armbandes hat i. Ü. mein Uhrmacher erledigt, ein Textilband wäre allerdings für diese Variate noch wünschenswert. Vielen Dank für Deine klugen Kommentare. LG Werner

Artur
18. Februar 2022 19:15

Eine sympatische Marke, Familie und Uhr (nicht nur diese!)
Erwäge ich tatsächlich zu kaufen, auch um die Marke zu unterstützen. Ich muß aber sagen das der Schritt mit dem Manufaktur Kaliber Gold wert ist, denn eine weitere Selita-Uhr brauche ich nicht.
1700€ ist klar eine Ansage, ich habe seiner Zeit 2000€ für meine 14060M Submariner bezahlt, und später 4000€ für eine 114060… Ein sehr guter Preis, aber die Stifte im Band?? Bitte ändern oder dem Kunden anbieten eine auf seinen Arm angepaßte Uhr auszuliefern, machen einige Hersteller.. Dann ist es völlig ok! Ganz liebe Grüße an ‚Chrononautix‘, den stolzen Papa und die Titoni-Brüder! Artur

Sven
18. Februar 2022 18:09

Ich habe das Glück, diese tolle Uhr zu besitzen und bin aufgrund der Qualität sehr begeistert, gerade wenn ich sie mit deutlich teureren Modellen anderer Hersteller vergleiche. Der absolute „Geheimtipp“ auf die Frage: „Hochwertige Uhr im Diverstil“ !
Und auf das bestellte Textilband bin ich auch gespannt, denn das verändert die Uhr sicherlich noch einmal deutlich….

Torsten
18. Februar 2022 18:07

Ich möchte auch den Service von Titoni lobend erwähnen!
Bei meiner Seascoper hat das Band „gequietscht“, was mich fast wahnsinnig gemacht hat.
Ein kurzes Video in die Schweiz und schon wurde die Uhr abgeholt und kurz darauf mit einem neuen Band wieder geliefert. Das ist Service, wie man es sich wünscht.

Es wird nicht meine letzte Titoni bleiben. Leider ist die Stahl/ Gold Variante zu nahe an meiner Tudor. Aber da kommt bestimmt noch was Schlnes in der Zukunft.

Konrad
18. Februar 2022 13:49

Hallo Mario,
Großartige (hier schließe ich mich Ben an) Uhr, lesenswerter Artkel, sehr gute Fotos. Deinem Wunsch nach einer Silizium Spirale würde ich mich aber sofort anschließen. Man hat im Hause Titoni ein eigenes Werk mit einem Durchmesser von fast 30 mm konstruiert. Das war bekanntermaßen einmal der Standard für Werke wie das Zenith 135, das Peseux 260 und das Omega Cal. 30 – bei diesem Durchmesser konnten die Vorgaben der Chronometernorm ideal erfüllt werden, wenn man keine exotische alltagsuntaugliche Interpretation wie bei „der Kartoffel“von Zenith wählen wollte. Gemeinsam war diesen Meilensteinen der Uhrwerkskonstruktion die riesige Unruh von zum Teil fast 15 mm Durchmesser.
Bei den heutigen Materialien braucht man für gute und konstante Gangwerte zwar nicht unbedingt eine riesige Unruh, allerdings verbessern sich die Gangwerte mit dem Durchmesser der Unruh, wenn es gelingt die schwingende Masse möglichst gering und die Schmierung im Griff zu halten.
Genau hier sitzt Dein und mein Wunsch an: Wenn ich eine Si-Spirale benutze, wird die schwingende Masse kleiner und damit kann ich eine größere Unruh verwenden, die zu besseren Gangwerten bei, durch moderne Werkstoffe bedingt, gleicher Alltagstauglichkeit führt
Im Titoni T10 ist nach meiner groben Schätzung der Unruhreif noch kleiner als im ETA 2824, das einen ca. 20% größeren Durchmesser aufweist. Persönlich könnte ich auf 10 Stunden Gangreserve bei der Titoni verzichten und durch das dann kleinere Federhaus mit einer größeren Unruh (mit Si-Spirale) trotzdem noch über längere Zeit bessere Gangwerte erreichen sowie einem bei einer Frequenz von 4 Hz mit nicht „ruckelndem Sekundenzeiger“ bleiben.

Ben
18. Februar 2022 8:23

Ich finde für den preis von 1700 € bekommt man aktuell nirgendswo etwas besseres wenn man nur auf Fertigungsqualität & das angesprochene Uhrwerk schaut, großartige Uhr die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte!