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Die als Chronometer zertifizierte Taucheruhr REEF des Schweizer Herstellers Formex, deren ohnehin schon geniales Gesamtpaket ich im ausführlichen Review ausführlich dargelegt habe, hat eine weiße Zifferblattvariante und ein Upgrade spendiert bekommen: Ein werkzeugloses Schnellwechselsystem – für die Lünette wohlgemerkt.

Während Schnellwechselsysteme für Bänder mittlerweile durchaus gängig bzw. weit verbreitet sind (so eines ist auch bei der Formex REEF an Bord), sind Lünetten für Otto-Normal-Uhrenfreunde in aller Regel nicht so leicht tauschbar. Oder andersrum: Wer nicht grade einen Uhrmacher „unter dem Bett liegen“ hat oder Lust hat mit Pfannenwender, Zahnstocher & Co. zu experimentieren, der sollte lieber die Finger von einem Lünettentausch in Eigenregie lassen.

Die abmontierte Lünette der REEF von unten
Der „nackte“ Korpus der Formex REEF

Ausnahmen bestätigen die Regel: So hat die Augsburger Uhrenmarke Steinhart beispielsweise mit der Apollon Automatic ein Modell im Sortiment, dessen Lünette auch von Laien gewechselt werden kann – allerdings ist dafür ein Sechskantwerkzeug nötig.

Und genau hier setzt die Formex REEF an, die ab sofort mit einem werkzeugfreien (!) Lünetten-Wechselsystem kommt. Als ich das Video dazu erstmalig gesehen habe, zog es mir ehrlich gesagt die Augenbrauen hoch und ich fragte mich beispielweise wie die Lünette bei einem solchen System jemals perfekt zentriert sitzen soll (in dieser Hinsicht bin ich leider ein ganz schöner Korinthenkacker – eine nicht perfekt justierbare Lünette ist meiner Meinung nach ein No-Go, erst recht in der Preisklasse jenseits der 1000€).

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Nun habe ich die Formex REEF mit dem neuen Lünetten-Wechselsystem auch selbst intensiv testen dürfen: Erst habe ich mich nicht so recht getraut die Lünette wie im obigen Video abzuziehen, denn dafür braucht es schon etwas beherzte Krafteinwirkung bzw. Hebelwirkung – kräftige, nicht allzu lange Fingernägel, die gut mit Vitamin B versorgt sind, helfen natürlich auch 😉 . Hat man den Dreh aber erst mal raus, so ist die Lünette in wenigen Sekunden weggedrückt. Der Widerstand zum Lösen ist dabei meiner Meinung nach ziemlich ideal, schließlich will man die Lünette nicht bei jedem Windhauch irgendwo in der Pampa verlieren.

Genau so schnell ist die neue Lünette übrigens auch wieder an den Gehäuse-Korpus gedrückt. Und am besten dabei ist: Egal wie oft ich die Lünette abgezogen und wieder rangedrückt habe – sie saß immer sofort perfekt zentriert, ohne dass ich mehrmals an- und absetzen musste. Auch das 120-Klicks-Rasten der Lünette fühlt sich nach dem Andocken schön satt an.

Der Begriff „Innovation“ wird ziemlich häufig, nahezu inflationär, verwendet, wenn Hersteller ihre Produkte bewerben wollen – und das betrifft natürlich nicht nur Uhren. Eine Innovation im Sinne einer echten Neuheit steckt aber faktisch selten hinter einer solch vollmundigen Ankündigung.

Bei der Formex REEF kann man meiner Meinung nach aber definitiv von einer kleinen Innovation sprechen: In der Summe ist das System mehr als gelungen, ungemein praktikabel und nützlich, wenn man seiner Uhr gerne eine andere Optik verpassen möchte. Mehr noch: Formex hat ein echtes Alleinstellungsmerkmal geschaffen, bei dem ich mich frage, warum das nicht auch schon andere Hersteller hinbekommen haben (jedenfalls ist mir kein anderer Hersteller bekannt, bei dem ein solches System auch nur ansatzweise so gut funktioniert).

