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Reden wir gar nicht lange um den heißen Brei herum: Die Squale SUB-39 hat quasi alle optischen Merkmale der berühmten Blancpain Fifty Fathoms, und zwar in der allerersten „Ur“-Version aus dem Jahre 1953, welche die allererste moderne Taucheruhr der Welt war. Doch ist die Squale SUB-39 nur die „plumpe“ Retro-Hommage eines beliebten Uhren-Klassikers? Nun, es steckt weit mehr dahinter, wie ein Blick auf die geschichtlichen Hintergründe zeigt…

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Eckdaten Squale SUB-39 (SUB-39BL.BR22):

  • Sellita SW200-1 Automatikwerk in der Qualitätsstufe Special (Elaboré)
  • Saphirglas, entspiegelt
  • Wasserdichtigkeit 30 bar / 30 atm / 300 m (zum Tauchen geeignet)
  • Verschraubte Krone
  • Verschraubter Gehäuseboden mit Gravur
  • Einseitig drehbare, einrastende Lünette, 120 Klicks
  • Durchmesser Gehäuse: 39mm / 40,3 mm mit Lünette
  • Höhe: 12 mm
  • Horn-zu-Horn: 48 mm
  • Bandanstoß 22 mm
  • Schweizer Super-LumiNova „Old Radium“
  • Preis: ab 1289€ beim offiziellen Squale-Händler chronofactum.com
*Hinweis / Reklame
Die Squale SUB-39 wurde für diesen Test von Chronofactum, dem offiziellen Händler für Squale in Deutschland und der EU, zur Verfügung gestellt.
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Squale SUB-39: Hommage oder nicht?

Hommagen sind für die Firma Squale, die in den 80ern aus Altergründen von Gründer Charles von Büren an die italienische Unternehmerfamilie Maggi veräußert wurde, eher untypisch: das Squale-Sortiment ist von durchaus beachtlicher Design-Eigenständigkeit geprägt.

Allerdings wäre es auch nicht sehr fair die Hommagen-Keule zu schwingen, wie der Blick auf die geschichtlichen Hintergründe zeigt.

Blancpain trifft auf Squale/Büren

Die Blancpain Fifty Fathoms ist in der Geschichte der Taucheruhren hochbedeutsam: Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf die französische Marine eine neue, hochspezialisierte Kampftauchereinheit mit dem Namen Les Nageurs de combat. Das Problem: Die Einheit fand keine Taucheruhren, die den extremen militärischen Bedingungen standhielt. Und so kam es, dass der Schweizer Uhrenhersteller Blancpain im Auftrag des französischen Militärs eine komplett neue mechanische Taucheruhr mit automatischem Aufzug, einer Wasserdichtigkeit von 50 nautischen Fäden (auf englisch „Fifty Fathoms“; umgerechnet rund 91 Meter) und einseitig drehbarer Lünette mit graduierter Bakelit-Einlage entwickeln durfte. 

Die hohe Robustheit der Kreation sprach sich schnell rum: und so wurde die Fifty Fathoms bald von vielen weiteren Militäreinheiten auf der ganzen Welt für ihre Kampfschwimmer angeschafft – so auch beispielsweise von der Bundeswehr in der bekannten „BUND“-Variante, die mit dem 50 Atmos-Gehäuse von Squale/Büren kam.

Mehr: Bundeswehr-Uhren damals und heute

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Blancpain Fifty Fathoms aus 1953, Bild: Phillips

Damals war es üblich, dass die Uhrenhersteller ihre Komponenten von hoch spezialisierten Firmen bezogen haben, darunter zum Beispiel wasserdichte Gehäuse. Und so war die Büren S.A./Montres, die vom passionierten Taucher Charles von Büren gegründet wurde, mit der Marke Squale in den 50er und 60er Jahren vornehmlich als Komponentenlieferant für andere Uhrenhersteller tätig. Darunter – wie bereits erwähnt – Blancpain. Erst ab 1959 hat Herr Büren Squale als eigenständige Marke für Taucheruhren eingeführt.

