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And I think it’s gonna be a long, long time – so endet Elton Johns bekannter Song Rocket Man. Auch Fans des Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronographen sind die letzten Jahre wahrscheinlich sehr lang vorgekommen, denn der Nachfolger wurde nicht grade in Lichtgeschwindigkeit präsentiert und lies auf sich warten. Aber das Warten hat nun ein Ende: Die neue Fortis Novonaut N-42-Kollektion besteht aus drei Modellen, deren charakteristische Optik Fans der B-42 sofort wiedererkennen dürften. Doch hebt die Rakete ab?

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Eckdaten Fortis Novonaut N-42:

  • Swiss Made
  • Gehäuse aus recyceltem Edelstahl
  • Durchmesser 42mm
  • Horn-zu-Horn 51mm
  • Höhe 15mm
  • Wasserdichtigkeit 200 Meter / 20 bar
  • Beidseitig drehbare “Sirius”-Lünette mit Keramik-Einlage
  • Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelungsschicht
  • Krone verschraubt mit dreifachem Dichtungssystem
  • Automatisches Schaltradkaliber WERK17, Gangreserve 60 Stunden, Datum 13 in “Berlac Fluor Orange”
  • Super-LumiNova X1, Lumicast-Ziffern
  • Band aus recyceltem Edelstahl (Block Bracelet) oder Hybrid Strap (aus FKM und Gewebe)
  • Drei Varianten: Legacy Edition (mattschwarz/fein gekörnt; Ref. F2040008 und F2040009), Cobalt Blue Edition (blau/Sonnenschliff; Ref. F2040012 und F2040013), First Edition (LE 100 Stück; schwarz/Sonnenschliff, kleine Rakete auf dem Totalisator und zusätzliche orange Akzente; Ref. F2040010)
  • Preis: ab 4.600€, direkt über Fortis oder im Fachhandel
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Fortis Novonaut N-42: Geschichtliche Hintergründe

Uhren im Weltraum beflügeln die Fantasie vieler Uhrenfreunde. Obwohl die allermeisten von uns Otto Normalos wohl nie die Erde von oben sehen werden (die Möglichkeiten für Privatpersonen in den Weltraum zu reisen sind nach wie vor sündhaft teuer), üben Zeitmesser, die von echten Astronauten/Taikonauten/Kosmonauten getragen werden, einen beachtlichen Reiz aus – so wie der Fortis Official Cosmonauts Chronograph, der Vorgänger der Novonaut N-42 (eine Wortkreation abgeleitet von lat. “novo” für “neu” und der Bezeichnung für Weltraumfahrer aus den jeweiligen Nationen bzw. Kulturkreisen).

Der B-42 Official Cosmonauts Chronograph ist dank reichhaltiger, jahrzehntelanger Historie als offizieller Zeitmesser für Kosmonauten das Aushängeschild von Fortis, an dem weltraumaffine Uhrenfreunde kaum vorbeikommen – umso erstaunlicher ist es eigentlich, dass sich das Grenchner Traditionsunternehmen so lange Zeit für die Neuauflage gelassen hat.

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Doch wie landet eine Schweizer Uhr im Weltraum? Dazu zunächst ein kurzer historischer Abriss: Wir schreiben das Jahr 1994. Der Kalte Krieg ist vorbei und die Beziehungen zwischen den USA und Russland verbessern sich stetig. Konsequenterweise durften beispielsweise NASA-Piloten erstmals im Jahre 1994 auch mit ihrem Space Shuttle an der russischen Raumstation MIR andocken.

1994 war auch das Jahr, in dem die Zusammenarbeit zwischen Fortis und der russischen Raumfahrtbehörde ROSKOSMOS ihren Anfang nahm: Gefunden haben sich die beiden im Rahmen des “West in Space”-Projektes, als eine vom Pop Art-Künstler Andora künstlerisch bemalte Proton-Trägerrakete vom Kosmodrom Baikonur aus in den Weltraum geschossen wurde – an Bord: die neue Fortis Stratoliner mit künstlerischem Zifferblatt.

