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Eine Stahl-Sportuhr. Von einer neuen Microbrand. Angeschoben über eine Kickstarter Crowdfunding-Kampagne. Das klingt zugegebenermaßen auf den ersten Blick nicht grade spektakulär. Denn mal Butter bei die Fische: Braucht die Welt noch eine Uhr im Dunstkreis klassischer Stahl-Sportuhren? Wohl eher nicht. Wenn sie so ist wie die neue Dual Series 01, kann man aber mehr als nur ein Auge zudrücken, denn das Einstandsmodell von der in Singapur ansässigen Microbrand UBIQ sticht merkbar aus der Masse heraus…

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Eckdaten UBIQ Dual Series 01:

  • Japanisches Kaliber Miyota 9015, 28,800 bph, 42 Stunden Gangreserve, farblich abgestimmtes Datumsfenster
  • Durchmesser: 39mm
  • Horn-zu-Horn: 47mm
  • Höhe: 11.5mm
  • Gewicht: 94 Gramm (am FKM-Band)
  • Gewölbtes Saphirglas mit Antireflexbeschichtung
  • Gehäuse aus 316L Edelstahl
  • Aluminium-Lünette
  • Edelstahlband und FKM-Band, jeweils mit werkzeugfreiem Wechselsystem
  • Super-LumiNova C1 auf der Lünette, BGW9 auf den Indizes und C1 auf den Zeigern
  • Wasserdichtigkeit: 200m/660ft/20atm/20bar
  • Verschraubte Krone
  • Zwei Bänder: Edelstahl mit werkzeugfreier Feinjustierung der Schließe und FKM-Kautschuk
  • Limitiert auf 100 Stück je Farbe
  • Erhältlich über Kickstarter vom 1. bis 29. Februar 2024 für 519 US-Dollar (562€ inkl. Einfuhrumsatzsteuer/Zoll).

UBIQ Dual Series 01 im Test

UBIQ kann man durchaus als “klassische” Microbrand bezeichnen: Im Februar 2024 will sich UBIQ, dessen Markenname sich vom englischen Wort für allgegenwärtig (ubiquitous) ableitet, ganz klassisch über eine Kickstarter-Crowdfunding-Kampagne die erste Finanzierungsspritze holen. Ansässig ist UBIQ in der “Lion City” Singapur, dem Microbrand-Hotspot überhaupt mit gestandenen Marken wie beispielsweise Gruppo Gamma / VenturoAudric, BOLDR oder Zelos.

UBIQ wurde 2023 von Drayson Phua, einem Creative Director aus Singapur, initiiert. Ehrensache: Drayson zeichnet sich per Vita naheliegenderweise selbst hauptverantwortlich für das Design der Dual Series 01. Die Idee: Inspiriert von der farbenfrohen Welt seines Sohnes wollte Drayson den klassisch-konservativen Uhrendesigns mehr Leben und Spritzigkeit einhauchen.

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Und dieses Ziel hat Drayson konsequent verfolgt: Das Einstandsmodell Dual von UBIQ ist mit seiner klar ablesbaren Minuterie und applizierten Stundenindizes im Grunde der klassischen Designsprache folgt, die man aus dem Taucheruhren- und GMT-Uhrenkosmos kennt. Aber schon hier beginnt die Liebe zum Detail: Die mit der Minuterie verbundenen Stundenindizes sehen ein bisschen so aus wie “aufgeblasene” Quadrate – genau wie das Datumsfenster, das den Blick auf die farblich auf das Zifferblatt abgestimmte Datum freigibt (letzteres ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse). Dieses abgerundete Design ergänzt sich wunderbar mit dem Textlogo, dessen Buchstaben kreisförmig gestaltet sind; der Buchstabe Q erinnert an eine stilisierte Uhr.

Bei den Zifferblattfarben treibt es UBIQ dabei gerne bunt: Alle Varianten der Dual Series 01 kommen mit kräftigen und lebendigen Farben bzw. Farbkombinationen, die durch jeweils farblich abgestimmte Stundenzeiger und Sekundenzeiger abgerundet werden.

