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Back to the Roots: Mit der HEINRICH Taucher hat der Schwabe Wolfgang Heinrich anno 2020 mit einem Modell mit dem schlichten Namen “Taucher” seine eigene Microbrand auf die Beine stellt. Da Schwaben bekanntermaßen als fleißig gelten, haben sich mit der Taucher 2 und der Taucher 2 GMT über die Zeit weitere Modelle dazugesellt. Alle Modelle haben dabei ein stringentes Design im Stile der 70er Jahre gemeinsam – und das ist auch bei der neuen HEINRICH Taucher Sport und der Taucher LX nicht anders, deren Gehäuse auf der Taucher 1 bzw. 1.1 basiert: Erstere bringt durch ein (optional) schwarz-beschichtetes Gehäuse und ein oranges Zifferblatt eine Extraportion Sportlichkeit mit. Letztere hat Wolfgang als eleganteren “Dress Diver” ins Sortiment aufgenommen… Heinrich Taucher LX 2023 Uhr Test Erfahrungen 00568 Kopie

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HEINRICH Taucher LX und Sport im Test

Das haptisch und optisch überdurchschnittlich wertig wirkende, bis 20 bar wasserdichte Gehäuse der HEINRICH Taucher 1.1 stellt die Grundlage sowohl für die Taucher LX als auch die Taucher Sport dar. Charakteristisch: Das Gehäuse führt über eine markante “Genta’sche Kante” nahtlos in das feingliedrige Band über. Die berühmtesten Kreationen von der Designerlegende Gerald Genta sind sicherlich die Audemars Piguet Royal Oak und die Patek Philippe Nautilus, die Ende der 60er bzw. in den 70er Jahren entstanden sind – und die verfügen bis heute über eben dieses klassische Designmerkmal.

Gut: Anders als bei der im Gehäuseaufbau ähnlichen Tissot PRX Tiffany, deren Horn-zu-Horn-Maß durch steife Bandglieder am Anstoß stark “aufgebläht” wird, fällt das Band bei der Taucher LX direkt bei den Hörnern ab. Das effektive Horn-zu-Horn-Maß beträgt so 47 mm – ein Maß, das grade Uhrenfreunde mit etwas schmaleren Handgelenken freuen dürfte.

Das Lünetten-Inlay ist nicht, wie man auf den ersten Blick vielleicht annehmen könnte, aus polierter Keramik, sondern kommt mit einem Überzug aus Saphirglas. Und das macht sich optisch durchaus bemerkbar, denn so erinnert die Lünette an die in den 70ern typischerweise zum Einsatz kommenden Acrylglas-Lünetten, bringt aber praktischerweise gleichzeitig die extrem hohe Kratzfestigkeit von Saphirglas mit. In Verbindung mit dem zum Rand hochgewölbten Saphirglas ergibt sich auch eine sehr weiche Optik. Man beachte auch ein HEINRICH-typisches Design- und Erkennungsmerkmal, ein seitlich in die Lünette eingelassenes Wellenmuster:

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Auch das tickende Innenleben in Form eines Schweizer Sellita SW200-1 Automatikwerk in der höheren Qualitätsstufe Elaboré mit einer Ganggenauigkeit von 7±7 Sekunden pro Tag ist unverändert mit an Bord der neuen Taucher-Varianten geblieben.

Oder, um die Sache abzukürzen: “Nur” Zifferblatt, Zeigersatz und Lünettengestaltung haben sich gegenüber der Taucher 1.1 verändert.

Aber: Die Änderungen des Zifferblattes verdeutlichen, dass die Analogie vom Zifferblatt als “Gesicht einer Uhr” mehr als zutreffend ist: Durch den Tausch des Zifferblattes wirkt die Taucher LX weit mehr als nur eine Variante der Taucher 1.1, sondern im Prinzip wie eine gänzlich neue Uhr: So kommt das Zifferblatt nun dank diverser Abstufungen deutlich plastischer und aufwendiger daher. Die Indizes sind nicht mehr “tropfenförmig”, sondern strichartig (und nach wie vor appliziert).

Bei der hier gezeigten LX-Variante fällt auch (passend zum “LX”-Thema) die wohldosierte Goldfärbung auf, und zwar bei den Zeigern (die wir in ihrer Form schon von der Taucher 2 GMT kennen), den Stunden-Indizes und der Minuterie in jedem zweiten Zwölftel-Segment:

HEINRICH Taucher Sport DLC Orange

Okay, auch beim Gehäuse gibt es eine Änderung: Allerdings nicht bei der Form oder dergleichen, sondern hinsichtlich einer DLC-Beschichtung, die HEINRICH sowohl bei der LX, als auch bei der Sport optional anbietet (wobei mir die Beschichtung vor allem bei der im Folgenden gezeigten orangen Sport-Variante besonders gut gefällt).

Häufig wird auch von einer PVD-Beschichtung gesprochen, was aber streng genommen nicht korrekt ist: DLC steht für Diamond-Like Carbon, zu Deutsch “Diamantähnlicher Kohlenstoff”. Diese Beschichtung hat Eigenschaften ähnlich wie die des Diamanten: Sie ist sehr hart, glatt und besitzt eine geringe Reibung. DLC-Beschichtungen werden oft verwendet, um Oberflächen zu schützen und ihre Eigenschaften zu verbessern, zum Beispiel in der Automobilindustrie oder bei Werkzeugen.