Aufgrund dieses Projektes, das intensiv von den Medien verfolgt wurde, wurde damals die frisch gegründete Raumfahrtbehörde ROSKOSMOS auf Fortis aufmerksam, wodurch letztendlich in den folgenden Jahren auch eine enge Kooperation entstand, aus welcher nach monatelangen Tests der Fortis Official Cosmonauts Chronograph hervorgegangen ist.

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Wer gerne gepflegte Sci-Fi-Action aus Hollywood wie “Der Marsianer” konsumiert, der weiß, dass im freien Weltraum nicht grade freundliche Umweltbedingungen vorherrschen: Neben der Tatsache, dass ein Vakuum herrscht, sind extreme Temperaturen die Regel – bis zu weit unter minus 100 Grad auf der Schattenseite der Erde und bis weit über plus 100 Grad sind möglich.

Ohne Raumanzüge würden Astronauten während eines Außenbordeinsatzes (englisch EVA extra-vehicular activity) daher innerhalb weniger Sekunden sterben. Auch für Ausrüstungsgegenstände wie eine Armbanduhr (die auch nach der EVA natürlich noch funktionieren muss) sind diese Bedingungen naheliegenderweise ein echter Härtetest.

Die Liste der EVA in der Menschheitsgeschichte ist ziemlich lang, tatsächlich wurden aber nur sehr wenige Armbanduhren ohne zusätzlichen Schutz im Weltraum getragen – meistens bleiben die Zeitmesser unterhalb des Raumanzugs am Arm oder einfach auf der Station.

Anno 1994 hat ein Kosmonaut den ersten Fortis Cosmonauts Chronographen (damals noch ohne Zusatz B-42) mit Lemania 5100-Automatikwerk, Tritium-Leuchtmasse sowie schlanken 38 mm Durchmesser während mehrerer EVAs über dem Raumanzug getragen hat – darunter bei einer rund sechsstündigen EVA zur Vorbereitung neuer Solarmodule.

Fun Fact am Rande: Angeblich hat ein Kosmonaut mal bei einer EVA einen Fortis Official Cosmonauts Chronographen als Hammer missbraucht, nachdem er sein Werkzeug auf der Station vergessen hatte. Viel mehr nüchterner Pragmatismus geht wohl kaum.

Mehr: Uhren auf Außenbordeinsätzen (EVA) im Weltall: Von 1965 bis heute

Der erste Fortis B-42 Cosmonaut Chronograph am Sicherheitsklettband, Bild: Fortis

Insgesamt begleitete der Fortis Official Cosmonauts Chronograph die Kosmonauten von 1994 bis 2003 auf MIR- und ISS-Missionen. Der Zeitmesser wurde schließlich im Jahr 2003 durch den weiterentwickelten Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronograph ersetzt: Das Lemania-Uhrwerk wich einem ETA 7750 und das Gehäuse wurde (wie der Name schon andeutet) auf 42 mm vergrößert (für eine bessere Handhabung mit sperrigen Weltraumhandschuhen und eine bessere Ablesbarkeit). Die Tachymeter-Lünette des Vorgängermodells wurde durch eine Countup-Lünette ersetzt, die es den Weltraumgängern ermöglicht, die verstrichene Zeit während der EVAs leichter zu verfolgen (zusätzlich zur ohnehin vorhandenen Chronographen-Komplikation natürlich).

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Fortis Cosmonauts Chronograph Testbedingungen

Fortis Novonaut N-42 im Test

Fortis hat seit der Übernahme durch Jupp Philipp einigen Fortis-Klassikern neues Leben eingehaucht: Flieger, Marinemaster und Stratoliner wurden zu den Eckpfeilern des Fortis-Sortiments gemacht. Doch ein Nachfolger des Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronographen hat erstaunlich lange auf sich warten lassen.

Am 13. Oktober 2023 war es aber endlich soweit: Der heiß ersehnte Nachfolger ist in Form des Modells Fortis Novonaut N-42 da. Gleich vorweg: Die charakteristisch-toolige DNA des Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronograph ist unangetastet geblieben – das sieht man auf den ersten Blick. Grundlegende Designänderungen wie diese bei Marinemaster, Flieger und Stratoliner Einzug erhalten haben, gibt es bei der Novonaut nicht. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so, denn das zugrundeliegende Design des B-42 Official Cosmonauts Chronographen funktioniert einfach viel zu gut, um es grundlegend anzufassen. Gleichzeitig verliert sich Fortis nicht darin mit der Novonaut eine einfache Retro-Neuauflage des Official Cosmonauts Chronographen auf den Markt zu bringen – viele liebevolle Details und sinnvolle Verbesserungen (funktionaler, optischer und technischer Natur) haben Einzug in die neue Modellreihe erhalten.

