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Dass Taucheruhren der mit Abstand beliebteste Uhrentypus sind, ist kein Geheimnis. Das wissen natürlich auch die Uhrenmarken – insbesondere Microbrands aus aller Welt wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Tatsächlich wird es im Bereich unter 400€ ziemlich dünn, wenn es um qualitativ hochwertige „Made in Germany“-Taucheruhren aus deutschen Landen geht. Und noch dünner wird’s mit Blick Richtung Norddeutschland (siehe Karte Deutsche Uhrenmarken). Als gebürtiges Nordlicht freue ich mich daher natürlich umso mehr, wenn eine neue norddeutsche Uhrenmarke auf den Plan tritt – so wie VANDAAG aus dem niedersächsischen Oldenburg, rund 50 Kilometer westlich von Bremen…

Eckdaten VANDAAG Tiefsee Automatik:

  • Made in Germany
  • Durchmesser 41,5 mm, Höhe 12,3 mm
  • Horn-zu-Horn 48 mm
  • Gewicht: 100 Gramm (am Nylon-Band) bzw. 180 Gramm (am Stahlband)
  • Lünette mit Keramik-Inlay, 120 Klicks, unidirektional
  • CNC gearbeitetes 316L-Edelstahl-Gehäuse mit gebürsteter Oberfläche
  • Saphirglas, zweifach entspiegelt
  • Dreigliedriges massives Stahlband, Faltschließe, 22 mm Bandanstoß (verjüngt sich auf 20 mm)
  • Schnellwechselstege (Stahl- und Nylonband)
  • Zifferblatt mattiert
  • LumiNova NCW1000
  • Boden verschraubt mit Saphirglas-Sichtfenster
  • Miyota 821A Automatik, Sekundenstopp, 21600 bph
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 200 Meter (zum Tauchen geeignet)
  • Preis: 359€ (am Nylonband), 399€ am Stahlband, direkt auf vandaag.de

Über VANDAAG Uhren

Lieferverzögerungen aus der Hölle, Qualitätsprobleme und ein daraus resultierender wütender Mob an Uhrenfreunden (neudeutsch: Shitstorm, siehe zum Beispiel hier) – es kommt nicht selten vor, dass ein Kleinstunternehmer mit seiner frischgebackenen Microbrand ganz schön Lehrgeld zahlen muss. Durch den Microbrand-typischen Weg über Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter ist der Weg zu einer eigenen Uhrenmarke vermeintlich einfach, die anschließende Katerstimmung aber nicht selten groß.

Umso begrüßenswerter ist es daher, wenn die Köpfe hinter einer neuen Marke umfassende Branchenexpertise und Industriekontakte mitbringen – so wie die Schweizer Marke NORQAIN, über die ich jüngst berichtet habe, oder die 2019 gegründete und 2020 mit den Modellen Tiefsee und Schallmauer an den Markt getretene, norddeutsche Marke VANDAAG.

Die Gründer von VANDAAG (plattdeutsch für „heute“), Malte und Tim, kommen zusammen auf viele Jahre Branchenerfahrung. Nicht ganz „unschuldig“ daran ist Maltes Vater Günther, der lange Zeit in führender Position bei Tutima in Glashütte beschäftigt war bis er sich mit seiner eigenen Firma im Bereich Private Label-Uhren selbstständig machte.

In der Uhren-Industrie ist Private Labeling Gang und Gäbe: Design, Entwicklung, Prototyping, die eigentliche Produktion, Qualitätssicherung und After Sales Service (z.B. im Falle eines Defekts) sind typische Dienstleistungen, die eine Uhrenmarke an einen Private Label-Dienstleister auslagern kann, um an deren Expertise zu partizipieren und das eigene Investitionsrisiko möglichst gering zu halten (Maschinen zum Fräsen von Gehäusen, zum Drucken von Zifferblättern etc. kosten schließlich nicht grade ’n Appel und ’n Ei).

Durch den Private Label-Betrieb sind Uhren Günthers Sohn Malte quasi in die Wiege gelegt worden. Malte ist mittlerweile der Geschäftsführer des Familienbetriebs und bekommt dort Unterstützung von Tim als Vertriebsleiter. So setzten die beiden schon lange Uhren für Marken aus der ganzen Welt um – vom Design, über die eigentliche Herstellung, bis hin zum Service. Der Schritt zu einer eigenen Uhrenmarke ist da natürlich naheliegend – lassen wir nun aber VANDAAG-Co-Founder Malte Thomeczek selbst zu Wort kommen…

Deutsche Uhrmachermeister veredeln und montieren die VANDAAG-Uhren.

