Longines goes green – die älteste aktive Uhrenmarke der Welt, die seit 1832 im Schweizer Saint-Imier ansässige Longines S.A. (heute Teil der Swatch Gruppe), erweitert Anfang 2020 die Longines Hydro Conquest-Modellreihe um zwei neue grüne Varianten – eine davon bekommt mit einem Keramik-Zifferblatt und einer Unruhspiralfeder aus Silizium sogar ein ordentliches Upgrade spendiert. Damit wollen die Schweizer offenbar wieder näher an die hauseigene Konkurrenz aus dem Hause Omega ranrücken

Die grüne Longines „LHC“ im Schnellcheck (2020)

Die Basis-Variante der neuen khaki-grünen Longines Hydro Conquest Automatik ergänzt die bereits erhältlichen Farbvarianten blau, schwarz und grau und kommt mit denselben Eckdaten: Saphirglas, Keramiklünette, 30 bar Wasserdichtigkeit, 41 oder 43 mm Durchmesser und das Automatikkaliber L888.3, eine Variante des beliebten ETA 2892-A2. Beim L888 geht Longines denselben Weg wie Union Glashütte mit der Belisar Sport Datum: Durch eine reduzierte Frequenz (3,5 Hz, d.h. 25200 Halbschwingungen pro Stunde anstelle 4 Hz, d.h. 28800 Halbschwingungen pro Stunde) konnte der Werkelieferant ETA die Gangreserve auf ziemlich gute 64 Stunden hochschrauben – allerdings schleicht der Sekundenzeiger bei ganz genauem Hinsehen etwas weniger „rund“ als bei der Standardausführung des ETA 2892 mit nur 42 Stunden Gangreserve. Der Preis der neuen Longines-„Hulk“ ist mit 1390€ unverändert gegenüber den anderen Farben.

Spannender finde ich aber die Premium-Ausführung der grünen Longines Hydroconquest: Diese kommt – wie die Omega Seamaster 300m – mit einem Zifferblatt aus Keramik. Die Farbe der Keramik soll laut Longines deutlich satter („smaragdgrün“) wirken als bei der Standard-Ausführung. Eine vertikale Bürstung sorgt für Struktur. Der Schriftzug ZrO2 (Zirconiumdioxid-Keramik) auf dem Zifferblatt weist auf den Einsatz des Materials hin. Man beachte: Die Premium-HydroConquest wird es nur in der Größe 41 mm geben.

Bei der Keramik-Zifferblatt-Variante packt Longines noch ein weiteres Goodie oben drauf: Das L888 Automatikwerk bekommt noch eine Silizium-Spirale spendiert, die in einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Branchenriesen Swatch Group, Patek Philippe und Rolex entstanden ist. Die Vorteile einer Siliziumspirale liegen bei einer besseren Korrosionsfestigkeit, Stoßfestigkeit und einer Unempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern. Das sorgt in der Summe für eine bessere Ganggenauigkeit. Mehr über die Silizium-Unruhspiralfeder gibt’s hier.

Leider wird der Blick auf das Werk durch einen massiven, verschraubten Gehäuseboden versperrt – die geniale, tiefe Gravur entschädigt aber dafür (weitere Bilder gibt’s in meinem Test zum Auslaufmodell Longines HydroConquest Chronograph L3.644.4.56.6). Man beachte auf dem Bild unten auch den Schnellwechselmechanismus für das Stahlband, der alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist und einen Kratzer-freien Bandwechsel ermöglicht – toll!

Quo Vadis Longines?

Das Keramik-Zifferblatt und das Werks-Upgrade haben ihren Preis: 2070€ ruft Longines für die grüne Premium-HydroConquest auf. Die Variante soll außerdem ausschließlich in der eigenen Longines Online-Boutique erhältlich sein – das ist sicherlich der effektivste Weg, um zu verhindern, dass Online-Grauhändler mit Rabatten um sich werfen können, da Longines durch das Direktgeschäft die volle Kontrolle hat und „nebenbei“ auch noch die Händlermarge einstecken kann.