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Das aufgeräumte Tricompax-Design mit drei gerillten Totalisatoren für die Zählung von Minuten und Stunden sowie die kleine Sekunde in linksseitiger Anordnung ist bei der Novonaut unverändert übernommen worden. Das gilt auch für die Anzeige von Wochentag und Datum zwischen Fortis-Logo und “NOVONAUT”-Schriftzug, jeweils links und rechts mit Pfeilen als Hinweis darauf, dass der Wochentag durch das Runterdrehen und das Datum durch das Hochdrehen der Krone eingestellt werden kann.

Auffällig gegenüber der B-42 Cosmonauts ist, dass die Totalisatoren der neuen Novonaut etwas größer sind und dadurch auch näher zusammenrücken. Das verbessert die Ablesbarkeit, da das Zifferblatt einfach deutlich effizienter genutzt wird, ohne dabei (zum Glück) irgendwelche Stundenziffern anzuschneiden. Apropos Stunden-Ziffern: Diese sind bei der Novonaut nun nicht mehr nur gedruckt, sondern aus massiver Super-LumiNova gegossen (!) und appliziert – es handelt sich um sogenannte Lumicast-Nachleuchtelemente, die eine deutlich höhere Pigmentkonzentration und dadurch eine deutlich längere Nachleuchtdauer gewährleisten. Man beachte auch die kleinen (gedruckten) Halbstunden-Ziffern (0.5, 1.5 etc.) – ein ziemlich unübliches Designmerkmal, das die Novonaut noch eine Ecke tooliger wirken lässt.

Als Leuchtfarbe kommt durchgängig Super-LumiNova in der höchsten Qualitätsstufe X1 zum Einsatz – der Schweizer Super-LumiNova-Produzent RC Tritec benennt die wesentlichen Vorteile, und zwar insbesondere eine um 60% erhöhte Nachleuchtperformance nach zwei Stunden im Dunkeln. Mit anderen Worten: Je länger man im Dunkeln bleibt, desto weniger schnell fällt das Nachleuchten im Vergleich zu bestehenden Pigmenten ab.

Oder kurz gesagt: die Fortis Novonaut leuchtet wie Hölle. Prädikat: Saustark.

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Rund um das Zifferblatt findet man eine plastisch abgestufte 60-Sekunden-Countdown-Skala (55-50-45 etc.) – in Verbindung mit der Countup-Skala der Lünette hat man also jederzeit die Wahl zwischen Countdown und “normaler” Stoppzeit (zusätzlich zur Chrono-Zeitmessung über die Zähler in den Totalisatoren natürlich).

Kurz zur Erläuterung: Während man mit der Countup-Skala (05-10-15 etc.) der beidseitig drehbaren Lünette den aktuellen Zeitpunkt markiert, dreht sich bei der Countdown-Skala (55-50-45 etc.) alles um den zukünftigen Endpunkt eines Ereignisses: Der wesentliche Unterschied zwischen Countup- und Countdown besteht also darin, dass die klassische Countup-Skala die verstrichene Zeit seit Beginn eines Ereignisses misst (wie die Stoppuhr beim iPhone), während eine Countdown-Skala dazu gedacht ist, ab einer vorgegebenen Zeitspanne rückwärts zu zählen (wie der Timer beim iPhone). Ein praktisches Anwendungsbeispiel für eine Countdown-Skala ist, wenn man 2 Euro in eine Parkuhr wirft und im Auge behalten will, wann die Zeit abgelaufen ist.

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Bring Farbe in die Novonaut

Unverändert ist auch die schnörkellose, gradlinige Form von Minuten- und Stundenzeiger, wenngleich auffällt, dass diese nicht mehr wie beim B-42 Cosmonauts Chronographen randlos mit Super-LumiNova lackiert sind – stattdessen sind die Zeiger anthrazitfarben und ebenfalls mit Super-LumiNova X1 gefüllt.