Interview mit VANDAAG-Co-Founder Malte

Über Malte Thomeczek persönlich

CHRONONAUTIX: Stell dich bitte kurz vor!

Mein Name ist Malte. Ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter mit 9 Jahren.

Wohnhaft bin ich im Speckgürtel von Oldenburg, einem wunderschönen Erholungsgebiet.

Ich bin gelernter Speditionskaufmann, habe BWL studiert und bin einer der drei VANDAAG Gründer.

CHRONONAUTIX: Angenommen du hättest eine Zeitmaschine – in welches Jahr würdest du reisen und warum?

Wow – das wäre ein Traum. Falls nur eine Reise möglich wäre müsste es die Zukunft sein. Ich würde sehr gerne erfahren was in 100 Jahren so machbar ist. Die Möglichkeit mit einem Raumschiff in ein anderes Sonnensystem reisen zu können wäre wunderbar. Unser Sonnensystem zu verlassen wird aber wohl erst in ein paar hundert Jahren im Bereich des Machbaren sein.

CHRONONAUTIX: Wenn der Tag 48 Stunden statt 24 Stunden hätte – für was würdest du die zusätzliche Zeit nutzen?

Ich arbeite sehr gerne an und mit unseren Uhren – da reicht die Zeit gerade jetzt, wo wir unsere neue Marke VANDAAG relativ frisch gegründet haben, sowieso nie aus. Da wäre so eine „48-Stunden-Hilfe“ für den Tag schon ganz nett. Wo beantragt man so etwas?

Ich bekomme meine Zeit auch privat sehr gut rum. Toll wäre hier noch mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können. Wichtig ist das meine Lieben auch 48 Stunden hätten. Ansonsten wäre ich so viel alleine – das mag ich nicht so gerne.

CHRONONAUTIX: Welchen Tag bzw. welche Uhrzeit wirst du nie vergessen?

Leider einen nicht so positiven Tag. Der 11. September 2001. Da war ich gerade mit meinem Vater in Hong Kong und wir vermuteten wir sehen einen verrückten Actionfilm. Erst später realisierten wir die bittere Realität für New York. So etwas brennt sich leider ein.

CHRONONAUTIX: Wenn du nicht grade Uhren verkaufst, dann…

… verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie, freue mich über und mit netten Freunden, treibe unheimlich gerne Sport und genieße die Natur in unserer Umgebung.

Malte @ Work (Mitte)

Über VANDAAG

CHRONONAUTIX: Dein Vater Günther war einst Vertriebsleiter der Firma Tutima, wo er unter anderem den offiziellen Nato-Chronographen entwickelte. Dann machte er sich mit der Firma Günther Thomeczek Incentive (GTI) selbstständig. Inzwischen bist du Inhaber von GTI und Tim Benkus der Vertriebsleiter, wodurch ihr viele Jahre Erfahrung im Bereich Private Labeling sammeln konntet – wann bzw. bei welcher Gelegenheit hat es dich und VANDAAG-Mitgründer Tim Benkus ganz konkret gepackt, mit VANDAAG eigene Uhren auf den Markt zu bringen?

Wir leben in der Uhrenwelt schon seit mehr als zwei Jahrzehnten und lieben sie. Gerade die Nullerjahre bleiben uns, was innovative und variantenreiche Uhrenstile angeht, immer im Gedächtnis. Als vor ein paar Jahren die Uhrenwelt mehr ins skandinavische zurückhaltende Design abdriftete, wurde von unseren Kunden sehr häufig dieses sehr reduzierte Design für ihre Kollektionen von uns gefordert. Wir möchten hier nicht falsch verstanden werden, wir lieben das reduzierte Design und habe für viele Marken tolle Projekte in diese Richtung realisiert. Allerdings fehlte es im Markt etwas an aufregenden, unterschiedlichen Produkten mit eigenem Charakter.

