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Beständig, unaufgeregt, konstant: Die vom Maschinenbauingenieur Calvin gegründete Marke Aquatico erinnert in der Welt der Microbrands an einen gut geölten Diesel. Mit viel Tamtam angekündigte neue Modelle über Kickstarter-Crowdfunding oder Vorbesteller-Kampagnen im Schweinsgalopp sucht man hier vergebens. Im Vergleich zu anderen kleineren Uhrenmarken ist Aquatico mit 6 Jahren außerdem schon ziemlich lange im Geschäft und baut das Sortiment kontinuierlich aus – zwei der Neuheiten, die Poseidon Dive Watch und die Big Pilot Bronze, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.

Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 7
Big Pilot Flieger Uhr Bronze Aquatico IWC Hommage 2

Test: Aquatico Poseidon Dive Watch

Mit der Poseidon Dive Watch ergänzt Aquatico das Sortiment um eine weitgehend schnörkellose und funktionale Taucheruhr im Retro-Design. Die Indizes kommen im sogenannten Sandwich-Stil, d.h. die Stundenindizes auf dem Zifferblatt sind ausgeschnitten, um die darunterliegende Schicht Leuchtfarbe freizugeben. Dadurch gewinnt das Blatt an Tiefe. Die Indizes sind ferner durch ihre schiere Größe sehr präsent und erinnern an Haifischzähne – ein bisschen „Seiko Monster“ lässt grüßen.

Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 1
Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 12
Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 8

Die Aquatico Poseidon Dive Watch ist üppig mit Super-LumiNova in der Farbe „Old Radium“ belegt, also einer Farbe, die früher zum Einsatz kommende Radium-Leuchtmasse, die über die Jahre bräunlich geworden ist, imitiert. Insbesondere die Kombination aus blauem Zifferblatt/blauer Lünette und Old Radium ist – bei aller kritischer Diskussion über diese „Faux Patina“ – überaus stimmig.

Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 10

Auch die Lünette ist präzise mit Super-LumiNova „Old Radium“ belegt. Die Stundenindizes auf der Lünette greifen dabei die haifischzahnartige Form der Indizes auf dem Zifferblatt auf. Als Lünetteninlaymaterial kommt kratzfeste Keramik zum Einsatz – und zwar nicht etwa in hochglänzender Verarbeitung (wie man das ja mittlerweile fast ausschließlich bei Microbrands sieht), sondern matt mit einem feinen Radialschliff. Optik: Eins mit Sternchen – und meiner Meinung nach eine schöne Abwechslung gegenüber früheren Aquatico-Modellen.

Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 11

Beim Gehäuse hat Aquatico qualitativ eine Schippe drauf gelegt: die Haptik ist sehr massiv, die Satinierung fein. Ins Auge sticht insbesondere die tief Richtung Boden „gezogene“, auf Hochglanz polierte Flanke, welche die Aquatico Poseidon optisch etwas schmaler wirken lässt (mit Blick auf den Durchmesser von immerhin 43 mm und die Höhe von 15 mm keine schlechte Idee). Mit mehr als ordentlichen 300 Meter bzw. 30 bar Wasserdichtigkeit darf die Aquatico Poseidon Dive Watch standesgemäß auch bei Tauchausflügen am Arm bleiben.

Der verschraubte und mit einem Sichtfenster ausgestattete Gehäuseboden gibt den Blick auf das Seiko NH35 Automatikwerk frei – eine typische Wahl für Microbrands im günstigeren Mechanikuhren-Einsteigerbereich, die als sehr zuverlässig und robust gilt, aufgrund des inflationären Einsatzes aber eher nicht grade das Blut von Uhrenfreunden in Wallung bringt. Und man darf auch kritisch hinterfragen, ob es nun unbedingt einen Glasboden gebraucht hat und ob nicht ein Stahlboden völlig ausreichend gewesen wäre (der ganz nette Aquatico-Rotor hin oder her).

So oder so: Mit +11 Sekunden pro Tag läuft das NH35 in der mir vorliegenden Aquatico Poseidon laut Weishi 1000 Zeitwaage in einem ordentlichen Ganggenauigkeitsbereich und locker innerhalb der Werksvorgaben von Seiko TMI (wem das zu ungenau ist, der kann bei einem Uhrmacher eine Feinregulierung vornehmen lassen, die nicht die Welt kostet).

