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Mit der Aikon hat der Schweizer Uhrenhersteller Maurice Lacroix im Jahre 2016 eine Neuheit lanciert, die vor allem ein jüngeres Klientel ansprechen sollte. Zunächst als reine Quarzuhr platziert, wurde die Aikon-Modellreihe nach und nach mit Schwerpunkt auf Mechanik ausgebaut. Die Variantenvielfalt ist heute mehr als üppig – ein klares Zeichen dafür, dass die Aikon mittlerweile das Zugpferd der Marke Maurice Lacroix ist.

Mit der Aikon Venturer hat Maurice Lacroix 2019 einen sportlichen Ableger eingeführt, der im Jahre 2021 passenderweise in Form einer GMT-Variante fortgeführt wird – die Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT 43mm mit mechanischem Kaliber Sellita SW330 ist dabei (Gott sei dank!) kein Abklatsch des allgegenwärtigen Rolex Pepsi-Designs, sondern spinnt das Aikon Venturer-Design nahtlos fort. Na gut, eine kleine Rolex-Anleihe ist doch an Bord…

Eckdaten Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT*:

  • Swiss Made
  • Durchmesser 43 mm, Höhe 12 mm, Horn-zu-Horn (Lug-to-Lug) 49 mm
  • Gewicht am Stahlband: 190 Gramm
  • Lünette mit Keramik-Elementen
  • Gehäuse aus 316L Edelstahl
  • Zifferblatt mit Sonnenschliff
  • Wasserdichtigkeit 30 bar
  • Indexe appliziert und rhodiniert und mit Super-Luminova (weiß) befüllt
  • Zeiger rhodiniert und mit Super-Luminova weiß befüllt
  • Armband aus Edelstahl fünfreihig mit Doppel-Faltschließe oder Kautschuk mit Dornschließe
  • Band-Schnellwechselsystem
  • Automatisches Uhrwerk ML165 (Basis: Sellita SW330, Gangreserve 42 Stunden)
  • Preis: 2350€ (Kautschukband), 2490€ (Stahlband) bzw. 2650€ (Stahl- und Kautschukband)

Maurice Lacroix: Eine kleine Geschichtsstunde

Das muss man sich erst mal trauen: Inmitten der Quarzkrise, in der traditionelle Schweizer Hersteller, die beharrlich auf mechanische Uhren gesetzt und den Quarz-Trend verpennt haben, reihenweise pleite gingen, gründete 1975 ein gewisser Herr Peter Brunner die Schweizer Uhrenmarke Maurice Lacroix* (benannt nach einem gleichnamigen Vorstandsmitglied).

Peter Brunner kannte den Uhrenmarkt ziemlich gut: Er war Präsident und Verwaltungsratsdelegierter von Desco von Schulthess, einer 1889 gegründeten Züricher Firma im Bereich Seidenhandel, die nach dem Zweiten Weltkrieg Uhren nach Asien exportierte. Desco von Schulthess wollte aber nicht mehr nur im Handel tätig sein: Die Züricher erwarben daher 1961 den Schweizer Assemblage-Betrieb Tiara und waren zunächst als Private-Label-Uhrenhersteller aktiv. Die Fertigungsstätte wurde 1989 durch eine eigene Gehäusemanufaktur ergänzt – im Rahmen der Akquisiton der Queloz S.A. in Saignelégier.

Pierre-William HenryPhotographe USPPSablons 48 / Cp 510CH 2002 Neuchâtel
Heutiges Fertigungsgebäude von Maurice Lacroix in Saignelégier

Maurice Lacroix setzte in der Marketingkommunikation schon früh auf ein junges, frisches Image, um sich von den alteingesessenen Schweizer Herstellern abzugrenzen, die im Vergleich zu den Quarz-Experten aus Japan als angestaubt galten.

Der Plan ging auf: Maurice Lacroix konnte sich nachhaltig etablieren, mit dem 1990 lancierten Modell Calypso gelang dann der endgültige Durchbruch – in Spitzenjahren wurden über 100.000 Stück des Modells mit den charakteristischen „Armen“ auf der Lünette verkauft.