Als uns Kunden vermehrt mitteilten, dass extravagantes Design nicht mehr marktfähig sei und man in der Preislage um 300 Euro sowieso keine Uhren mehr verkaufen könne, haben Tim und ich den Entschluss gefasst, das Gegenteil zu beweisen. Wir sind überzeugt, dass viele Männer schöne, aufregende und hochwertige Uhren am Handgelenk wertschätzen. Gerade der Markt preislich direkt unter den bekannten Schweizer Marken ist ein sehr guter Platz. Hier darf man schon mit tollen Gehäusen aufwarten und auch die Bänder sind perfekt von der Materialauswahl und Verarbeitung.

Da wir auch einige Microbrands betreuen konnten wir uns, entgegen dem klassischen Uhrenmarkt, hier bestätigt sehen. Einige Microbrands haben große Lust an Uhren und verwirklichen sich mit ausgefallenen Materialien und leben Ihre Marke.

Wir wussten, dass es auch für uns eine Freude sein wird mit unserer Liebe und Passion aufregende Uhren mit zeitlosem Design für uns selber und unsere VANDAAG-Kunden zu kreieren. Jetzt haben ich so viel direkten Kundenkontakt und darf direkt positive Rückmeldungen zu unseren Uhren empfangen. Die Motivation daraus generiert oft einen größeren Wert als der Verkauf der Uhr selbst und motiviert abends vielleicht die eine oder andere Stunde mehr im Büro zu bleiben. 😊          

CHRONONAUTIX: Im Juli 2020, Mitten in der Corona-Pandemie, habt ihr euer erstes Modell lanciert. Wie groß waren die Bedenken in so volatilen Zeiten mit einer komplett neuen Uhrenmarke an den Markt heranzutreten?

Wir haben uns zu Anfang schon ein paar berechtigte Sorgen gemacht. Keiner konnte die Krise, die durch die weltweite Pandemie ausging, einschätzen. Allerdings sind wir von den Marktteilnehmern mit VANDAAG schon von Beginn an sehr positiv aufgenommen worden. Wir sind eine kleine Uhrenmarke und noch sehr unbekannt, aber die vielen positiven Kundenrückmeldungen bestätigen unsere Arbeit. Wir erfahren, dass es einen gewichtigen Unterschied macht, wenn man aus der Branche kommt. Tim und ich wissen seit über 20 Jahren wo wir welche Komponenten in Deutschland, der Schweiz oder Asien beziehen und haben bereits mehrere Millionen Uhren verkauft. Dass unsere Kunden diese Kompetenz honorieren, lässt uns hoffen, dass nach Corona eine etwas einfachere Zeit kommen wird.

Die ersten persönlichen Treffen mit Kunden dieses Jahr haben uns erst gezeigt, was uns gefehlt hat. Endlich wieder ein Austausch über unser Lieblingsprodukt.  

VANDAAG Tiefsee

CHRONONAUTIX: Oldenburg, eine 170.000 Einwohner Stadt, ist nicht gerade bekannt dafür ein Uhrencluster wie beispielsweise Pforzheim, Glashütte oder Biel zu sein – ist das ein Problem, wenn es zum Beispiel darum geht gute Uhrmacher zu finden?

Ganz langsam wird sich Oldenburg als das Zentrum der Uhrmacherei herausstellen. Es wird Glashütte vielleicht nicht im nächsten Jahr den Rang ablaufen können, aber ganz bestimmt in 2 bis 3 Jahren! Nein, Spaß beiseite: Oldenburg ist für Uhren noch nicht so bekannt, obwohl hier und in der nahen Umgebung einige Uhrenmarken angesiedelt sind.

Auch zu guten und verlässlichen Uhrmachern haben wir eine tolle Partnerschaft aufgenommen und fühlen uns von dieser Seite auch in der Zukunft gut aufgestellt. Wir hören, dass es bei anderen Marken hier zu Engpässen kommt und freuen uns natürlich das der Oldenburger Raum hier ein guter Standort ist.  

Nebenbei: Oldenburg hat mit VANDAAG nicht nur eine schöne Uhrenmarke – es ist vor allem eine tolle Stadt und ganz sicher eine Reise wert!

CHRONONAUTIX: Was waren die größten Herausforderungen im ersten VANDAAG-Jahr?

Als ganz neue Uhrenmarke die Aufmerksamkeit im Markt zu bekommen und auch ein nachhaltiges Vertrauen zu generieren, obwohl man noch gänzlich unbekannt ist.

