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Nicht selten äußern Uhrenfreunde Bedenken, ob der erworbene Zeitmesser, der mit Saphirglas beworben wurde, vielleicht doch nur kratzempfindliches Mineralglas verbaut hat.

Natürlich könnte man einfach mit einem Messer oder anderem harten Gegenstand auf dem Glas der Uhr herumkratzen: Wenn es sich um Saphirglas handelt, dann sollten keine bleibenden Schäden zurückbleiben (außer das Glas kommt auf der Außenseite mit einer Antireflexbeschichtung – also Obacht). Der Knackpunkt: Wenn es sich doch nur um Mineralglas handelt, hat man einen irreparablen Kratzer auf dem Glas – und das ist natürlich nicht so ganz Sinn der Sache.

Mehr: Experiment: Saphirglas vs. K1 Mineralglas/Hardlex vs. Hesalitglas im Bruch- und Kratz-Test

Mineralglas Kratzer Uhr 1
Mineralglas mit Kratzern

Doch es gibt Abhilfe: Mit Hilfe eines elektronischen Diamant-Testers, der ursprünglich zum Testen von Diamanten in der Schmuckbranche entwickelt wurde, lässt sich Saphirglas von anderen Glastypen unterscheiden. Solche Tester sind bei Amazon ab etwa 15€ zu bekommen.

Mit einem Diamant-Tester hätte man auch eine Grundlage für eine Beschwerde beim Händler, der die Uhr falsch beworben hat – und zwar mit Verweis auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und §434 Sachmangel, in dem es heißt: “(1) Die Sache ist frei von Sachmängeln, wenn sie bei Gefahrübergang den subjektiven Anforderungen, den objektiven Anforderungen und den Montageanforderungen dieser Vorschrift entspricht. (2) Die Sache entspricht den subjektiven Anforderungen, wenn sie […] die vereinbarte Beschaffenheit hat.”

Der Verweis auf das BGB funktioniert natürlich nur in Deutschland. Hat man eine Uhr in Asien, zum Beispiel über Wish, bestellt, so hat man rechtlich keine nennenswerten Möglichkeiten, um Ansprüche durchzusetzen. Aber: Asiatische Händler lassen meiner Erfahrung nach relativ gut mit sich reden, wenn es um Reklamationen geht – aus kulturellen Gründen, denn die Kommunikation in Asien ist vor allem geprägt von dem Gedanken, dass jeder sein Gesicht wahren muss. Peinliche Situationen werden möglichst vermieden.

Aber zurück zum Diamant-Tester: Die Haptik und die allgemeine qualitative Anmutung des Testers von Amazon sind eher solala – billig verarbeitetes Plastik beherrscht das Bild. Beim Öffnen des Batteriefachs die nächste Ernüchterung: Nur eine 9 Volt Blockbatterie kann im Tester versenkt werden (und die hatte ich natürlich nicht zuhause).

Diamant Tester Saphirglas Mineralglas Uhr pruefen 9

Aber kommen wir zur Funktionsweise des Diamant-Testers: Die Spitze des Testers wird durch Anschalten des Gerätes zunächst auf eine bestimmte Temperatur erwärmt. Wird die Spitze dann auf einen Gegenstand gedrückt, so kühlt diese, sofern der Gegenstand bei normaler Zimmertemperatur gelagert war, logischerweise ab.

Leuchtpunkte in der Skala des Testers (1 bis 8) zeigen dann die Stärke der Abkühlung und damit die Wärmeleitfähigkeit des geprüften Gegenstandes an. 

Diamant hat eine sehr starke Wärmeleitfähigkeit, weshalb die Skala auf dem Gerät bei echten Diamanten voll ausschlagen würde.

Diamant Tester Saphirglas Mineralglas Uhr pruefen 3

Nun wollen wir aber ja keine Diamanten, sondern Uhrengläser testen. Die unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeiten der gängigsten Uhrenglas-Typen helfen uns hier aber weiter. Zum Vergleich:

  • Die Wärmeleitfähigkeit von Diamant ist eine der höchsten überhaupt. Bei Raumtemperatur (ungefähr 25 Grad Celsius) beträgt diese etwa 2.000 Watt pro Meter-Kelvin (W/m·K).
  • Saphir: Bei 25°C beträgt die Wärmeleitfähigkeit etwa 40 W/m·K.
  • Mineralglas: Die Wärmeleitfähigkeit von Mineralglas liegt normalerweise in einem wesentlich niedrigeren Bereich, typischerweise bei etwa 1 W/m·K.
  • Plexiglas (Acrylglas): Plexiglas hat eine niedrigere Wärmeleitfähigkeit im Vergleich zu Saphir und Mineralglas und liegt normalerweise bei etwa 0,2 W/m·K.