Ab 2001 wurde die Maurice Lacroix SA als eigenständiger Betrieb unter dem Schirm von Desco von Schulthess geführt. Anno 2008 aber wurden alle Handelsgeschäfte der Desco Rohstoffe Holding und Desco Asia Pacific Holding an den in Zürich ansässigen Handelskonzern DKSH veräußert. Im Jahr 2011 übernahm DKSH auch die Mehrheitsbeteiligung an Maurice Lacroix. 

Und seitdem ist eine Menge passiert: So darf sich Maurice Lacroix mittlerweile zur Riege der Hersteller von Manufaktur-Uhrwerken zählen: In der Masterpiece-Modellreihe und seit 2019 auch in der Aikon-Modellreihe, lässt Maurice Lacroix mit einer Reihe von hauseigenen Kalibern die Muskeln spielen. Die meisten Modelle, so auch die neue Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT, kommen aber mit mechanischen Standardkalibern von Sellita…

Test: Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT 43mm

So erfolgreich die Maurice Lacroix Calypso damals war – in die heutige Zeit passt das 90er Jahre-Design des früheren Erfolgsbringers nicht mehr. Das weiß natürlich auch Maurice Lacroix, weshalb das gedankliche Erbe der Calypso, die Maurice Lacroix Aikon, einige zeitlose Gérald Genta-Gene spendiert bekommen hat.

So bekommt man auch mit der Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT eine ordentliche Portion Stahl serviert – insbesondere das haptisch geniale, überaus massiv wirkende, tonneauförmige Gehäuse, das nahtlos in das feingliedrige Stahlband übergeht, macht einen hervorragenden Eindruck: Die vorrangig zum Einsatz kommende Satinierung ist sehr fein, eine polierte Fase sorgt für etwas Abwechslung und der Kronenschutz mit seiner seitlichen Verschraubung ist ein schönes, sportliches Detail.

Auch die Wasserdichtigkeit kann sich mit 30 bar mehr als sehen lassen (zum Tauchen mit Ausrüstung geeignet). Auf dem verschraubten Gehäuseboden wartet außerdem eine schöne Gravur, die aber gerne auch hätte etwas plastischer bzw. reliefartiger ausfallen dürfen (siehe z.B. Laco Frankfurt GMT).

Seit 1989 fertigt Maurice Lacroix alle Gehäuse in der zugekauften Gehäusemanufaktur im Schweizer Kanton Jura und damit in-house. Diesen Punkt hebe ich so hervor, da es nicht wenige Uhrenhersteller gibt, die im Prinzip nur alle möglichen Komponenten zusammenkaufen und dann im eigenen Hause zusammenbauen (wenn überhaupt). Natürlich bedeutet eine eigene Produktion von Komponenten nicht automatisch bessere Qualität – ganz im Gegenteil, denn es gibt eine Reihe von Herstellern, die speziell auf Gehäuse spezialisiert sind und entsprechende Expertise haben. Umso mehr freue ich mich, wenn ein Hersteller eine eigene Komponentenfertigung hat und dabei auch noch einen so guten Job macht.

Das charakteristischste Designmerkmal der Aikon-Reihe findet sich auch bei der Aikon Venturer GMT: Abgesetzte „Reiter“ bzw. „Arme“ auf der Lünette, die schon in den 90er Jahren bei der Maurice Lacroix Calypso zum Einsatz kamen.

Die GMT-Lünette kommt mit einem Inlay aus kratzfester, tiefschwarzer Keramik welches durch diese „Arme“ aus Edelstahl (4-8-12-16-20) „durchbrochen“ wird – das sieht nicht nur extrem toolig aus, sondern ist auch noch ein überaus eigenständiges Merkmal, das die Aikon Venturer GMT wohltuend im Meer der GMT-Uhren im Pepsi-Stil abgebt. Man beachte: Nur die Lünetten-Ziffern auf dem Keramik-Inlay sind nachleuchtend bzw. mit Super-Luminova belegt.

Gegenüber der Taucherlünette mit 60-Minuten-Skala bei der Aikon Venturer kommt die Lünette der Aikon Venturer GMT mit einer 24-Stunden-Einteilung – logisch, denn der GMT-Zeiger braucht schließlich eine passende zusätzliche Skala als „Bezugspunkt“ (dazu gleich mehr). Allerdings lässt sich die Lünette nur in eine Richtung drehen – was für eine GMT-Uhr unüblich (und eher unpraktisch) und eigentlich ein Feature von Taucheruhren ist, damit Taucher den markierten Tauchstartzeitpunkt nicht versehentlich unter Wasser verstellen können.