Den Uhreninteressenten zu erklären, dass hinter VANDAAG nicht nur ein schönes Image steckt, sondern in Summe über 50 Jahre Uhren- und Designerfahrung.

CHRONONAUTIX: Wie sieht euer typischer Alltag bei VANDAAG aus?

Eigentlich unterscheiden sich die Tage gerade sehr voneinander. In der Regel arbeiten wir morgens Aufträge, welche am Vorabend oder in der Nacht eingetroffen sind, ab. Dazu kontrollieren wir die Uhren noch einmal auf Funktion und Optik und bereiten den Versand vor.

Im Laufe des Tages wird ggf. mit dem Uhrmacher kommuniziert, neue Komponenten bestellt, mit Kunden telefoniert, neue Designideen besprochen und jetzt gerade in diesem Moment viel organisiert für kommende Messeauftritte wie die Watchtime in Düsseldorf Ende Oktober und danach die Winterpartie in Sande auf Schloss Gödens Ende November. Auf diese beiden Events freuen wir uns als Team sehr, weil es wieder direkten Kundenkontakt bedeutet. Dies ist uns besonders wichtig, weil man sofort erfährt, was an unseren VANDAAG Uhren gut und auch weniger erfolgreich umgesetzt wurde. Als Verkäufer lebt man vom Feedback.

VANDAAG Schallmauer – voraussichtlich ab 2022 auch als Automatikvariante erhältlich

CHRONONAUTIX: Der Begriff Microbrand, der für unabhängige und kleinere Uhrenhersteller steht, taucht seit 2017/2018 zunehmend auf. Tatsächlich hat der Wettbewerb in den letzten Jahren immens zugenommen: Frischgebackene Microbrands, die sich in ähnlichen Preisregionen wie VANDAAG tummeln und sich vor allem über Kickstarter eine Finanzierungsspritze holen, sprießen aus dem Boden. Was wollt ihr anders machen, um in diesem Haifischbecken nachhaltig bestehen zu können?

Es sind wirklich viele Micobrands in den letzten Jahren auf den Markt gekommen. Einige vermarkten ihre Produkte toll und ein paar haben dazu auch innovative Designideen. Uns schreckt diese Konkurrenz nicht ab.

Wir selber wollen uns auf unsere Stärken konzentrieren und nicht so viel auf die Mitbewerber. Wir wollen unsere Designkompetenz, das Marktverständnis und die Vernetzung in der Uhrenindustrie herausstellen. Hiermit versuchen wir für unsere Kunden Uhren zu schaffen die in diesem Preis-Leistungsverhältnis im Markt so nicht erhältlich sind. Wir haben über die Jahre viele Kontakte im Markt gesammelt und können aus dem Grund Komponenten zu angemessenen Preisen und in hoher Qualität mit unseren Designideen herstellen. So ist es uns möglich, viele Kunden davon zu überzeugen bei unserem Produkt ein sehr ausgewogenes und ansprechendes Verhältnis zwischen Design, Qualität und Preis zu bekommen.

CHRONONAUTIX: Was sind eure wichtigsten Ziele für VANDAAG innerhalb der nächsten fünf Jahre?

Wir wollen gerne eine gesunde Marktbekanntheit erreichen. Gesund kann für uns nur bedeuten ein generisches Wachstum und nicht künstlich aufgeblasen für maximal drei bis fünf Jahre Bestand. VANDAAG soll eine Uhrenmarke werden. In den Köpfen von Uhrenliebhabern soll VANDAAG ein Begriff sein.

CHRONONAUTIX: Der traditionellen Armbanduhr wurde schon mehr als einmal die Verdrängung durch die Smartwatch vorhergesagt – warum gibt es auch in Zukunft noch mechanische Uhren?

Wir sind überzeugt, dass handwerklich gut gemachte und regionale Produkte Menschen in der Zukunft noch mehr anziehen werden. Ganz sicher hat die Smartuhr, darunter Apple mit Milliardenumsätzen, der traditionellen Uhrenindustrie stark zugesetzt.

Allerdings hat die Entwicklung auch sein Gutes. Die jungen Menschen in unserer Gesellschaft haben immer weniger Uhren getragen. Durch die Verbindung zum Telefon haben sie nun für einen Moment eine Smartuhr am Handgelenk und kaufen sich häufig auch für besondere Anlässe eine feinere und schönere Uhr. Da kommen wir wieder ins Spiel.

