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(Vorerst) letzte Chance: am 19. Juli verschwinden auf Netflix die Alien-Filme, in denen die Protagonistin Ellen Ripley sabbernden Xenomorphen und fiesen Facehuggern in den Hintern tritt. Insbesondere Teil 1 und 2 der Alien-Reihe gehören zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und sind meiner Meinung nach unfassbar spannende Science-Fiction-Klassiker, die dem Genre in den 70ern und 80ern viele frische Impulse gegeben haben. Als ich kürzlich nicht widerstehen konnte mir noch mal alle Alien-Filme zu gönnen (ja, auch die weniger guten Teile ab Alien³), wanderte mein Blick (wie sollte es als Uhrenblogger auch anders sein) regelmäßig auf die Handgelenke der Schauspieler. Besonders ins Auge stach bei meinem Film-Marathon die Uhr der Hauptdarstellerin Sigourney Weaver in Aliens – Die Rückkehr, ein wuchtiger Seiko-Chronograph mit einer untypischen Anordnung der Chrono-Drücker. Aber auch andere Uhren von Seiko und Casio unterstreichen das futuristische Setting der Alien-Filme…

So kam es zur Uhr in Aliens – Die Rückkehr: Seiko Speedmaster „Ripley“ (7A28-7000)

Ich finde ja grundsätzlich Alltagsgegenstände in etwas älteren Filmen, die ein Bild von der Zukunft malen, hochspannend – so wie die berühmten selbstschnürenden Nike-Schuhe und natürlich die Casio Taschenrechner-Uhr in Zurück in die Zukunft. Man spricht hier übrigens auch von Retrofuturismus, also einer Vorstellung der Zukunft, die in der Vergangenheit vorherrschte und die wir von heute aus retrospektiv betrachten. Ein weiteres Beispiel ist die Seiko M516 mit Tonaufnahmefunktion (!), welche die Ghostbusters (1984) nutzten, um paranormale Aktivitäten aufzudecken, oder die Hamilton X-01 in 2001: A Space Odyssey (1968).

Bild: Hamilton
Bild: Sony Pictures

Was die Casio Taschenrechner-Uhr für Marty McFly oder die Seiko M516 für die Ghostbusters rund um Bill Murray ist, ist die Seiko „Speedmaster“ 7A28-7000 für Ellen Ripley im (fiktiven) Jahr 2179.

Regisseur Ridley Scott machte im (realen) Jahre 1979 die bis dato völlig unbekannte Ellen Ripley-Darstellerin Sigourney Weaver mit dem ersten Alien-Film über Nacht zu Hollywoods starker Action-Frau. Nach Ridley Scott setzte niemand geringeres als James Cameron mit dem Sequel Aliens – Die Rückkehr (1986) ein weiteres Ausrufezeichen im Horror/Action/Science-Fiction-Kino – auch Sigourney Weaver war natürlich wieder mit an Bord (David Finchers Alien³ gehört meiner Meinung nach übrigens der Form halber ebenfalls zum Pflichtprogramm, kommt aber längst nicht an die Genialität der ersten beiden Filme ran; dasselbe gilt für Jeunets Alien – Die Wiedergeburt).

Und was gehört an das Handgelenk einer taffen Alien-Killerin mit fetten Wummen? Na klar – eine coole Uhr. Und hier kommt die Seiko Speedmaster 7A28-7000 ins Spiel, die allerdings erst im zweiten Alien-Film (Aliens – Die Rückkehr, 1986) ihren Weg an das Handgelenk von Ellen Ripley gefunden hat (zur Ripley-Uhr im ersten Film gleich mehr).

Seiko 7A28-7000

Die Seiko 7A28-7000 bringt einige verrückte Designmerkmale mit, die damals quasi prädestiniert für eine visionäre Uhr am Handgelenk einer Actionheldin waren – augenscheinlich ist insbesondere das nach rechts versetzte Design, mit einem wuchtigen „Block“, der die Chronographendrücker an der Ober- und Unterseite beherbergt (das erinnert ein wenig an die Omega PloProf – oder an einen angeschweißten USB-Stick).

Nicht minder auffällig ist das Stahlband mit seinen drei Einkerbungen pro Bandglied sowie die farblich abgesetzten Totalisatoren. Für den Antrieb sorgt ein hauseigenes Seiko-Quarzkaliber, das 1/10-Sekundenmessung ermöglichte – wir erinnern uns: damals waren Quarzwerke der neueste heiße Scheiß und ein mechanisches Kaliber kam damals natürlich nicht in die Tüte.

Für das Design der Seiko 7A28-7000 zeichnete sich übrigens Giorgetto Giugiaro verantwortlich – der gelernte Industriedesigner kommt dabei eigentlich aus dem Bereich der Automobilindustrie und entwarf den VW Golf I und über 300 weitere Modelle. Darunter auch: Der DeLorean DMC-12, der vor allem durch seine „Rolle“ als Zeitmaschine in Zurück in die Zukunft Bekanntheit erlangte.