Beim PVD-Verfahren (Physical Vapour Deposition = Physikalisches Dampfabscheideverfahren) wiederum wird die DLC-Beschichtung mithilfe von physikalischen Prozessen in einem Vakuum auf die Oberfläche aufgebracht. Der erste Schritt ist das Erzeugen von Dampf bzw. Gasen aus einem Material, das Kohlenstoff enthält. Dieses Material wird als “Target” bezeichnet. In einem Vakuumbehälter, der als PVD-Kammer bezeichnet wird, wird das Target erhitzt, um den Kohlenstoff darin zu verdampfen. Der Kohlenstoffdampf bewegt sich dann durch die Kammer und trifft auf die Oberfläche des zu beschichtenden Objekts (also in unserem Fall das Uhrengehäuse). Dabei kondensiert der Dampf und bildet eine dünne Schicht der DLC-Beschichtung, also eine harte Schicht aus Kohlenstoff, die den Edelstahl härter, kratzfester, verschleißfester und korrosionsbeständiger macht. Und: Die Beschichtung verleiht dem Zeitmesser vor allem eine gänzlich neue, sportlichere Optik, die sich wunderbar und kontrastreich mit den orangen Zeigern und dem orangen Außenbereich des Zifferblattes ergänzt.

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Die Farbe Orange passt übrigens grundsätzlich sehr gut zum HEINRICH Taucher: Wolfgang Heinrich hat sich für die Modellreihe nach eigenen Aussagen von verschiedenen Vintage-Taucheruhren der 70er inspirieren lassen. Gewisse Elemente von Taucheruhren bzw. Toolwatches der 70er Jahre von Marken wie Certina, Doxa, Bulova, Yema, Zodiac etc. sind auf jeden Fall unübersehbar. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass insbesondere Braun-, Orange- und Violetttöne als die groovigen Farben der 1970er Jahre galten (wer kennt sie nicht, die Tapeten mit den psychodelisch-runden orange-braunen Mustern?). Schön (und leider keine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse): HEINRICH hat die Datumsscheibe auf das Orange des Zifferblattes angepasst.

Von der Optik mal abgesehen wurden orange Zifferblätter in den 60ern übrigens erfunden, um (angeblich) eine bessere Ablesbarkeit unter Wasser zu ermöglichen – Doxa war in dieser Hinsicht der Vorreiter. Wissenschaftlich nachweisbar waren Doxas Behauptungen aber nicht – viel entscheidender als die Zifferblattfarbe ist (natürlich damals wie heute) der Kontrast zwischen Zeigern und Zifferblatt/Indizes.

In Zeiten von digitalen Tauchcomputern sind Diskussionen um den praktischen Nutzen von klassischen, analogen Taucheruhren natürlich sowieso irgendwie müßig. Was aber definitiv bleibt ist eine frische Optik, die mir bei Taucheruhren grundsätzlich sehr gefällt – vor allem im Sommer.

HEINRICH bietet 32 Stück je Variante (LX und Sport) zur sofortigen Auslieferung seit dem 13. Juli 2023 an. Die zweite Charge bzw. alle Bestellungen darüber hinaus werden über Pre-Order abgewickelt – der Versand soll Ende September erfolgen.

Mehr Lesestoff über HEINRICH:

Schwaben-Microbrand HEINRICH zurück mit der Taucher 1.1 / Interview mit Wolfgang Heinrich

Diver aus dem “Ländle”: HEINRICH Taucher 2 im Test

HEINRICH Taucher 2 GMT: Schaffe, schaffe, Uhren baue

Eckdaten HEINRICH Taucher LX / Sport:

  • Made in Germany
  • Gehäusedurchmesser: 41 mm
  • Schweizer Automatikuhrwerk Sellita SW200-1 Elaboré 
  • Horn-zu-Horn: 47,8 mm
  • Höhe: 11,5mm / 13,6mm mit Glas
  • Bandanstoßbreite: 20 mm
  • Super-LumiNova X1
  • Verschraubte Krone
  • Wasserdichtheit: 20 bar / 200m
  • Glas: Kastenförmiges Saphirglas mit beidseitiger Anti-Reflexionsbeschichtung
  • Einseitige drehbare Lünette mit 120er Rasterung
  • Leuchtmasse: Swiss Super-LumiNova BGW9 von RC Tritec
  • Edelstahl-Mesh mit gebürsteten Stahlgliedern, Taucherverlängerungsschließe
  • Eine erste Charge mit 32 Stück ist ab Lager bzw. ab sofort über heinrich.watch verfügbar; eine zweite Charge kann über Pre-Order bestellt werden – die Auslieferung erfolgt Ende September.
  • Preis: 849€ bzw. 899€ (DLC-beschichtetes Gehäuse)

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Ralph
10 Monate zurück

Das Uhrengehäuse mag ja DLC-Beschichtet sein. Aber was ist mit dem schwarzen Metallarmband? Wie wurde dies beschichtet und welche Eigenschaften und Haltbarkeit kann man davon im Vergleich zum Gehäuse erwarten?
MfG

Martin J.
10 Monate zurück

Habe vor wenigen Tagen die Heinrich Taucher 2 GMT geliefert bekommen. (Inspiriert durch einen Testbericht von CHRONONAUTIX)
Bin völlig begeistert. Sehr hochwertige Uhr, tadellos verarbeitet, viele geniale Design-Points, das feine Metallarmband ist sensationell. Und das Uhrwerk, wie von Sellita gewohnt, auf wenige Sekunden genau.
Jederzeit wieder.

locoreloj
10 Monate zurück

Wieder eine schöne Uhren Vorstellung mit vielen Hintergrundinformationen, nicht zu überladen und sehr unterhaltend geschrieben. Und wirklich zeitnah zum Release der beiden Modelle. Man merkt das du ein großer Fan der Marke bist.