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Die Konstruktion mechanischer Uhren folgt gewissen Gesetzmäßigkeiten, an die sich Uhrmacher halten müssen. Neue, hochpräzise Produktionsverfahren und eine Menge kreativer Hirnschmalz, den Luxusuhrenherstellern in die Entwicklung stecken, sorgen dennoch für immer neue Rekorde. Und so ist die neue mechanische Uhr RM UP-01 Ferrari von Richard Mille mit hauchdünnen 1,75 Millimetern deutlich flacher als eine 1€-Münze und sogar etwas flacher als das Modell Octo Finissimo Ultra vom bisherigen Spitzenreiter Bulgari. Allerdings steigt auch der Aufwand exponentiell, um bei einer mechanischen Uhr zusätzliche Mikrometer einzusparen – und dafür lassen sich Hersteller wie Richard Mille natürlich auch fürstlich entlohnen

Flache duenne Uhr Richard Mille

Flache Uhren: Die Top 3 von Piaget, Bulgari und Richard Mille

Der „Weltmeistertitel“ für die flachste Uhr der Welt hat in den letzten zwei Jahren nun schon zum dritten mal gewechselt: Von Piaget zu Bulgari und nun zu Richard Mille.

Den Beginn machte die im Schweizer La Côte-aux-Fées ansässige Uhrenmanufaktur Piaget, die in den 60er Jahren bereits mit einem ultraflachen Kaliber namens 12P an den Markt herangetreten ist. 60 Jahre später, Mitte 2020, folgte mit der Altiplano Ultimate Concept eine grade mal 2 Millimeter hohe Uhr von Piaget. Weltrekord!

Zum Vergleich: Gängige Dreizeigeruhren mit Standardkalibern aus dem Hause Sellita kommen höchstselten unter 10 mm. Chronographen landen gar schnell mal bei rund 15 mm.

Kostenpunkt für die Piaget: 417.000€ (nein, da ist keine „Null“ zu viel).

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Anfang 2022 wurde Piaget allerdings von Bulgari vom Thron gestoßen: Die in Rom gegründete Uhrenmanufaktur hat unter der Flagge der Modellreihe Octo (benannt nach der oktogonalen Gehäuseform), die ursprünglich von der Uhrendesigner-Legende Genta ausgetüftelt und 2000 von Bulgari erworben wurde, eine grade mal 1,8 mm hohe Uhr produziert.

Das Handaufzugkaliber für das Modell Bulgari Octo Finissimo Ultra wurde zusammen mit den Experten der Schweizer Concepto SA ausgetüftelt und ist dank diverser, teilweise patentierter Konstruktionstechniken grade mal 1,5 mm flach, bietet aber gleichzeitig dennoch eine ordentliche Gangreserve von 50 Stunden.

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Stunden, Minuten und Sekunden müssen aufgrund der Spezialkonstruktion von separat platzierten Mini-Zifferblättern abgelesen werden, da Bulgari die Mechanik „plattgedrückt“ hat, d.h. so konstruiert hat, dass diese „in die Breite“ statt übereinander gelagert ist. Eine herkömmliche Krone ist konstruktionsbedingt nicht möglich, weshalb leicht überstehende Räder an den Rändern zum Aufziehen und Einstellen der Uhr vorhanden sind. 

Ins Auge sticht vor allem das Sperrrad des Federhauses, das in Gänze mit einem lasergravierten QR-Code kommt, der zu Interviews, Making-of-Videos, einen virtuellen 3D-Rundgang durch das Kaliber etc. führt. Prädikat: Gewöhnungsbedürftig.

Gut zu wissen: Die Bulgari Octo Finissimo Ultra besteht (wie die Piaget) im Prinzip nur aus einem Uhrwerk, das mit dem Gehäuse eine Einheit bildet. Die Bodenplatte des Modells ist dabei aus Wolframkarbid, das eine ungefähr doppelt so hohe Biegefestigkeit wie Edelstahl aufweist – wäre ja auch irgendwie blöd, wenn sich die Uhr verbiegt und die Feinmechanik beschädigt wird, oder? Vor allem mit Blick auf den Preis: 400.000€ (inklusive einer NFT-Uhr und Blockchain-Echtheitszertifikat) ruft Bulgari für die Uhr auf, die sich immerhin für drei Monate die flachste Uhr der Welt nennen durfte…

Flach, flacher, Richard Mille: Die RM UP-01 Ferrari-Uhr

Im Juli 2022 musste Bulgari die Pole Position für die flachste mechanische Uhr wieder abgeben: An Richard Mille (Jahresproduktion insgesamt laut Uhrenmarken-Liste 4300 Stück, Jahresumsatz 788 Millionen CHF = Durchschnittspreis 180.000 CHF). In Zusammenarbeit mit dem 2021 vorgestellten Richard Mille-Kooperationspartner Ferrari SpA und Audemars Piguet Le Locle (ehemals Renaud & Papi) hat der in Les Breuleux ansässige Ultraluxusuhrenhersteller nach nur wenigen Monaten Bulgari überholt – um 0,05 Millimeter (oder 50 Mikrometer µm; in etwa die Dicke eines menschlichen Haares).

