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Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit mit dem „großen Bruder“, der DRZ04 von der seit vielen Jahren etablierten Microbrand Direnzo: 40 Millimeter, ordentlich Präsenz, viel Design für’s Geld. Anno 2021 war das und Direnzo war eine der ersten Microbrands überhaupt, die sich an das Feld der Stahl-Sport-Uhren mit vollintegriertem Band rangetraut hat – lang, lang ist’s her. Dass es das zeitlose Design der DRZ04 auch heute noch im Sortiment von Direnzo gibt, wundert mich überhaupt nicht – und es gibt mittlerweile sogar Nachschlag: Die Ende 2025 lancierte DRZ04R rückt das Ganze nun auf 38 Millimeter zurecht – eine Änderung, die auf dem Papier unspektakulär wirkt, am Arm aber erstaunlich viel verändert. Obendrein gibt’s neue Farben und neue Schließen. Schauen wir mal genauer hin.

Eckdaten Direnzo DRZ04R:

  • Gehäusematerial: 316L mit kratzfester Beschichtung (HV 800)
  • Glas: Flaches Saphirglas mit Antireflexbeschichtung
  • Wasserdichtigkeit 10 bar
  • Krone: verschraubt
  • Durchmesser ohne Krone: 38 mm
  • Horn-zu-Horn: 46 mm
  • Höhe: 10,8 mm (inkl. Saphirglas)
  • Gehäuseboden: verschraubt mit Saphirglas
  • Automatikkaliber Sellita SW-200-1 Elaboré mit Incabloc-Stoßsicherung
  • Zifferblatt mit applizierten Indizes
  • Armband: 316L mit kratzfester Beschichtung (HV 800), verschraubte Stifte
  • Schließe: Butterfly- und optionale Faltschließe mit Schnellverstellung von Nodus
  • Integrierte Rubber- und Lederbänder sind verfügbar
  • Insgesamt 9 Varianten, Datum immer optional.
  • Erhältlich zum Beispiel über finchwatches.com, Preis: 899€ inkl. 10% Rabatt-Code „CHRONONAUTIX“

Direnzo DRZ04R im Hands-On

Die DRZ04R ist im Kern keine neue Uhr, sondern eher eine (im wahrsten Sinne) kleine Evolution bzw. Nachjustierung. Das Konzept bleibt gleich: integriertes Stahlband, klare Linien, diese typische Direnzo-Design-DNA aus weichen Kanten, polierten Akzenten und einem Zifferblatt mit toller Tiefe.

Gerade bei Stahl-Sport-Uhren mit vollintegriertem Band ist ein eher filigraneres Erscheinungsbild keine Selbstverständlichkeit. Manche Designs dieser Gattung wirken schnell klobig oder zu „flächig“, vor allem an schmaleren Handgelenken. Die DRZ04R löst das auf ziemlich geschickte Art und Weise. Das Gehäuse bleibt angenehm flach, die Übergänge vom Case ins Band sind weich gezogen, nichts beißt sich, nichts wirkt hart. Diese berühmte Genta’sche-Kante, die man von Royal Oak oder Nautilus kennt, ist hier eher ein sanft gezogener Hügel.

Und genau da sind wir beim entscheidenden Punkt: den neuen Proportionen. Denn die Vorlieben haben sich verschoben. Wir Männer mögen es im Schnitt wieder etwas kleiner, während viele Damen inzwischen deutlich größere Durchmesser tragen als noch vor ein paar Jahren. Vor diesem Hintergrund sind 38 mm nicht nur „auch“ eine Damengröße, sondern schlicht und einfach eine Größe, die man getrost als Unisex bezeichnen darf.