Das Kautschukband der Aquatico Poseidon Dive Watch kommt passenderweise im bekannten Tropic-Design, das auf die Anfänge des professionellen Gerätetauchens in den 1950er Jahren zurückzuführen ist – und damit den Retro-Charakter der Aquatico Poseidon wunderbar unterstreicht.

Das Band ist dabei sehr komfortabel, anschmiegsam und super-flexibel – aber auch super-staubanziehend (vermutlich wegen eines Silikonanteils im Band). Wer sich damit nicht so recht anfreunden mag, der findet vielleicht in einem braunen Lederband eine Alternative (das von Aquatico kann allerdings qualitativ nicht mit dem Kautschukband mithalten). Der Bandwechsel ist dank der durchbohrten Hörner (ein klassisches Merkmal früherer Taucheruhren) problemlos machbar, weshalb ich Schnellwechselfederstege auch nicht vermisst habe.

Eckdaten Aquatico Poseidon Dive Watch:

  • Japanisches Seiko NH35 Automatikkaliber
  • Unidirektionale Lünette mit 120 Klicks, Einlage aus matter Keramik
  • Krone und Boden verschraubt
  • Gehäuse aus 316L Edelstahl
  • Durchmesser 43 mm
  • Horn-zu-Horn 50 mm
  • Höhe 15 mm
  • Bandanstoß 22 mm
  • Wasserdichtigkeit 300 Meter / 30 bar
  • Gewölbtes Saphirglas, Innenseite mit Antireflex-Beschichtung
  • Schweizer Super-LumiNova
  • Preis: 359 US-Dollar, direkt auf aquaticowatch.com (ca. 410€ inkl. Einfuhrumsatzsteuer/Zoll).
Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 2
Aquatico Poseidon Taucheruhr Diver 9

Test: Aquatico Big Pilot Bronze

Wie die Aquatico Poseidon, ist auch die neue Big Pilot in der Retro-Ecke zu verorten – allein schon wegen des Bronze-Gehäuses, das über die Zeit eine charakteristische Patina entwickelt.

Bei der Aquatico Big Pilot Bronze kommt die am häufigsten verwendete Bronze-Legierung CuSn8 zum Einsatz, die zu 92% aus Kupfer und zu 8% aus Zinn besteht. Anders als bei der Tudor Black Bay Bronze beispielsweise kommt also kein zusätzlicher Anteil Aluminium mit in die Bronze-Mixtur.

CuSn8 bildet deutlich schneller eine Patina als mit Alu versetzte Bronze und sorgt somit schnell für die charakteristische, ungleichmäßige Bronze-Optik: Dank des hohen Kupferanteils, der unter atmosphärischen Bedingungen eine relative stabile Schutzschicht ausbildet (durch Einwirkung von Sauerstoff oder unter Beteiligung von Kohlenstoffdioxid) verliert die Oberfläche ihren metallischen Glanz und wird deutlich dunkler, das Material wird vor weiterer Korrosion geschützt.

Praktisch: Bei Kratzern am Gehäuse bildet sich die Patina-Schutzschicht einfach neu. Die Härte von Bronze ist allerdings in etwa auf einem Niveau von Edelstahl – Bronze ist also per se nicht widerstandsfähiger gegen Kratzer.

Big Pilot Flieger Uhr Bronze Aquatico IWC Hommagen 22 1

Die Namenswahl für das Modell ist nicht zufällig: Die Big Pilot von Aquatico bringt quasi alle Designmerkmale der Schweizer Big Pilot-Fliegeruhr von IWC mit, darunter das grundlegende Zifferblatt-Design mit rundum laufenden Stundenziffern und dem klassischen Fliegerdreieck auf „12 Uhr“, das im Stile von A-Muster-Fliegeruhren aus dem Zweiten Weltkrieg (damals wie heute) dafür sorgt, dass der Träger der Uhr auch im hektischen Alltag und bei schlechten Sichtverhältnissen selbst mit einem flüchtigen Blick die Stellung der Zeiger zur „12“ erkennen kann. 

