Klären wir ohne Umschweife den sprichwörtlichen „Elefanten im Raum“: Diver, Mercedes-Zeiger, Drehlünette, kreisrunde Stundenindizes, Datumslupe – die Submariner-Gene der Taucheruhr Aquaristo vom Pforzheimer Traditionshersteller Aristo sind unverkennbar. Niemand wird diese Uhr für etwas radikal Eigenständiges halten. Und klar ist auch: Die Welt der Zeitmesser ist randvoll mit Rolex-Hommagen in allen Preisklassen, Qualitätsstufen und Geschmacksrichtungen. Eine Frage drängt sich also ehrlicherweise durchaus auf: Braucht es da wirklich noch eine weitere Uhr in diesem Dunstkreis?

Nun, Aristo, heute inhabergeführt von Hajo Vollmer, ist kein Newcomer oder eine Microbrand, sondern ein Name mit Geschichte – allerdings einer, den viele Uhrenfreunde wohl insbesondere mit Fliegeruhren oder Beobachtungsuhren verbinden. Aus Gründen, denn Aristo war beispielsweise Lieferant der sogenannten RLM-Uhren für das Bodenpersonal der deutschen Luftwaffe, damals noch unter dem Schirm der Familie Epple (mehr: Beobachtungsuhren: Geschichte, astronomische Navigation und B-Uhren heute).
Umso spannender, dass man sich jetzt, vergleichsweise spät, an einen klassischen Diver im Submariner-Dunstkreis wagt. Spät genug, dass der Markt längst gesättigt ist. Und trotzdem früh genug, um noch mitzuspielen?



Eckdaten:
- Uhrgehäuse: Edelstahl V4A, mattiert
- Uhrglas: Saphirglas mit Lupe
- Gehäusedurchmesser: 42 mm
- Bandanstoß: 20 mm
- Horn-zu-Horn: 50 mm
- Gehäuse-Höhe: 12,9 mm
- Wasserdichtigkeit: 20 ATM / 200 Meter
- Schraubkrone mit Flankenschutz
- Außenring: Edelstahl, einseitig drehbar
- Lünette: Alu eloxiert, mit Minuteneinteilung
- Leuchtziffern und -Zeiger (nach DIN): Super-LumiNova C1
- Uhrband Leder: Vintage-Lederband aus Deutscher Fertigung, 20 x 18 mm
- Uhrwerk: Schweizer Automatikkaliber Sellita SW 200-1
- Preis: 750€ (7H98294) bis 790€ (4H98294), direkt über Aristo oder im Fachhandel
Tipp: Die Inhalte dieses Beitrages gibt es auch in bewegten Bildern bei uns auf YouTube:
Aristo Aquaristo im Test
Die Aquaristo bietet mit Blick auf die nüchternen Fakten keine Überraschungen: Edelstahlgehäuse, 20 bar Wasserdichtigkeit, Saphirglas mit Datumslupe. Das ist die Art von Datenblatt, die man inzwischen fast auswendig mitsprechen kann. Mit 42 mm Durchmesser und knapp unter 13 Millimetern Bauhöhe ist das schön fein satinierte und ansonsten schnörkellose Gehäuse außerdem eher sportlicher dimensioniert. Die Proportionen sind dabei schön ausgewogen. Zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt in etwa 18 cm.



Der Beiname des hier gezeigten Modells „Vintage“ ist in dem Sinne kein Marketingbegriff, flankiert von künstlich gealterten Leuchtmasse-Flecken oder dergleichen, sondern eher eine Frage der Linien und Zurückhaltung.
In dem Sinne ist auch das Zifferblatt schlicht gehalten – mit applizierten Stundenindexen und – gut so! – nur mit nur einer dezenten Zeile Schriftzug auf „6 Uhr“ („AUTOMATIC“) anstelle eines halben Buches, wie bei manch anderer Hommage und auch bei der aktuellen Submariner.



Und da sind wir auch schon beim Innenleben, das sich hinter einer schicken Seestern-Gravur versteckt: Im Inneren tickt ein Sellita SW200-1, ein solides Schweizer Automatikwerk, das man getrost als modernen Traktor bezeichnen kann: nicht aufregend, aber problemlos von jedem Uhrmacher zu revidieren und millionenfach bewährt. Wer neu im Thema ist: Das ist im Prinzip eine (fast) identische Weiterentwicklung des legendären ETA 2824, also genau das Kaliber, das seit Jahrzehnten für Zuverlässigkeit und Robustheit steht. Gleichzeitig ist das Sellita SW200-1 gar nicht so häufig anzufinden in Rolex Submariner-Hommagen, wie man vielleicht denkt – was auf jeden Fall ein Pluspunkt ist.


