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Es hat ein bisschen was vom berühmten gallischen Dorf: Vom historisch spannenden und großen Uhren-Cluster im thüringischen Ruhla ist heute nicht mehr allzu viel übrig – mit einer großen Ausnahme: Der familiengeführte, unabhängige Uhrenhersteller POINTtec mit seinen Marken Zeppelin, Iron Annie und bauhaus hält in Ruhla seit über drei Jahrzehnten die Fahne hoch. Vor diesem Hintergrund schauen wir uns in diesem Artikel zwei in Ruhla produzierte Automatik-Modelle aus der Atlantic-Reihe der Marke Zeppelin genauer an…

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Über Uhren von POINTtec: Made in Ruhla

Die von Willi Birk ins Leben gerufene POINTtec GmbH mit Sitz in Ismaning bei München ist seit der Gründung im Jahre 1987 ein unabhängiges Familienunternehmen – das ist alles andere als selbstverständlich im heutigen Uhrenmarkt, der vor allem von Konzernen und Shareholder Value geprägt ist. Seit ein paar Jahren ist auch die nächste Birk-Generation mit an Bord: Willi Birks Tochter Nathalie ist Teil der Geschäftsführung und dabei primär verantwortlich für Vertrieb und Export.

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Willi und Nathalie Birk

Fun Fact am Rande: Eines der ersten Modelle von POINTtec waren “Oversized”-Damenuhren mit sage und schreibe 48 mm Durchmesser – und die verkauften sich ziemlich gut: Rund 30.000 Stück brachte Birk an weibliche Handgelenke.

Heute macht POINTtec den Löwenanteil des Umsatzes (wenig verwunderlich) mit Herrenuhren. Die Verhältnisse von Quarz- zu Mechanik-Uhren (in der Regel Automatik) haben sich dabei in den letzten Jahren in Richtung Mechanik verschoben. Zum Einsatz kommen dabei vor allem Schweizer Kaliber von Sellita und japanische Kaliber von Citizen-Miyota (dazu später mehr).

Neben Zeppelin sind auch die Marken bauhaus (seit 2019) und Iron Annie (der Spitzname für eine der letzten aktiven JU52) Teil des POINTtec-Portfolios – letztere ist dabei der “Ersatz” für die über 20 Jahre unter der POINTtec-Flagge geführte Marke Junkers, deren Lizenzüberlassung 2017 durch die Hugo Junkers-Nachfahren gekündigt wurde.

Iron Annie Uhren

Neben den drei genannten Eigenmarken ist POINTtec auch als Private Label-Uhrenhersteller tätig. Heißt: POINTtec produziert Uhren im Auftrag für andere Marken, darunter Bosch, Siemens, Audi, Volkswagen, Lufthansa, Air France, die Deutsche Bundeswehr, die NATO etc.

Die neue Marke ruhla

Auf der Inhorgenta 2023 in München stellt POINTtec außerdem erstmalig die Uhrenmarke ruhla vor. Den Start machen zwei Modelle in verschiedenen Varianten, die an historische Zeitmesser aus Ruhla angelehnt sind: Zum einen handelt es sich um ein Reissue der Uhr, die der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, während der Sojus 31-Mission trug. Zum anderen belebt POINTtec eine Taucheruhr wieder, welche ab Ende der 1980er unter anderem für die Kampfschwimmer (KSK18) der NVA produziert wurde. Beide Reissues kommen mit dem japanischen Automatikkaliber Miyota 8315 mit üppigen 60 Stunden Gangreserve.

Die Einführung der Marke ruhla ist kein Zufall, denn fast die Hälfte der insgesamt rund 50 POINTtec-Mitarbeiter arbeiten nicht am Hauptsitz Ismaning (dort sind Verwaltung, Design und Konstruktion angesiedelt), sondern in der fast fünf Autostunden weiter nördlich angesiedelten Uhrenwerke Ruhla GmbH nahe Eisenach, Thüringen: Dort fertigt POINTtec bereits seit über 30 Jahren.

