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Nachdem sich der in vierter Generation familiengeführte, unabhängige Schweizer Uhrenhersteller Titoni zuletzt vor allem auf Modellerweiterungen der beliebten Seascoper-Reihe konzentriert hat (siehe z.B. Seascoper 600 CarbonTech, Seascoper 300), gibt’s nun Anfang 2023 den Jungfernflug für die neue Titoni Airmaster mit der Referenz 83906.

Das dressige Modell, das schon in den 50er und 60er Jahren als Zeitmesser für Vielreisende und Geschäftsleute positioniert war, ist damals wie heute vor allem schlicht-funktional gehalten. Gleichzeitig sind einige Merkmale früherer Airmaster-Modelle an Bord. Schauen wir mal genauer hin…

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Titoni/Felca Airmaster: Historische Einordnung

Ins Auge bei der neuen Titoni-Dreizeigeruhr springt vor allem der präsente, geschwungene “Airmaster”-Schriftzug, der in identischer Form schon in den 50er und 60er Jahren bei der Felca Airmaster an Bord war. Moment – Felca? Wir erinnern uns: Der Schweizer Fritz Schluep legte den Grundstein für die heutige Firma Titoni als er ab 1919 zusammen mit drei Mitarbeitern Uhren unter dem Markennamen Felco auf den Markt brachte. Nur zwei Jahre später taufte Schluep die Marke in Felca um und expandierte vor allem nach Asien – und das erklärt auch die dortige sehr hohe Markenbekanntheit der späteren Marke Titoni, welche die Marke Felca zunächst ergänzte (ab 1952) und später vollständig ersetzte (70er).

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Produktion bei Felca, 50er Jahre
Titoni Ad China

In den Gründungsjahren von Felca kam auch die zivile Luftfahrt langsam in Schwung: So startete 1914 der erste kommerzielle Flug mit einem Passagier an Bord – von Saint Petersburg nach Tampa. Der Flug innerhalb des US-Bundesstaates Floridas über 34 Kilometer dauerte grade mal 23 Minuten. Länger dauerte es 13 Jahre später als ein schüchterner Bursche vom Land zum berühmtesten Mann der Welt wurde: Charles Lindbergh hat es 1927 in seiner einmotorigen “Spirit of St. Louis” als Erster geschafft, alleine über den Atlantik zu fliegen.

Nach und nach wurden die Flugzeuge größer und konnten immer mehr Menschen und Material transportieren. So entstand 1926 mit der Lufthansa auch die älteste, heute noch existierende deutsche Fluggesellschaft. In den 1930er Jahren war die Passagierluftfahrt in Europa bereits fest etabliert. Fun Fact: Die Schweizer Fluglinie Swissair schrieb 1934 Geschichte mit der Einstellung der ersten Stewardess.

Geschichte der Luftfahrt 1920er
Zwei Motoren und 7000 PS – das seinerzeit größte Flugzeug der Welt, die Dornier Do X, ging an den Start. Ab 1928 gebaut, hatte es trotz seiner Bekanntheit keine Zukunft. Das Flugschiff wurde wegen sicherheitsrelevanter Probleme und mangelnder Wirtschaftlichkeit nur bis 1931 fabriziert. Das sollte die Weiterentwicklung der zivilen Luftfahrt aber nicht aufhalten.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist es auch kein Zufall, dass zunehmend professionelle Zeitmesser für Piloten entwickelt wurden – diese kamen häufig mit speziellen Features wie beispielsweise die Longines Stundenwinkeluhr 3210 beweist (mehr dazu: Test der Longines Spirit Automatik).

