Im Stile historischer Panerai-Tiefenmesser: Gruppo Gamma Nexus im Test

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Gruppo Gamma ist für hochwertige Kampftaucheruhren bekannt, die sich im Design-Dunstkreis historischer Modelle von Officine Panerai & Co. bewegen, gleichzeitig aber auch eine durchaus nennenswerte Portion Eigenständigkeit mitbringen. Mit dieser stringenten Sortimentspolitik hat Gruppo Gamma seit Jahren einen festen Platz im Meer der Microbrands sicher – mehr noch: mit der Zweitmarke Venturo bedient Gruppo Gamma mittlerweile sogar noch das Einsteigersegment. Mit dem jüngsten Modell, der Gruppo Gamma Nexus, hat die Singapurer Microbrand einen Schritt gewagt, den man durchaus als wagemutig bezeichnen darf: Gruppo Gamma greift bei der Nexus das Design von historischen Panerai-Tiefenmessern (!) auf – entsprechend ungewöhnlich ist auch das Ableseprinzip

Eckdaten der Gruppo Gamma Nexus:

  • Gehäusedurchmesser 44 mm, Horn-zu-Horn 52 mm, Höhe 15,5 mm
  • Bandanstoß 22 mm
  • Gewicht 110 Gramm am Lederband
  • Saphirglas, stark gewölbt
  • Wasserdichtigkeit 10 bar / 100 Meter
  • Japanisches Miyota 8215 Automatikwerk mit speziell hergestelltem Modul
  • Mehrschichtiges Zifferblatt schwarz und „Gunmetal“-Grau
  • Leuchtmasse: Super-Luminova
  • Preis: ab 800 US-Dollar (ca. 810€ inkl. Zoll/Einfuhrumsatzsteuer) bei gruppogammawatches.com (Singapur) oder ab 720€ beim offiziellen europäischen Gruppo Gamma-Distributor Mi-Watch.it mit Rabatt-Code „CHRONONAUTIX“
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Tiefenmesser!? Hintergründe zur Gruppo Gamma Nexus

Moment … Tiefenmesser? Dazu kurz und knapp ein paar historische Erläuterungen: Die fleißige Familie Panerai widmete sich bereits ab 1860 dem Verkauf von Uhren – alles Begann mit der Gründung eines eigenen Geschäftes durch den Uhrmacher Giovanni Panerai in Florenz. In Giovannis „Orologeria“ befand sich außerdem eine Werkstatt und später auch die erste Uhrmacherschule der Stadt.

Giovanni Panerai_1860 Florenz
Giovanni Panerai vor seinem Geschäft in Florenz, um 1860

Parallel zu Giovanni Panerais Uhrengeschäft tüftelte ab 1864 ein anderes Familienmitglied an Ausrüstungsgegenständen für die italienische Marine, der sogenannten Marina Militare: Giovannis Enkel Guido Panerai mit seinem Unternehmen Guido Panerai & Figlio. Später übernahm Guidos Sohn Giuseppe Panerai das Geschäft und führte den heißen Draht zur Marina Militare fort.

Die Zusammenarbeit mit der italienischen Marine verhalf der emsigen Unternehmerfamilie Panerai im Jahre 1915 zum Durchbruch: Die Marina Militare bestellte bei Panerai einen ordentlichen Batzen militärischer Instrumente wie Kompasse und Tiefenmessgeräte, die vorzugsweise mit der (extrem gefährlichen) radiumhaltigen Leuchtfarbe namens Radiomir bepinselt waren, um eine Ablesbarkeit ohne externe Stromquelle zu gewährleisten. Später kam die weniger gefährliche, tritiumbasierte Leuchtfarbe Luminor zum Einsatz.

Im Bild unten sind die genannten Messgeräte im Einsatz beim 9. Fallschirmjäger-Sturmregiment Col Moschin, einer Spezialeinheit des italienischen Heeres, zu sehen – der ziemlich ausladende Tiefenmesser von Guido Panerai & Figlio ist gut am linken Arm des rechten Tauchers zu erkennen.

Der Panerai-Tiefenmesser in Aktion (Taucher rechts, linke Hand), Bild: Vintagepanerai.com
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Gruppo Gamma Nexus im Test

Wie Eingangs erwähnt ist Gruppo Gamma für Kampftaucheruhren bekannt, die sich (mal mehr mal weniger) im Design-Dunstkreis von Panerai & Co. bewegen. Gruppo Gamma hat dieses Kredo beim Modell Nexus zwar nicht über Bord geworfen, das Design unterscheidet sich aber maßgeblich von den anderen Modellreihen Divemaster, Vanguard und Peacemaker.

