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Die schon seit mindestens drei Jahre brodelnden Gerüchte, die sich im Vorfeld der Watches & Wonders 2026 nochmal intensiviert haben, haben sich bewahrheitet: Rolex hat die GMT-Master II in der blau-roten Pepsi-Variante begraben – ab Punkt Mitternacht spielte ein Refresh der Produktseite der Pepsi-Stahl-Referenz 126710BLRO nur noch ein nüchternes „Diese Seite ist nicht verfügbar“ zurück. Das gilt übrigens nicht nur für die Stahl-Variante, sondern auch (überraschenderweise) für die Weißgold-Variante mit blauem Blatt.

Dabei gehörte die Pepsi zu den beliebtesten Stahl-Sportuhren im Luxussegment. Die Wartezeiten betragen *pardon* betrugen locker bis zu 10 Jahre. Entsprechend bewegen sich auch die Preise, trotz einer gewissen Stabilisierung in den letzten Jahren, auf den Portalen der Gebrauchtuhren- und Grauhändler deutlich über Liste. Die erneuten Spekulationen befeuerten den Gebrauchtmarkt so sehr, dass sogar das Finanzportal Bloomberg darüber berichtete. Nach der nun offiziell gewordenen Abkündigung der Pepsi dürften die (ohnehin absurd hohen) Preise zunehmend explodieren. Zeit für einen Abgesang.

Ein kurzer geschichtlicher Abriss der Rolex Pepsi – so kam es zur Idee der ikonischen Lünette

Die Rolex GMT-Master wurde erstmalig 1955 in Form der Referenz 6542 lanciert. Historisch betrachtet ist das kein Zufall: Die zivile Luftfahrt im Allgemeinen und Transatlantikflüge im Speziellen erlebten in den 50ern einen immensen Aufschwung: Früher war die Reise über den Ozean ein für die breitere Masse unerschwinglicher Luxus. Das änderte sich erst in den 1950er-Jahren allmählich, als das US-Luftfahrtunternehmen Pan Am eine Vorreiterrolle einnahm und 1958 mit Boeings vierstrahligem Langstrecken-Flieger 707 den täglichen Verkehr zwischen den USA und Europa aufnahm.

Berufspiloten und Flugpersonal äußerten damals zunehmend den Wunsch nach einer zuverlässigen Armbanduhr mit der Anzeige von Orts- und Heimatzeit, um beim transatlantischen Zeitzonen-Hopping nicht den Überblick zu verlieren – und so kam es schließlich zur Entwicklung der Rolex GMT-Master mit GMT-Komplikation. Das charakteristischste Merkmal der Rolex GMT-Master, die bidirektionale blau-rote „Pepsi“-Lünette, sollte dabei in Kombination mit dem 24-Stunden-Zeiger die Unterscheidung zwischen Tag (rot) und Nacht (blau) in der heimatlichen Zeitzone erleichtern.

Die Rolex GMT-Master erfreute sich schnell großer Beliebtheit bei Piloten der US Air Force und ihren zivilen Kollegen sowie sogar bei NASA-Astronauten. Eine trug Jack Swigert während der riskanten Apollo 13-Mission, eine weitere Stuart A. Roosa während der Apollo 14-Mission – die Originaluhren sind hier zu sehen.

Hier zeige ich noch kurz die Rolex GMT-Master 16750, die im Jahre 1980 auf die seit 1959 (!) produzierte Referenz 1675 folgte. Die 16750 war damit seit über zwei Jahrzehnten die erste neue GMT-Master-Referenz aus Stahl. Die Technik der 16750 wurde dabei grundlegend überholt: die Rolex GMT-Master 16750 bekam erstmalig eine Datumsschnellschaltung spendiert, die durch die Einführung des neuen Rolex-Kalibers 3075 ermöglicht wurde. Das brandneue Kaliber 3075 hatte damals außerdem eine erhöhte Frequenz von 28.800 bph an Bord und damit eine langfristig bessere Ganggenauigkeit (gegenüber 19.600 bph bei der späten 1675er). Was viele nicht wissen: Der GMT-Zeiger der GMT-Master 16750 lässt sich (anders als heute) nicht separat ansteuern.

Ein Abgesang auf die Rolex Stahl-Pepsi 126710BLRO

Klar ist: Die Rolex GMT-Master „Pepsi“ ist bzw. war eines der Vorzeigemodelle der Genfer Manufaktur – mit reichhaltiger Geschichte. Wie jede gute Geschichte kennt aber auch sie dramatische und unerwartete Wendungen und ein Publikum, das einfach nicht genug bekommt. Nun also der nächste Akt: Die Gerüchteküche im Vorfeld der Watches & Wonders 2026 hat sich als erstaunlich treffsicher erwiesen. Die Stahl-Pepsi ist Geschichte. Schon wieder.