Viele unserer Käufer berichten uns auch von ihren Erlebnissen mit Smartuhren – gerade für den Sport benutzen auch wir dieses Messinstrument – aber der Großteil würde am Wochenende nicht mit einer Smartuhr ins Lieblingsrestaurant gehen.

Dass gerade mechanische und zeitlose Armbanduhren wieder als schöne Dekoration am Handgelenk gesehen werden, verdanken wir vielleicht auch ein wenig der Werbung für Smartuhren.

VANDAAG Tiefsee im Hands-On

Die VANDAAG Tiefsee kommt mit einem überaus aufgeräumten Zifferblatt, das auf Schnickschnack im Wesentlichen verzichtet. Frei von Gedöns, würde der Norddeutsche vielleicht auch sagen. So wurde, neben den Minutenindizes, sogar der „Made in Germany“-Schriftzug auf dem Rehaut untergebracht, um das Design stringent klar zu halten.

Zur schnörkellosen Zifferblattgestaltung gesellt sich ein Klecks Sportlichkeit hinzu – in Form eines roten Datumsfensters, welches das runde Design der Indizes aufgreift und eine willkommene Akzentuierung auf dem Zifferblatt darstellt. Schön: Durch die Anordnung des Datums auf „6 Uhr“ ist das Zifferblatt absolut symmetrisch.

Die schlichten, polierten Zeiger aus Aluminium unterstreichen die eher dressige Optik der Tiefsee – so hat der Stundenzeiger keine Spezialform, die man häufig bei Taucheruhren findet (wie der Rolex’sche Mercedes-Zeiger oder der Tudor Snowflake-Zeiger). Der Sekundenzeiger ist ebenfalls sehr schlicht gehalten, auf Leuchtmasse wurde komplett verzichtet – das ist für eine Taucheruhr eigentlich eher unüblich, unterstreicht aber den minimalistischen Ansatz.

Die mit LumiNova befüllten Indizes sind leicht konisch und wirken dadurch etwas kleiner als sie eigentlich sind. Und nein, ich habe nicht das „Super“ vergessen: Zum Einsatz kommt die Leuchtmasse LumiNova NCW1000 aus dem japanischen Hause Nemoto. Das klingt erst mal exotisch, da die allermeisten Uhrenmarken aus hiesigen Gefilden auf Schweizer Super-LumiNova setzen. Bringen wir daher etwas Licht ins Dunkel: Tatsächlich geht die Erfindung der nicht-radioaktiven Leuchtmasse auf die japanische Firma Kenzo Nemoto im Jahre 1941 zurück. Die Anforderungen dafür kamen aus dem militärischen Umfeld während des Zweiten Weltkrieges: Instrumententafeln und Messgeräte (z.B. Höhenmesser, Tiefenmesser) sollten damals auch ohne den Einsatz von Radium im Dunkeln durch die Piloten von Kampfflugzeugen und Besatzungsmitglieder von U-Booten ablesbar sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Nemoto auch nach zivilen Geschäftsfeldern gesucht.

Nemoto hat über die Jahre weiter an der Verbesserung seiner Produkte getüftelt und 1993 die Leuchtfarbe mit dem Namen LumiNova erfunden und patentieren lassen. LumiNova wird seit den 90ern nicht nur in Japan, sondern in Form von Super-LumiNova auch in der Schweiz produziert und den vielzähligen Uhrenherstellern zugänglich gemacht. Verantwortlich dafür ist eine Nemoto-Niederlassung, die 1934 gegründete RC Tritec.

Kurzum: Die heute weit verbreiteten Leuchtfarben Super-LumiNova, LumiNova und auch LumiBrite (Seiko) haben die identische chemische Basis – und mit pragmatischem Blick auf die Leuchtkraft (siehe Bilder unten) steht LumiNova aus Japan dem Schweizer Pendant grundsätzlich in nichts nach.

LumiNova aus Japan in Aktion

Das Gehäuse der VANDAAG Tiefsee macht einen sehr massiven Eindruck und kommt in einer Art Tonneau-Form, die ein wenig an die Seiko Turtle erinnert. Anstelle der „rungelutschten“ Form des Turtle-Gehäuses kommt die VANDAAG Tiefsee allerdings mit ein paar knackscharfen „Ecken und Kanten“. Als Oberflächenbearbeitung kommt eine durchgängige, sehr schön feine Satinierung zum Einsatz.