Gruppo Gamma greift für das Modell Nexus das Design der oben beschriebenen Panerai-Tiefenmesser auf – und zwar mit extrem viel Liebe zum Detail. Das fängt schon beim aufwendig gestalteten, mehrschichtigen Zifferblatt an, welches – wie beim original Panerai-Tiefenmesser – in „Kammern“ eingeteilt ist. Symmetrisch rundum laufende, polierte Schrauben unterstreichen den tooligen Charakter der Nexus.

Die Minuten-Ziffern und Indizes sind außerdem im Sandwich-Design gestaltet. Sprich: Sie sind „ausgeschnitten“, damit die darunter liegende Schicht aus Super-Luminova-Leuchtmasse zum Vorschein kommt. Sandwich-Zifferblätter sind ein typisches Design-Merkmal von Panerai-Uhren und wurden erstmals 1938 mit der Panerai Radiomir eingeführt, um die das Ablesen im Dunkeln noch weiter zu verbessern. Der Sandwich-Stil trägt zur überaus plastischen Optik des Zifferblattes bei.

Die Nexus-Variante NG-01 kommt mit Super-Luminova C3 (siehe Bilder unten), die NG-02 wiederum mit der etwas schwächer leuchtenden Super-Luminova-Farbe „Old Radium“. Insbesondere beim zentralen Zeiger hat Gruppo Gamma offenbar getreu dem Motto Nicht kleckern, sondern klotzen! ordentlich Leuchtmasse aufgepinselt, denn dieser leuchtet nach entsprechender Sonnenbetankung wie verrückt – da braucht man fast schon eine Sonnenbrille 😉 .

Aber auch im Tageslicht ist der goldfarbene XXL-Zeiger der Gruppo Gamma Nexus, der das Tiefenmesser-Thema optisch komplettiert, ein echter Blickfang und das zentrale Merkmal des Modells. Der Zeiger wirkt außerdem dadurch, dass er nicht nur sehr breit sondern auch extrem dick ist, sehr massiv (siehe Seitenansicht unten).

Am Ende des Zeigers befindet sich eine Scheibe – und wie ihr sicherlich schon vermutet liest man die Zeit nicht wie bei einer „normalen“ Uhr ab: Die Scheibe am unteren Ende des zentralen Zeigers zeigt die Stunden (1-12) an, der Zeiger selbst die Minuten (00, 10, 20 etc.). Für den stündlichen Ziffer-Wechsel auf der Scheibe zeichnet sich ein kleiner Stift verantwortlich (in der Nahaufnahme unten oberhalb des zweiten „M“ in „GAMMA“ erkennbar).

Das Ableseprinzip ist anfänglich etwas ungewohnt, aber keine Raketenwissenschaft. Im Beispiel unten ist es 4.40 Uhr.

Das Zifferblatt wird von einem stark gewölbten Saphirglas geschützt

Auf der einen Seite ist die Gruppo Gamma Nexus mit 44 mm Gehäusedurchmesser und 15,5 mm Höhe (inkl. stark gewölbtem Saphirglas) alles andere als eine kleine Uhr. Auf der anderen Seite ist diese Uhrengröße für ein Modell im „Kampftaucher“-Stil durchaus gängig. Insbesondere sei angemerkt, dass die Krone der Gruppo Gamma Nexus auf die ungewöhnliche „6 Uhr“ gewandert ist und eine Symbiose mit dem Band bildet – das kommt dem Tragekomfort zu Gute, da sich die Krone nicht in den Handrücken bohren kann.

Meine anfänglichen Bedenken, dass sich die in das Band integrierte Krone etwas friemelig bedienen lässt, haben sich übrigens schnell zerstreut. Optisch wirkt die Kronen-Lösung der Gruppo Gamma Nexus ähnlich wie bei der ANONIMO Militare, allerdings ist der Edelstahl-Kronenschutz der Nexus (das „Endstück“ der unteren Bandhälfte) nicht fixiert, sondern frei beweglich. Die Krone ist dadurch stets gut erreichbar, auch während des Tragens.

