Seagull 1963: Chinesischer Vintage-Flieger-Chronograph mit Geschichte im Test 3


Modelle und Marken, die eine interessante Geschichte erzählen, sind beliebt. Wenn dann noch ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis dazukommt, scheint dem Erfolg eines Modells fast nichts mehr im Wege zu stehen. Wenn man den ausgiebigen Foren-Diskussionen glauben schenkt, scheint beides auf die Neuauflage des Fliegerchronographen-Prototypen der chinesischen Luftwaffe aus den 60er Jahren zuzutreffen – die Seagull 1963 von der Tianjin Seagull Watch Group.
Auch ich konnte mich den Lobgesängen auf die geschichtsträchtige Seagull 1963 in diversen Foren nicht entziehen, weshalb ich meinem Haben-Will-Reflex erlag – bei einem Preis von unter 300€ tat das Drücken des Kaufen-Buttons auch nicht ganz so sehr weh.
Grund genug die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, um meinen Horizont zu erweitern und meine erste mechanische Uhr aus chinesischer Produktion ausführlich auf Herz und Nieren zu prüfen. Ob die gängigen Vorurteile gegenüber Made in China auch bei der Seagull 1963 zutreffen oder ob es sich hier um einen echten Preis-Leistungs-Kracher handelt, zeigt dieser ausführliche Test.

Hintergründe und Geschichte zum Seagull 1963 Flieger-Chronographen

Die Geschichte der Tianjin Watch Factory (heute: Tianjin Seagull Watch Group) ist zwar nicht so lang wie von so manchem Schweizer Traditionshersteller wie z.B. Longines (1832), hat aber auch schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel: 1955 beschloss die chinesische Regierung sich mit einer eigenen Uhrenindustrie unabhängig von Importen aus der Schweiz und der Sowjetunion zu machen. Der Grundstein für die Tianjin Watch Factory sowie die Shanghai Watch Factory wurden gelegt, auch wenn die Anfänge doch eher bescheiden waren: Vier Uhrmacher wurden zum Start in der Hafenstadt Tianjin, südlich von Peking, beschäftigt.

P-51 of the Republic of China Air Force, 1953

Mussten noch mit Chronographen aus der Schweiz und der Sowjetunion fliegen: Piloten der P-51 im Jahre 1953, Bild: Wikimedia, Public Domain

Da die Tianjin Watch Factory aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Herstellung der ersten chinesischen Armbanduhr überhaupt (Tianjin WuYi) punkten konnte und nicht weit weg von der Regierung in Peking firmierte, erhielt das Unternehmen wenig später den Zuschlag für die Produktion von Chronographen für die Luftwaffe der chinesischen Volksbefreiungsarmee PLA (Codename Projekt 304).

Wie der Zufall so will, suchte damals im selben Zeitraum der Schweizer Rohwerkehersteller Venus einen Käufer für die Anlagen des aufwändigen Schaltradchronographenkalibers Venus 175, um Kapital für Weiterentwicklungen freizuschaufeln [Randnotiz: Viel hat’s nicht gebracht – Venus ging 1966 pleite und wurde von Valjoux (heute ETA) aufgekauft].

Die Tianjin Watch Factory ließ sich den Kauf der Produktionsanlagen nicht entgehen, nahm noch einige Verbesserungen am Werk vor und baute zwischen 1961 und 1965 über Hundert Prototypen des georderten Luftwaffenchronographen für die Volksbefreiungsarmee. Diese wurden mit strengem Blick von mehreren Abteilungen des chinesischen Militärs begutachtet und getestet. Prädikat: 良好!

Kurz darauf wurde dann auch die Serienproduktion angestoßen. Die Knete saß beim chinesischen Militär aber ganz offenbar nicht allzu locker: Der Fliegerchronograph wurde nur 4 Jahre lang (bis 1969) gebaut – ca. 1400 Stück wurden an die chinesische Luftwaffe ausgeliefert (andere Quellen sprechen von 1700 Stück).