Dass der Markt diese Entwicklung antizipiert hat, überrascht kaum. Schon Wochen vor der offiziellen Bestätigung zogen die Preise an, als hätte jemand heimlich den Turbo gezündet. Die Onlineshops von Grauhändlern und Gebrauchtuhrenhändlern wirkten plötzlich leergefegt, als hätte ein diskreter, global koordinierter Ausverkauf stattgefunden. Entsprechend krabbelten auch die Durchschnittspreise deutlich nach oben:

Die Preisentwicklung strahlt sogar auf Vintage-Modelle wie die eben kurz erwähnte Pepsi-Referenz 16750 aus:

Überraschenderweise ist aber auch die Referenz 126719BLRO in massivem Weißgold und mit blauem Blatt anno 2026 von der Bildfläche verschwunden. Diese war gewissermaßen der VIP-Eingang zur Pepsi-Welt – ohne krasse Warteliste, dafür mit einem Preisschild von knapp 50.000€. Die Meteorit-Variante der Weißgold-Pepsi wiederum lag im Listenpreis sogar jenseits der 50.000€ (Graumarktpreis waren in etwa auf demselben Niveau). Das Entscheidende: die Marge war bei der Weißgold-Pepsi naheliegenderweise deutlich attraktiver (und, dass Rolex strategisch durchaus auf Marge bedacht ist, sehen wir ja beispielsweise an der Übernahme des Traditionsjuweliers Bucherer). Ehrlich gesagt hätte ich daher definitiv mit demselben Schachzug gerechnet, den Patek Philippe Anfang 2021 mit der Verabschiedung der Stahl-Nautilus 5711/1A gemacht hat – jene stählerne Ikone mit blauem Blatt, die über Jahre hinweg zu den begehrtesten Sportuhren überhaupt zählte. Wartelisten, die eher an Generationenverträge erinnern, inklusive. Oder besser gesagt: erinnerten, denn mit der Abkündigung wurden diese Listen schlagartig zu historischen Dokumenten. Eine Weißgold-Nautilus hat Patek aber nach wie vor im Sortiment.

Natürlich kursieren auch im Fall der Pepsi wieder die üblichen Begleitgeschichten. Produktionsprobleme bei der rot-blauen Keramiklünette tauchen beispielsweise immer in Diskussionen in einschlägigen Foren auf. Für die anspruchsvolle Produktion spricht, dass es während des gesamten Produktionszeitraumes der Pepsi verschiedene Blau- und Rottöne gab, von einem eher pastelligen Ton (zu finden bei dem, was Sammler als Mk 1 bezeichnen) auf der Lünette bis hin zu einem tieferen Marineblau und einem Burgund-Ton (in der letzten Version Mk 3). Gleichzeitig wird gern erwähnt, dass Rolex ein Patent auf die schwarz-rote „Coke“-Lünette besitzt (US2024034691A1), die als technisch weniger anspruchsvoll gilt (eine Coke kam aber dennoch nicht zur Watches & Wonders 2026).

Ich zitiere noch aus dem Armbanduhren-Magazin:

Das Verfahren zur Herstellung zweifarbiger Cerachrom-Zahlenscheiben […] besteht darin, einen Teil der zunächst einfarbigen Scheibe nachträglich umzuwandeln. So wird bei der blau-schwarzen Zahlenscheibe das Blau in Schwarz umgewandelt, während bei der rot-blauen Zahlenscheibe das Rot in Blau geändert wird. Hierzu wird die Hälfte der Zahlenscheibe vor dem Sintern mit einer wässrigen Lösung imprägniert. Während dieser Wärmebehandlung verdichtet sich die Keramik, und die zugegebenen Verbindungen reagieren mit der Grundsubstanz der Cerachrom-Zahlenscheibe, wodurch sich der ursprüngliche Farbton in einer Hälfte der Scheibe verwandelt.

Wie lange wird die Rolex GMT-Master II Pepsi weg sein?

Interessant ist auch der Blick zurück, denn die Pepsi war schon einmal von der Bildfläche verschwunden, und zwar für über ein Jahrzehnt: Der entscheidende Einschnitt kam 2007, als Rolex die damalige GMT-Master II Referenz 16710 einstellte. Diese war die letzte klassische Pepsi mit Aluminiumlünette.

Mit der 2007 eingeführten Referenz 116710LN wurde die Cerachrom-Lünette als dauerhaftes Upgrade eingeführt. Mit der Umstellung auf Keramik verschwand allerdings die beliebte und traditionelle Coke- und Pepsi-Optik. Zunächst gab es also nur eine einfarbig-schwarze Lünetten-Variante, erst 2013 kam die schwarz-blaue „Batman“ (Ref. 116710BLNR) hinzu.

Ein Jahr danach, auf der Baselworld 2014, kehrte die Pepsi überraschend zurück – allerdings nicht im Stahlgehäuse, sondern als luxuriöse Variante in Weißgold mit der Referenz 116719BLRO und einem damaligen Listenpreis von über 30.000€. Das war gewissermaßen ein „Soft-Revival“, denn die ikonische Farbkombination war wieder da, aber eben nicht mehr in der zugänglichen Stahl-Variante, die die Pepsi ursprünglich groß gemacht hatte. Man musste also zunächst tief in die Tasche greifen, um sich den ikonischen Look leisten zu können.