Das Gehäuse ist bis 20 bar druckfest und damit – wie es sich für eine Taucheruhr gehört – auch zum Tauchen mit Ausrüstung geeignet. Für einen Ausflug in die Tiefsee reicht die Wasserdichtigkeit allerdings nicht 😉 (*Klugscheißmodus /an* von „Tiefsee“ spricht man ab einer Tiefe von etwa 800 Metern *Klugscheißmodus /aus*).

Die Lünette rastet mit 120 feinen Klicks, sie könnte allerdings etwas weniger Spiel haben. Die Lünette kommt darüber hinaus ohne Leuchtmasse bzw. Leuchtperle – auch das ist für eine „echte“ Taucheruhr eher ungewöhnlich, da eine zentrale, nachleuchtende Lünettenmarkierung typischerweise dafür eingesetzt wird, um auch in den dunklen Tiefen des Meeres die bisher beim Tauchgang verstrichene Zeit im Blick zu behalten. Die Relevanz für dieses Produktmerkmal geht für Otto-Normal-Uhrenfreund, der maximal zum Desk Diving aufbricht, aber natürlich gegen Null.

Mit einem Durchmesser von 41,5 mm und einer Höhe von 12,3 mm ist die VANDAAG Tiefsee ausgeglichen proportioniert. Wegen der speziellen Gehäuseform beträgt das Horn-zu-Horn-Maß humane 48 mm, weshalb das Modell grundsätzlich auch für etwas schmalere Handgelenke geeignet ist.

Das am Anstoß 22 mm breite Edelstahlband (verjüngt sich auf 20 mm) ist quietsch- und knarzfrei. Die Bandglieder sind außerdem verschraubt, was in dieser Preisklasse leider nicht viele Hersteller hinbekommen. Ebenfalls löblich: Sowohl Stahlband als auch Nylonband kommen mit einem sehr gut funktionierenden Schnellwechselsystem, das einen werkzeuglosen Wechsel zwischen den Bändern ermöglicht.

Ein kleiner Wermutstropfen sei aber genannt: Um die beidseitigen Verschraubungen wieder festziehen zu können, muss man mit einem zweiten Werkzeug „kontern“, also die gegenüberliegende Schraube mit einem Schraubendreher fixieren. Das dazu notwendige Werkzeug liegt der VANDAAG Tiefsee löblicherweise zwar bei, dennoch ist ein solcher Mechanismus für Wurstfingerträger wie meine Wenigkeit immer ein kleiner Nervfaktor.

Für den Antrieb der VANDAAG Tiefsee sorgt ein mechanisches Kaliber des japanischen Herstellers Citizen-Miyota. Gut: VANDAAG nutzt eine neuere Version des Miyota 821A, das (anders als früher) nunmehr mit einem Sekundenstopp bei gezogener Krone kommt. Das erleichtert das präzise Einstellen der Uhrzeit, zum Beispiel auf Grundlage einer Funkuhr, natürlich enorm. Alles in allem ist die Nutzung eines Miyota 821A in der Preisklasse der VANDAAG Tiefsee durchaus vertretbar (siehe andere „Made in Germany“-Uhren in ähnlicher Preisklasse wie die Laco Basis-Modelle).

Dennoch hätte ich ein de facto besseres Miyota 9015 natürlich begrüßt – leider setzen erstaunlich wenige Microbrands auf das Miyota 9015, das es problemlos mit den Schweizern (Sellita SW200 & Co.) aufnehmen kann. Es scheint fast so, als ginge es bei den Herstellern immer nur um die Entscheidung, ob nun ein Seiko NH35 oder ein Miyota aus der 8200er-Reihe zum Einsatz kommt.

Gut: Der VANDAAG-Uhrmacher reguliert jedes einzelne Uhrwerk vor der Montage, um die von Miyota „ab Werk“ spezifizierten Ganggenauigkeitswerte zu verbessern und eine ungefähre Genauigkeit von +/-10 Sekunden zu erreichen. Das kann ich bei allen drei Tiefsee-Varianten, die mir für diesen Artikel vorliegen, auch bestätigen.