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Das (namensgebende) Kernelement der UBIQ Dual ist die Lünette mit seiner außergewöhnlichen zweifarbigen Einlage: Bei der handelt es sich nicht etwa um eine klassische Diver-Lünette, sondern um eine beidseitig drehbare 120-Klicks Dual-Timing-Lünette, mit der man Zeitmessungen im Bereich von bis zu 60 Minuten vornehmen (innerer Bereich der Lünette) oder beispielsweise auch eine zweite Zeitzone einstellen kann (äußerer Bereich der Lünette mit Stundenziffern) – eine pfiffige Idee, die durch die Brille eines Designers betrachtet natürlich vor allem auch Spielraum für weitere Farbtupfer ermöglicht.

Auch im Dunkeln wurde das “Dual”-Thema umgesetzt: Grün leuchtendes Super-LumiNova C1 kommt auf Zeigern und den Ziffern auf dem Außenring der Lünette zum Einsatz, während blau leuchtendes Super-LumiNova BGW9 die applizierten Stundenindizes zum Leuchten bringt.

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Das Gehäusedesign ist überdurchschnittlich aufwendig in dieser Preisklasse: Zwischen zwei polierten Fasen befinden sich an beiden Flanken eingelassene bzw. vertiefte Bereiche, die sich durch ihre raue Optik vom Rest des Gehäuses abheben. Dabei kam vorrangig Sandstrahltechnik zum Einsatz.

Mit 39mm Durchmesser (47mm Horn-zu-Horn) und angenehm flacher Bauhöhe von nur 10,5mm (dank des nur 3,9mm hohen Automatikkalibers aus dem Hause Miyota) ist die UBIQ Dual Series 01 auch für schmale Arme geeignet – zum Vergleich: Mein Handgelenk hat etwa 19 cm im Umfang.

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Das Edelstahlband kommt im relativ schlichten Oyster-Stil – und setzt damit einen “ruhigen” Gegenpol zu den aufwendig gestalteten anderen Elementen wie der Lünette, dem Gehäuse und dem Zifferblatt. Gut: Die Bandglieder sind verschraubt, was ebenfalls alles andere als eine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse ist. Schade: Die Schließe bringt leider keine werkzeugfreie Feinjustierung mit (eine Mikroverstellung ist dank seitlicher Bohrungen aber möglich).

Man beachte: Prototypenbedingt tut sich zwischen Stahlband und Bandanstoß ein noch recht große Lücke auf – das soll aber in der Serienproduktion gefixt sein.

Neben dem Stahlband kommt die UBIQ Dual zusätzlich mit einem Band aus FKM bzw. Fluorkautschuk – dank Schnellwechselfederstegen (sowohl beim Stahl- als auch beim FKM-Band) erfolgt der Tausch innerhalb weniger Sekunden. FKM wurde ursprünglich für militärische Anwendungsfälle entwickelt, z.B. für temperaturresistente Dichtringe, die von der US Air Force benötigt werden.

Aufgrund der hohen Robustheit ist FKM-Kautschuk als Material für Armbänder bei einer sportlichen Uhr mit hoher Wasserdichtigkeit (UBIQ Dual: 20 bar und damit zum Tauchen geeignet), die gerne auch mal an den Strand oder den Pool ausgeführt und somit beispielsweise Chlor- oder Salzwasser und Sand ausgesetzt wird, grundsätzlich optimal geeignet. Ein weiterer Pluspunkt von FKM ist, dass es kein Staubmagnet ist und sehr anschmiegsam ist. Alles in allem muss ich aber sagen, dass mir persönlich das rote FKM-Band dann doch “a bissl too much” an der hier gezeigten lilafarbenen Beetred-Variante der Dual 01 ist – am Stahlband finde ich das Modell deutlich ausgewogener. Alternativ dürfte aber das schwarze FKM ebenfalls ziemlich gut an der UBIQ Dual 01 Beetred aussehen.