Das Engagement von POINTtec in Ruhla hat sich vor ein paar Jahren außerdem noch mal deutlich intensiviert: die Familie Birk hat 2019 den langjährigen Produktionspartner Gardé Uhren mitsamt der Produktionsmitarbeiter und des 1929 erbauten Bauhaus-Gebäudes aus der Insolvenz heraus akquiriert und verfügt dadurch nun über eine eigene Fertigung und größere Unabhängigkeit. Mit deutlich über 100.000 produzierten Uhren pro Jahr im Preisbereich von wenigen Hundert Euro bis hin zu mehreren Tausend Euro ist es vor allem das Unternehmen POINTtec, das die Fahne am historischen Uhren-Standort Ruhla hochhält. Auch der Service für alle Marken von POINTtec findet in Ruhla statt.

POINTtec-Chef Birk geht übrigens sehr transparent mit der Herkunft der Komponenten um, die in Ruhla zusammengebaut werden: So sagt er, dass die einzelnen Bestandteile der Uhren zum weitaus größten Teil aus Europa kommen. Die Zeiger kauft POINTtec beispielsweise seit 1990 in Frankreich ein. Die Zifferblätter kommen aus der Schweiz, teilweise auch aus Deutschland – und es gibt zusätzlich die Variante, dass POINTtec Zifferblattrohlinge aus Asien bezieht, die dann in der Schweiz veredelt werden. Die meisten Lederbänder erhält Zeppelin von einer kleinen, rund 30 Mitarbeiter starken Fabrik in Italien. Die Gehäuse kommen zum Teil aus der Schweiz und zum Teil aus China.

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“Uhrenwerke Ruhla”-Gravur auf dem Gehäuseboden

Exkurs: Geschichte der Uhren aus Ruhla

Von POINTtec abgesehen spielt das ehemals überaus bekannte Uhrencluster Ruhla heute im Vergleich zu beispielsweise Glashütte (leider) keine riesige Rolle mehr in der deutschen Uhrenindustrie – das war aber nicht immer so: Schon in den 1860ern legten die Gebrüder Thiel mit einem Betrieb für Feinmechanik den Grundstein für eine überaus florierende Uhrenproduktion in Ruhla.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Uhrenproduktion in Ruhla wider Erwarten nicht demontiert (anders als das in Glashütte der Fall war). Im Jahre 1952 erfolgte die Verstaatlichung durch die sowjetischen Besatzer zur VEB Uhren- und Maschinenfabrik „UMF“ mit zeitweise über 8000 Mitarbeitern, die Millionen von Uhren und Uhrwerken herstellten – alleine das vorrangig für den Export vorgesehene Ruhla-Kaliber 24 wurde ab 1967 auf einer automatisierten Produktionsstraße 115 Millionen mal produziert. Sogar die für die Produktion benötigten Maschinen wurden in der Fabrik von UMF Ruhla entwickelt und gebaut. Die Erfolgsgeschichte in Ruhla ging so noch viele Jahrzehnte weiter – sogar den Quarztrend wollte man in Ruhla durch den Aufbau einer eigenen Chipfertigung mitgehen (während viele Schweizer den Kopf in den Sand steckten).

Erst mit der Wende wurde der Aufwind jäh gestoppt: Durch Privatisierung im Jahre 1989 wurde die VEB Ruhla von der sogenannten DDR-Treuhandanstalt in rund Vierzig einzelne Unternehmen zerschlagen und die Maschinenherstellung abgespaltet. Von den Unternehmen haben sich in Ruhla fortan nur noch die Betriebe Gardé Uhren und Feinmechanik Ruhla GmbH mit Uhren beschäftigt.

