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Mal wieder eine neue Microbrand? Jedenfalls nicht im klassischen Sinne: Die beiden Gründer der in Neuenburg (Neuchâtel) ansässigen Gorilla Watches Sarl sind in Fachkreisen keine unbekannten Gesichter: Octavio Garcia und Lukas Gopp können langjährige Erfahrungen beim „Who-is-Who“ der Schweizer Uhrenindustrie vorweisen.

Octavio ist in Chicago geboren und aufgewachsen – später zog es ihn wegen seines Industriedesign-Studiums in die Schweiz, wo er anschließend auch blieb und knapp fünf Jahre als Designer bei Omega tätig war bevor er nach Le Brassus, zum Schweizer Luxusuhrenhersteller Audemars Piguet, wechselte. Nach sieben Jahren als Design Manager schaffte er den Sprung zum Chefdesigner. Octavios Schwerpunkt: Die Audemars Piguet Royal Oak.

Lukas Gopp ist ebenfalls studierter Designer und Marketingfachmann mit langjährigen Erfahrungen als Product Designer bei der italienischen Uhrenmarke Sector, IWC, Ralph Lauren Watch & Jewelry Co. und – kein Zufall – Audemars Piguet.

Im Jahre 2015 verließen Octavio und Lukas dann das Schweizer Schwergewicht – anstelle aber bei einem anderen Luxusuhrenhersteller anzuheuern, verzichteten die beiden auf die Sicherheit einer Festanstellung und haben die neue Uhrenmarke Gorilla Watches Sarl aus der Taufe gehoben – mit eigenem Kapital und bewusstem Verzicht auf die (vermeintlich sicherere) Finanzierungsspritze via Kickstarter.

Dass Octavio Garcia und Lukas Gopp Designer durch und durch sind merkt man sofort – und, dass die beiden mit ihren Designs gemäß dem Motto „love it or hate it“ polarisieren wollen…

*Hinweis / Reklame
Die Gorilla-Uhren wurden für diesen Test von Chronofactum, dem offiziellen Händler für Gorilla in Deutschland und der EU, zur Verfügung gestellt.
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 36
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Blue Demon Test 17
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 2

Gorilla Watches Fastback und Fastback GT im Test

Gorilla Fastback Hugger Orange mit „Camo“-Carbon und Keramik

Gorilla Fastback (deutsch: Schrägheck) – wie der Modellname bereits andeutet, stützt sich das Design von Gorilla vor allem auf Elemente aus dem Automobilbereich im Allgemeinen und amerikanische Muscle Cars wie den Ford Mustang im Speziellen.

Der Ansatz ist mit Blick auf Konkurrenzmarken wie Sevenfriday, Reservoir oder Porsche Design grundsätzlich nicht wirklich neu – die Umsetzung aber schon: Neben aus dem Automobilbereich stammenden, naheliegenden Elementen wie einem Zifferblatt in Tacho-Optik, setzt Gorilla wie kaum eine andere Marke auf einen Mix moderner Leichtbau-Materialien, vor allem Carbon, Keramik, Titan und Aluminium. Elemente aus „schnödem“ Stahl sucht man vergeblich.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 11

Kein Zufall: Heute ist der Leichtbau eine echte Wissenschaft im Rennsport. Intelligente Werkstoffmischungen, insbesondere Carbon, machen beispielsweise Formel-1-Boliden heute nicht nur besonders leicht, sondern auch besonders stabil – mehr als 85 Prozent des Chassis eines Rennwagen bestehen deshalb in der Regel aus Karbon. 

Dass das Gewicht im Rennsport eine wichtige Rolle spielt, ist nicht erst seit gestern so – hierzu eine kleine Anekdote über die Geburtsstunde der Silberpfeile, die ihre Geburtsstunde am Vorabend des 1934er Eifelrennens auf der Waage des Nürburgrings hatten: Die Regeln besagten damals, dass die Formel 1-Flitzer maximal 750 kg wiegen dürfen. Bitter: Der brandneue Mercedes-Benz W 25 brachte jedoch ein Kilo zu viel auf die Waage. Deshalb ordnete der damalige Chef des Mercedes-Benz Rennstalls kurzerhand an, die weiße Farbe des Boliden abzuschleifen, sodass ein silbern glänzender Rennwagen aus Aluminium blieb: die Silberpfeile waren geboren.