Nice-to-know: Heute gehört die Tianjin Seagull Watch Group neben ETA, Seiko und Miyota zu den größten Herstellern von mechanischen Uhrwerken weltweit. 3000 Mitarbeiter und 3,7 Millionen produzierte mechanische Uhrwerke pro Jahr (Stand 2010) sind jedenfalls eine echte Ansage. Zum Vergleich: Miyota (Citizen-Gruppe) baut ca. 1,8 Millionen mechanische Uhrwerke pro Jahr, ETA (Swatch-Gruppe) kommt auf ca. 5 Millionen mechanische Uhrwerke pro Jahr (Stand 2011).

Die Seagull 1963 in der hier getesteten Version mit 37,5mm Durchmesser und Plexiglas (Acryl) ist der offizielle Nachbau des Prototypen der Luftwaffenuhr aus den 60er Jahren. Allerdings gibt es noch einige weitere Varianten, welche sich z.B. an den Modellen aus der Serienproduktion anlehnen oder mehr oder weniger frei interpretiert werden. So gibt es die Seagull 1963 z.B. auch in Varianten mit…

Bei Poljot24 und bei Watchunique kann man die verfügbaren Modelle recht schnell überblicken (hierzu später mehr).

Seagull 1963: Flieger-Chronograph mit viel Vintage-Charme im Test

37,5 mm Durchmesser – das ist mir eigentlich zu klein. Es gibt die Seagull 1963 zwar wie oben ersichtlich auch in einer 42mm-Variante, diese hat allerdings nur (gehärtetes) Mineralglas verbaut. Für mich aufgrund diverser Erfahrungen leider ein No-Go und der Anziehungskraft von gewölbtem Acryl-Glas kann auch ich mich nicht entziehen. Kurzum fand ich es einfach charmant die klassischste aller Varianten ums Handgelenk zu schnallen…

Gehäuse

Ein wenig pummelig wirkt die Seagull 1963 mit der Relation aus recht großer Bauhöhe (14mm) und relativ kleinem Durchmesser (exakt 37,5mm) ja schon am Handgelenk – insbesondere am Nato-Band, dass die Bauhöhe zusätzlich vergrößert. Auf der anderen Seite wirkt der Chronograph dadurch trotz der nominell kleinen Größe relativ präsent am Handgelenk:

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

Das liegt auch am sehr schicken, gewölbten Plexiglas, welches die Vintage-Optik der Uhr hervorragend unterstreicht. Plexiglas ist zwar deutlich weicher als Saphirglas, Kratzer lassen sich aber relativ problemlos mit einer Paste wie Polywatch rauspolieren.

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

Die Verarbeitung des rundum polierten Gehäuses und der Drücker/Krone ist überraschend gut und kann locker mit anderen Modellen in der Preisklasse (und darüber hinaus) mithalten. Einziger kleiner Wermutstropfen sind die Innenseiten der Hörner und der schmale Rand des Gehäusebodens, die etwas mehr Aufmerksamkeit bei der Bearbeitung hätten vertragen können. Da das aber kaum sichtbar ist – Schwamm drüber.

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

 

Ziffernblatt und Zeiger

Eher ungewöhnlich ist die Nennung der Anzahl Steine des Handaufzugwerkes an prominenter Stelle, wo normalerweise ein Marken-Logo prangt. 19 Zuan, also 19 Steine, sagt hier die Beschriftung: Das entspricht der historisch korrekten Anzahl an Steinen in der 1963 überarbeiteten Variante des Venus 175 Schaltradchronographenkalibers (mehr hierzu weiter unten). De facto sind in den heute erhältlichen Neuauflagen aber 21 Steine verbaut.19 Zuan ist also nur aus historischen Gründen auf dem Ziffernblatt verewigt:

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

 

Die unteren chinesischen Schriftzeichen auf dem Zifferblatt stehen übrigens für „Tianjin Watch Factory“:

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

 

Bei früheren Versionen der Seagull 1963 gibt es noch eine zweite Zeile mit chinesischen Schriftzeichen auf dem Ziffernblatt, welche schlicht „(Made in?) China“ bedeuten. Beim Händler Watchunique wird diese Variante offenbar noch verkauft – neben der zweiten Zeile mit chinesischen Schriftzeichen, steht hier allerdings der Schriftzug 21 Zuan, also die Benennung der korrekten Anzahl Steine im Schaltradkaliber.