Die harten Fakten: Die DRZ04R liegt nun bei 38 Millimeter Durchmesser (vs. 40 mm), 46 Millimeter von Horn zu Horn (vs. 48 mm bei der großen Variante) und knapp unter 11 Millimeter Höhe inklusive Saphirglas (vs. 11,9 mm) – Änderungen, die auf dem Papier unspektakulär wirken, am Arm aber genau das richtige Maß treffen. Die Uhr sitzt einfach super angenehm am Handgelenk. Dazu sei gesagt, dass ich wegen meiner doch recht signifikanten Gewichtsabnahme von über 20 kg nun auch tatsächlich öfters mal kleinere Uhren trage, da sich die Abnahme auch am Handgelenk bemerkbar macht – und siehe da: Auch die 38er Direnzo sieht an meinem Handgelenk (mittlerweile ca. 18 cm Umfang) durchaus passend aus (aber ja: die 40er passt vermutlich noch etwas besser).

Auch bei den Details zeigt sich erneut ein gutes Händchen für Gestaltung und Sergio Direnzos Liebe zum Detail: Ich habe es nicht direkt im Vergleich nachmessen können, aber die gebürstete Oberseite der Lünette wirkt bei der DRZ04R merkbar schmaler als bei der 40mm-Version. Gleichzeitig fällt die Lünette nun leicht nach außen ab und ist nicht mehr ganz plan. Das sorgt passenderweise dafür, dass das Gehäuse etwas filigraner und die Uhr insgesamt harmonischer wirkt. Kurzum: Die DRZ04R wirkt überaus stimmig. Und genau das zählt am Ende am Handgelenk.

Hier sieht man im direkten Vergleich auch noch mal gut den Unterschied bei den Lünetten (das Bild unten ist die DRZ04 in 40mm).

Das Zifferblatt spielt weiterhin die Hauptrolle – Direnzo nennt es „Bowl Shape“, und das trifft es auch ganz gut: Es ist aus einem Stück gefertigt und konkav bzw. merkbar nach Innen gewölbt, sodass es direkt ins Glas überzugehen scheint. Das sorgt für Tiefe, ohne aufdringlich zu sein. Alle Blattvarianten der DRZ04R sind übrigens matt ausgeführt – bis auf die Schwarze, die glänzend lackiert ist. Und grade die matten Ausführungen zeigen sich optisch merkbar unterschiedlich im Vergleich zum Sonnenschliff- und Fumé-Effekt der „großen“ DRZ04 – auch hierzu sei nochmal auf das Bild oben verwiesen.

Die applizierten, abgerundeten Indizes und die Zeiger sind bei den hellen Varianten (wie hier bei der weißen oder auch bei gelb, tiffanyblau, pink und grün) kontrastreich-schwarz gehalten, die Ablesbarkeit ist dadurch perfekt. Die Zeiger sind typisch Direnzo: stromlinienförmig, leicht futuristisch, aber nicht (zu) verspielt. Der einzige mögliche Kritikpunkt ist vielleicht, dass die „doppelte“ Minuterie (längere Indizes ganz außen, kürzere innen – genau wie bei der großen DRZ04) etwas verspielt daher kommt – das ist aber letztendlich natürlich Geschmackssache, denn die Ablesbarkeit wird dadurch keineswegs beeinträchtigt. Dank Super-LumiNova BGW9, die nachts in kühlem Blau leuchtet, und zwar auf dem Niveau von 95% im Vergleich zur hellsten Farbe C3, ist die Ablesbarkeit auch im Dunkeln tiptop.

Passend zu den neuen Proportionen hat Direnzo für die DRZ04R ein paar wirklich schicke, frische Farben aufgelegt – solche, die heute ganz selbstverständlich sowohl bei Uhren-Männlein als auch -Weiblein Anklang finden dürften und den Unisex-Gedanken der Uhr unterstreichen.

Darunter sind klassische Farben wie Schwarz oder Weiß oder auch poppigere wie Pink oder Tiffanyblau – plus die limitierten Ausreißer: Besonders die Variante, die in Kollaboration mit der energiegeladenen Instagramerin Sophie’s Watch World entstanden ist (nur direkt erhältlich über Direnzo) sowie die auf 40 Stück limitierte Meteorite-Version, deren Blatt aus dem Muonionalusta-Eisenmeteorit besteht, stechen heraus.