Big Pilot Flieger Uhr Bronze Aquatico IWC Hommage 6

Der Blick auf die Nahaufnahmen verrät: Das Zifferblatt der Aquatico Big Pilot Bronze ist (unter Berücksichtigung der Preisklasse) überdurchschnittlich gut verarbeitet: Die plastischen Ziffern und Indizes sind präzise mit Super-LumiNova belegt – ebenfalls in der Farbe Old Radium, die sich perfekt mit dem Bronzegehäuse ergänzt. Das Zifferblatt ist außerdem feinkörnig texturiert.

Aquatico Big Pilot Bronze Handgelenk 1

Aquatico wird dem Namen „Big Pilot“ absolut gerecht: Der Durchmesser ist mit 43 mm sportlich, mit 12,5 mm ist das Modell aber deutlich flacher als die Poseidon – bringt dafür aber dennoch eine erstaunlich hohe Wasserdichtigkeit von 300 Meter bzw. 30 bar mit. Groß ist auch die verschraubte, sehr griffige, überdimensionierte Krone – das charakteristischste Merkmal, das sich auch bei der IWC Big Pilot findet.

Auch bei der Big Pilot Bronze gibt ein Sichtfenster den Blick auf das Automatikkaliber samt dekoriertem Aquatico-Rotor frei: Es handelt sich dabei um eine Variante des Seiko NH35, konkret das Seiko NH37, das eine 24-Stunden-Anzeige zwischen 10 und 11 Uhr mitbringt und im Sinne von „Form Follows Function“ die Optik des Zifferblattes prägt. Gut: Die 24-Stunden-Anzeige „säbelt“ die Ziffern so gut wie gar nicht ab, wie das bei solchen Designmerkmalen ja leider viel zu häufig der Fall ist. Mit +/-0 Sekunden pro Tag läuft das Kaliber in der mir vorliegenden Aquatico Big Pilot mit perfekter Ganggenauigkeit.

Eckdaten Aquatico Big Pilot Bronze:

  • Japanisches Seiko NH37 Automatikkaliber mit 24-Stunden-Anzeige
  • Krone und Boden verschraubt
  • Gehäuse aus Bronze (CuSn8)
  • Durchmesser 43 mm
  • Horn-zu-Horn 51,5 mm
  • Höhe 12,5 mm
  • Bandanstoß 22 mm
  • Wasserdichtigkeit 300 Meter / 30 bar
  • Saphirglas
  • Schweizer Super-LumiNova
  • Preis: 279 US-Dollar, direkt auf aquaticowatch.com (ca. 320€ inklusive Einfuhrumsatzsteuer/Zoll)

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7 Kommentare
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Roger
14. Juli 2022 19:30

Dive Watch >> Ich weiß nicht, ob für 30bar, 15mm Dicke noch akzeptabel ist…..

Roland
25. Mai 2022 14:42

Hallo,
Big Pilot vergangenen Mittwoch bestellt.
Heute schon geliefert.
Und das zum Sonderpreis von 195,10€ ( ohne Steuer/ Zollgebühr)
Bin begeistert🤪👍

Dlanor Lepov
18. Mai 2022 20:03

Ein kleine Sekunde ist das wohl bei der Bronzeuhr nicht. Eher eine 24h Anzeige. Passt dann auch zu der NH37 Spezifikation.
Beide Uhren lassen mich etwas ratlos zurück. Es gibt originale Designelemente, aber die Spezifikation weicht im Ganzen nur unwesentlich von chinesischen Homage-Uhren ab, und die kosten deutlich weniger. Mittlerweile machen auch chinesische Anbieter mehr oder minder grosse Schritte in Richtung eigener Designelemente (und erhöhen die Preise). Aber am Ende sind viele Microbrands kaum noch mehr als chinesische Uhren mit besserem Marketing.

Rimon
18. Mai 2022 11:15

Kleine Sekunde auf 11 Uhr? Da ist doch irgendwas verwechselt worden?!

Anonym
18. Mai 2022 8:33

Klasse Reviews und sehr schöne Uhren. Es freut mich, dass sich Aquatico, als Microbrand etabliert hat und mit hoher Qualität und schönen Designs punktet.