Der Ansatz dürfte wahrscheinlich auch gut funktionieren – in diversen Uhren-Communities findet die grüne Premium-Hydroconquest schon eine Menge Anklang, trotz des Aufpreises (+680€) gegenüber der „normalen“ Variante. Das wundert mich nicht: Bei den „alten“ Modellen der Longines Hydro Conquest hat man einfach gemerkt, dass die Swatch-Gruppe allzu große Nähe zur deutlich teureren Omega Seamaster 300m verhindern möchte (damals kam die Longines Hydro Conquest beispielsweise noch mit Alu-Lünette). Wäre ja auch irgendwie doof, wenn sich die Modelle kannibalisieren, wird sich der Markenverantwortliche gedacht haben 😉 Mit der Premium-Hydro Conquest wagt die Swatch-Gruppe nun aber endlich einen ausstattungstechnischen Schritt nach vorn, um die Lücke zur aktuellen, aufgewerteten und (wie auch sonst) teureren Omega Seamaster 300m nicht zu groß werden zu lassen. Das dürfte der Marke Longines im allgemeinen, und der sehr beliebten Taucheruhr Hydro Conquest im speziellen, auf jeden Fall gut tun…

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Reiner

    Sehr schöner Bericht und für mich ein Grund mehr, mich um dieses neue Modell von Longines zu bemühen.
    Ich könnte mir vorstellen, dass diese schöne Uhr, in dem schönen Grün, in meiner Sammlung einen guten Platz finden wird. Vertreten sind bis jetzt Breitling Super Ocean Heritage, Omega Speedmaster Moonwatch, Mühle Glashütte Teutonia II, IWC Mark 17, Sinn 757 Tegiment, Oris Aquis, Maurice Lacroix GMT😃🎆❤
    Kann ich die neue Longines mit Keramikzifferblatt und neuer Unruhspirale beim Konzessionär anschauen oder muss ich blind im Onlineshop bestellen?
    Gruß Reiner

    1. Mario

      Hi Reiner, danke für deinen Kommentar. Die „Sonder“-Edition mit Keramikblatt musst du leider blind bestellen, da ausschließlich dem Longines Onlineshop vorbehalten. Im Zweifelsfall kannst du aber ganz normal von deinem Rücktrittsrecht Gebrauch machen.

  2. heiko

    Super tolle Uhr bin am überlegen

  3. Joachim

    Danke für die Vorstellung. Sehr schöne Uhr und tolle neue Features. Nur 41mm ist aber für mich eine ziemliche Einschränkung. Ich denke aber die kennen ihr Absatzzahlen und setzen erst mal auf die gängiste Modellgröße. Die Farbe muss ich mir mal in real ansehen. Ich habe mir die blaue in 43mm zugelegt und finde die Farbintensität perfekt elegant. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses gebürstete Grün ebenfalls sehr schön sein kann.

  4. Rumburak Klötenschneider

    Licht und Schatten dicht beieinander. Die Uhr sieht so richtig chic aus, aber warum gibt es die aufgebrezelte Variante nur in 41 mm? Das ist für uns kräftige Jungs zu klein, die Submariner (40 mm) z.B. sieht an meinem Handgelenk aus wie eine Kinderuhr. Was hingegen extraklasse zu sein scheint, ist dieser Schnellwechselmechanismus. Hab ich bisher noch nie gesehen, macht endlich Schluss mit dem nervigen Rumgefriemel beim Bandwechsel. Warum adaptieren das nicht andere Hersteller? Sonst ist marioüblich alles im Lack.

  5. Günter

    Hallo Mario. Guter Artikel, wie immer. Ich finde die gelungen und finde Longines generell gut. Optisch casual, zum Anzug zum chillen. Hat immer die passenden Uhren. Auch technisch müssen die sich nicht verstecken. Meiner Meinung nach. Gruss

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