Alle Varianten (bis auf die Meteorit) gibt es als NoDate-Variante oder als Variante mit dezent und symmetrisch untergebrachtem Datum bei sechs Uhr. Die Datumsscheibe ist dabei immer weiß, wirkt aber nicht wie ein Fremdkörper, da durchgängig Super-LumiNova BGW9 zum Einsatz kommt, die bei Tageslicht reinweiß erscheint (außer bei der Meteorit-Variante, da ist’s türkisfarbene Super-LumiNova, es gibt aber auch wie gesagt kein Datumsfenster). So oder so: Diese Wahlfreiheit ist im Microbrand-Bereich nicht selbstverständlich und zeigt, dass Sergio Direnzo hier auf die Community hört (ich bin übrigens Team NoDate 😉 ).

Im Inneren arbeitet unverändert das altbekannte Schweizer Sellita SW200-1 in Elaboré-Qualität, das mit +/-7 Sekunden pro Tag einreguliert ist und mit einer Incabloc-Stoßsicherung kommt. Das Werk ist zuverlässig, gut von jedem Uhrmacher zu revidieren und für diese Preisklasse absolut passend. 28.800 Halbschwingungen, Sekundenstopp, Handaufzug, rund 41 Stunden Gangreserve. Durch den verschraubten Saphirglasboden kann man dem ansehnlich, aber nicht spektakulär dekorierten Rotor mit seinen Genfer Streifen und der Direnzo-Schriftlogo-Gravur bei der Arbeit zusehen.

Ein weiteres „Gutserls“ ist die Beschichtung von Gehäuse und Band, die für zusätzliche Kratzfestigkeit sorgt. Direnzo spricht von 800 Vickers-Härte, was deutlich über normalem 316L-Stahl liegt (circa Faktor 4). Gut: Die Beschichtung ist transparent, ohne die Optik des Stahls zu verändern. Langzeiterfahrung habe ich damit auch bei der R-Version keine sammeln können, sehr wohl aber bei anderen Uhren, die mit diesen Beschichtungen kommen (z.B. RZE oder frühere Direnzo-Modelle). Und man kann definitiv festhalten, dass diese einen Nutzen bringen, zum Beispiel, um feine Desk Diving-Spuren fern zu halten. Gleichzeitig kommen sie nicht – und das liegt in der Natur der Sache – an die Robustheit kolsterisierter bzw. tegimentierter Gehäuse heran (siehe z.B. Circula ProSea). Dennoch: Die Beschichtung ist auf jeden Fall eine gute Sache.

Auch das Stahlband kommt mit dieser Beschichtung. Es ist sauber verarbeitet, die Glieder sind verschraubt und wir finden eine Verjüngung zur Schließe hin vor, was die DRZ04R am Arm zusätzlich verschlankt. Standardmäßig kommt eine Butterfly-Faltschließe zum Einsatz, optional gibt es eine Faltschließe mit überaus praktischer, werkzeugfreier On-the-Fly-Feinverstellung von Nodus. Optisch bin ich persönlich bei der Butterfly-Schließe, weil sie das Design ruhiger hält und besser zum filigranen Gedanken der DRZ04R passt. Aber das ist eine dieser Entscheidungen, bei denen es kein richtig oder falsch gibt – nur Handgelenke und Vorlieben.

Abschließende Gedanken

Preislich bewegt sich die DRZ04R im bekannten, bodenständigen Direnzo-Rahmen, wobei die DRZ04R bei 899€ inkl. 10% Rabatt-Code „CHRONONAUTIX“ (finchwatches.com), liegt – keine Kampfpreis, aber angesichts von Verarbeitung, der hochgradigen Design-Eigenständigkeit und Swiss Made auch alles andere als abgehoben. Bei Bestellung über Finchwatches fällt auch keine Einfuhrumsatzsteuer an, da dieser in der EU sitzt.

Braucht die Welt also noch eine integrierte Stahl-Sportuhr? Grundsätzlich wahrscheinlich nicht. Braucht man persönlich die DRZ04R? Vielleicht schon eher, denn sie ist eine gelungene, gereifte Interpretation eines bekannten Themas mit dieser Direnzo-typischen Design-DNA in kompakter Unisex-Größe. Und manchmal ist weniger bekanntermaßen auch mehr.


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