Fazit zur VANDAAG Tiefsee

In der Summe verwundert es nicht, dass VANDAAG es geschafft hat innerhalb kurzer Zeit eine kleine, aber feine Fangemeinde aufzubauen. Mit Blick auf Verarbeitungsqualität und Haptik gibt es bis auf Kleinigkeiten (Spiel bei der Lünette) überhaupt nix zu meckern. Insbesondere das Gehäuse und das auch auf Nahaufnahmen hervorragend verarbeitet wirkende Zifferblatt machen (unter Berücksichtigung des Preises) einen sehr guten Eindruck. Pluspunkte sammeln die VANDAAG-Geschäftsführer außerdem mit bodenständigem und sympathischem Auftreten in einschlägigen Uhren-Communities.

Alternativen

Im Preisbereich unter 400€ kommt mir als eine von sehr wenigen Alternativen zu VANDAAG beispielsweise die Marke Gigandet in den Sinn, die mittlerweile auch auf „Made in Germany“ setzt. Im Unterschied zur Marke Gigandet, die primär auf Rolex-Hommagen setzt, ist VANDAAG aber mit deutlich mehr Eigenständigkeit beim Design unterwegs. Wer also nach einer „Made in Germany“-Taucheruhr für das kleinere Budget (ab 359€) mit einer gewissen Eigenständigkeit im Design sucht, der kommt an VANDAAG derzeit fast nicht vorbei.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. watchhans

    Ich besitze eine Tiefsee mit grauem Zifferblatt und bin damit sehr zufrieden.
    Vom Design eher eine Anzug-Diver, und genau da liegt meiner Meinung nach der Vorteil.
    Eine alltags- und gleichzeitig tauchfeste Uhr, welche nicht 08/15 aussieht, und eben auch mit Anzug eine gute Figur macht.
    Ich wünsche den Jungs aus Oldenburg viel Erfolg und bin sehr auf den mechanischen Chrono gespannt.

  2. Reto

    Eigentlich ganz gut gellungen vor allem die rote Datumsanzeige bei der 6 gefällt mir sehr gut. Aber die Zeiger. Die sind an Langweiligkeit wohl kaum zu übertreffen. Man sollte sie nicht Taucheruhr nennen wenn der Sekundenzeiger keinen Leuchtpunkt hat. Da hätte doch ein Lollipop Sekundenzeiger sehr gut zu den Indexen gepasst. Schade.

  3. Michael M. aus W. an der W. in NRW/D

    Grundsätzlich wünsche ich den Jungs in Oldenburg alle Gute, keine Frage. Ob das aber mit einer dermaßen langweiligen Uhr geschehen wird, da habe ich so meine Zweifel.

    Zunächst erweckt das Gehäuse den Anschein, wir wären wieder in den Siebzigern. Und ich freute mich, daß diese äußerst unharmonisch designten Gehäuse vom Markt wären, zumindest so gut wie. Auch das Verhältnis von Zifferblattgröße zur Lünette ist ziemlich daneben gegangen. Vielleicht geht es ja bei der Lünette noch ein bisschen dünner und weniger übersichtlich. Das Metallarmband sieht bei anderen, auch preisgünstigen Modellen, deutlich besser aus. Und die Wahl des Uhrwerks ist, wie Mario richtig bemerkt hat, eher suboptimal.

    Aber Schluß mit dem Gemecker. Heutzutage muß wohl jeder Hans und Franz eine Taucheruhr im Programm haben, es gibt da ja viele abschreckende Beispiele. Abschreckend ist die Vandaag ganz sicher nicht, aber ein Diver genauso wenig. Das ist eine Uhr für Jungs, die irgendwie mit dem (hoffentlich bald ausgelutschtem) Trend schwimmen wollen, wobei die Uhr allerhöchstens beim Händewaschen mit Wasser in Kontakt kommt. Und da kenne ich zum aufgerufenen Tarif ganz sicher viel attraktivere Uhren.

    Ach, noch ein Wort zu Gigandet. Zunächst mal die platte Weisheit: Lieber gut nachgemacht (Homage!) als weniger gut erdacht. Außerdem sucht die Qualität einer Sea Ground Ceramic made in Germany (inklusive Regulierung) zu dem Preis ihresgleichen und stellt inzwischen die von mir früher so geschätzten Steinhart-Uhren in den Schatten. Aber das ist eine andere Geschichte. Aber sicher mal ein Tip für Mario als Testuhr(en).

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