Doch wie funktioniert nun der Diamant-Tester beim Uhrenglas und wie interpretiert man das Ergebnis?

  1. Man nehme zunächst das Kunststoff-Käppchen vorne ab, um den kleinen Metallstift freizulegen.
  2. Dann dreht man das Rädchen von OFF zu ON – allerdings nur so weit, bis die vier grünen Dioden leuchten.
  3. Außerdem muss man noch einige Sekunden warten bis “LAMP ON READY OK” leuchtet.
  4. Nun kann man den Stift auf das zu testende Glas setzen.

Schauen wir uns das Ganze mal in der Praxis an: Nehmen wir zunächst eine Uhr mit Mineralglas – die Vostok Europe ‘Slava Ukraine’ Special Edition-Uhr. Hält man die Spitze des Diamant-Testers an das Glas, so sieht man schnell, dass sich auf der Skala kaum etwas tut – nur ein gelber Balken ist hinzugekommen.

Diamant Tester Saphirglas Mineralglas Uhr pruefen 5

Nun prüfen wir eine Uhr mit Kunststoffglas (Hesalitglas, Plexiglas), die Vostok Komandirskie Ratnik – auch hier: kaum Bewegung bei der Leuchtskala:

Diamant Tester Saphirglas Mineralglas Uhr pruefen 6

Nehmen wir nun eine Uhr, von der wir mit hunderprozentiger Sicherheit sagen können, dass Saphirglas verbaut ist, nämlich eine original Rolex Submariner:

Diamant Tester Saphirglas Mineralglas Uhr pruefen 7

Wie man sieht schlägt der Diamant-Tester beim Saphirglas der Rolex Submariner deutlich an, allerdings nicht voll – das ist aber ja auch logisch, denn Saphirglas hat eine geringere Wärmeleitfähigkeit als Diamant (aber immer noch deutlich mehr als Mineralglas oder Kunststoffglas).

Wir halten fest: Der Diamant-Tester ist zwar alles andere als toll verarbeitet, er macht aber das, was er soll und hilft uns das Uhrenglas zu bestimmen.

Alternative Wassertropfentest?

Häufig liest man, dass man ganz einfach Saphirglas und Mineralglas voneinander unterscheiden kann, indem man einen Wassertropfen auf das Glas gibt: Auf dem Saphirglas bleibt der Wassertropfen in seiner kugelrunden Form, während er bei Mineralglas “verschwimmt”. Das ist auch tatsächlich der Fall, wie die Bilder unten beweisen.

Allerdings bleibt auch bei Kunststoffglas der Tropfen “in Form”. Außerdem kann man davon ausgehen, dass von außen aufgebrachte Entspiegelungsschichten unter Umständen Auswirkungen auf das Verhalten des Tropfens haben. Kurzum: Der Tropfentest ist grundsätzlich nicht schlecht, wenn man aber wirklich auf Nummer sicher gehen will, kommt man kaum am Diamant-Tester vorbei.

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4 Kommentare
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Goldminer
3 Monate zurück

Ein Tester für Diamanten? Klingt im Test auf jeden Fall praktisch. Funktioniert der auch bei Eheringen, wo ein vermeintlicher Diamant draufsitzt?

THOR
6 Monate zurück

Hi Mario,
Wieder enmal hat sich Mario voll in das Thema reingekniet! 🙂
Die Gebrauchsanweisung von meinem Diamanttester ist sehr spartanisch ausgefallen!
Aber ich konnte einige bei “0-8-15-TV” angepriesene Saphirgläser als Mineralgläser entlarven! 😉
Das kleine Gerät ist Gold wert und jedem”Uhrensohn”zu empfehlen,der nicht mithilfe eines
Wassertropfens das Glas testen möchte,weil ungenau!
LG
THOR

Sven H.J. Kreikenbohm
6 Monate zurück

Super Beitrag, wenn wir jetzt noch auf die Rückseite schauen, sehen wir, dass bei mehr als 0,6 carat, also praktisch immer) und einer mitteleuropäisch typischen Temperatur zwischen 10 und 30 Grad das abgleichende Rad so eingestellt wird, dass nur 2 (zwei !) LEDs vor der Messung leuchten sollten…….

THOR
6 Monate zurück

@Herr/Frau/Xenomorph etc,:Sven H.J. Kreikenbohm
…Seien Sie bitte so nett,und verbreiten kein Halbwissen!!! 🙁
Wenn der Diamanttester nur auf 2grüne LED´s kalibriert ist,
erreicht die Skala bei Saphirglas nur den “Gelben Bereich!”
somit weiß man nicht:”Ob es sich um Saphirglas handelt!
RICHTIG IST:Was Mario sagt!
Bitte aufhören mit unverifizieren Aussagen,die den “Frischling”unter
den Uhrenfreunden bloß noch mehr verunsichern!! :-/
mfG
THOR