Es gab innerhalb dieses Luftfahrt-trifft-Uhren-Kosmos aber auch ganz schlichte bzw. “dressige” Dreizeigeruhren, die unter anderem Vielreisende sowie Geschäftsleute zur Zielgruppe hatten – so wie die Rolex Air-King oder eben die Felca Airmaster (in einer der unten gezeigten Felca-Anzeigen heißt es auch “The watch that businessmen prefer”). Teilweise hatten die damaligen Felca Airmaster-Modelle neben einem Datum auch eine sehr prominent untergebrachte Wochentagsanzeige an Bord (die findet sich auch bei der heutigen Titoni Airmaster 93808 wieder). Im Jahre 1969 wurde die Airmaster in Form der Referenz 307-345 “Rotomatic” in das Titoni-Branding überführt, die dressige Optik blieb dabei erhalten.

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Felca-Werbung aus 1954
Felca Airmaster

Im Zeichen von dressiger Schlichtheit stehen auch die heute erhältlichen Titoni-Uhren aus der Airmaster-Modellreihe – und diese wurde nun, Anfang 2023, um vier weitere Varianten ergänzt.

Wie bereits erwähnt springt mit Blick auf das Sonnenschliff-Zifferblatt der geschwungene “Airmaster”-Schriftzug ins Auge, der in identischer Form schon in den 50er und 60er Jahren bei der Felca Airmaster an Bord war. Ansonsten zeigt sich das Zifferblatt mit seinen rundum laufenden, gedruckten Stundenziffern absolut schnörkellos, klar und schlicht. Nur das polierte Titoni-Logo aus Stahl, eine stilisierte Pflaumenblüte, hebt sich etwas ab. Gut: Das Datumsfenster säbelt nicht die Ziffer “3” ab oder ersetzt diese – grade ersteres ist leider ein Unding, das viel zu häufig vorkommt. Allerdings wirken Datumsfeld und Ziffer “3” bei der neuen Airmaster doch etwas gequetscht – ein Millimeter mehr Gehäuse-/Zifferblattdurchmesser hätte es da vielleicht schon getan, um den Abstand zu vergrößern.

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Zum Einsatz kommen spitz zulaufende und mit einem “Mittelknick” ausgestatte Zeiger aus poliertem Edelstahl in der sogenannten “Dauphine”-Form, die an die Felca/Titoni Airmaster-Zeiger der 50er und 60er erinnert – nur mit dem Unterschied, dass die Zeiger mit Super-LumiNova gefüllt sind und somit auch ein Ablesen im Dunkeln ermöglichen. Alles in allem ist die Ablesbarkeit der neuen Titoni Airmaster so ziemlich perfekt.

Kommen wir zum Gehäuse: Die Lünette ist ziemlich schmal, sodass das Zifferblatt viel “Platz zum Atmen” hat. Auch die Hörner sind sehr schmal und wirken sehr filigran, auch wegen der polierten Fase.

Insgesamt wirkt die Airmaster durch den großen Zifferblattdurchmesser präsenter am Handgelenk als es die 40,5 mm Durchmesser vermuten lassen, gleichzeitig ist der Tragekomfort sehr gut – auch wegen des eher kleinen Horn-zu-Horn-Maßes von 47 mm und der angenehm flachen Bauhöhe (9,6 mm), dank der auch Uhrenfreunde mit kleineren Handgelenken Freude an der Airmaster haben dürften.

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Die Wasserdichtigkeit ist mit 5 bar nicht grade üppig (Uhr darf beim Duschen am Arm bleiben), für diesen Uhrentyp aber noch in Ordnung.

Das Stahlband der neuen Titoni Airmaster erinnert mit seiner feingliedrigen Machart an das Band der ersten Airmaster unter dem Titoni-Branding aus dem Jahre 1969. Haptisch ist das Band weitaus besser als das, was man sonst in dieser Preisklasse bekommt. Auch optisch macht es mit seinen abwechselnd polierten und fein satinierten Elementen eine Menge her – in der Hinsicht vermisse ich auch die fehlenden Bandoptionen keineswegs (Leder oder dergleichen; im “Aftermarket”-Bereich gibt es ohnehin etliche Optionen). Die nahtlos in das Band integrierte Butterfly-Faltschließe bringt naturgemäß leider keine Feinjustierungsmöglichkeit mit, hat dafür aber den Vorteil, dass sie “aus einem Guss” mit dem Band daher kommt und dadurch sehr flach ist, was beim Arbeiten mit Maus und Tastatur sehr angenehm ist und besser zum flachen Profil der Airmaster passt.