Formel E Carbon
Auch die Formel E setzt auf Carbon, Bild: Marco Verch, via Flickr, Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Gorilla ordnet die modernen Leichtbau-Materialien der Fastback-Modelle schichtweise an: So besteht die obere Gehäuseschicht beim Modell Fastback Hugger Orange aus matter Keramik, was in Hinblick auf Kratzervermeidung absolut sinnvoll ist: Keramik ist kratzfest, robust, hitzeresistent, korrosionsbeständig und kommt mit einer sehr feinen Haptik. Vier Innensechskant-Schrauben in den Ecken der Keramik-Lage runden die moderne Optik der Gorilla Fastback Hugger Orange ab.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 4
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 12
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 1

Ein schmaler, orangefarbig eloxierter Streifen aus Aluminium grenzt den Keramik-Teil vom darunterliegenden Teil aus geschmiedetem Carbon ab. Geschmiedetes Carbon (engl. Forged Carbon) wurde ursprünglich von Lamborghini ausgetüftelt: Im Unterschied zu herkömmlichem Carbon, basiert Forged Carbon nicht auf langen, sondern auf kurz geschnittenen und gepressten Kunststofffasern. Die Struktur von Forged Carbon erinnert stark an eine Camouflage-Optik. Die Carbon-Lage bei der Gorilla Fastback Hugger Orange formt auch den Kronenschutz, die darin eingelassene verschraubte und sehr griffige Krone ist aus Titan.

Die Maße der Gorilla Fastback schrecken auf den Ersten Blick vielleicht etwas ab: So beträgt der Durchmesser 44 mm (48,5 mm mit Kronenschutz), das (Quasi-)Horn-zu-Horn-Maß immerhin 57 mm. Und ja, die Gorilla Fastback ist sicherlich keine zierliche Uhr – im direkten Vergleich mit einer Vintage-Rolex GMT-Master 16750 wirkt es so, als würde die Gorilla die Rolex problemlos zum Frühstück verspeisen können.

Dass die Fastback-Modelle eine gewisse Größe mitbringen, passt natürlich auch irgendwo zum extrovertierten Gorilla-Design – man bastelt ja schließlich in der Regel auch keine Carbon-Teile, Rennstreifen oder dergleichen an einen smart ForTwo (zumindest eigentlich).

Allerdings sollte man die Gehäuseform berücksichtigen: Klassische Hörner gibt es nicht, das Band (dazu gleich mehr) dockt nahtlos an das Gehäuse an. Dadurch schwingt sich die Uhr erstaunlich komfortabel um das Handgelenk. Auch nach vielen Stunden Tragezeit empfand ich den Tragekomfort als gut.

Dennoch muss klar sein, dass man einen gewissen Handgelenkumfang für die Gorilla Fastback mitbringen muss – 18 cm sollten es schon mindestens sein (zum Vergleich: Mein Handgelenk misst rund 19 cm Umfang).

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 39
Uhren, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Vintage-Rolex GMT-Master 16750 vs. Gorilla Fastback Hugger Orange

Das Gewicht der Gorilla Fastback Hugger Orange beträgt vergleichsweise geringe 120 Gramm. Kein Wunder: Während Edelstahl, das Standardmaterial in der Uhrenherstellung, ca. 8g/cm³ wiegt, kommen die Hauptelemente der Gorilla Fastback Hugger Orange auf einen Bruchteil davon (Carbon = ca. 2 g/cm³, Keramik = ca. 3 g/cm³, Titan = ca. 5 g/cm³). Auch das zahlt im Alltag bei mehreren Stunden Tragezeit definitiv auf den ordentlichen Tragekomfort ein.

Trotz des Materialmixes ist die Wasserdichtigkeit mit 10 bar bzw. 100 Meter alltagstauglich (zum Schwimmen und Schnorcheln geeignet) – wegen der unterschiedlichen Eigenschaften der eingesetzten Materialien kann ich mir gut vorstellen, dass dies eine gar nicht so kleine Herausforderung war: Die Produktion von Keramik beispielsweise ist recht anspruchsvoll: Keramik-Komponenten schrumpfen während des Brennens um etwa ein Drittel, die Herausforderung besteht also darin, den Größenverlust bei der Produktion zu berücksichtigen, um z.B. nicht die Wasserdichtigkeit oder die exakte Passform zu gefährden.