POINTtec: Über die Marke Zeppelin

Die Stadt Friedrichshafen am Ufer des Bodensees gilt als Geburtsstätte der Luftschifffahrt – anno 1900 begann Ferdinand Graf von Zeppelin dort mit der Entwicklung und der Fertigung für die zivile und militärische Nutzung. Den Höhepunkt der Zeppelin-Entwicklung markierte anno 1936 der legendäre Zeppelin LZ 129 „Hindenburg”: dieses mit 245 Metern Länge, 41 Metern Durchmesser und einem Gasinhalt von 200.000 Kubikmetern modernste und größte jemals gebaute Starrluftschiff startete zu seinem Jungfernflug (zum Vergleich: In der Länge war die Hindenburg in etwa so groß wie die gesamte Allianz-Arena (258 Meter). Im Zeitalter der Luftschifffahrt galt die “Titanic der Lüfte” als fliegendes Luxushotel und Meisterwerk der Ingenieurskunst. Oder, um den US-amerikanischen Schrifsteller Michael Mooney zu zitieren: „Die Hindenburg war ein Kunstwerk aus dünnem Stoff und Leinen, aus Aluminium und Mathematik.“

Auch, wenn die Hindenburg-Katastrophe im Mai 1937 der Ära der Luftschifffahrt zunächst ein Ende setzte, findet man auch heute noch Zeppeline am Himmel – darunter den „Zeppelin NT“ (NT für Neue Technologie), der allerdings mit 800 Kubikmeter deutlich kleiner als der historische Vorgänger und anstelle von Wasserstoff mit nicht-brennbarem Helium gefüllt ist.

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Zeppelin NT N07 D LZFN Friedrichshafen
Zeppelin NT N07 (D-LZFN) im Jahre 2019, gebaut von der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co. KG, Bild: Olga Ernst, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die POINTtec GmbH hat sich die Rechte an der Marke Zeppelin von der auch heute noch tätigen Luftschiffbau Zeppelin GmbH langfristig für die Produktion von Zeitmessern gesichert, um passenderweise Uhrenmodelle unter dem Leitthema der Luftfahrt zu positionieren.

Entsprechend kommt auch das original Logo von Zeppelin auf den Zifferblättern der Marke prominent zum Einsatz. Gleichzeitig beinhalten die Zeppelin-Uhren eine Reihe von Design-Inspirationen von den früheren Luftschiffen – dazu aber später mehr.

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Übrigens: Auch die POINTtec-Marke Iron Annie ist (passend zum Markennamen) im Aviatik-Kosmos angesiedelt – nur mit dem Unterschied, dass Zeppelin-Modelle deutlich klassischer und mit einem gewissen Retro-Charme gestaltet sind, während Iron Annie deutlich modernere Elemente wie teilskelettierte Zifferblätter mitbringen. Eines der bekanntesten Zeppelin-Modelle ist dabei der klassische 100 Jahre-Automatikchronograph mit Schweizer Sellita SW510 und Telemeter– sowie Tachymeter-Skala.

100 Jahre Zeppelin Chronograph
Zeppelin 100 Jahre, Ref. 86181

Im Allgemeinen bemerkt man bei Zeppelin einen Trend zu höherwertigeren, mechanischen Modellen mit Kalibern aus der Schweiz oder aus Japan: So bietet POINTtec mit Zeppelin innerhalb der Atlantic-Modellreihe noch einige weitere Automatikmodelle an – zwei davon kommen mit Swiss Made-Kalibern mit speziellen Komplikationen, die man alles andere als häufig antrifft…

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Zeppelin Uhren: Atlantic Automatik im Test

Zeppelin Atlantic Automatik Regulator (84264)

Starten wir daher zunächst mit der größten Besonderheit der Zeppelin Atlantic Automatik Regulator 84264: An Bord ist ein sogenanntes Regulator-Kaliber mit der Bezeichnung SW266, das POINTtec zusammen mit Sellita entwickelt und erstmalig 2020 auf den Markt gebracht hat.

Ganz im Sinne des Designleitsatzes Form Follows Function, der im Allgemeinen besagt, dass die äußere Form von Gegenständen sich aus ihrer Funktion ableiten soll, sind bei einem Regulator wie der hier gezeigten Zeppelin-Uhr Stunden, Minuten und Sekunden unabhängig voneinander und teilweise dezentral angeordnet.