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Miyota 9015 an Bord

Endlich mal eine Microbrand, die (Achtung: Wortspiel) nicht auf das ubiquitäre Seiko NH35 setzt! Das war mein erster Gedanke als ich die Spezifikationen der UBIQ Dual gelesen habe. Bitte nicht falsch verstehen: Das NH35 ist ein tolles Werk im Einstiegssegment. Und dennoch frage ich mich, warum das Miyota 9015 so selten zum Einsatz kommt, denn man kann es getrost als gute Alternative zu Schweizer Standardkalibern bezeichnen – dank hoher Robustheit, Zuverlässigkeit und der Möglichkeit für eine präzise Feinregulierung. Gleichzeitig ist das Kaliber im Vergleich zu einigen anderen Automatikkalibern wie dem Sellita SW200 noch recht erschwinglich im Einkauf (es kostet ungefähr die Hälfte vom Preis des SW200). Dies macht es zu einer attraktiven Option für Microbrands, die gute Uhren zu einem erschwinglichen Preis anbieten möchten.

Kritisch einwenden kann man die nicht wirklich berauschende Ganggenauigkeit “ab Werk” (-10 bis +30 Sekunden) und die nicht grade üppig ausfallenden Dekorationen. Für Liebhaber von aufwendig verzierten Uhrwerken mag dies als Nachteil empfunden werden – bei der UBIQ kommt dieser aber effektiv nicht zum Tragen, denn auf einen Sichtboden verzichtet die frischgebackene Microbrand.

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Abschließende Gedanken zur UBIQ Dual Series 01 / Infos zur Kickstarter-Kampagne

Eine Finanzierung über Kickstarter-Crowdfunding – was so einfach klingt ist wegen des Überangebots an Microbrands heute gar keine Selbstverständlichkeit mehr: Viele junge Uhrenmarken scheitern an der Kickstarter-Hürde – aus verschiedenen Gründen, aber meistens, weil die Initiatoren es einfach nicht schaffen aus der Masse herauszustechen. Damit dürfte UBIQ kein Problem haben: Das Modell Dual bringt frische Ideen und einen sehr hohen Wiedererkennungswert auf der Grundlage äußerst stimmiger Farbvarianten mit (mein persönlicher Favorit ist übrigens die Seaset, gefolgt von der Applesour). Man merkt einfach mit Blick auf die vielen durchdachten Details, dass UBIQ-Gründer Drayson Vollblut-Designer ist.

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Der Vorverkauf für die UBIQ Dual startet offiziell am 1. Februar 2024 um 12 Uhr Eastern Standard Time (= 18 Uhr in Deutschland) auf Kickstarter zum Preis von 519 US-Dollar (regulärer Preis = 649 US-Dollar). Man beachte dabei, dass man den Preis nicht nur in Euro umrechnen muss (1 USD entspricht derzeit relativ vorteilhaften 0,91€): Wenn man die Kickstarter-Kampagne unterstützt und sich eine UBIQ-Uhr sichert, so muss man mit 19% Einfuhrumsatzsteuer und ein paar Cent Zollgebühren rechnen, da der Versand aus Singapur erfolgt. So landet man am Ende des Tages effektiv bei Pi mal Daumen 560€.

Man beachte ferner, dass die Zahlung bei Kickstarter nur über Kredit- oder Debitkarte erfolgen kann (letztere findet in Deutschland immer stärkere Verbreitung). Gut: Der Beitrag wird den Unterstützern (“Backern”) erst in Rechnung gestellt, wenn das Projekt beendet ist und erfolgreich finanziert wurde. Wenn ein Projekt sein Ziel verfehlt, werden den Unterstützern keinerlei Kosten in Rechnung gestellt.

Man beachte abschließend noch, dass man etwas Geduld mitbringen muss bis man die UBIQ Dual in den Händen halten kann: Die Auslieferung ist für Juni 2024 geplant – pünktlich zum Sommer also (hat jemand Sommeruhr gesagt?).

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Georg
3 Monate zurück

Hallo zusammen,

das Design der Uhr und die verfügbaren Farben finde ich sehr ansprechend.