Auch die Farb-Akzente in Form oranger Zeiger im 12-Stunden-Zähler und im 30-Minuten-Zähler sowie der zentrale Sekundenzähler im Lollipop-Stil sind weitgehend identisch mit dem Official Cosmonauts Chronographen.

Fortis-typisch ist auch die “13” im Datumsfenster orange gehalten. Fortis nennt die Zahl 13, mit der man typischerweise eigentlich eher Unglück verbindet (da war mal was mit einem gewissen Judas, welcher der 13. Apostel beim letzten Abendmahl war), die “Lucky Number” und will mit diesem kleinen “Easter Egg” an verschiedene Zeitpunkte in der Geschichte von Fortis anspielen: So hat der aktuelle Geschäftsführer Jupp Philipp Fortis an einem Freitag mit 13 Mitarbeitern übernommen. Neuerscheinungen kündigt Fortis außerdem nur noch am 13. Tag eines Monats an. Wer die Uhrmacherlupe rausholt entdeckt noch ein weiteres Easter Weg: der Index bei Sekunde “47” in der kleinen Sekunde links ist orange statt weiß – dazu holen wir kurz den Rechenschieber raus: 60 minus 13 macht nach Adam Riese 47.

Die Sättigung aller orangefarbenen Akzente ist dabei extrem hoch, die Farbe wirkt fast schon neonartig – dank Effektlack vom Schweizer Spezialisten Berlac AG (“Berlac Fluor Orange”).

Auf die Gefahr hin von Speedy-Fans virtuell gesteinigt zu werden, aber durch die beschriebenen Details sieht die Omega Speedmaster Professional Moonwatch im direkten Vergleich fast schon etwas langweilig aus.

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Während die limitierte First Edition mit einem Sonnenschliff kommt, ist das Zifferblatt der in diesem Artikel gezeigten, unlimitierten schwarzen Legacy Edition matt und fein gekörnt, was die toolige Optik des Chronographen perfekt unterstreicht.

All die genannten Details kommen durch die Saphirglas-Entspiegelung genial zur Geltung. Wie man es von Fortis gewohnt ist, handelt es sich dabei um eine beidseitige Entspiegelung, die in ihrer Fähigkeit einen glasklaren Blick auf das Zifferblatt zu ermöglichen in dieser Preisklasse von kaum einem anderen Uhrenhersteller erreicht wird.

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Wie der Name Novonaut N-42 schon andeutet, ist der Durchmesser des durchgängig satinierten Gehäuses unverändert bei eher sportlichen 42mm geblieben. Die Lünette ragt mit ihren 44mm leicht über das Gehäuse. Die Gehäusehöhe ist mit 15mm nicht ganz ohne, für einen Chronographen aber in einem nicht unüblichen Rahmen, da die Chrono-Komplikation naturgemäß mehr Platz im Gehäuse einfordert. Das Horn-zu-Horn-Maß ist mit knapp unter 51mm aber recht human dimensioniert – zum Vergleich: der Fortis F-43 Bicompax Chronograph kommt auf 54mm Horn-zu-Horn.

Konsequenterweise nutzt Fortis das haptisch extrem massive Gehäuse mit seinen sportlichen Abmessungen, um die Wasserdichtigkeit bis 200 Meter bzw. 20 bar zu gewährleisten (zum Tauchen geeignet) – und das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit für einen Chronographen. Zum Vergleich: Die aktuelle Omega Speedmaster Professional Moonwatch kommt mit grade mal 5 bar.

Alle drei Varianten der Novonaut kommen mit einer beidseitig drehbaren Lünette mit 60-Minuten-Anzeige aus kratzfester Keramik. Gut und durchdacht ist, dass die hier gezeigte Legacy Edition (passend zum matten Zifferblatt) mit matter Keramik-Einlage kommt – ganz im Sinne einer waschechten Toolwatch. Wer es hingegen mit etwas mehr Bling-Bling mag, der kann auf die Cobalt Blue und die limitierte First Edition schielen, die mit polierter Keramik kommen – passend zum Sonnenschliff-Zifferblatt der jeweiligen Varianten.