Dabei kommt nur der Minutenzeiger ganz klassisch aus dem Zentrum heraus, während die Anzeige der Stunden und der Sekunden in separaten kleinen Hilfszifferblättern (sogenannten Totalisatoren) dargestellt werden, die im leicht vertieften Innenbereich (auf “12 Uhr” und “6 Uhr”) des grünen Farbverlaufs-Zifferblattes untergebracht sind. 

Der Name Regulator kommt dabei nicht von ungefähr: Im historischen Sinne wurden früher besonders genau gehende und möglichst erschütterungsfrei aufgestellte Regulator-Pendeluhren mit Temperaturkompensation verwendet, die Uhrmacher als Referenz bzw. Kontrolluhr für die Reglage anderer Uhren und Chronometer nutzten.

In jedem Fall kann man auch festhalten, dass die Optik einer Regulator-Uhr sehr toolig daher kommt und an ein Messgerät in einer Instrumententafel erinnert. Das Ablesen der Uhrzeit von einer Regulator-Uhr ist im Allgemeinen zunächst allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach etwas Tragezeit keine Raketenwissenschaft. Hier beispielsweise zeigen der große zentrale Minutenzeiger und der kleine Stundenzeiger 8 Minuten vor 11 Uhr an:

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Man beachte: Beim Zeppelin Regulator ist nur der zentrale Minutenzeiger mit Super-LumiNova-Leuchtmasse gefüllt – das macht das Ablesen im Dunkeln natürlich nicht unbedingt einfacher. Immerhin aber reflektieren die polierten und facettierten Elemente das Licht, wodurch zumindest im Halbdunkeln die Ablesbarkeit recht brauchbar ist.

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Apropos Zeiger: Die bekommt POINTtec seit über 35 Jahren von einer kleinen Manufaktur in Frankreich – und das merkt man auch: Durch das Makroobjektiv sieht man, dass die Zeiger schön plastisch daher kommen und überdurchschnittlich präzise verarbeitet sind.

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Das Gehäuse der Zeppelin Atlantic Automatik Regulator 84264 ist durchgängig poliert und mit 12mm Höhe angenehm flach bzw. “Hemdärmel-freundlich”. An den Flanken warten ein paar Abstufungen bzw. “Kurven”, die das Gehäuse filigraner und dressiger wirken lassen. Der Gehäusedurchmesser ist mit 43 mm zwar nicht ganz ohne, das Horn-zu-Horn-Maß ist mit 49 mm aber recht human dimensioniert. Zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt in etwa 19 cm und die Uhr sitzt so ziemlich optimal.

Mehr: Die richtige Uhrengröße für jeden Handgelenk-Umfang

Eckdaten Zeppelin Atlantic Automatik Regulator (84264):

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Zeppelin Atlantic Automatik mit Gangreserveanzeige (84163)

Auch mit Blick auf die Zeppelin Atlantic Automatik mit Gangreserveanzeige (Ref. 84163) wird (wie bei der Regulator-Atlantic Automatik) klar, dass POINTtec offenbar immer auf der Suche nach besonderen mechanischen Kalibern ist, die heute kaum verbreitet sind, durch bestimmte Zusatzfunktionen aber auch ein besonderes Design ermöglichen – auch hier ganz im Sinne von Form Follows Function.

So tickt in der Zeppelin Atlantic 84163 das Schweizer Kaliber A07.161 von der ETA SA – und das alleine ist schon eine kleine Besonderheit, denn die Swatch Group, die hinter ETA steht, liefert bekanntermaßen nicht mehr an Marken außerhalb des eigenen Konzerns – das ist auch der Grund, warum das Modell eine Limited Edition ist, mit 111 Uhren pro Zifferblattfarbe (Blau und Grün).

An Bord des A07.161 ist alles, was man sich von einem zeitgemäßen Kaliber wünscht, darunter eine Incabloc-Stoßsicherung, eine Frequenz von 28800 bph, ein automatischer, kugelgelagerter Rotor-Aufzug, 24 Juwelen, 48 Stunden Gangreserve, Sekundenstopp-Vorrichtung und – last but not least die größte Besonderheit – eine Gangreserveanzeige (dazu gleich mehr).