Ob diese historische Verbindung von Squale zu Blancpain nun „ausreichend“ ist, damit Squale eine Uhr produzieren „darf“ (im moralischen Sinne und nicht im rechtlichen), die der Fifty Fathoms ziemlich stark ähnelt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

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Davon mal abgesehen fährt Blancpain ohnehin eine aus Endkundensicht eher unbefriedigende Modellpolitik: Die Blancpain Fifty Fathoms, die der Ur-Fifty Fathoms optisch am nächsten kommt (also nicht die Bathyscaphe) ist nur in 45 mm Durchmesser erhältlich und damit ein ganz schöner Brocken (z.B. Ref. 5015 12B40 O52A). In den letzten Jahren hat Blancpain tatsächlich nur Limited Editions der Fifty Fathoms im kleineren Gehäusedurchmessern auf den Markt gebracht, so wie beispielsweise die NoRad-Variante (Ref. 5008D 1130 B64A) mit 40 mm Durchmesser. Diese Strategie scheint aufzugehen: Kleinere Limited Editions der Blancpain Fifty Fathoms sind in aller Regel extrem schnell ausverkauft – trotz Preisen von weit über der 10.000€-Marke, also einem Preis, für den man locker 1-2 gute Komplettausstattungen für Taucher bekommt – inklusive Tauchcomputer.

Da kommt die Squale SUB-39 als hochwertige, tragbare und vergleichsweise erschwingliche Alternative fast schon wie gerufen …

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Squale 30 Atmos SUB-39 im Test

Ein wesentliches Merkmal der SUB-39 ist die hochglänzende Lünette, die sich optisch deutlich von den üblicherweise zum Einsatz kommenden Lünetten aus Keramik oder Aluminium unterscheidet: Die Lünette ist mit K1-Glas überzogen, wodurch das Licht wunderbar absorbiert wird und dadurch eine gewisse Nähe zur Optik der Bakelit-Lünette der frühen Fifty Fathoms geschaffen wird. Benannt wurde die Bakelit-Lünetteneinlage übrigens nach dem gleichnamigen Hersteller aus Deutschland, der von 1910 bis 2004 Kunststoffe produzierte. Optisch darf die Lünette als mehr als gelungen bezeichnet werden – schade nur, dass Squale kein Saphirglas (Härte nach Vickers = ca. 2000 HV) als Überzug verwendet, sondern bereits erwähntes K1-Glas, bei dem es sich um Mineralglas handelt, das durch Spezialbehandlung gehärtet wurde (Härte nach Vickers = ca. 700 HV).

Als Deckglas kommt hingegen Saphirglas zum Einsatz – und zwar in wunderschön über den Rand hochgewölbter Form, um den Charme von Kunststoffgläsern einzufangen, die bei Taucheruhren der 50er (und weit darüber hinaus) standardmäßig im Einsatz waren.

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Um die Retro-Optik des Modells weiter zu unterstreichen, setzt Squale bei der hier gezeigten Variante der SUB-39 auf Super-LumiNova in der bräunlichen Farbe „Old Radium“, die letztendlich – wie der Name schon sagt – die Optik von Radium-Leuchtmasse imitiert, die vor den 60ern üblicherweise zum Einsatz kam und mit der Zeit einen Braunton annahm. Super-LumiNova Old Radium ist (anders als echtes Radium) natürlich absolut ungefährlich – der Farbton sorgt aber trotzdem regelmäßig für hitzige Diskussionen unter Uhrenfreunden, da es sich letztendlich um „Faux Patina“ (falsche bzw. Fake Patina) handelt. So oder so: Bräunliche Leuchtmasse passt einfach ganz hervorragend zu einem blauen Zifferblatt, was wir spätestens seit der Sinn 104 St Sa A B E wissen. Punkt! 😉

Die SUB-39 trägt Squale-typisch gleich zwei Logos auf dem Zifferblatt – vor allem aus historischen Gründen: Zum einen findet sich auf „6 Uhr“ ein gekrümmter Squale-Schriftzug, der an den jeweiligen Enden eine Haifischflosse und einen Haifischkopf trägt – dieses entspricht originalgetreu dem Logo, das viele Hersteller, die in den 70er Jahren Squale-Komponenten verbauten, im Sinne eines Qualitätsmerkmals neben ihrem eigenen Markennamen auf dem Zifferblatt verewigt haben (hier ein Beispiel).

Auf „12 Uhr“ befindet sich ein weiterer Squale-Schriftzug mit einem kleinen, etwas gewöhnungsbedürftigen asymmetrischen Zusatzlogo: Es handelt sich dabei um das Logo der einstigen Squale-Mutterfirma Von Büren S.A./Montres. – ein „von“, das in eine Krone eingebettet ist.

