Alexander Shorokhov

Alexander Shorokhoff im Interview: Über Zeitreisen, gravierte Schnurrbärte und künstlerische Inspirationen

Eines muss man Alexander Shorokhoff lassen: Das Uhren-Design des in Alzenau (bei Frankfurt) ansässigen Herstellers ist durch und durch eigenständig, wie ich zuletzt auf der Baselworld erneut persönlich feststellen konnte. Mit künstlerischen Gravuren, die 10Alexander Shorokhov0% individualisierbar sind, hat Alexander Shorokhoff sogar noch einen weiteren Pfeil im Köcher, der den Hersteller deutlich vom Wettbewerb abgrenzt. Oder anders gesagt: Der Slogan „Kunst am Handgelenk“ wird den Uhren des Herstellers mehr als gerecht – die Modelle des gebürtigen Russen Alexander Shorokhov sind eine willkommene Abwechslung zum derzeitigen Uhrenmarkt, der manchmal etwas zu uninspiriert und Hommagen-lastig ist.

Eine Menge Gründe also, Alexander Shorokhov in einem Interview zu seinen Kollektion, den Uhrenmarkt und einige persönliche Dinge zu befragen. Unter anderem beantwortet er die Frage, welche individuellen Gravur-Wünsche schon geäußert wurden (so viel vorweg: Ein Wunsch hat etwas mit dem Schnurrbart des Kunden zu tun… )

 

Tipp: Weitere Hintergrundinfos zur Marke Alexander Shorokhoff gibt’s in diesem Artikel:

Alexander Shorokhoff Regulator R01 im Test – „Handmade in Germany“ trifft russischen Stilbruch

 

Über Alexander Shorokhoff-Uhren

Die allermeisten Ihrer Modelle sind limitiert – warum?

AS: Wir kreieren besondere, kunstvolle Modelle, die von Kunst und Kultur aus aller Welt inspiriert sind. Das Design ist sehr eigenständig und die Herstellung ist teilweise sehr aufwändig (auf Grund von viel Handarbeit) und nicht für den Massenmarkt geeignet. Zusätzlich wollen wir dem Kunden mit der Limitierung eine gewisse Exklusivität bieten. Von einigen Modellen gibt es sogar nur ein einziges Stück.

Gibt es den typischen Käufer von Alexander Shorokhoff-Uhren? Falls ja: Wie lässt er/sie sich beschreiben?

AS: Wir möchten eigentlich ungern unseren Kunden in eine Schublade stecken. Menschen sind so vielseitig. Was wir aber sagen können ist, dass unser Kunde keine große Marke braucht, um ein Statement zu setzten. Unser Kunde ist ein Individualist, der außergewöhnliche Uhren liebt und schätzt und fern ab vom Mainstream ist.

Alexander Shorokhoff Barbara_web-6
Alexander Shorokhoff Modell „Barbara“ aus der Avantgarde-Modellreihe, welche 2016 den German Design Award „Special Mention“ gewonnen hat und zu Ehren der berühmten Jazzmusikerin Barbara Dennerlein designt wurde.

Wo sehen Sie die Marke Alexander Shorokhoff in 10 Jahren?

AS: Die Marke Alexander Shorokhoff ist gut positioniert und das Profil ist geschärft. Wir haben in den letzten Jahren unsere eigene kunstvolle Nische aufgebaut, die wir natürlich auch in den nächsten Jahren weiter stärken wollen. Zusätzlich wollen wir unsere Markenbekanntheit weiterhin erhöhen und eine eigene Manufaktur bauen.

Künstlerisches Design: Alexander Shorokhoff Modell „Kandy Avantgarde

Im Preisumfeld von Alexander Shorokhoff (ab 1000€) tummeln sich eine Menge gestandener Hersteller. Das Unterscheidungsmerkmal von Alexander Shorokhoff ist aber sehr augenscheinlich (Kunst am Handgelenk). Im Portfolio von Alexander Shorokhoff sind zwar auch klassische Modelle (wie z.B. die Vintage-Modellreihe), insbesondere aber viele sehr ausgefallene Designs. Bei welchen Gelegenheiten kommen Ihnen die besten Design-Ideen / wo bzw. wie holen Sie sich Inspiration für neue Modelle?