Wenn man die Novonaut umdreht, hält sich das Spektakel in Grenzen: Der Gehäuseboden der hier gezeigten Legacy Edition ist verschraubt und unter anderem mit einer stilisierten Rakete graviert. Die First Edition und die Cobalt Blue Edition kommen hingegen mit einem Saphirglas-Sichtboden mit auf dem Glas gedruckter Rakete.

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Die neue Novonaut kommt mit einem Band aus recyceltem Edelstahl mit “fetter”, massiver Haptik und dem treffenden Namen “Block Bracelet”. Die Glieder sind verschraubt und überaus sauber aufeinander abgestimmt – kein Quietschen, kein Knarzen, nix! Schön: In die Schließe ist unscheinbar eine Schnelljustierung integriert, mit der man die Bandlänge über einen „Push“-Knopf in 1 mm-Schritten für insgesamt 8 mm anpassen kann, was in der Praxis ganz hervorragend von der Hand geht.

Diese Funktionalität ist im (nicht-kosmischen) Alltag furchtbar praktisch, vor allem bei einem sehr massiven Zeitmesser wie der Novonaut N-42, der es am Stahlband auf stattliche 230 Gramm Kampfgewicht bringt: Kommt man beispielsweise aus einem stark klimatisierten Raum in die Sommerhitze, so nimmt der Handgelenkumfang innerhalb kürzester Zeit deutlich zu. Wenn dann noch Schweiß dazukommt, trägt sich eine Uhr grundsätzlich nicht grade bequemer. Die Schnelljustierung schafft hier per Knopfdruck Abhilfe – natürlich auch umgekehrt, wenn man zum Beispiel von einer kuschelig-warmen Wohnung in die Winterkälte hinausgeht.

Novonaut: WERK17 an Bord

Wie auch schon bei der Neuauflage der Fortis Stratoliner S-41 aus dem Jahre 2022, erhält das Kaliber WERK17 auch Einzug in den neuen Novonaut-Chronographen. Alles andere hätte mich auch verwundert, denn Fortis hat das Kaliber in den letzten Monaten klar mit Blick Richtung Weltraum in Stellung gebracht: Fortis hat Ende 2021 mit der Swedish Space Corporation (SSC) zusammengearbeitet, um das WERK17 unter rauen Bedingungen zu testen – und zwar nicht nur im sterilen Labor: Für den Praxistest wurden 13 Stück des Kalibers zunächst an einer Gondel festgeschraubt, die mit allerlei Sensoren und Kameras ausgestattet war, um den Flug zu überwachen. Anschließend wurde die Gondel durch einen Ballon in die Höhe gezogen – bis in die Stratosphäre. Dabei wurden die Kaliber vor allem hinsichtlich der Resistenz gegenüber starken Temperaturschwankungen zwischen Troposphäre und Stratosphäre getestet.

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Ende 2022 hat Fortis noch mal einen draufgesetzt und eine auf 13 Stück limitierte Stratoliner-Variante “Supernova” mit dem WERK17 an Bord einer Rakete vom ESRANGE Space Centers bei Kiruna, Lappland, der nördlichsten Stadt Schwedens, Richtung Weltraum befördert, um die Auswirkungen der Umgebungsbedingungen wie Schwerelosigkeit und starke Beschleunigung auf die Ganggenauigkeit zu überprüfen.

Die Aktion in dieser sehenswerten Doku zusammengefasst:

Dass Fortis Uhren in Richtung Weltraum schickt, hat übrigens lange Tradition: Schon der B-42 Stratoliner Chronograph und das Modell Spaceleader by Volkswagen Design wurden Anfang der 2010er Jahre von Kiruna aus per Rakete Richtung Weltall befördert.

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Sehr ordentlich einreguliert: Das WERK17 in der Novonaut

Fortis hat das WERK17 zusammen mit Manufacture La Joux-Perret entwickelt, einem 1984 gegründeten Uhrwerkehersteller aus dem Schweizer La Chaux-de-Fonds, der sich auf die Umsetzung spezieller Kundenanforderungen spezialisiert hat. An Bord des WERK17 ist eine Chronographenkomplikation, Automatikaufzug, eine speziell entwickelte Unruh-Brücke, die für zusätzliche Robustheit sorgen soll, sowie überdurchschnittliche 60 Stunden Gangreserve (ETA 7750 = 44 Stunden).

