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In letzter Zeit stolpere ich immer häufiger über Werbeanzeigen zu Uhren-Schutzfolien, also passgenaue, selbstklebende Folien, mit denen man hochpreisige Uhren von Rolex & Co. “einpacken” und damit vor Kratzern schützen kann. Im Prinzip handelt es sich um ähnliche Folien wie die, die im Auslieferzustand auf Gehäuse, Band und dergleichen kleben (und die im Falle von Rolex vom Konzessionär bei der Übergabe an den Kunden entfernt werden müssen).

Preislich liegen Uhren-Schutzfolien (je nach Anbieter) schnell mal bei 50€ oder mehr – für ein Set, das in der Regel aus mehreren Einzelfolien für das Gehäuse (z.B. für die Gehäuse-Flanken), die Schließe oder einzelne Bandglieder sowie Hilfszubehör für die Anbringung wie eine Pinzette und Alkoholpad besteht.

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Bild: Invisi Shield Lab

Die Marge für ein solches Set dürfte bei mehreren Hundert Prozent liegen – da wollen sich die Anbieter natürlich ins Zeug legen, um den Nutzen zu verargumentieren und die Folien letztendlich zu verticken. So bewirbt einer der vielzähligen Anbieter seine Schutzfolien mit den folgenden Worten:

Deine Rolex ist zu schön, um als Geldanlage im Safe zu bleiben.

Du möchtest Deine Rolex tragen, machst Dir aber Sorgen darum, sie zu verkratzen – denn das sieht erstens hässlich aus und senkt gleichzeitig auch den Wiederverkaufswert.

Dieser Schutzfoliensatz schützt alle Teile Deiner Rolex, damit sie selbst beim täglichen Tragen wie neu bleibt, Dir lange Freude bereitet und Du wenn Du mal eine Uhr wieder verkaufen willst, keinen Wertverlust hast.

Rolex Schutzfolie Uhr

Fun Fact am Rande: Richtig kurios wird es bei Anbietern, die Schutzfolien für das Uhrglas von Rolex Submariner und anderen Modellen anbieten – mit Blick auf standardmäßig bei hochpreisigen Uhren eingesetztes Saphirglas, das quasi nicht zerkratzt werden kann, kann man das Geld auch gleich aus dem Fenster werfen.

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Günstig, aber trotzdem sinnfrei: Schutzfolien für Saphirglas

Uhren-Schutzfolien für Rolex & Co. – darum finde ich sie gaga

Ich gebe zu: Ich mag grundsätzlich keine komplett “durchgenudelten” Gegenstände, selbst wenn diese täglich im Einsatz sind – und das gilt nicht nur für Uhren, sondern auch für Laptop, Smartphone, Auto und dergleichen. Ein pfleglicher Umgang ist mir immer wichtig.

Daher tun mir Kratzer an meinen Uhren immer ziemlich weh – unabhängig davon, ob es sich um meine Casio F91W für ‘nen Zehner oder meine Rolex Submariner handelt, die ich mir vor dem Rolex-Hype (so ganz ohne Wartezeit und zum Listenpreis) zu einem besonderen Lebensereignis gekauft habe.

Rolex-Explorer-I-vs.-Submariner-Test

Dennoch käme ich nie auf die Idee, mir Schutzfolien auf Notebook, Auto oder Uhr zu bappen, damit ich den Neuzustand bzw. den Wert erhalte – das käme mir einfach falsch vor. Im Falle einer Uhr würde mir eine solche Folie sogar komplett die Freude daran verderben. Aus fünf Gründen:

Erstens: Wie man ja beim oben zitierten Werbetext sehen kann, liegt den Schutzfolien vor allem das Argument Werterhalt bzw. Wertsteigerung zugrunde. Jetzt spricht sicherlich der absolute Uhrennerd aus mir, aber – ganz ehrlich – wenn man sich dem Werterhalt einer Uhr so unterwirft, dass man diese in Schutzfolien verpacken muss, dann sieht man diese offenbar nur als eine nüchterne Investition an – so wie den Aktienfond bei der Hausbank. Und letztendlich sorgt dieser Investitionsgedanke dafür, dass sich immer mehr Leute eine Rolex kaufen, nur um sie in der Hoffnung auf Wertsteigerung im Safe versauern zu lassen – was letztendlich einer der Hauptgründe für die unfassbar langen Rolex-Wartelisten und die daraus resultierenden extremen Preisaufschläge bei Grauhändlern ist.