AS: Überall. Ich reise sehr viel und sehr gerne. Auf allen meinen Reisen sammle ich Eindrücke, die mich inspirieren, die ich dann zu außergewöhnlichen Modellen verarbeite. Aus meiner letzten Reise nach Mexico entstand beispielsweise das Modell „Los Craneos“, welches ich Frida Kahlo gewidmet habe. Sie war eine starke Persönlichkeit und hat mich als Künstlerin sehr fasziniert und inspiriert. Ansonsten kommen meine Ideen natürlich auch aus meiner Herkunft. Das russische Kulturerbe und die großartigen russischen Künstler aus dem 19. Jahrhundert begeistern mich nach wie vor.

Alexander Shorokhoff Modell „Los Craneos“, von mir begutachtet auf der Baselworld 2018

Alexander Shorokhoff bietet viele Individualisierungsmöglichkeiten, insbesondere über Gravuren, und hat dadurch ein weiteres Abgrenzungsmerkmal. Gab es mal einen besonders ausgefallenen Kundenwunsch?

AS: Alle Kundenwünsche sind sehr besonders und ausgefallen, genau das ist das Interessante daran. Es macht unheimlich viel Spaß gemeinsam mit dem Kunden etwas zu kreieren und Ihn in den Entstehungsprozess mit einzubeziehen. Bei unserem letzten Projekt mussten wir schneebedeckte Berge auf einem Zifferblatt umsetzten, die wir zuerst graviert und dann mit weißer Emaille gefüllt haben. Ein anderes Mal wollte ein Kunde eine Abbildung seines Schnurrbarts auf dem Zifferblatt haben. Wir können jeden Kundenwunsch umsetzen.

 

Alexander Shorokhov persönlich

Angenommen Sie hätten eine Zeitmaschine – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

AS: In die Mitte des 19. Jahrhunderts, um noch vor Gaudi, Klimt oder Kandinsky als Erster eine eigene Avantgarde-Richtung im Bereich Architektur oder der Malerei zu beginnen.

Berühmt: „Der Kuss“ vom österreichischen Maler Gustav Klimt (1862 – 1918).

Wenn der Tag 48 Stunden statt 24 Stunden hätte – für was würden Sie die zusätzliche Zeit nutzen?

AS: Ich hätte noch etwas Verrücktes in der Architektur- oder in der Modebranche gemacht. In Wirklichkeit habe ich noch vor das neue Manufakturgebäude zu entwickeln und zu bauen. Dafür braucht man definitiv 48 Stunden am Tag.

Welchen Tag bzw. welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

AS: Der 23.11.1984, 07:45 Uhr als meine Tochter Inga geboren wurde.  Mittlerweile arbeitet Sie mit in der Manufaktur im Bereich Marketing. Ich hoffe Sie wird irgendwann in meine Fußstapfen treten.

Alexander Shorokhov und Tochter Inga Duffy-Shorokhova
Alexander Shorokhov und seine Tochter Inga Duffy-Shorokhova

Was war Ihre allererste mechanische Uhr? Zu welchem Anlass haben Sie diese gekauft/geschenkt bekommen?

AS: Nach meinem ersten Job als Hilfsarbeiter habe ich mir selbst als 16-jähriger meine erste mechanische Poljot-Uhr gekauft.

Wie kommt man als Ingenieur bzw. von einem Posten als Direktor in einem Bauunternehmen zur Uhrenindustrie?

AS: Es geht wahrscheinlich weniger um den Posten als Direktor, das Bauunternehmen oder die Uhrenindustrie. Es geht vielmehr um den Drang eine sprudelnde Kreativität real werden zu lassen. Ich habe es immer in mir stark gespürt und schon immer etwas Kreatives gemacht. Das Leben hat mir eine Chance gegeben meine Kreativität in der Uhrenindustrie als Beruf auszuüben und ich bin sehr dankbar dafür.

Wie schwer fiel Ihnen damals der Schritt vom Arbeitnehmer-Dasein in die Selbstständigkeit?

AS: Als Dreißigjähriger mit einer guten Ausbildung und mit voller Energie denkt man darüber nicht nach. Man will was bewegen, was Neues schaffen. Und man tut es einfach. „Wir können in diesem Alter auf Brettern fliegen, wichtig wäre es zu fliegen.“ hat Alexey Leonov, erster Kosmonaut im offenen Weltall, gesagt. Und das ist absolut richtig so.