Die Keramikelemente der Lünette sind poliert, was sich ganz hervorragend mit dem beidseitig entspiegelten Saphirglas ergänzt und für eine überaus hochwertige Optik sorgt. Es wirkt fast so als sei gar kein Glas verbaut, wodurch beispielsweise der kontrastreiche GMT-Zeiger und die plastischen, applizierten Indizes toll zur Geltung kommen. Für den feinen Sonnenschliff des Zifferblattes muss man allerdings das Mikroskop auspacken: Dieser kommt bei der hier vorgestellten weißen Variante kaum zur Geltung.

Die schwarze Keramik ergänzt sich außerdem wunderbar mit dem schwarzen Datumsfenster und der schwarz abgesetzten Krone – mir gefällt in dieser Hinsicht die Wortkreation „Mini-Panda“ durch den Blogger-Kollegen Theo (in Anlehnung an Panda-Chronographen wie den Tudor Black Bay Chrono).

Die Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT hat – wie es sich für eine analoge GMT-Uhr gehört – neben dem „normalen“ Stundenzeiger auch noch einen klassischen, farblich abgesetzten GMT-Zeiger, der auf dem weißen Zifferblatt besonders heraussticht. Gut: Der GMT-Zeiger ist perfekt ausgerichtet, d.h. er trifft die Stundenindizes exakt.

Ein oranger GMT-Zeiger auf weißem Zifferblatt – Moment, das kennt man doch irgendwoher? Nun, eine gewisse Ähnlichkeit zum Design der weißen Rolex Explorer II ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. So oder so sieht diese Farbkombination auf jeden Fall sommerlich-frisch und einfach stimmig aus (jaja, mir ist bewusst, dass Weiß gar keine richtige Farbe ist 😉 ) .

Die Handhabung der GMT-Funktion ist ganz einfach: Der „normale“ Stundenzeiger umkreist zwei mal pro Tag das Zifferblatt (nach Adam Riese macht das eine Runde alle 12 Stunden) und wird typischerweise auf die lokale Uhrzeit eingestellt, z.B. wenn man aus dem Urlaubsflieger aussteigt und den Fuß auf asiatischen Boden setzt.

Der GMT-Zeiger wiederum umkreist das Zifferblatt ein mal in 24 Stunden und dient in der Regel zum Ablesen der Uhrzeit in der Heimat (mit der GMT-Lünette mit 24-Stunden-Einteilung als Bezugspunkt).

Für den Antrieb der Zeiger ist das Automatikkaliber mit der Maurice Lacroix-internen Bezeichnung ML165, das auf dem Schweizer Standardkaliber Sellita SW330 mit 42 Stunden Gangreserve und 28.800 bph basiert, verantwortlich. Das SW330 entspricht in weiten Teilen dem SW200, nur eben ergänzt um GMT-Funktionalität. Ich erwarte für den Preis der Aikon Venturer GMT kein Manufakturkaliber (obschon Maurice Lacroix sehr wohl seit einigen Jahren Kompetenzen in diesem Bereich hat), dennoch sei erwähnt, dass beispielsweise die rund 1000€ teurere Tudor Black Bay GMT mit ihrem „echten“ GMT-Manufakturkaliber nicht nur bei der Gangreserve (70 Stunden) die Nase vorne hat, sondern auch bei der GMT-Funktionalität an sich: Gegenüber einem vollwertigen GMT-Kaliber wie in der Tudor GMT lässt sich der „normale“ Stundenzeiger des Sellita SW330 (für die lokale Uhrzeit) nämlich nicht bidirektional in Stunden-Schritten und auch nicht unabhängig vom GMT-Zeiger einstellen. Der GMT-Zeiger des Sellita SW330 (für die Heimatzeit) lässt sich außerdem nur in eine Richtung drehen.

In dieser Hinsicht ist ein vollwertiges GMT-Kaliber im Praxiseinsatz durchaus merkbar komfortabler und erlaubt nach der Landung in einer einer anderen Zeitzone das schnellere Einstellen der korrekten Zeiten. Sollte die Venturer GMT irgendwann mal ein Update spendiert bekommen, so steht auf meinem Wunschzettel definitiv ein Manufakturkaliber aus dem Hause Maurice Lacroix mit echter GMT-Funktionalität.

Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT 43mm: Band und Easy Strap X-Change

Eine Stahl-Sport-Uhr ist keine Stahl-Sport-Uhr ohne ein integriertes, hochwertiges Stahlband. Dessen ist sich Maurice Lacroix sehr wohl bewusst und liefert ein haptisch einwandfreies Stahlband ab, das sich dank der feingliedrigen Machart komfortabel um das Handgelenk schmiegt.

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Mit an Bord ist das hauseigene Schnellwechselsystem Easy Strap X-Change, mit dem man das Stahlband innerhalb weniger Sekunden werkzeuglos „wegclippen“ kann. Da wegen des Systems keine Bänder „von der Stange“ (z.B. Nato-Bänder) sinnvoll montiert werden können, empfehle ich bei Interesse an der Aikon Venturer GMT 43mm auf jeden Fall das Kombi-Paket, bestehend aus Stahl- und Kautschukband, zu erstehen.

Schade: Maurice Lacroix schöpft leider das Potential des Easy Strap X-Change-Systems nicht voll aus, die Auswahl an Bandalternativen ist eher begrenzt. Immerhin: Auf Nachfrage bei Maurice Lacroix bestätigte man mir aber, dass auch die Lederbänder der Aikon Automatic-Referenzen AI6008 an der Aikon Venturer montiert werden können.

Fazit: Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT 43mm

Gewisse Designanleihen der Aikon Venturer GMT bei „großen Vorbildern“ sind zwar nicht von der Hand zu weisen – so wie das Gehäuse samt vollintegriertem Armband, das an die Audemars Piguet Royal Oak erinnert oder die Farbkombination aus weißem Zifferblatt und orangem GMT-Zeiger, die an die Rolex Explorer II erinnert.

Die Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT ist aber dennoch weit davon entfernt nur eine plumpe Kreuzung aus Explorer II und Royal Oak zu sein – das Modell hat viele eigenständige Design-Elemente an Bord, die meiner Meinung nach sehr gut harmonieren – das Auspacken der Hommage-Keule würde dem Modell schlicht nicht gerecht werden.

Die Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT ist in der Summe eine gelungene und sinnvolle Ergänzung der Aikon-Modellreihe – mit toller Haptik (v.a. Band, Gehäuse) und hochwertiger Optik bis ins kleinste Detail. Das Preis-Leistungs-Verhältnis (ab 2350€) ist daher in der Summe ordentlich, wenngleich das verbaute Sellita SW330 in dieser Preisklasse gerne auch ein oder zwei Qualitätsstufen höher hätte ausfallen dürfen (Top oder Chronometer).

*Hinweis / Reklame
Die Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT wurde für diesen Test von Juwelier Altherr zur Verfügung gestellt.

Alternativen: Frankfurt und Microbrands

Als Alternative zur Maurice Lacroix Aikon Venturer GMT 43mm sei eine Neuheit der Frankfurter Spezialuhrenschmiede Sinn genannt: Die Ende 2020 lancierte Sinn 105 St Sa UTC W kommt ebenfalls in einer Variante mit weißem Zifferblatt und orangem Zeiger. An Bord ist ebenfalls ein Sellita SW330, allerdings in der besseren Qualitätsstufe Top/Premium. Die Lünette ist zwar leider nicht aus Keramik, kommt aber immerhin mit schwarzer Hartstoffbeschichtung auf tegimentiertem Untergrund (mehr über Tegimentierung in meinem Artikel über die Sinn U1). Der Preis ist mit 1790€ durchaus fair.

Sinn 105

Wer Microbrands gegenüber nicht abgeneigt ist, der findet auch Alternativen bei Christopher Ward (Modell C63 Sealander GMT, 1115€) oder Farer (Maze, 1400€, leider nur noch gebraucht erhältlich), jeweils mit Sellita-Kaliber SW330.

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Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb kurzer Zeit, geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Anonymous

    BBB zu den Fritz hab j nur

  2. Alf aus MA

    Hallo, Mario,

    die Farer (Maze, 1400€) kannst du rausnehmen, die ist bereis ausverkauft … 8•(

    Alf

    1. Mario

      Mist, aber danke für den Hinweis!

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