Das Kaliber A07.161 trägt auch den Zusatz “Valgranges” (von „Granges“ bzw. Grenchen, dem Hauptsitz von ETA) und ist eine Weiterentwicklung des bekannten Chronographen-Kalibers ETA Valjoux 7750.

Mit -2 Sekunden pro Tag (Zifferblatt oben) ist das A07.161 in der mir vorliegenden Zeppelin-Uhr hervorragend feinreguliert (okay, ein leichter Vorgang wäre natürlich noch das i-Tüpfelchen). Genfer Streifen auf dem Rotor, eine Perlage sowie gebläute Schrauben sorgen für eine ansehnliche, aber in der Summe recht kontrastarme Optik – gerne hätte es auch ein Rotor mit Zeppelin-Logo und Beschichtung oder dergleichen sein dürfen (so wie es beispielsweise bei der VANDAAG Schallmauter Automatik der Fall ist).

Die Gangreserve-Anzeige, die dank des ETA A07.161 bei der Zeppelin Atlantic an Bord ist, zeigt (wer hätt’s gedacht) die noch zur Verfügung stehende Gangreserve bzw. Gangdauer an – also im Prinzip wie die Akku-Anzeige bei einem Smartphone.

Technisch funktioniert eine Gangreserveanzeige wie folgt: Eine mechanische Uhr erhält die für den Antrieb notwendige Energie von der im Federhaus befindlichen Zugfeder, die über den Automatikrotor gespannt wird. Ob die Zugfeder gespannt ist oder schon an Spannung verloren hat – diese Information gibt die Gangreserveanzeige aus. Nicht mehr, und nicht weniger. Oder mit anderen Worten: Eine Gangreserveanzeige “übersetzt” den Spannungszustand der Zugfeder auf eine Anzeige auf dem Zifferblatt. 

Fun Fact am Rande: Bei Armbanduhren wurde eine Gangreserveanzeige auf dem Zifferblatt erstmals 1933 von Breguet umgesetzt – und zwar aus dem Grund, dass Kunden, die über Jahrzehnte Handaufzugsuhren gewohnt waren, den sich allmählich durchsetzenden Uhren mit Automatikaufzug misstrauten und sie befürchteten, dass ihre Uhr irgendwann stehen blieb.

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Bei der Zeppelin Atlantic ist die Gangreserveanzeige über eine “power reserve”-Anzeige auf dem Zifferblatt auf “6 Uhr” umgesetzt: Ist die Uhr durch regelmäßiges Tragen (und damit über den Rotor bzw. Automatikaufzug) und/oder manuellen Aufzug über die Krone maximal aufgezogen, so zeigt der kleine Zeiger innerhalb der “power reserve”-Anzeige nach ganz links oben (wie bei einem Tacho).

Legt man die Uhr bei Vollaufzug, zum Beispiel über das Wochenende, in die Schublade bzw. wird die Uhr im Allgemeinen für eine Weile nicht aufgezogen, so wandert der Zeiger immer weiter nach rechts – bis in den roten Bereich, der anzeigt, dass von den maximal 48 Stunden Gangreserve nur noch wenige Stunden zur Verfügung stehen.

Wenn man nun verhindern will, dass die Uhr stehen bleibt und damit neu stellen muss, so bietet es sich an die Uhr wieder um’s Handgelenk zu schnallen oder das Werk über die Krone aufzuziehen. Ferner empfiehlt es sich im Allgemeinen nicht, die Gangreserve einer mechanischen Uhr allzu stark ablaufen zu lassen, bevor neue Energie zugeführt wird – denn grundsätzlich gilt: je gespannter die Feder, desto gleichmäßiger der Gang (oder mit anderen Worten: Die Uhr läuft präziser, wenn die Feder stärker aufgezogen ist).