Zum Band sei aber noch abschließend gesagt, dass ich allen Uhrenfreunden, die keine Engelsgeduld haben, empfehle das Band beim Uhrmacher kürzen zu lassen: Durch die Kombination aus verstifteten, feingliedrigen Bandelementen und einer Mini-Hülse pro Bandelement habe ich mich beim Kürzen in Eigenregie selten so viel Fluchereien hingegeben (meine Frau hat sogar vorsichtig den Kopf um die Ecke gesteckt und nachfragt, was denn los ist).

In der neuen Titoni Airmaster tickt das bewährte Schweizer Standardkaliber SW200-1 (Automatik, 28800 bph, 38 Stunden Gangreserve) aus dem Hause der Sellita SA aus La Chaux-de-Fonds, rund eine Auto-Stunde westlich von der Titoni-Zentrale in Grenchen.

Das Kaliber ist eine nachvollziehbare Wahl in dieser Preisklasse, wenngleich ich insgeheim hoffe, dass auch mal eine Airmaster mit dem hauseigenen Titoni-Manufakturkaliber T10 kommt. So oder so ist das Sellita SW200-1 in der Airmaster (und das ist lobenswerterweise typisch für Titoni) ganz hervorragend feinreguliert und mit +2 Sekunden/Tag (gemessen mit Zifferblatt oben) auf Chronometer-Niveau.

Verfügbarkeit und Eckdaten der Titoni Airmaster

Die Titoni Airmaster in der neuesten Referenz 83906 ist für 1100€ (inkl. Zoll/Steuern) direkt bei Titoni oder diversen Fachhändlern erhältlich – das ist sicherlich kein lupenreines Schnäppchen für eine “einfache” Dreizeigeruhr mit dem Standard-Automatikkaliber Sellita SW200-1 (im Vergleich mit der optisch ähnlichen IWC Mark XX aber relativiert sich natürlich der Preis: 6700€ am Stahlband, allerdings mit 120 Stunden Gangreserve-Manufakturkaliber). In jedem Fall ist die neue Airmaster im Detail (bis auf Makroebene) absolut makellos, vor allem das Band ist qualitativ überdurchschnittlich gut verarbeitet. Auch die Feinregulierung des SW200-1 ist quasi optimal. Wer einen schlichten Dreizeiger-Flieger ohne Schnickschnack von einem Schweizer Traditionshersteller sucht, sollte sich die Airmaster mal genauer anschauen.

Eckdaten Titoni Airmaster 83906:

  • Swiss Made
  • Gehäuse aus 316L-Edelstahl
  • Saphirglas mit Antireflexbeschichtung
  • Wasserdichtigkeit 5 bar / 50 Meter
  • Durchmesser 40,5 mm
  • Horn-zu-Horn 47 mm
  • Höhe 9,6 mm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Doppelt gesicherte Krone (nicht verschraubt)
  • Schweizer Automatikkaliber Sellita SW200-1
  • Saphirglas-Sichtboden
  • Feingliedriges Stahlband mit Butterfly-Schließe
  • Zifferblattfarben blau, grün, weiß und schwarz
  • Preis: 1100€ (inkl. Zoll/Steuern), direkt bei Titoni oder diversen Fachhändlern

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Christian
22. Januar 2023 18:55

Guter Bericht über die Uhr. Der Preis von 1100 Euro ist gerade so akzeptabel. Da greifen andere Hersteller für einen schnöden Dreizeiger tiefer und unverschämter in die Taschen der “geliebten” Kundschaft. Nehmen wir mal nur die Hersteller die sich in Glashütte angesiedelt haben.