Die Umsetzung bei Gorilla ist aber mehr als gelungen – um jetzt einfach mal den naheliegenden Auto-Vergleich zu bemühen: Das „Spaltmaß“, also die Übergänge von Keramik auf Alu-Rennstreifen auf Carbon auf Band sind bei der Gorilla Fastback perfekt.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 7

Der Gehäuseboden beherbergt unter anderem (nicht besonders tiefe) Gravuren des Gorilla-Gorillas und der Symbole des Periodensystems, passend zu den Materialien (ZRO2 = Zirkonoxidkeramik etc.). Als Gehäuseboden-Material kommt gebürstetes Titan zum Einsatz – was Uhrenfreunde freuen dürfe, die Probleme mit Kontaktallergien haben.

Hinter dem Gehäuseboden versteckt Gorilla ein Kaliber, das leider nicht so recht mit dem hochmodernen Äußeren Schritt halten kann: Es handelt sich um das japanische Citizen-Miyota Automatikkaliber 8215 mit 21.600 bph (dazu aber später mehr im Fazit).

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 10

Das Zifferblatt wirkt durch seine mehrschichtige Anordnung ebenfalls sehr plastisch und modern und unterstreicht dabei die Optik des Gehäuses: Anstelle klassischer Zeiger kommt im Mittelteil eine radial geschliffene Scheibe zum Einsatz, die mit ihren drei „Speichen“ an ein klassisches Sportlenkrad erinnert. Zwei der drei Speichen sind skelettiert und haben keine Funktion, die dritte Speiche ist mit weißer Super-Luminova gefüllt und stellt den Stundenzeiger dar – ungewöhnlich, aber meiner Meinung nach optisch ziemlich cool gelöst.

Der äußere Bereich ist mattschwarz. Der orangefarbene Minutenzeiger steht in einem sportlichen Kontrast zum Zifferblatt. Das knallige Orange, in Anlehnung an Muscle Cars wie den 1969er Hugger Orange Chevrolet Camaro SS 632, wird auch auf dem Rehaut aufgegriffen.

Das Band aus einer Mischung aus FKM-Kautschuk und Cordura ist mit seiner vollintegrierten Machart nicht einfach nur ein „nachträgliches Anhängsel“, sondern ein wesentlicher, optisch perfekt passender Bestandteil der Gorilla Fastback – das verwundert mit Blick auf den Hintergrund von Octavio Garcia und Lukas Gopp keineswegs, denn die beiden wissen von ihrer Zeit bei Audemars Piguet sicher allzu gut, wie wichtig das Band für die Gesamtoptik einer Uhr ist.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 17

Eckdaten Gorilla Fastback Hugger Orange:

  • Gehäuse aus geschmiedetem Karbon, Lünette aus Keramik mit wasserabweisender Beschichtung, „Rennstreifen“ aus eloxiertem Aluminium, Schraubkrone aus Titan
  • Mattes Zifferblatt
  • Schweizer Super-LumiNova
  • Gewicht (am Band): 115 Gramm
  • Durchmesser 44 mm (48,5 mm mit Kronenschutz)
  • Gehäusehöhe 13 mm
  • Horn-zu-Horn 57 mm
  • Wasserdichtigkeit 100 Meter / 10 bar / 330 ft
  • Saphirglas, beidseitig entspiegelt
  • Japanisches Automatikkaliber Miyota 8215, 21.600 bph
  • Dornschließe aus Titan
  • Band aus FKM-Kautschuk und Cordura
  • Preis: 930€ (abzgl. 10% mit Rabatt-Code CXGORILLA)

Gorilla Fastback Legacy aus Vollcarbon

Die Gorilla Fastback Legacy folgt im Prinzip demselben Aufbau wie die oben ausführlich beschriebene Gorilla Fastback Hugger Orange: Auch bei diesem Modell trennt ein schmaler Alu-Streifen die mehrschichtige Anordnung des Gehäuses. Anstelle eines Keramik-/Carbon-Mixes ist die Legacy aber aus Vollcarbon, d.h. das Gehäuse besteht zu 100 Prozent aus gefrästem Kohlefaser, die vom Aluminium-Rennstreifen durchbrochen wird.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 20