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Das Kaliber der Richard Mille RM UP-01 Ferrari ist mit 1,18 mm deutlich flacher als das Kaliber von Bulgari. Die Mechanik ist aber ebenfalls von der Höhe in die Breite konstruiert worden – das wird allein schon mit Blick auf die Maße der Uhr von 51 mm x 39 mm deutlich.

Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass (anders als bei Bulgari und Piaget) das Kaliber der Richard Mille keine Symbiose mit dem Gehäuse bildet (Werkplatte = Gehäuseboden). Stattdessen wird das Kaliber – wie man es auch von „normalen“ Uhren kennt – in (!) ein Gehäuse eingeschalt. Das Gehäuse ist eine Monoblock-Konstruktion aus Titan Grade 5 und laut Richard Mille so konstruiert, dass es nicht verbiegen kann.

Richard Mille-typisch ist der Preis des auf 150 Stück limitierten Modells nur etwas für die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen: 1,7 Millionen Franken – und damit ein Vielfaches der „normalen“ (ohnehin schon extrem teuren) Richard Mille-Modelle.

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Flache Uhren: Erschwingliche Alternativen

Natürlich muss man zugeben, dass das Wettrennen um die flachste Uhr keine wirkliche Relevanz für Otto-Normal-Uhrenfreunde hat – allein schon mit Blick auf die aufgerufenen Preise. Die drei Spitzenreiter-Modelle sind meiner Meinung nach außerdem aus der Kategorie „gar nicht mal so schön“. Eine gewisse Begeisterung für das heutzutage technisch Machbare konnte ich mir als Uhrennerd aber nicht verkneifen. Von daher: Hut ab!

Neben den drei hier vorgestellten flachen Uhren, gibt es auch noch besonders flache Modelle von anderen Herstellern wie Breguet (Classique Extra-Plate; 5,5 mm; 19.000€) oder A. Lange & Söhne (Saxonia Thin; 6,2 mm; 21.000€), die aber ebenfalls für den Normalverdiener nicht wirklich erschwinglich sind.

Wer nicht grade „Spielgeld“ in Höhe von mehreren Zehn- oder Hunderttausend Euro (oder noch mehr) auf dem Konto für Uhren bereit liegen hat, der findet aber auch sehr flache und gleichzeitig einigermaßen erschwingliche Uhren am Markt: So ist beispielsweise Nomos aus Glashütte mit den hauseigenen Kalibern seit je her auf eine flache Bauweise spezialisiert: Bei der Nomos Tangente neomatik 39 (ab 2580€) beispielsweise erlaubt das mit 3,2 mm extraflache Kaliber DUW 3001 eine überdurchschnittlich flache Gehäusekonstruktion (6.9 mm).

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DUW 3001 von Nomos

Nomos ermöglicht die flache Bauweise, indem beim Kaliber DUW 3001 Teile der Mechanik zwischen Werkplatte und Dreiviertelplatine gepackt wurden, statt wie üblich „oben drauf“. Theodor Prenzel, Uhrwerkskonstrukteur bei Nomos, verringerte gleichzeitig die Dicke der Komponenten auf ein Minimum und die Sicherheitsabstände zwischen den Zahnrädern und der Zugfeder. Viele der Neuerungen sind durch moderne, präzisere Fertigungstechniken möglich geworden, manche Bauteile werden – ähnlich wie Computerchips – fotolithografisch hergestellt.

Eine weitere, günstigere Alternative ist die deutsche Marke Jean Marcel aus Birkenfeld bei Pforzheim: Das Modell Optimum 511 hat eine Bauhöhe von nur 5,6 Millimetern – dank der Verwendung des Handaufzug-Kalibers Peseux 7001 in der sogenannten Réduit-Ausführung mit verkürzten Zeigerwellen. Kostenpunkt: rund 1200€.

Kennt ihr noch weitere erschwingliche und flache Uhren? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

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Klaus P. Stephan
10. Juli 2022 17:19

Kennt ihr noch weitere erschwingliche und flache Uhren?
Darf es auch eine Quarzuhr sein? Habe meiner Frau einmal eine Concorde Delirium geschenkt
http://www.capetowncorp.com/whatsnew/concordarticle.html.
Sie hatte mich, der ich an sich ja auch Mechanik-Nerd bin schon fasziniert.
Ansonsten: Spannender Artikel! Danke wieder einmal! Claus P. Stephan

Robert P.
10. August 2022 21:47
Antworten...  Klaus P. Stephan

Welche Batterie ist denn da drinnen?