Folgende Gründe würden mich trotzdem vom Kauf abhalten:

  • Wer als Start-Up-Unternehmer über so wenig Eigenkapital verfügt, dass die Finanzierung eines Produkts über Crowdfunding erfolgen muss, genießt mein gesundes Misstrauen.
  • Wie will ein Unternehmen ohne finanziellen Rückhalt mögliche Qualitätsreklamationen abwickeln, die richtig ins Geld gehen können?
  • Wo in Deutschland werde ich in einigen Jahren eine Revision durchführen lassen können? Wahrscheinlich nirgendwo.
  • Ich habe weder eine Debit- noch eine Kreditkarte. Wofür auch, wenn es Paypal gibt.
  • Circa 560,– € zum Vorverkaufspreis (danach 130,– US-Dollar extra) für eine No-Name-Uhr aus Fernost finde ich schon ziemlich ambitioniert.

Da kaufe ich mir als Beispiel lieber eine Circula ab 899,– € von einem renommierten Hersteller aus Pforzheim und weiß, was ich qualitativ geliefert bekomme.

Gruß

Georg

Frank T. aus MZ
3 Monate zurück

Moin Mario!
Das Datumsfenster auf 6 Uhr in einem Minutenindex zu integrieren, finde ich genial. Erstaunlich, dass auf diese Idee meines Wissens bis dato noch kein anderer Hersteller gekommen ist. Das ventilierte FKM-Band sieht auch top aus. Von MIYOTA bin ich in meiner TISELL 9015 mit 90S5 (die Variante des MIYOTA 9015 ohne Datum) auch positiv überrascht. Das läuft mit nur 2 Sekunden täglich im Plus.
Danke für den Review!
Gruß, Frank

Jörg Kraft
3 Monate zurück
Antworten...  Frank T. aus MZ

So neu ist das nicht. Ich habe eine DOXA aus den 1970er Jahren, deren Datumsfenster der 6Uhr Index ist.

Sven
3 Monate zurück

Was für einen Sinn macht diese Uhr, wenn sie je Farbe auf 100 Stück limitiert ist?
Ich sehe in letzter Zeit auch andere Hersteller, die wunderbare Uhren rausbringen und sie dann limitieren. Echt schade!!!

Wladimir
3 Monate zurück

Danke für die ausführliche Vorstellung. Ich hatte die Marke noch nicht auf dem Schirm. Für eine gut gemachte Uhr mit dem 9015 erscheint mir der Preis angemessen.
Was mich optisch sehr stört ist der Übergang zwischen den geschwungenen Hörnern und dem ersten, fast schon eckigen Bandglied. Ich hoffe, dass das bei dem endgültigen Band anders gelöst wird.

Lord Cord
3 Monate zurück

Ich finde die richtig gut und frisch. Und, dem Herrn sei Dank, kein NH-Mist drin. (Das ist nur meine Meinung, denn ich halte von den Werken nix.)

Ja, 100 bis 150 Euro weniger hätten es auch getan, denn inkl. Steuern wird da der eine oder andere Interessent schlucken, aber das Design (grundsätzlich bei Serica gesehen?) finde ich frisch und gut! Dazu muntere Farben. Bis auf gelb und weiß, wär ich für alle zu haben.
Um mich zu wiederholen – ich finde die gut!

Dlanor Lepov
3 Monate zurück

Man sollte schon darauf hinweisen, dass es in Singapur keine Uhrenindustrie gibt. Dafür gibt es dort viele Chinesen, die gute Kontakte zum chinesischen Uhrencluster in Shenzhen haben. Das ist also eine Chinauhr. Hier sind Leute am Werk, die chinesische Bauteile mit Kentnis des westlichen Geschmacks zu verbinden wissen. Fair enough.
Das FKM-Band kommt von Juelong, der mir via Aliexpress alle meine Gummibänder liefert. Das spezifische Band habe ich schon in 3 Farben, kostet ca. 10 USD inkl. MwSt. und Lieferung. Insofern muss jeder selbst wissen, ob er die doch recht ambitionierte Preisgestaltung der Microbrands für eine hübsche Farbgebung mitmachen will.

Frank T. aus MZ
3 Monate zurück
Antworten...  Dlanor Lepov

Danke für die Quellenangabe zum FKM-Band! Tatsache, derzeit EUR 6,13 inkl. Versand im Angebot.
Ergänzung am Rande: Beim Zeigersatz müsste imo der Minutenzeiger im Gegensatz zum Stundenzeiger farbig ausgelegt sein und nicht umgekehrt.