Prägend für die Optik der Fastback Legacy ist vor allem die obere Lage aus Carbon in „Streifenhörnchen“-Optik. Ich muss gestehen, dass mir viele Carbon-Uhren mit dieser Streifen-Optik auf Bildern meistens nicht so gut gefallen, da diese oftmals allzu dominant und manchmal auch etwas billig wirkt. Bei der Gorilla Fastback Legacy war ich aber positiv überrascht: die Streifen kommen in den meisten alltäglichen Lichtverhältnissen sehr dezent rüber, die Optik ist sehr sportlich. Gefällig ist insbesondere auch, dass die Streifen sehr dynamisch der Gehäuseform folgen.

Auch das Zifferblatt ist im Außenbereich, der die gedruckten Minutenziffern in der Optik eines Tachos trägt, aus Carbon – allerdings nicht in Streifen-Optik (was auch a bisserl too much gewesen wäre), sondern in einer „Camo“-Optik, die in ähnlicher Form auch bei der Fastback Hugger Orange zu finden ist.

Zum Einsatz kommt auch bei der Fastback Legacy ein „Lenkrad“-Stundenzeiger in Verbindung mit einem kontrastreich gefärbten Minutenzeiger – in der Farbe rot, passend zum Alu-Streifen und dem Band.

Die Gorilla Fastback Legacy kommt mit einem zweifarbigen Band aus Viton. Viton ist ein Markenzeichen des Chemieriesen DuPont und dessen Fluorelastomere. Viton-Kunststoff ist vergleichsweise teuer und findet beispielsweise Anwendung als Dichtungsmaterial in Anwendungen, in denen eine hohe thermische und chemische Beständigkeit gefordert wird, beispielsweise als O-Ring-Dichtung für lösbare Flanschverbindungen in der Vakuumtechnik.

Dass Gorilla aufgrund dieser Materialeigenschaften auf Viton als Bandmaterial setzt, ergibt Sinn (und ist meines Wissens nach auch ein Alleinstellungsmerkmal im Bereich Uhren): Denn faktisch sind die Viton-Bänder extrem flexibel und bequem – sogar noch mal eine Schippe bequemer als FKM-Bänder, die für mich persönlich die Referenz unter den Kunststoffbändern darstellen (bisher jedenfalls).

Eckdaten Gorilla Fastback Legacy:

  • Gehäuse aus gefrästem Karbon und „Rennstreifen“ aus eloxiertem Aluminium, Krone und Gehäuseboden aus Titan
  • Mattes Zifferblatt aus Karbon
  • Schweizer Super-LumiNova
  • Gewicht (am Band): 108 Gramm
  • Durchmesser 44 mm (48,5 mm mit Kronenschutz)
  • Gehäusehöhe 13 mm
  • Horn-zu-Horn 57 mm
  • Wasserdichtigkeit 100 Meter / 10 bar / 330 ft
  • Saphirglas, beidseitig entspiegelt
  • Japanisches Automatikkaliber Miyota 8215, 21.600 bph
  • Dornschließe aus Titan
  • Zweifarbiges Band aus Viton™
  • Preis: 1050€ (abzgl. 10% mit Rabatt-Code CXGORILLA)

Gorilla Watches Fastback GT Blue Demon

Die Fastback GT-Modellreihe stellt den noch etwas höherwertigeren Einstieg in die Welt der Gorilla-Uhren dar (ab 1390€). So ist beispielsweise das Gehäuse der Fastback GT wie bei der Fastback Hugger Orange mit Lagen aus Keramik, Alu, Carbon und Titan aufgebaut, aber dennoch aufwendiger verarbeitet.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Blue Demon Test 7
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Blue Demon Test 14

Der Farbton der obersten Keramik-Lage ist in einem ungewöhnlichen, knallig-blauen Farbton gehalten, der (sicher nicht zufällig) an den Dodge Challenger Demon Blue erinnert. Insbesondere auch durch die Hochglanzverarbeitung erinnert die Keramiklage an die Karosserie eines Autos. Der Kronenschutz aus Titan ist nachträglich aufgeschraubt, was ein wenig an Chronographendrücker erinnert und die sportliche Optik unterstreicht.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Blue Demon Test 5

Das Zifferblatt kommt grundsätzlich im selben Design wie die Fastback-Modelle (ohne „GT“), ist mit seinen applizierten, plastischen Minutenziffern aber ebenfalls aufwendiger verarbeitet.