Für Erbsenzähler: Historisch 100% korrekt ist eigentlich die zweizeilige Variante mit Schriftzug 19 Zuan (hier ein Bild des Original Prototyps) – auch diese Variante der Neuauflage scheint bzw. schien zu existieren, ist aber bei keinem mir bekannten Händler mehr erhältlich.

Für eine Militäruhr hat der Seagull 1963 Luftwaffenchronograph eine überraschende Grazie: Ästhetisch vereinen sich die goldfarbenen, aufgesetzten (!) Ziffern mit dem antik-cremefarbenen Ziffernblatt, dessen weiche Farbtöne durch das Plexiglas besonders gut zum Vorschein kommen. Kontrastreiche gebläute Zeiger unterstreichen die elegante Optik zusätzlich.

Aber Schluss mit dem romantischen Gesäusel. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Optik der Seagull 1963 geht stark in Richtung Dresser und das hebt sie vom Einheitsbrei der Militärchronographen ab. Es hat mir selten so viel Spaß gemacht, Fotos von einer Uhr zu machen – der Chronograph sieht einfach in allen Lagen gut aus. Toll!

 

Das Werk

Tianjin Seagull hat in den 60er Jahren die Produktionsanlagen vom Schweizer Rohwerkehersteller Venus gekauft, wodurch es im Wesentlichen baugleich mit dem Venus 175 Schaltradkaliber ist, welches zeitweise z.B. auch in der Breitling Navitimer verbaut wurde. Tianjin Seagull hat allerdings noch einige Modifikationen vorgenommen, um das Schaltradchronographenkaliber zu verbessern: So wurde das Werk zum Beispiel mit einer Stoßsicherung ausgestattet und die Gangreserve von 38 auf 40 Stunden erhöht. Heute lautet die korrekte Werksbezeichnung des Kalibers Seagull ST19.

Ein Schaltrad-Kaliber ist deutlich aufwendiger in der Herstellung als gängige Chronographenkaliber mit sogenannter Kulissensteuerung, weshalb solche Werke heutzutage kaum noch verbaut werden – und falls doch, in der Regel bei sehr hochpreisigen Modellen, z.B. von Patek Philippe.

Die Grundlage für das Seagull-Kaliber ST19 kann sich also sehen lassen und dürfte eigentlich recht zuverlässig sein, oder? In diversen (deutschen und internationalen) Foren liest man allerdings vereinzelt von Problemen mit dem Werk. Ich lehne mich einfach mal aus dem Fenster und behaupte, dass das hauptsächlich in der Qualitätskontrolle begründet liegt, die erfahrungsgemäß in China etwas stiefmütterlich behandelt wird. Mit etwas Pech kann man also an ein Montagsprodukt geraten. Umso empfehlenswerter ist aber die Bestellung bei einem Händler in Deutschland oder der EU, damit einer möglichen Gewährleistungsabwicklung nichts im Wege steht (mehr dazu im letzten Abschnitt).

Dennoch muss man festhalten, dass Seagull unter den chinesischen Lieferanten von mechanischen Werken mit die beste Qualität liefert. Auch, wenn ich in diesem Test (noch) keine Langzeiterfahrungen mit dem Seagull-Kaliber ST19 teilen kann, macht das Werk einen sehr guten Eindruck: Die Chronographendrücker schalten knackig und vor allem sehr leichtgängig, d.h. mit kaum wahrnehmbarem mechanischem Widerstand – das verdankt die Seagull 1963 der Schaltrad-Technologie.

Die Ganggenauigkeit beträgt bei meinem Modell fast perfekte +1 Sekunde pro Tag. Allerdings liest man in einschlägigen Foren auch von deutlich größeren Abweichungen im Bereich +10 bis +15 Sekunden pro Tag. Auch das ist kein Beinbruch, aber natürlich nichts für Ganggenauigkeits-Fetischisten.

Ein Nachteil des Werks ist allerdings der fehlende Sekundenstopp, d.h. bei gezogener Krone läuft der Sekundenzeiger weiter. Das erschwert ein exaktes Einstellen der Uhrzeit.