Summa summarum ist eine Gangreserveanzeige insbesondere praktisch für alle, die ihre Uhren gerne nach der Atomzeit exakt einstellen. Gleichzeitig sorgt die Gangreserveanzeige für eine toolige Instrumententafel-Optik, was naturgemäß gut zu einer Uhr im Dunstkreis der Luftfahrt wie der Zeppelin Atlantic passt.

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Von der Gangreserveanzeige mal abgesehen, ist das tiefblaue Zifferblatt eher klassischer Natur: Dauphine-förmige, polierte Stunden- und Minutenzeiger treffen auf applizierte Stundenindizes, die durch ihre kantige Machart sowie die Politur sehr facettenreich daher kommen und an die Fenstersprossen der Zeppeline der 30er Jahre erinnern. Eher untypisch bei der Zifferblattgestaltung ist (genau wie bei der Atlantic Regulator), dass die Minuterie vor die Indizes bzw. ein Stück nach innen gerückt ist und den leicht vertieften Innenbereich abgrenzt – dieses Designmerkmal soll die Form eines Zeppelins andeuten. Schön: Das überdurchschnittlich große Datumsfenster folgt dieser Vertiefung durch eine abgeschrägte Kante.

Das Gehäuse der Zeppelin Atlantic Automatik mit Gangreserveanzeige ist grundsätzlich identisch mit dem Gehäuse der Atlantic Automatik Regulator – allerdings tritt der Gehäuseboden merkbar stärker hervor, um Platz für das Kaliber zu schaffen, das wie gesagt auf dem ziemlich platzfordernden ETA 7750 beruht (Bauhöhe des Kalibers = 7,9mm).

Die sonstigen Gehäuseabmessungen (Durchmesser 43 mm und Horn-zu-Horn 49 mm) sind unverändert gegenüber der Regulator. In der Summe wirkt die Atlantic mit Gangreserveanzeige wegen der Höhe aber deutlich sportlicher und wuchtiger am Arm.

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Eckdaten Zeppelin Atlantic Automatik Gangreserveanzeige (84163):

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Fazit zu Zeppelin Uhren und der Atlantic Automatik

Man trifft nicht häufig auf Hersteller, die ein so gut funktionierendes “Rezept” bzw. eine Mischung aus einer Herstellung an einer historischen deutschen Produktionsstätte (Ruhla), spannenden Markenhintergründen, einer familiengeführten Unternehmung sowie technische Besonderheiten hinsichtlich der Mechanik (Gangreserveanzeige, Regulator) anbietet. Insofern kann ich jedem ans Herz legen, mal eine Zeppelin um den Arm zu schnallen – und das ist auch nicht allzu schwierig, denn durch das stark ausgebaute Vertriebsnetz gibt es eigentlich kaum eine größere Einkaufsstraße in Deutschland, in der nicht mindestens ein Juwelier mit Zeppelin-Uhren ansässig ist.

Die technischen Besonderheiten haben allerdings auch ihren Preis: Mit 1249€ bzw. 1499€ markieren die beiden hier vorgestellten Atlantic Automatik-Modelle das obere Limit innerhalb der Atlantic-Modellreihe. Für den deutlich kleineren Geldbeutel hält Zeppelin aber einige günstige Alternativen mit Miyota-Automatikwerken bereit – los geht’s hier ab 279€. Den Einstieg in die Atlantic-Serie bildet eine Quarzuhr mit Ronda-Werk und GMT-Funktion für 249€. Besonders spannend ist auch die Zeppelin Atlantic Automatik GMT mit Miyota 9075 für 499€, die eine “True GMT”-Funktionalität an Bord hat…