Ins Auge sticht insbesondere auch die Teilskelettierung: Auf der Höhe von 5 bzw. 6 Uhr befindet sich ein „Guckloch“ für die offene Unruh. Ermöglicht wird das durch das Automatikwerk Miyota 90S5 „Open Heart“, das – anders als bei den Fastback-Modellen – durch den Gehäuseboden bei der Arbeit beobachtet werden kann:

Ich bin eigentlich kein allzu großer Fan von einer offenen Unruh, zu einer hochmodernen Uhr mit Automobil-Thema wie die Gorilla Fastback GT passt dieses Element aber natürlich wie der Ford GT40 auf die Rennstrecke. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass Gorilla wegen der offenen Unruh die Minutenziffern „25“ und „30“ etwas seltsam abgesäbelt hat – so bleibt insbesondere von der Ziffer „2“ in „25“ nur noch ein Muggeseggele übrig:

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Blue Demon Test 3

Anders als in der Gorilla Fastback tickt in der Fastback GT-Modellreihe das höherwertigere japanische Automatikkaliber Miyota 90S5, eine Variante des bekannten Miyota 9015 mit offengelegter Unruh, das alles mitbringt, das man sich von einem modernen Standardkaliber wünschen kann (28.800 bph, Sekundenstopp bei gezogener Krone etc.).

Hinsichtlich der Ganggenauigkeit gibt Miyota in den offiziellen Spezifikationen „ab Werk“ Standardwerte von -10 bis+30 Sekunden pro Tag an – deutlich besser als beim Miyota 8215 (-20 bis+40 Sekunden pro Tag), gleichzeitig aber auch schlechter als beim Sellita SW200 Standard (-12 bis +12 Sekunden pro Tag), was Gorilla aber mit einer sehr guten Feinregulierung „einfängt“ (auf der Zeitwaage: +5,5 Sekunden pro Tag).

Alles in allem gilt die Miyota 9er-Reihe gemeinhin als echte Alternative zu Schweizer Standardwerken wie dem Sellita SW200, weshalb ich doch sehr verwundert bin, dass vergleichsweise wenig Marken auf das Kaliber setzen.

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Blue Demon Test 4
Das Miyota 90S5 in der Gorilla Fastback GT

Eckdaten Fastback GT Blue Demon:

  • Lünette aus polierter Keramik in Pazifik-Blau, Eloxierter „Pinstripe“ aus Aluminium, Gefrästes Gehäuse aus Karbon, Schraubkrone und Kronenschutz aus Titan, Zifferblatt in anodisiertem Aluminium mit Rundschliff
  • Schweizer Super-LumiNova
  • Gewicht (am Band): 120 Gramm
  • Durchmesser 44 mm (48,5 mm mit Kronenschutz)
  • Gehäusehöhe 13 mm
  • Horn-zu-Horn 57 mm
  • Wasserdichtigkeit 100 Meter / 10 bar / 330 ft
  • Saphirglas, beidseitig entspiegelt
  • Japanisches Automatikkaliber Miyota 90S5, 28.800 bph, Sekundenstopp, sichtbare Unruh
  • Dornschließe aus Titan
  • Zweifarbiges Band aus Viton™
  • Preis: 1780€ (abzgl. 10% mit Rabatt-Code CXGORILLA)

Gorilla Watches Fastback (GT): Fazit

In der Preisklasse, in der sich Gorilla bewegt, tummeln sich eine Menge Wettbewerber – die versuchen allerdings in der Regel eher den Massengeschmack zu bedienen. Nicht so Gorilla: Das Design der hier vorgestellten Modelle Fastback bzw. Fastback GT ist extrovertiert bis eigenwillig und spaltet garantiert die Gemüter, der Wiedererkennungswert ist extrem hoch.