Optisch macht das Kaliber ST19 dafür durchaus was daher, weshalb ich dringend zur Variante mit Glasboden rate – das lohnt sich alleine schon, um das Schaltrad in Aktion zu sehen, wenn man die Drücker betätigt.

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

 

Das Armband

Die Seagull 1963 von Poljot24 kam mit dem Standard-Nato in militärgrün sowie als Zusatzbeigabe mit einem schwarzen Nato und einem Kalbslederband (jeweils von Rios 1931). Letzteres kann man bei Poljot24 in den Farben rot, braun und schwarz auswählen (Achtung: das rote hat als einziges keine Kroko-Prägung).

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

Das militärgrüne Nato (von Seagull) und das schwarze Nato (von Rios) sind qualitativ gut, wenngleich die Qualität der Nato-Bänder von Miro’s Time meiner Meinung nach leicht die Nase vorne hat.

 

Box und Inhalt

Eine sehr einfache Box, die sich wie Presspappe anfühlt, und ein Schnipsel Papier mit Hinweisen zum Rios-Armband, das so aussieht, als sei es grade aus einem Glückskeks gefallen. That’s it. Da meine Uhrenboxen, egal von welchem Hersteller, immer dekorativ irgendwo in der hintersten Kellerecke landen, tangiert mich das allerdings nicht besonders. Also weiter zum Fazit…

Seagul 1963 chinesischer Flieger-Chronograph

 

Fazit, Einschätzung & Preis-Leistungs-Verhältnis zur Seagull 1963

Mit der Seagull 1963 beweist der größte chinesische Produzent von mechanischen Uhrwerken, dass die Chinesen weit mehr können, als nur Replicas bauen. Das Design der Prototypen aus dem Jahre 1963 wurde sehr authentisch getroffen und die Verarbeitung (insbesondere Gehäuse und das Ziffernblatt) ist für eine Uhr in der Preisklasse überdurchschnittlich gut. Insbesondere muss man auch das aufwendig produzierte Schaltrad-Kaliber hervorheben, welches man in der Preisklasse bei einem Schweizer oder deutschen Hersteller gar nicht erst suchen braucht. Ob das Werk meines Modells auch über einen längeren Zeitraum zuverlässig seinen Dienst tut, muss sich allerdings zeigen – einen Grund zu klagen hatte ich bisher aber noch nicht.

Auch beim Preis gibt’s nichts zu Meckern: Bei der Seagull 1963 muss man (anders als bei vielen Neuauflagen von Klassikern, z.B. die Oris Divers Sixty-Five) nicht das Konto plündern, um die Uhrenbox mit einem neuen Gast befüllen zu können.

Alles in allem erhält man mit der Seagull 1963 ein rundes Paket mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Mir persönlich ist es jedenfalls nicht schwer gefallen, mich mit dieser Made in China-Uhr anzufreunden – vor ähnlich teuren und sogar teureren Swiss Made und Made in Germany Kollegen in meiner Uhrenbox muss sich die Seagull 1963 jedenfalls keinesfalls verstecken. Chapeau!

Abschließend noch ein kurzes Video, für dessen Produktion ich natürlich keinerlei Kosten und Mühe gescheut habe.

 

Seagull 1963 kaufen: Händler in der Übersicht

Die günstigste Bezugsmöglichkeit der Seagull 1963 gibt es beim niederländischen Distributor Watchunique: ab 180€ zzgl. Versand kann man sich dort die klassische Variante mit Gehäuseboden (Glasboden: 30€ Aufpreis) bestellen. Mitgeliefert wird nur das militärgrüne Standard-Nato.

Ich habe die Seagull 1963 allerdings beim Münchener Distributor Poljot24 gekauft. Eigentlich wollte ich ein paar Euro sparen und bei Watchunique bestellen, ich habe allerdings eine Menge Gutes über den Service von Poljot24 gelesen – das ist in Anbetracht eventueller Mängel im Uhrwerk (siehe oben) nicht zu verachten. Auch die Rios-Bänder (zusammen über 30€) sind eine nette Zugabe, was mich dann doch dazu bewegt hat, etwas mehr zu bezahlen.