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Das Gehäuse ist Squale-typisch vor allem auf Hochglanz poliert (bis auf die Lünettenseite) und kommt mit 30 bar bzw. 30 atm / 300 Meter Wasserdichtigkeit (siehe auch „30 Atmos“ auf dem Zifferblatt). Das ist deutlich weniger als bei den Squale 60 Atmos-Modellen, aber für den Alltag mehr als ausreichend. Die geringere Wasserdichtigkeit macht sich vor allem bei den Abmessungen positiv bemerkbar: Die Höhe der SUB-39 ist mit 12 mm angenehm flach und steht in einem stimmigen Verhältnis zum Gehäuse-Durchmesser von 39 mm. Zum Vergleich: Die neue Tudor Black Bay Pro kommt ebenfalls auf 39 mm Durchmesser, aber eine Höhe von 14,6 mm – ein durchaus beachtlicher Unterschied, der sich beim Tragekomfort bemerkbar macht (Stichwort: Kopflastigkeit).

Durch die mehrstufige und optisch dadurch sehr schmal wirkende Flanke, kommt das Gehäuse der SUB-39 außerdem sehr grazil und „dressig“ daher. Dennoch: Faktisch wirkt die SUB-39 einen Tick größer als es die 39 mm Gehäusedurchmesser vermuten lassen, da der Lünettendurchmesser bei knapp über 40 mm liegt.

Auf einen Kronenschutz für die (verschraubte) Krone verzichtet Squale, um den Retro-Charakter des Modells zu unterstreichen (Taucheruhren der 70er Jahre hatten solchen Schnickschnack in der Regel noch nicht).

Das Stahlband machte haptisch einen guten ersten Eindruck und passt dank des breiten, polierten Mittelteils auch optisch hervorragend zur SUB-39. Etwas verwundert war ich aber darüber, dass hohle bzw. keine massiven End Links zum Einsatz kommen, was man zwar beim Tragen natürlich nicht sieht, aber im Jahre 2022 nicht mehr wirklich zeitgemäß ist. Auch die Schließe ist eher vom Typ „Standard“ und kommt beispielsweise mit gepresstem Squale-Logo und der üblichen Feinjustierung, die man über seitliche Bohrungen in der Schließe und ein Bandwechselwerkzeug nutzen kann (oder man popelt mit einer stabilen Büroklammer an der Schließe herum). Alles in allem ist das Band der SUB-39 beispielsweise kein Vergleich zur genialen Schließe der Formex REEF mit werkzeugloser Feinjustierung. Ein Beinbruch ist das dennoch nicht, denn die Squale SUB-39 macht am Lederband oder Nato Strap meiner Meinung nach ohnehin eine optisch stimmigere Figur:

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In der Squale SUB-39 tickt robuste und zuverlässige Schweizer Standardkost: das Sellita SW200-1 Automatikwerk, das größtenteils baugleich mit dem (quasi nicht mehr für unabhängige Hersteller erhältlichen) ETA 2824-2 der Swatch Group ist.

Gut: Das SW200-1 kommt in der besseren Qualitätsstufe Special (Elaboré), die eine Ganggenauigkeit von 7 ±7 Sekunden pro Tag ermöglicht. Praktisch lief die mir vorliegende Testuhr sogar deutlich besser, innerhalb der Chronometer-Norm:

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Fazit zur Squale 30 Atmos SUB-39

Die Welt der hochwertigen, retro-angehauchten Blancpain Fifty Fathoms-Hommagen ist – man glaubt es kaum – relativ übersichtlich. Alternativen sind eher rar gesät. In der Preisklasse der Squale SUB-39 tummelt sich beispielsweise noch die Microbrand Gruppo Gamma aus Singapur mit dem (deutlich wuchtigeren) Modell Divemaster – viel mehr ist’s dann aber auch nicht.

Insofern ist die Squale SUB-39 fast schon ein Pflichtkauf für Uhrenfreunde, die nach einer qualitativ hochwertigen, gleichzeitig aber (deutlich) günstigeren und (deutlich) kleineren Alternative zur Blancpain Fifty Fathoms suchen – zumal die historische Einordnung (Squale als Blancpain-Lieferant) eine gewisse „Legitimation“ für eine Uhr im Design-Dunstkreis der Fifty Fathoms gibt (wer das anders sieht, der möge mir sehr gerne einen Kommentar unter dem Artikel hinterlassen).

*Hinweis / Reklame
Die Squale SUB-39 wurde für diesen Test von Chronofactum, dem offiziellen Händler für Squale in Deutschland und der EU, zur Verfügung gestellt.

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Dlanor Lepov
14. Mai 2022 12:21

Das ist ein mutiger Preis. Eine ziemlich gute Homage gibt es von Steeldive für 10% der Summe (Modell SD1952). Die hat sogar ein besseres Stahlband.
Und Bakelit wurde von einem Belgier 1907 in New York erfunden: Leo Baekeland. Nicht alles kommt aus Deutschland.