In der Summe ist das Äußere der Gorilla-Modellreihe ziemlich spektakulär – im Kontrast dazu kann das Innenleben allerdings (zumindest bei den Fastback-Modellen) nicht mithalten: Einerseits ist die Entscheidung für Miyota 8215-Kaliber nachvollziehbar, denn Gorilla möchte sich im bezahlbaren Bereich positionieren. Andererseits bin ich mir auch ziemlich sicher, dass viele Uhrenfreunde gerne ein paar Euro mehr auf den Tisch für ein Sellita-Kaliber legen würden (oder ein Miyota 9000 in jeder Gorilla-Uhr als Mindeststandard – so wie das bei den Fastback GT-Modellen der Fall ist). Denn so wirkt der Automatikantrieb in Form des Miyota 8215 bei den Fastback-Modellen (obwohl mit +5 bzw. +11 Sekunden pro Tag gut einreguliert) ein bisschen wie ein Nissan Micra-Motor unter der Haube eines Ford Mustang GT.

Insofern gestaltet sich eine Aussage zum Preis-Leistungs-Verhältnis als diffizil: Wer eine Uhr im hochmodernen Design und mit leichten Hightech-Materialien sucht und keinen allzu großen Wert auf das Innenleben legt, der findet in der Gorilla Fastback eine Uhr mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis – in der Preisklasse unter 1000€ gibt es eigentlich nichts Vergleichbares. Wer allerdings will, dass die inneren Werte mit dem Äußeren mithalten können, der muss immerhin rund 500€ mehr für die Fastback GT auf den Tisch legen – eine Entscheidung, die wohl überlegt sein will.

Gorilla-Uhren sind in der EU beim offiziellen deutschen Händler Chronofactum erhältlich. Bei Anwendung des Codes „CXGORILLA“ lassen sich 10% sparen (gilt nicht für Thunderbolt und Drift-Modelle)

Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 19
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Blue Demon Test 12
Gorilla Watches Uhren Fastback GT Test 14

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12 Kommentare
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Andreas
8. Februar 2022 17:06

Lieber Mario, danke für die tolle Vorstellung und die großartigen Fotos.

Ich hab die Gorillas schon länger im Blick. Die präzise Zusammenführung der unterschiedlichen, teils extravaganten Materialien hat mich von Beginn an begeistert. Bei der Drift kommt dann ja noch ein Wandering-Hours-Modul dazu. Muss auch nicht jedermanns sein. Mir jedenfalls lieber, als eine völlig überteuerte Auster mit Glaswarze, die selbst Kaugummiautomatenuhren zur Scheußlichkeit gereichen würde.

Frank T. aus MZ
7. Februar 2022 20:46

Hi Mario, ich muss mich der negativen Bewertung der bisherigen Kommentare leider anschließen. Wenn ich die 4 Schräubchen und die Lasergravur des Bodens sehe, meldet sich meine Migräne (haben alle schönen Menschen ;-)) zurück. Diese zwei Attribute funktionieren imo bis max. EUR 300-400, ganz zu schweigen von dem Miyota-Werk. Beim Markenname dachte ich zuerst an Gläser von Smartphones oder Uhren. Dennoch besten Dank für die Vorstellung! In Punkto „Carbon“ kann man alternativ übrigens auch virtuell bei H2O Watches reinschauen, sofern man einen dicken Arm besitzt.

Konrad
7. Februar 2022 13:20

Hallo Mario,
tolle Bilder aber bei Deiner Vorstellung warst Du in meinen Augen etwas zu enthusiastisch. Betrachte Gorilla Uhren doch einmal unter folgendenden Aspekten: 1. Gutes Design sollte unaufdringlich sein; 2. Gutes Design zeichnet sich dadurch aus, dass es so weinig wie möglich „designt“ ist.
Wenn man das im Blick hat, kommt man bei Gorilla vieleicht zu einer anderen Einschätzung