Im englischsprachigen Watchuseek-Forum bin ich außerdem auf einen Distributor (User hked) aufmerksam geworden, der die Seagull 1963 direkt aus Hong Kong verschickt. Hier reicht ein informeller Kontakt via E-Mail (etse249@gmail.com). Folgende Varianten sind (Stand Dezember 2016) im Angebot:

  • 37,5mm-Variante mit cremefarbenem Ziffernblatt, Acryl-Glas und Glasboden (Aufschrift 19 Zuan)
  • 42mm-Variante mit cremefarbenem Ziffernblatt, gehärtetem Mineralglas und Glasboden (Aufschrift 21 Zuan)
  • 42mm-Variante mit schwarzem Ziffernblatt (und weißen Totalisatoren), gehärtetem Mineralglas und Glasboden (Aufschrift 21 Zuan)
  • 42mm-Variante mit weißem Ziffernblatt (und schwarzen Totalisatoren, sogenanntes Panda Dial), gehärtetem Mineralglas und Glasboden (Aufschrift 21 Zuan)

Der Preis ist mit 260 US-Dollar inkl. Versand (Stand Dezember 2016, ca. 1 Monat Versanddauer) für alle Varianten allerdings sogar etwas höher als bei Watchunique. Sollte eine Lieferbarkeit der gewünschten Variante bei Poljot24 oder Watchunique gewährleistet sein, sollte man lieber dort bestellen – allein schon, um ggf. die Gewährleistungsansprüche nach deutscher bzw. europäischer Gesetzgebung in Anspruch nehmen zu können. Am Ende dieses Artikels habe ich das Thema Garantie und Gewährleistung näher beleuchtet: Garantie und Gewährleistung bei der Bestellung von Micro-Brand-Uhren im Ausland.

 

Die Alternative zur Seagull 1963 kommt aus… Russland!

Ein historischer Chronograph im Vintage-Stil mit Schaltrad-Kaliber für deutlich unter 1000€? Das findet man wohl nur noch bei den Russen:  Das Kaliber 3017 ist das einzige Schaltradchronographen-Kaliber, das in Mütterchen Russland gebaut wurde. Hier haben die Russen Mitte der 50er zugeschlagen, als der Schweizer Rohrwerkehersteller Venus seine Anlagen für das Kaliber Venus 150 (Vorgänger des Venus 175) verhökert hat.

Im Jahre 1965 war Alexey Arkhipovich Leonov übrigens der erste Astronaut, der sich im freien Weltraum aufhielt – für immerhin über 12 Minuten. Umgeschnallt hatte er dabei einen Chronographen aus dem russischen Hause Strela mit dem Schaltrad-Kaliber 3017.

 

Modelle mit dem Kaliber 3017 gibt es hier und da allerdings nur noch in der Vintage-Ecke, z.B. bei ebay für um die 600€ (von Strela, Poljot und Sekonda). Abgelöst wurde es nämlich in den 70ern vom heute noch sehr beliebten Kaliber Poljot 3133. Hier zum Beispiel eine beliebte Vintage-Variante der Strela mit dem Kaliber 3017:

Die Neuauflage der Strela mit 38mm Durchmesser und Kaliber 3133 gibt es für knapp unter 600€ ebenfalls bei Poljot24. Sie ist der Seagull 1963 optisch sehr ähnlich, allerdings ist leider nur gehärtetes Mineralglas verbaut.

Von russischen Weltraum-Uhren möchte ich abschließend auch noch zur Bulova Moonwatch überleiten, die zwar mit einem deutlich weniger aufwendigen Uhrwerk kommt (UHF Quarz), dafür aber ebenfalls eine spannende (Weltraum-)Geschichte erzählt und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Hier geht’s zum Review inkl. ausführlicher Hintergrundgeschichte:

Review: Bulova Moonwatch Re-Edition – Alternative zur Omega Speedmaster Professional?


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

3 Gedanken zu “Seagull 1963: Chinesischer Vintage-Flieger-Chronograph mit Geschichte im Test