Eine weitere Besonderheit ist das Schaltrad (auch Säulenrad genannt), das die Funktionen „Start“, „Stopp“ und „Nullstellung“ präzise auslöst. Gegenüber der heute gängigerweise zum Einsatz kommenden Kulissensteuerung über Schaltnocken, die man in Standard-Chronographenkalibern wie dem ETA 7750 findet, ist ein Schaltradmechanismus deutlich aufwendiger in der Herstellung und wird daher gemeinhin als Qualitätsmerkmal für höherwertigere mechanische Kaliber mit Chronographen-Komplikation angesehen.

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Das Schaltrad macht sich typischerweise positiv durch ein besonders knackiges Betätigen der Chronographen-Drücker bemerkbar – und das merkt man auch deutlich im direkten Vergleich zwischen Novonaut und anderen Chronographen ohne Schaltrad: Die Zeitmessung lässt sich merkbar weicher und mit einer deutlich hochwertiger wirkenden Haptik auslösen. Beim Reset-Drücker ist der Unterschied nicht ganz so krass, aber ebenfalls spürbar.

Mehr: Kraftverlauf beim Schaltrad-Chronographen

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Abschließende Gedanken

Drei Varianten der neuen Novonaut N-24 stehen zum Preis ab 4.600€ (inklusive Zoll/Einfuhrumsatzsteuer bei Bestellung bei Fortis online in der Schweiz) zur Auswahl:

  • Die in diesem Test gezeigte Legacy Edition (mattschwarz/fein gekörnt; Ref. F2040008 und F2040009),
  • die Cobalt Blue Edition (blau/Sonnenschliff; Ref. F2040012 und F2040013) und
  • die First Edition (limitiert auf 100 Stück; schwarz/Sonnenschliff, kleine Rakete auf dem Totalisator und zusätzliche orange Akzente; Ref. F2040010; zwei Tage nach Veröffentlichung direkt online bei Fortis bereits ausverkauft).

Mein persönlicher Favorit bei diesem Trio ist ganz klar die Legacy Edition mit ihrer mattschwarzen, klassisch-tooligen Ästhetik – ein rundum gelungenes Design, das perfekt zum funktionalen Charakter des Weltraum-Chronographen passt. Aber auch die anderen beiden Varianten helfen dabei den Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronographen (optisch und technisch) perfekt ins Jahr 2023 zu befördern, zum Beispiel mit der Keramiklünette, dem Schaltradkaliber mit üppiger Gangreserve und der Feinjustierung innerhalb der Schließe. Uhrenfreund, was willst du mehr? 

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Bernd
6 Monate zurück

Ich muss sagen, dass der Artikel wunderbar geschrieben ist. Schöne Bilder (nicht alle, dazu gleich mehr) und etwas zur Historie Fortis und deren Individualität.
Fast hat mich Fortis mit dem Artikel von Mario gehabt. Doch dann kamen die Bilder vom Sichtboden mit Druck, oder dem Gehäuseboden mit Gravur.
Sicher Geschmacksache, meines aber leider nicht. Die Rakete erinnert mich irgendwie an Spielzeug und der Glasboden mit Druck geht gar nicht. Weder der Blick auf das Werk haut mich um, noch die in meinen Augen störende „Spilezeugrakete“ passen zu der sonst so schönen Uhr.
Wenn ich dann schon mal etwas kritisiere, dann hätte ich mir zu diesem Preis auch ein COSC Zertifiziertes Kaliber gewünscht. Schließlich hat man sich doch, entsprechend Artikel, so viel Gedanken um das Gangverhalten gemacht und aufwendig getestet.

Schade auf jeden Fall, so wird Fortis für mich erst einmal weiter ein Hersteller sein, den ich mit Interesse verfolge.
Meine Wunschuhr/ Wunschmodell wäre übrigens die in Cobaltblau gewesen.

simply me
7 Monate zurück

“Fun Fact am Rande: …” ;-((
Ich würde hier ja auch gerne mal eine WIRKLICH kritische Berichterstattung lesen wollen …
Aber es gefällt hier ja einfach alles!
Immer wieder!
In allen Beiträgen!!

… so bad!