Konrad
14. Februar 2022 11:10
Antworten...  Mario

Guten Morgen Mario,
deine Antwort zeigt mir, dass ich mit meinem Kommentar komplett falsch verstanden worden bin. Meine Anregung bezog sich darauf, das Design von „Gorilla“ doch beispielsweise einfach einmal durch die Brille eines bekanntermaßen großen und wegweisenden Designers wie Dieter Rams zu betrachten. Selbst wenn man die 10 Gebote seiner Design Regel alle beachtet, führt das in keinem Fall zu uniform aussehenden Zeitmessern. Hier zwei Beispiele:
Wenn César de Trey sich in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts sich eine Uhr wünscht, bei der das damal übliche Kristallglas gut geschütz ist, blieb René-Alfred Chauvot als Lösung dafür mit den damaligen technische Möglichkeiten nur das Wendegehäuse übrig. Da das aber nur mit einer eckigen Uhr funktioniert, entstand die sicher nicht langweilige Ur-Reverso.
Wenn man im Jahr 1953 eine Uhr auf den Markt bringt, die den Anforderungen beim Tauchen gewachsen ist, kann das Design der Ur-Sub herauskommen, es kann aber auch eine Seiko 62MAS, eine Fifty Fathoms, ein Aquatimer, eine Breguet 1646, eine Sherpa Diver, …. entstehen. Langweiliges Einerlei??? – Mitnichten, obwohl jeder der Maxime „so wenig Design wie möglich“ folgt.

Das was ich zum Ausdruck bringen wollte: Bei Gorilla scheint mir Design zum nicht konsequenten Selbstzweck geworden zu sein und für den Nutzer keinen ehrlichen Gegenwert zu bieten.

Anonym
6. Februar 2022 14:20

Ich muss hier mal helfend eingreifen. Die laut schwäbischem Duden und Brockhaus korrekte Schreibweise ist : “ Muckeseckele“. … Wieder mal ein grandioser Beitrag mit super gemachten Photos – toll !
Mir persönlich gefällt die Uhr nicht. Warum 2 Designer und Marketingexperten sich den Firmennamen „Gorilla“ geben ??!! – da waren sicherlich ein / zwei / drei Gläser Rotweis und 1 Joint zu viel im Spiel. Durchmesser zu gross, ein Uhrwerk wie ein Trabi, das Design wie eine billige Kirmesuhr und der Gehäuseboden billig ( nur gelasert, nicht geprägt ) Ich glaube nicht, dass dieses Konzept gut ankommt.
Schön wären hier wieder die Nennung von alternativen Herstellern gewesen. Ich nenne mal als Beispiel LIV ( livwatches.com ) Selitta Uhrwerk, 3 Grössen und faire Preise. Bei Steinhart und Squale gibt es auch schöne, bezahlbare Carbonuhren.

DjangoMurats
6. Februar 2022 12:48

Super Artikel, danke hierfür.
Aber das beste ist das Muggeseggele!!!
Man sieht es selten geschrieben und es beschreibt den Rest vom 2er genau richtig. Klasse!

Dlanor Lepov
6. Februar 2022 11:42

Der Preisunterschied zwischen dem 8215 und dem 9015 Uhrwerk liegt bei ca. 60 Euro im Einzelhandel.
Mir scheint hier wurde am falschen Ende gespart, zumal das 8215 keinen Sekundenstopp hat. Das passt nicht zum Motorsport-Design.
Aber die Materialauswahl ist schon toll.
Da ich kein Swiss Made sehe, wird die Uhr wohl in Asien produziert. Das macht die Preisgestaltung IMHO etwas abenteuerlich. Ich frage mich was wohl ein Ersatzuhrband kostet…..

Wolfgang
6. Februar 2022 11:34

Absolut nicht mein Ding. Trotz Deiner tollen Fotos.
Mein bescheidener Eindruck: Zu sehr gewollt und nicht gekonnt, Machen auf den ersten Blick einen billigen Eindruck. Kleiner und die würden als Spielzeuguhren für den Nachwuchs durchgehen.
Der Name löst bei mir unangenehme Assoziationen Richtung eines imho absolut unnötigen Lebensmittellieferanten aus.
Ich würde die Designer dieser Uhren niemals in Verbindung setzen mit den eingangs des Artikels beschriebenen Firmen.
Lieber Mario, vielen Dank für immer wieder neue Einblicke in die Welt der Uhren.

Thomas
6. Februar 2022 20:41
Antworten...  Wolfgang

@Dlanor Lepov: Die Preise für alternative bzw. Ersatzuhrbänder können im Webshop der Gorilla-Homepage eingesehen werden und sind (im Marktumfeld betrachtet) IMHO nicht sonderlich auffällig.