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THOR
10 Monate zurück

Point-Tec ist ein Einschaler!
Ich sehe dieSache anders!
Wenn Point-Tec das “Erbe”von den”ORGINAL RUHLA-Werken”antritt;so ist das eine EHRE!
Viele Firmen treten an Point-Tec heran,gerade weil Sie hervorragene Deutsche Wertarbeit leisten!!!
Einerseits regt man sich auf,das der Standort Deutschland durch die :”Rot/Grünen Khmer”,zunichte gemacht wird,doch der Uhrenhersteller der flexibel ist und Ruhla Uhren “Neu”aufleben lässt,
wird hier Diffamiert!!!…Leute was wollt IHR eigentlich???…Wisst “Ihr”wohl selbst nicht!?!
Frau Charlotte Junkers jedenfalls hat “Ihren”grössten Fehler gemacht,die Lizens nicht zu verlängern,und bei “UMR-RUHLA”weiterzumachen!!!
Point-Tec bietet preisgünstige Uhren an zu einem “bezahlbaren Preis mit hervorragener”Qualität!!!
…Ihr immer mit “Eurer”Historie!!!….Das Thema hatten wir ja schon zu hauf bei “Fliegeruhren!!”
Respekt ist das Zauberwort!!!:-///….Ense der Kommunikation….THOR

Guido
1 Jahr zurück

Hallo Mario,
Vielen Dank für diesen schönen Artikel. Obwohl ich selber Uhren von Junkers und eine Zeppelin besitze,
bleibt bei mir, in Verbindung mit dem Namen Pointtec, inzwischen so ein leicht säuerlicher Beigeschmack.
Es erinnert mich an die Dartmouth Brands Ltd. Es werden zu jedem irgendwie greifbaren Thema Marken zusammgedroschen.
Qualitiv sind das alles keine schlechten Uhren, aber diesen Marken fehlt die Seele und die Herkunft. Was ich gerade im Preissegment
jenseits von 600 EUR schon als Makel empfinde. Der Name Junkers war nicht mehr verfügbar, ach dann nennen wir das eben ‘Iron Annie’ (amerk. Spitzname der Ju 52)
und machen einfach so weiter. Man kann, wie auch Junghans, tolle Bauhaus Uhren machen, aber hier wird es sofort wieder als Marke herausgebracht.
Man produziert in Ruhla – zack die nächste Marke…
So gut die Uhren vielleicht technisch alle sein mögen, das Kommen und Gehen der Marken ohne eigene Tradion, die sich, ohne wirklichen Zusammenhang,
nur krampfhaft nur an die große Historie von Firmen, wie Junkers, oder Zeppelin ankletten finde ich irgendwie… Unschön.
Wann kommen von Pointtec Uhren unter den Namen: Maybach, Pullman, Fokker, Bücker, Heinkel, Focke-Wulf?
Es gibt noch viel zu tun…

Dlanor Lepov
1 Jahr zurück

Daran merkt man, dass man alt wird. In der DDR waren Ruhla-Uhren mit einem derartig schlechten Ruf behaftet, dass der sarkastische Werbespruch kursierte: “Ruhla-Uhren, die schnellsten der Welt”. Offenbar hat man dieses Erbe nicht angetreten.

THOR
10 Monate zurück
Antworten...  Dlanor Lepov

@Dianor Lepov:…Komisch nur das die Uhren der ehm.”DDR”hier im”Westen”heiss begehrt waren
weil Sie Qualitativ Gut waren genauso wie :”Glashütte!!”
Genauso komisch das der Kaufhausversand:”Quelle”,Uhren aus RUHLA umbenannt erfolgreich über Jahre vertrieben hat!
[Teile des Kommentars entfernt, bitte auf die Sprache achten]
ofG….THO’R! :-(((

THOR
10 Monate zurück
Antworten...  THOR

…Nachtrag:Die og. Uhren wurden unter dem Namen:”PRIVILEG”,bei “QUELLE”verkauft!
Grösstenteils in den späten 60er´n bis Ende 80 wurden Quarzuhren verbaut sowie analoge Uhren und oder mit Digitalanzeige.
Der “Hype”für “Automatikuhren”,wurde Damals durch die Digitale(Rote LED´s)Uhrengeneration verdrängt!
RUHLA-Uhren sowie “Glashütte-Uhren”hatten einen grossen Anteil zur Beschaffung
von Devisen für die”DDR”,und waren somit og. Haupteinnahmequelle!
Der Trend geht zzt.wieder zu Uhren im Automatikbereich,die “Schnäppchenpreise”wurden angeglichen! :-(…mfG…THOR