Rolex Daytona 2018
Rolex Daytona “Panda” – eines der krassesten Beispiele für eine Uhr, die für Otto-Normal-Kunden derzeit quasi nicht käuflich erwerbbar ist

Zweitens verliere ich mich häufig in dem (vermutlich übertrieben romantischen) Gedanken, dass Uhren wie die Rolex Submariner vor einigen Jahrzehnten noch echte Instrumente und “Tools” waren: In Ermangelung heute gängiger, digitaler Tauchcomputer war eine präzise, zuverlässige Taucheruhr beispielsweise überlebensnotwendig, um die noch verbleibende Tauchzeit im Auge zu behalten. Warum sollte man sich diesen Charme, der von historisch spannenden Modellen wie der Submariner heute nach wie vor ausgeht, mit Klebefolien im Wert von ein paar Cent selbst kaputtmachen? Hierzu ein Meme, das wie die Faust auf’s Auge passt:

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Meme: GMTFanatic

Drittens: Falls der Gedanke an eventuelle Kratzer oder Dellen und der damit in der Regel einhergehende Wertverlust so derart wehtut, dann ist eine Uhr in der Preisklasse von mehreren (Zehn)Tausend Euro vielleicht einfach nicht das Richtige. Es gibt genügend Alternativen zu sündhaft teuren Uhren von Rolex & Co., bei denen die eine oder andere Delle wahrscheinlich einfach deutlich weniger schmerzt (siehe zum Beispiel Alternativen zur Rolex Pepsi in jeder Preisklasse).

Viertens: Die Folien werden von den Anbietern gerne als “unsichtbar” beworben. Nun, gute Folien mögen recht unscheinbar sein, können aber natürlich niemals völlig unsichtbar sein – so tun sich naturgemäß gewisse Ränder auf, und die Optik wird ein Stück weit verfälscht. Wenn ich wüsste, dass Folien angebracht sind, würde es mich jedes mal nerven, wenn ich auf die Uhr schaue.

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Fünftens: Hat eine Uhr über die Jahre doch stark gelitten, so gibt es viele Möglichkeiten der optischen Aufbereitung. So kann man mit günstigen und einfach anwendbaren Mitteln wie Polywatch (für Plexigläser bei Vintage-Uhren) oder Cape Cod (für polierte Edelstahlflächen) eine Uhr polieren und somit selbst schnell Abhilfe schaffen. Falls “größere Geschütze” aufgefahren werden müssen (zum Beispiel bei größeren Dellen), so können Rolex bzw. zertifizierte Rolex-Konzessionäre mit eigenen Uhrmachern, zum Beispiel im Rahmen einer ohnehin fälligen Revision, quasi einen Neuzustand wiederherstellen.

Hier ein kleines Vorher/Nacher-Beispiel einer TAG Heuer Autavia – dank Cape Cod Metallpolitur sind die Kratzer in der polierten Gehäuseflanke innerhalb weniger Minuten verschwunden:

So viel zu meiner persönlichen Meinung – jetzt seid aber ihr an der Reihe: Hinterlasst doch gerne eure (anonyme) Meinung zum Thema Uhrenschutzfolien in dieser kleinen Umfrage! Auch Kommentare unter diesem Artikel sind gerne gesehen.