Während der Perestroika im Jahre 1991 bot niemand geringeres als der Präsident der damaligen Sowjetunion, Michail Gorbatschow,  dem Moskauer Alexander Shorokhov die Chance eine Fortbildung beim Hessischen Wirtschaftsministerium anzutreten, Bild: Alexander Shorokhoff

Alexander Shorokhoff und der Uhren-Markt

Grauhändler wie Chronext oder Uhrinstinkt sind nach wie vor mit ihren Online-Angeboten auf dem Vormarsch. Auch viele Hersteller fassen den Online-Direktvertrieb mittlerweile verstärkt ins Auge (z.B. Omega). Was hat Sie dazu bewogen Ihre Modelle mittlerweile ebenfalls direkt über einen eigenen Online-Shop zu verkaufen?

AS: Seit Beginn, im Jahr 2003, haben wir unsere Modelle nur an den Fachhandel ausgeliefert. Erst seit 2016 haben wir eine spezielle Vintage-Kollektion nur für den Onlinevertrieb geschaffen, die mit seltenen, heute nicht mehr produzierten Uhrwerken versehen ist. Mittlerweile verkaufen wir dort auch einige Modelle der Avantgarde– und Heritage-Kollektion. Verkaufsstrukturen der Uhrenindustrie sind seit ein paar Jahren im dramatischen Wandel. Wir dürfen da auch nicht stehen bleiben. Wichtig ist für den Markt aber das gleiche Preislevel zu halten und einen soliden Service auf allen Verkaufskanälen anzubieten. Sonst verwirren wir den Kunden und er verliert das Vertrauen in die Marke.

Smartwatches: Chance oder Gefahr für traditionelle Uhrenhersteller?

AS: Eine Entwicklung kann man nicht stoppen. Die Smartwatches haben ihre Berechtigung auf dem Markt. Für mich sind aber Smartwatches keine große Konkurrenz, schließlich bewegen wir uns in komplett andere Richtungen. Wir haben mit unseren mechanischen „Kunstwerken am Handgelenk“ eine besondere Nische auf dem Uhrenmarkt geschaffen und daran wollen wir weiterhin festhalten.

TAG Heuer Connected Modular 45 mit iPhone iOS Android Wear 2.0 -3
Der Kontrast zu Alexander Shorokhoff könnte größer kaum sein: TAG Heuer Connected Smartwatch

Mit Blick auf die Schweizer Exportstatistik als Indikator zieht die Uhrenbranche nach einer langen Durststrecke derzeit wieder an – wie haben Sie das Jahr 2017 wahrgenommen und wie haben Sie ggf. reagiert?

AS: Sicherlich war das Jahr 2017 auch für uns nicht leicht, aber wir hatten trotzdem einen guten Abschluss mit einer kleinen Steigerung zum Vorjahr und sind auch weiterhin positiv gestimmt. Als kleine Manufaktur können wir uns gut an bestimmte Veränderungen anpassen und demensprechend agieren. Weiterhin ist es für uns sehr wichtig an den Zielen festzuhalten und sie weiter auszubauen.

Alexander Shorokhoff produziert in Alzenau bei Frankfurt (Main). Sehen Sie als Uhrenhersteller bestimmte Vorteile oder Nachteile im Produktionsstandort gegenüber Clustern wie Glashütte oder das Schweizer Jura (z.B. La Chaux-de-Fonds)?

AS: Natürlich helfen die genannten Ortsnamen, wie Glashütte oder Jura bei erleichterten Produktionsmöglichkeiten und Marketingansätzen. Die Kommunikations- und Beschaffungsstrukturen sind in der letzten Zeit aber so gut geworden, dass dieser Unterschied kleiner und kleiner wird.

Uhrenmuseum Glashütte bei Dresden
Beschauliches Dörfchen mit großem Namen: Das Deutsche Uhrenmuseum im Zentrum von Glashütte

Was ist die größte Herausforderung für einen Hersteller hochwertiger, mechanischer Uhren heutzutage?

AS: Die Herausforderung war und bleibt ein einzigartiges Produkt zu schaffen und dieses auf höchstem technischem Niveau zu produzieren. Zusätzlich kommen heutzutage noch viele neue Aufgaben im Marketingbereich hinzu, weil der Markt viel direkter geworden ist.

Vielen Dank für das Interview, Herr Shorokhov!

 

 

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