Spannend: Giugiaro erschuf die Seiko 7A28-7000 nicht etwa extra für die Alien-Filme (so wie das beispielsweise bei der Hamilton X-01 der Fall war, die extra für Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey gestaltet wurde). Umso erstaunlicher ist, dass eine Uhr kaum besser zum Alien-Setting passen könnte wie die futuristisch-maschinenartige Seiko 7A28-7000.

Ellen Ripley trägt die Seiko 7A28-7000 in Aliens – Die Rückkehr quasi durchgängig, weshalb der Chronograph in vielen Szenen gut am Handgelenk zu erkennen ist – zum Beispiel nach der Landung der Marines und Ripley in der (scheinbar) menschenleeren Kolonie auf Acheron LV-426 als diese das verwahrloste Mädchen Newt finden (Minute 47).

Des Weiteren sieht man die Uhr beispielsweise sehr gut bei der Facehugger-Attacke auf Newt und Ripley (1 Stunde 33 Minuten)…

… und natürlich beim großen Showdown gegen das besonders hässliche, eierlegende XXL-Alien:

Aufgrund der riesigen Fangemeinde rund um die Alien-Filme und des charakteristischen Designs der Uhr, sind in den letzten Jahren verstärkt Uhren-Sammler auf die Seiko 7A28-7000 aufmerksam geworden – nicht zufällig ist der inoffizielle Spitzname der Uhr daher auch kurz „Seiko Ripley“. Das Modell war damals in den 80ern übrigens „ganz normal“ käuflich erwerbbar, Vintage-Originale erzielen heute (je nach Zustand) Preise jenseits der 1000€.

Im Jahr 2016 hat Seiko eine Neuauflage der Seiko „Ripley“ lanciert – in einer limitierten Auflage von 3000 Stück für 350 Dollar (SCED035 bzw. die schwarze Variante SCED037). Gebrauchte Modelle sind aufgrund der Limitierung heute nur mit viel Glück zu bekommen. Und ja, ich ärgere mich ziemlich darüber, dass ich damals nicht zugeschlagen habe… aber man darf ja hoffen, dass Seiko vielleicht noch mal eine Neuauflage lanciert – vielleicht ja im Rahmen eines neuen Alien-Films? (und nein, bitte kein Alien vs. Predator-Aufguss…).

Weitere Uhren der Alien-Filme (Samani E-125/Casio F-100, Seiko „Bishop“ & Co.)

Es können noch weitere Seiko-Uhren in Aliens – Die Rückkehr entdeckt werden: Deutlich weniger bekannt als die Seiko Ripley ist beispielsweise die Seiko 7A28-6000 mit dem Spitznamen „Bishop“ – das Modell hat viele Ähnlichkeiten mit der Seiko Ripley und wurde vom Androiden Bishop getragen.

Bishop in Aktion beim „Knife Game“ aka „Five Finger Fillet“

Der hinterfotzige Weyland-Yutani Corporation-Mitarbeiter Carter Burke trägt außerdem eine Seiko H556-550 Ana-Digi-Uhr, die viele Ähnlichkeiten mit der Seiko „Arnie“ H558-5009 hat:

Die Colonial Marines in Aliens – Die Rückkehr tragen eine Seiko Pulsemeter S234-501A. Die Uhr passt – ohne allzu viel spoilern zu wollen – sehr gut zu den Marines, die im Film von der mobilen Kommandozentrale aus überwacht werden.

Die doppelte Casio F-100: Samani E-125

Im allerersten Alien-Film (1979) tragen Ellen Ripley und Nostromo-Captain Arthur Dallas übrigens eine Uhr, die nicht minder auffällig wie die Seiko 7A28-7000 ist: Es handelt sich dabei um eine „Doppel“-Uhr von der fiktiven Firma Samani – konkret das Modell Samani E-125, das tatsächlich nur für den Film entworfen wurde.

Der Design-Aufwand für die Samani E-125 hielt sich allerdings in Grenzen: Im Prinzip handelt es sich nur um zwei „aneinandergedockte“ Casio F-100, die allererste Uhr von Casio im kompletten Resin-Gehäuse, die von 1977 bis 1979 für jedermann und jederfrau für 39,95$ erwerbbar war. Besonders ins Auge stechen die vier großen Knöpfe für Setting, Hintergrundbeleuchtung, Kalender und 1/100 Sekundenmessung.

Die Casio F-100 hat viele Ähnlichkeiten mit der heute noch erwerbbaren Kult-Uhr Casio F-91W. Unter der Referenz A100 hat Casio die F-100 in sehr ähnlicher Form außerdem im Jahre 2021 wiederbelebt:

Casio A100 – die Wiederbelebung der F-100 im Jahre 2021

Gut zu wissen: Auch im Computerspiel Alien: Isolation, in dem man in die Rolle von Ellen Ripleys Tochter Amanda schlüpft, spielt die Samani E-125 eine Rolle:

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