Frank T. aus MZ
7 Monate zurück

Der Preis von 4,6k ist sicher nicht ohne. Mit dieser Uhr lässt sich jedoch nahezu jeglicher Einsatzzweck abdecken. Sozusagen etwas für Leute, die nur eine Uhr haben wollen. Dann relativiert sich auch der Preis. Solche Menschen soll es ja auch geben :-). Gruß, Frank

Thomas Graf-Backhausen
7 Monate zurück

Danke für den tollen, umfassenden Bericht zu meiner neuen Novonaut in schwarz, die ich nächste Woche abholen darf.

René
7 Monate zurück

Ich kann an der Uhr nichts fesselndes ausmachen. Ein gewisser Hype drängt sich aber durch das Marketing auf. Im Grunde ist diese Uhr sicherlich was für
echte Uhrenfreaks. Für alle, die was ansprechendes suchen, ist diese Uhr einfach nur ein weiterer Chrono in Optik eines 7750 – mit vielen Strichlein und Zahlen, für die einen „richtig was los auf dem Blatt“ – für mich total überladen.

Jörg
6 Monate zurück
Antworten...  René

Über Geschmack kann man halt nicht streiten…ich finde die Uhr megacool. Überladen sind ganz andere Uhrenmodelle – will hier keine Nobelmarke nennen 😀

Jörg Kraft
7 Monate zurück

Moin Mario,
zunächst danke für die Vorstellung der tollen Uhr!
Als Speedy-Fan und Träger steinige ich Dich nicht, denn die eher zurückhaltende Optik der Original-Speedy (bei mir 861- DAN) mit dem kleineren Durchmesser eignet sich beim “tooligen” Sportlerstammtisch genauso, wie beim Opernball mit Smoking. Zum Smoking ist die Fortis aber eher ungeeignet.
Dennoch steht die Fortis schon längst auf meiner Liste der “must haves” und nun, mit dem neuen Model noch zusätzlich mit Sternchen. Bei der Überarbeitung hätte ich mir als echtes Plus ein Flyback Werk gewünscht, Schaltradkaliber hin oder her, weil das, wie von Konrad vorher schon geschrieben, keine weitere Funktionalität mit sich bringt. Den Flyback-Novonauten wünsche ich mir dann für die nächste Edition – wäre ja langweilig, wenn alles gleich perfekt wäre.
Herzlichen Gruß
Jörg

Konrad
7 Monate zurück

Guten Abend Mario,
beim Lesen Deines Beitrags kann der Eindruck entstehen, dass das Lemania 5100, das auch Fortis einst verwendet hat, ein Schaltradkaliber war. Dem ist mitnichten so. Das Lemania 5100 verfügte zur Steuerung der Chronographenfunktion über eine Nockensteuereung, auch wenn es in der Teileliste des 5100 kurioserweise ein Bauteil (Nr. 8355) mit der Bezeichnung “Schaltradsperre”, das allerdings nichts mit der Chronosteuerung zu tun hat, gibt.
Außerdem habe ich die Vermutung, dass es sich beim Werk 17 letztlich um eine von LJP durchgeführte Modifikation des 7750 handelt, bei der man die Schaltkulisse durch ein Schaltrad ersetzt hat.
Über die Notwendigkeit einer derartigen Modifikation kann man streiten: Man kann, das beweisen die verschiedenen Speedmaster Varianten, butterweich zu betätigende Drücker mit einer sorgfältigen Endmontage auch bei einer Nockenschaltung realisieren.
Auch wenn ein Säulenrad sehr elegant und harmonisch wirkt, sieht man in einem Automatikwerk auch mit Glasboden meist nichts davon. Außerdem befinden wir uns schon lange im Zeitalter von CAD/CAM und daher ist eine Schaltradsteuerung längst nicht mehr wesentlich komplexer in der Fertigung als eine Nockensteuerung. Offenbar kann man mit dem Hinweis auf ein Säulenrad noch mehr Gewinn generieren.
Trotzdem ist Fortis zweifellos eine hübsche Uhr gelungen. Richtig gut wäre sie in meinen Augen, wenn LJP das Ursprungswerk noch weiter mit Realisierung einer Stoppminute aus der Mitte modifiziert hätte.