Die Naos ist zweifellos der Eckpfeiler des Sortiments der unabhängigen und inhabergeführten Hamburger Uhrenmarke Sternglas, die immerhin rund 30 Mitarbeiter zählt und schon auf ihr 10-jähriges Jubiläum zusteuert (anno 2026 ist’s soweit).
Uhrenfreunde ordnen die Sternglas Naos wohl am ehesten dem sogenannten Bauhaus-Stil zu, der sich durch funktional-minimalistisches Design auszeichnet. Nun, Anfang 2025, bieten die Hamburger dabei drei neue Varianten mit Automatik-Kaliber und mit ein paar frisch-farbigen Details (ganz im Sinne des Bauhauses) im erschwinglichen Preissegment. Auf der Inhorgenta 2025 konnte ich diese erstmals begutachten – und nun auch im Detail…
Tipp: Bewegte Bilder der neuen Naos-Varianten gibt’s auch bei uns im YouTube-Kanal:


Eckdaten Sternglas Naos Automatik:
- Saphirglas, doppelt gewölbt, doppelt entspiegelt
- Japanisches Miyota 8215 Automatikwerk mit farblich auf das Zifferblatt abgestimmter Datumsscheibe
- Durchmesser 38mm
- Höhe 12mm (ohne Glas) bzw. 12,9mm (mit Glas)
- Horn-zu-Horn 42mm
- Bandanstoß 20mm
- Wasserdichtigkeit 5 bar / 50 Meter
- Gehäuse aus 316L Edelstahl, poliert (alternativ: Edelstahl PVD bronzebeschichtet, gebürstet)
- Boden aus 316L Edelstahl, verschraubt
- Ab 399€, direkt über Sternglas oder den Fachhandel




Sternglas Naos Automatik schwarz rot / blau orange / Bronze im Hands-On
Die neuen Sternglas Naos-Varianten haben wie gewohnt ein insgesamt sehr aufgeräumtes und ein auf das Wesentliche reduziertes Design. Das leicht gewölbte und satinierte, im Detail dezent feinkörnig wirkende Zifferblatt verfügt über einen Außenring aus schlanken, gleichzeitig aber gut ablesbaren, gedruckten Stunden- und Minutenmarkierungen, wobei sich die Stunden- und Minutenmarkierungen hinsichtlich der Länge unterscheiden. Neben einer klassisch-schwarzen Variante im Edelstahlgehäuse wartet Sternglas auch noch mit einem wunderschönen Blauton auf. Hinzu kommt eine neue Bronze-Variante – dazu gleich mehr.
Wie man es von den Hamburgern kennt, kommen auch die neuen Naos-Modelle mit dezenten Farbtupfern und – thematisch passend: Farbe spielte in der Lehre der Bauhausarchitektur ja generell eine wichtige Rolle und war im Unterricht tief verankert. Der Schweizer Johannes Itten, lehrender Meister am Bauhaus in Weimar, beispielsweise verband verschiedene Farbtheorien miteinander und vermittelte das Wissen um die subjektive Farbempfindung verbunden mit den objektiven Grundgesetzen der Farbwahrnehmung. Die von ihm am Bauhaus entwickelte Farbenlehre stellt noch immer eine wichtige Grundlage in der Gestaltungslehre sowie im Kunstunterricht dar.
Das schwarze Blatt der neuen Naos kommt mit einem kontrastreich-roten Akzent, das blaue mit einem orangefarbenen Akzent in Form eines lackierten Sekundenzeigers – die blau/orange Naos ist dabei mein Favorit: Blau und Orange sind Komplementärfarben und das sorgt für einen starken, aber harmonischen Kontrast, der das Design etwas sportlicher und dynamischer wirken lässt. Auch die Bronze-Variante hat wieder Farbakzente spendiert bekommen…




Bronze-Comeback
Nach der restlos ausverkauften Naos Automatik Edition Bronze ist diese nun in einer in Details veränderten Variante zurück – wesentliche Änderungen betreffen den Sekundenzeiger, der nun deutlich schlichter ist und ohne orangefarbener Spitze auskommt. Auch das symmetrisch auf „6 Uhr“ untergebrachte Datumsfenster ist nun nicht mehr farblich orange umrandet – aus einem einfachen Grund, denn dafür sind nun farblich auf die Zeiger abgestimmte Leuchtpunkte auf 12-3-6-9 hinzugekommen, die wie bei der Sternglas Naos Pro auch etwas höhere Funktionalität in das Modell bringen (Ablesbarkeit im Dunkeln). Die Leuchtfarbe stammt dabei aus dem japanischen Hause Nemoto, in gleicher chemischer Zusammensetzung wie Super-LumiNova. Die Edelstahlvarianten kommen übrigens gänzlich ohne LumiNova aus. Gemeinsam haben alle drei Modelle, dass die Datumsscheibe farblich perfekt auf das Blatt abgestimmt ist.