Das (ohnehin tolle) Preis-Leistungs-Verhältnis der Formex REEF wird durch das Lünetten-Wechselsystem noch mal deutlich aufgewertet, denn Formex hat auch darauf verzichtet das neue System zum Anlass zu nehmen, um eine Preiserhöhung „durchzudrücken“, was alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist (bei ansonsten gleichbleibenden Spezifikationen).

Ein Wermutströpfchen sei aber genannt: Drückt man die Lünette allzu ruppig weg, so kann es passieren, dass der Lünettenrand an das Gehäuse stößt und somit Kratzer entstehen. PTM (wie meine Wenigkeit) sollten also nicht allzu schwungvoll an der Lünette rumreißen. Im Zweifelsfall hilft aber natürlich auch ein Streifen Tesa als Schutz der Gehäuseoberfläche. Auch im Innenbereich des Gehäusekorpus entstehen zwangsläufig wechselbedingte Kratzer, diese werden aber durch die Lünette vollständig verdeckt.

Das Lünetten-Wechselsystem ist zwar bei jeder Farbvariante der Formex REEF möglich, am Ende des Tages sehen aber natürlich nur bestimmte Farbkombinationen wirklich gut aus (Stichwort: grün und blau schmückt die Sau). Insbesondere die hier gezeigte neue, weiße und „farbneutrale“ Zifferblattvariante aus der hauseigenen Zifferblattmanufaktur bietet sich natürlich an, wenn man tatsächlich alle Lünetten durchwechseln will (wenngleich mir die Kombination aus weißem Zifferblatt und Edelstahllünette wegen mangelndem Kontrast nicht so wirklich gut gefällt). Der Preis für eine separate Wechsellünette (Keramik blau, grün, schwarz oder Edelstahl) beträgt 150€.

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Auch über Kommentare freue ich mich immer sehr (Kommentare werden einzeln, in der Regel innerhalb kurzer Zeit, geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Rumburak Klötenschneider

    Was für ein Unsinn! Und damit meine ich nicht den wie immer souverän geschriebenen Testbericht. Mit so einem Quatsch sind Taucheruhren endgültig in Bereich Mode-Trallalla angekommen. Menschen mit Geschmack wählen mit Bedacht einen für sie geeigneten Zeitmesser aus und tragen diesen dann, Tag für Tag. Modehonks müssen immer erst nachsehen, was gerade abgesagt ist und sich dementsprechend einstellen resp. ausrüsten.
    Heute soll’s die grüne sein, alles ist grüüün! Oder nein, die hatte ich ja vorige Woche schon, nein, heute sind wir in Edelstahl, tres chic, und ab 11.11. wieder blau….
    Ja, sag mal, geht’s noch? Aber jeder Jeck ist anders und Geschmack ist keine Geldfrage. Also.. wohlan!

  2. Peter B.

    Ein praktisches Feature welches unter den unzähligen Berufstauchern
    in noch mehr Foren blankes Entsetzen auslöst.
    Als Erweiterung würde sich eine Lünette mit Countdown Skala anbieten
    wie bei instrumentellen Uhren, z.B der Sinn 104.

  3. randori01

    Es ist wirklich erstaunlich welchen Wandel in Sachen Prestige Formex in den letzten 2-3 Jahren hinbekam. Bis dahin im Uhrforum als Paria gebrandmarkt und mittlerweile gibt es auch dort eine treue Fangemeinde. Wundern kann das nicht, dazu war die Performance der letzten Jahre schlicht zu gut.
    Die Essence ist immer noch eine meiner Lieblingsuhren mit entsprechender Tragezeit, und auch die (alte) Reef kommt nicht zu kurz. Schade, dass das Wechselsystem nicht auch dort angewendet werden kann, aber das wäre auch zuviel erwartet.
    In jedem Falle kann man Formex zum eingeschlagenen Weg nur gratulieren: Produkt, Preis, Qualität, Optik und der jederzeit schnelle und freundliche Kontakt zur Company – toll!

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