Das sehr natürlich riechende und angenehm-flexible Lederband trägt zum guten Tragekomfort der Gruppo Gamma Nexus bei. Durch die durchbohrten Hörner und die verschraubten Stege lassen sich beide Bandseiten wie bei einer „normalen“ Uhr problemlos entfernen und Standard-Bänder „von der Stange“ mit einem Bandanstoß von 22 mm anbringen. Ein Bandwechselwerkzeug liegt der Nexus bei.

Abgerundet wird das Band von einer originalgetreuen, sogenannten „GPF Mod Dep“-Schließe, die ab den 1940er Jahren bei Panerai zum Einsatz kam (GPF Mod Dep = Guido Panerai e Figlio Modelo Depositato = Guido Panerai & Sohn, eingetragene Marke). Es handelt sich dabei um flache, übergroße und massive Schließen, die – zumindest in den 40er Jahren – ohne Federsteg kamen und aus einem einzigen Teil bestanden, um einen Verlust der Uhr im Kampftaucheralltag vollends auszuschließen. Die Schließe im GPD Mod Dep-Stil der Gruppo Gamma Nexus hat allerdings sehr wohl einen gängigen Federsteg – gut so, denn es wäre ja auch irgendwie doof, wenn man das Band aufschneiden müsste, um die Schließe zu tauschen, oder? 😉

Als Antrieb setzt Gruppo Gamma auf das japanische Miyota 8215 Automatikwerk. Einerseits gilt das Miyota 8215 als robuster und bewährter „Traktor“, andererseits lockt das 1977 eingeführte Kaliber Uhrenfreunde im Jahre 2020 grundsätzlich nicht mehr unbedingt hinter dem Ofen hervor – insbesondere wegen der eher schwachbrüstigen Frequenz von 21600 bph (und einer damit einhergehenden theoretischen Ganggenauigkeit von -20 bis +40 Sekunden pro Tag) sowie einer Gangreserve von grade mal 36 Stunden. Letztendlich muss man aber auch sagen, dass man allein schon wegen des ungewöhnlichen Ableseprinzips keine Chronometer-Ganggenauigkeit braucht – das würde auch wenig bringen, da die Uhrzeit nicht grade mit höchster Präzision von der Nexus abgelesen werden kann.

Auch, wenn das Miyota 8215 heute vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß wirkt, so muss man am Ende des Tages einfach bedenken, dass Gruppo Gamma das Werk modifizieren (lassen) musste, um das ungewöhnliche Ableseprinzip in Verbindung mit der Tiefenmesser-Optik realisieren zu können. Und für solche Modifikationen muss natürlich der eine oder andere Extra-Euro auf den Tisch gelegt werden. Um hier, wie bei Microbrands üblich, nicht den Preis-Rahmen zu sprengen, ist die Kaliber-Wahl nachvollziehbar (wenngleich ein Miyota 9015 natürlich schön gewesen wäre 😉 ).

Schöner Rotor im Turbinen-Stil

Fazit zur Gruppo Gamma Nexus

Der eine oder andere Uhrenfreund wird mit Blick auf das Innenleben der Gruppo Gamma Nexus sicherlich den Preis monieren. Nicht ganz zu unrecht: Rund 800€ für eine Uhr mit Miyota-Kaliber 8215 sind – nüchtern betrachtet – ganz schön deftig. Auf der Habenseite steht allerdings eine Gruppo Gamma-typische, hervorragende Verarbeitungsqualität und ein mit viel Liebe zum Detail umgesetztes Tiefenmesser-Thema – optisch wie technisch (siehe Kaliber-Modifikation, Stundenscheibe…). In der Summe wird die Gruppo Gamma Nexus aufgrund ihres tooligen Charakters par excellence ganz sicher ihre Freunde finden – beziehungsweise das hat sie eigentlich schon: Der Vorverkauf lief bereits vor einigen Monaten und mittlerweile sind die Modellvarianten teilweise bereits restlos ausverkauft.

Die Gruppo Gamma Nexus ist direkt beim Hersteller in Singapur käuflich erwerbbar. Man bedenke aber, dass auf die im Onlineshop genannten Preise 19% Einfuhrumsatzsteuer bzw. Zoll hinzuzurechnen sind. Alternativ bietet sich der europäische Gruppo Gamma-Distributor Mi-Watch.it mit Sitz in Italien an – dank EU-Mitgliedschaft fallen hier keine weiteren Gebühren an. Mit Dem 10%-Rabatt-Code „CHRONONAUTIX“ lassen sich außerdem noch ein paar Euros sparen 😉

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