Die eigentliche Rückkehr der Pepsi in Edelstahl erfolgte dann erst 2018 mit der Referenz 126710BLRO am Jubilee-Band. Die Weißgoldvariante erhielte in dem Zuge ein blaues Zifferblatt anstelle eines schwarzen. Erst 2021 war die Edelstahlversion der „Pepsi“ auch mit einem Oyster-Band verfügbar.

Rechnet man vom Produktionsende der 16710 im Jahr 2007 bis zur Rückkehr der Stahl-Pepsi im Stahl 2018, ergibt sich eine Lücke von über 10 Jahren. Selbst wenn man das Weißgold-Comeback 2014 als Zwischenstation berücksichtigt, bleibt immer noch eine rund 7-jährige Abwesenheit.

So oder so: Die Rückkehr der Pepsi wurde damals gefeiert wie die eines lange vermissten guten Freundes. Vielleicht liegt genau darin ihr Geheimnis: Sie ist nicht einfach eine Uhr, sondern ein zyklisches Ereignis. Ein Modell, das durch Abwesenheit fast noch mehr Wirkung entfaltet als durch Präsenz. Und so bleibt am Ende ein erneuter Abschied von der Rolex GMT-Master Pepsi und die Erkenntnis, dass Begehrlichkeit im Luxussegment selten dem Zufall überlassen wird – sie wird gezielt von den Herstellern dosiert.

In Edelstahl sind Stand April 2026 nun nur noch drei Lünettenvarianten erhältlich: Schwarz-Blau („Batman“ oder „Batgirl“, je nach Armband), Schwarz-Grau und die Version mit Linkshänderkrone und grün-schwarzer Lünette („Sprite“).

Wer aber die Uhrengeschichte kennt, weiß: die Rolex Pepsi reist ziemlich sicher nicht ohne Rückfahrkarte. Die Frage ist aber natürlich, wie lange sich die Pepsi in Stahl nun rar macht – man kann nur hoffen, dass es nicht wieder über 10 Jahre sind.

Mehr: Prinzip Knappheit: Diese Effekte animieren bei limitierten Uhren zum Kauf


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Rene-Gerald
26 Tage zurück

Im Artikel findet sich leider ein krasser Anfängerfehler, der nur passiert, wenn man sich mit der Marke nicht wirklich beschäftigt hat aber trotzdem irgendetwas schreiben will.

Die Keramik-Lünetten in rot/blau lassen sich von den Replicas nur deswegen so problemlos farblich gut realisieren, weil jeder Farbteil extra gebrannt und dann zusammengefügt wird. Das wollte Rolex nicht. Die Lünette wird bei Rolex nicht geteilt und das Brennen erfolgt als gesamte Lünette, was dem Übergang zugute kommt. Das Problem dabei – und das hätten alle, die diesen komplexen Weg gehen – ist, dass die Pigmente der Keramik auf die Temperatur beim Brennen unterschiedlich reagieren. Sobald ein Teil der Lünette schwarz ist spiel das keine Rolle, da konzentriert sich die Temperatur auf den Farbteil, aber bei zwei Farben wird es hoch kompliziert. Das ist der Grund für den hohen Ausschuss bei Pepsi-Lünetten und wohl auch der Grund, warum die WG-Variante auch aus dem Programm genommen wurde.

Horsti
15 Tage zurück
Antworten...  Rene-Gerald

Rolex hat mit der Entscheidung zur „Pepsi“-GMT gezeigt: Nur weil etwas kompliziert gemacht wird, wird es nicht automatisch besser, viel hilft halt nicht viel und treibt nur sinnlos die kosten in die höhe. Als Beispiel: Grand Seiko beweist mit dem neuen 9RB2-Kaliber, was technisch möglich ist — und das auf den ersten Blick in Sachen Uhrmacherkunst. Viele Aftermarket‑Lünetten und Gehäuse (ja, auch „Made in China“) sehen handwerklich oft sauberer aus als die offizielle Rolex‑Variante — nur kann man dafür eben keine 1.000 € und mehr verlangen.
Ich verstehe nicht, warum Käufer bereit sind, solche Summen für Uhren zu zahlen, die in Serienproduktion Qualitäts‑ und Erscheinungsvariationen zeigen. Aber das zeigt sich auch bei den ganz alten Uhren von Rolex mit gefalteten Armbändern. Das ist bestensfalls wie heute auf Seiko 5 Level und die Uhren haben schließlich entsprechend viel gekostet. Nur als Info, in der 60er hat eine Submariner mit der 62Mas von Seiko konkuriert, beide haben damals 150$ gekostet und waren eben damals richtige Werkzeuge. Bitte versteht mich nicht falsch, Rolex baut fantastische Modelle — GMT‑Master II, Daytona, Land‑Dweller, Submariner — und das Angebot ist riesig, wenn man das Geld hat. Ob die Preise angemessen sind muss jeder für sich selbst beurteilen, die Preise stehen für mich in absolut keinem Verhältnis zum Materialeinsatz, auch als Luxus Gut nicht. Persönlich heule ich der Entscheidung keiner Träne nach und werde dieses Pepsi‑Modell nicht vermissen.

Last edited 15 Tage zurück by Horsti