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THOR
7 Monate zurück

Na ja…ob der”Kratzer”auch so nett ist:”sich nur auf dem Glas aufzuhalten”,
wage ich zu bezweifeln!
Dann kann man auch eine Totalversiegelung der Uhr machen! :-/
Meistens trifft es ja die Lünette oder viel mehr das Stahlband!
LG
THOR

Hans
10 Monate zurück

Soll ein jeder halten wie er will! Ich kann es für mich nicht nachvollziehen. Ich trage meine Uhren und freue mich an ihnen wenn sie ihre Funktion erfüllen. Natürlich bleibt man mal an der Türzarge hängen und ärgert sich gegebenenfalls über seine eigene „Dabbischkeit“ – aber das gehört bei dem gebrauchsmäßigen Einsatz einer Armbanduhr einfach dazu. Hat nichts damit zu tun, daß man das gute Stück bei gröberen Arbeiten ablegt.
Selbstverständlich hat mein Handy auch eine Hülle und eine Schutzfolie. Das fliegt aber auch mal aus der Brust- oder Hosentasche, was im Normalfall mit einer Armbanduhr doch , ich sage mal, äußerst selten geschieht.
Diejenigen, die ihre neuen Uhren als Invest in den Safe legen, benötigen solch einen Schutz eh nicht.
Darum für MICH, Schutzfolien für Uhren sind überflüssig.
Schönen Sonntag an einem kühlen Ort
wünscht euch
Hans

Timo
11 Monate zurück

Ich befasse mich gerade zum ersten Mal mit dem Thema Schutzfolien und habe mich lange dagegen entschieden. Für den Sichtbereich kommen sie weiterhin nicht in Frage für mich, aber gerade auf der polierten Schnalle die häufig am Tisch/Schreibtisch aufliegt, denke ich zum ersten Mal drüber nach

Kubuskubus
1 Jahr zurück

Hallo, bis jetzt habe ich auch so gedacht. Allerdings man hat sich beim Handy und bei der Applewatch eigentlich schnell an die in dem Fall Silikonhüllen gewöhnt. Grade Uhren mit Stahlband zerkratzen im Alltag sehr schnell und man fühlt sich bei dem Gedanken irgendwie unfrei. Ich habe auch eine kleine Sammlung hochwertiger Uhren. Modelle, für die es diesen Schutz bisher nicht gibt, weil keine Hypeuhren. Würde sonst über die Anschaffung nachdenken.

Patrick F.
2 Jahre zurück

Es ist wie beim Neuwagen: Wirklich weh tut nur der erste Kratzer – der Rest ist Teil der gemeinsamen Geschichte, die man zusammen erlebt. Ich halte gar nichts von dieser Schutzfolienmentalität ☺️.

PIET F.
2 Jahre zurück

Eine Sache der Einstellung. Meine Uhren werden getragen und sind ein Teil meines Lebens. Daher bekommen auch die Uhren Narben und Macken, so wie ich auch. Und dieses wirklich unabhängig vom Preis, könnte mir gar nicht vorstellen, eine Uhr im Neuzustand nach 20 Jahren haben zu wollen.

Einzig die Käufer, die eine Uhr im Safe einmal pro Jahr bestaunen und eben nicht tragen, die mögen sich Folie auf Folie kleben.

Meine Fahrzeuge werden ja auch bewegt und nicht in Folie gepackt.

Alf Becker
2 Jahre zurück
Antworten...  PIET F.

Und woher sollen Uhren, die im Safe schlummern und ein Mal pro Jahr bestaunt werden, Kratzer oder andere Macken bekommen?
Das fragt sich – und dich – der

Alf

THomas
2 Jahre zurück

Guten Morgen miteinander,

klar, kann man so sehen. Ich trage auch alle meine Uhren. Egal ob 20 K oder 30 €. Ich trage sie alle !vorsictig, und, wenn ich schon mal Grobmotoriges machen soll, lege ich sie auch mal ab. Das hilft aber nicht gegen die Rempler an den Türzargen, die sicherlich jeder kennt.
Ich würde unterscheiden:
Wennb jemand sehr lange auf seine Wunschuhr spart, dann kann ich durchaus verstehen, wenn er sie aus welchen Gründen auch immer gegen Blessuren schützt.
Ich hingegen lebe damit, dass meine Uhren sich etwas verändern, geht mir ja auch so, wenn ich in den Spiegel schaue. ( Brrrrr, sind meine Uhren schöner )
Aber auch hier: Jeder nach seinem Gusto, und keiner muss es erklären. Schönen Sonntag und gute Zeit mit großen und kleinen Tickern.