Die schwarz rote und die blau orange Naos sind grundsätzlich baugleich mit der Bronze-Variante – mit Ausnahme der PVD-Bronzebeschichtung natürlich. Und trotz des etwas abgeflachten Hypes um Bronze-Uhren: ich mag die warme Farbwirkung nach wie vor – sehr sogar. Und die Sternglas Naos Automatik in PVD-Bronze ist da keine Ausnahme. Die Farbe ist bei der Naos etwas rötlicher, als man es von einem Bronzegehäuse erwarten würde. Das könnte mit der PVD-Behandlung zusammenhängen. Der Unterschied von Bronze-Beschichtung und Vollbronze-Gehäusen ist: Wo man bei Bronzegehäusen sehr schnell Patina vorfindet, wird bei der Sternglas Naos nichts passieren. Denn Vollbronze-Gehäuse bestehen aus einer massiven Bronze-Legierung, die in der Regel Kupfer und Zinn oder Aluminium enthält. Bronze reagiert mit Sauerstoff, Feuchtigkeit und anderen Umwelteinflüssen, insbesondere mit Salzwasser oder Schweiß. Dadurch bildet sich eine Oxidationsschicht (Patina), die die Oberfläche verändert und oft einen dunkleren oder grünlichen Farbton annimmt. Bei PVD-beschichteten Bronze-Gehäusen hingegen wird wird eine dünne Schicht einer bronzefarbenen Beschichtung mittels Physical Vapor Deposition (PVD) aufgetragen. Diese Schicht ist chemisch stabil und reagiert nicht mit der Umgebung. Da das darunterliegende Material (hier: Edelstahl) ebenfalls nicht oxidiert, entwickelt sich keine Patina. Zusammengefasst: Echte Patina entsteht nur, wenn das Material direkt mit der Umgebung reagieren kann – eine PVD-Schicht verhindert genau das. Wenn also die Patina Teil des Vergnügens an einer Bronzeuhr ist, ist die Sternglas Naos vielleicht nicht das Richtige.




Mit 38 mm Durchmesser, 12,9 mm Bauhöhe (inklusive des zum Zentrum hin schick hochgewölbten, kratzresistenten Saphirglases) und 42 mm Horn-zu-Horn hat das durchgängig auf Hochglanz polierte Edelstahlgehäuse (bzw. gebürstet bei der Bronze-Variante) die gewohnt „dressigen“ Dimensionen, die die Naos auch für schmalere Handgelenke geeignet macht. Zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt eher überdurchschnittliche 19 cm und da wirkt die Naos einen Tick zu klein.




Alle drei neuen Modelle haben das Kaliber 8215 von Citizen-Miyota gemeinsam, und zwar in der neueren Variante mit Sekundenstopp bei gezogener Krone, um die Uhrzeit präziser auf eine Funkuhr bzw. die Atomzeit abstimmen zu können (das Kaliber wurde bereits 1977 eingeführt und ist eines der meistverwendeten Automatikwerke überhaupt. Gleichzeitig wurde es als einfaches, robustes und kosteneffizientes Werk konzipiert, weshalb auf einen Sekundenstopp zunächst verzichtet wurde. Erst ab Ende 2018 hat Citizen-Miyota diese Funktion nachträglich hinzugefügt). Das Miyota 8215 gilt ab Werk nicht grad als Ganggenauigkeitswunder, laut Sternglas werden aber alle Uhren nochmal reguliert und laufen daher in aller Regel genauer als die angegebene Herstellertoleranz – und das kann ich mit Blick auf die Zeitwaage auch bestätigen, die bei allen drei Testuhren Werte im Bereich von deutlich unter 10 Sekunden pro Tag ausgegeben hat.
Schade: Das Kaliber kann zwar durch einen verschraubten Sichtboden bei der Arbeit begutachtet werden, was insbesondere für Uhrenfreunde, die grade mechanische Uhren für sich entdecken grundsätzlich attraktiv sein kann, allerdings ist der Rotor leider gänzlich undekoriert. Da das Miyota 8215 auch grundsätzlich nicht grade einen Schönheitswettbewerb gewinnt, hätte ich mir eher einen geschlossenen Boden mit einer schicken Gravur gewünscht – so wie wir das beispielsweise bei der Sternglas Merion gesehen haben.



Abschließende Gedanken
Die neuen Naos-Varianten sind sicherlich nicht aus der Experimentierkiste gepurzelt – und das ist auch gut so, denn das Modell ist in vielen Aspekten genau richtig so wie es ist und die neuen Varianten bieten noch mal etwas Abwechslung zu gewohnt guter Qualität, wobei ich da insbesondere die richtig gute Zifferblattverarbeitung mit ihren knackscharfen Drucken hervorheben möchte. Nur mit Blick auf die (nicht vorhandenen) Werksdekorationen hätte dem Modell etwas Detail-Liebe gut gestanden.
Die drei neuen Naos-Varianten sind zum Preis ab 399€ (bzw. 369€ für „Early Birds“) erhältlich. Die Bronze-Variante kostet wegen der PVD-Beschichtung 30€ mehr. Bei den beiden Edelstahlvarianten verursachen die Stahlbänder (Milanaise oder SuperSlim) gegenüber Leder übrigens keinen Aufpreis, weshalb ich definitiv zu den Stahlbändern rate (Leder kann man sich bei Bedarf ja auch noch später holen).
Tipp: Bewegte Bilder der neuen Naos-Varianten gibt’s auch bei uns im YouTube-Kanal:







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