Wie gesagt: Die Submariner-Gene der Aquaristo sind unverkennbar. Niemand wird diese Uhr für etwas radikal Eigenständiges halten. Aber Aristo geht einen kleinen Schritt zur Seite. Denn: Der Diver orientiert sie sich an einer älteren Idee von Taucheruhr – in einer Zeit, als solche Modelle noch Werkzeuge waren und nicht Statussymbole mit Warteliste. So wirkt die Aquaristo eher so, als hätte man eine Taucheruhr aus einer alten Kiste gezogen, die tatsächlich benutzt werden will. Für die Vintage-Optik sorgt insbesondere das schnörkellose Gehäuse in Verbindung mit der Aluminium-Lünette. Insgesamt erinnert die neue Aquaristo so eher an alte Submariner-Modelle wie die 14060M.
Vor diesem Hintergrund empfinde ich die Aquaristo am angenehm flexiblen, toll natürlich riechenden Lederband als hervorragenden „Fit“ (auch, wenn mich für diese Aussage sicherlich einige Uhrenfreunde virtuell steinigen werden, die Leder am Diver für ein Sakrileg halten). Alternativ gefällt mir die Aquaristo auch am hier gezeigten Halbspangenband aus Edelstahl, das auf einer Presse im Hause Aristo Vollmer im eigenen Hause produziert wird, ziemlich gut, wenngleich die Optik etwas gewöhnungsbedürftig ist.






Abschließende Gedanken
Ob man nun noch eine Sub-Hommage braucht, hängt stark vom eigenen Standpunkt ab. Wer der Meinung ist: „Wenn ich mir das Original nicht leisten kann oder will, kaufe ich auch kein Lookalike“, wird hier ganz sicher nicht bekehrt. Wer aber mit manchen aktuellen Submariner-Hommagen fremdelt (zu „glossy“, zu modern, zu klein oder dergleichen) – könnte in der Aristo eine Alternative sehen. Gerade für Uhrenfreunde, die eine unaufgeregte, klassische Taucheruhr als „Daily Rocker“ mit Schweizer Innenleben suchen, ohne gleich in den vierstelligen Bereich abzurutschen, ergibt die Positionierung der neuen Aquaristo durchaus Sinn. Gleichzeitig hätte ich mir eine größere Differenzierung beispielsweise durch Aristos hauseigener Gehäuse-Brünierung sehr gut vorstellen können – das hätte natürlich auch den „Vintage“-Gedanken unterstrichen (siehe z.B. Aristo Vintage 42 Beobachter mit NOS-Kaliber von Record/Longines). Nach Rückfrage bei Hajo Vollmer hieß es aber, dass die technische Umsetzung der Brünierung bei einem Diver schwierig sei (Stichwort: Wasserdichtigkeit).
Preislich startet die Aquaristo bei 750 Euro am Lederband und 790 Euro am Stahl. Das ist kein „Schnapper“, aber im Kontext fair: Man zahlt für Aristo-typisch gute Verarbeitung, ein bewährtes Schweizer Kaliber und den Umstand, dass Aristo eben nicht irgendein anonymer Hersteller aus Fernost ist, sondern tatsächlich noch mit bemerkenswert viel Wertschöpfung und rund einem Dutzend Mitarbeitern in Pforzheim aktiv ist (siehe mein Besuchsbericht aus 2024 hier). Ob das reicht, um Emotionen zu wecken, ist eine individuelle Frage, denn diese Uhr schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Sie flüstert. Und dieses Flüstern geht im Lärm des Marktes schnell auch mal unter.
Am Ende des Tages zeigt die Aquaristo aber auch, dass selbst im endlosen Meer der Sub-Hommagen noch Nuancen möglich sind. Ganz sicher nicht revolutionär, vielleicht auch ein bisschen spät. Aber mit einer ehrlichen Schlichtheit, die man heute fast schon wieder erfrischend findet.





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Wieder eine Geschichte über Uhren, die die Welt nicht braucht. Bitte nicht missverstehen, ich habe überhaupt nichts gegen Submariner-Hommagen, ganz im Gegenteil. Das ultimative Design einer Taucheruhr kann man nicht verbessern, nur kopieren. Gut oder eher weniger. Aristo ist die „eher weniger“-Variante gelungen.
Jeder hat da seine eigenen Vorstellungen und Ansichten, da kann man nicht drüber streiten. Hier ist meine Sichtweise. Das Verhältnis zwischen der Dicke der Lünette und dem Durchmesser des Gehäuses stimmt nicht, es ist unharmonisch. Das Gehäuse wirkt zu groß, die Lünette zu schmal. Die mittleren Glieder des Armbandes sind poliert – geht bei einer Taucheruhr und bei Menschen mit Geschmack gar nicht. 2026 noch mit einer Lünette aus Aluminium aufzuwarten, ist schon ziemlich dreist. Vor allem bei dem Preis.
Dieses gelochte Blecharmband ist tiefste Siebziger und sah schon damals grenzwertig aus. Mario, Du hast völlig recht, ein Lederarmband an einer Taucheruhr sieht aus wie Sandalen zum Smoking. Das Uhrwerk ist völlig okay, aber die Werte müssen stimmen. Über alledem schwebt ein Preis, der, wäre diese Uhr ohne Makel, die obere Grenze markiert. Nun ist diese Uhr aber alles andere als makellos, deswegen erscheint mir der Preis ziemlich grotesk. Für das Geld gibt es wesentlich bessere Hommagen, die immer besser werdenden China-Böller sogar deutlich günstiger.
Ich wünsche der Firma wirklich alles Gute, aber mit diesem Teil wird das nichts.
Hi Mario,
dass ist wirklich eine schöne Submariner-Hommage! Offen gesagt, ist mir als Freund der Pforzheimer Uhrenhersteller ein ARISTO-Label lieber als eines von STEINHART.
Bei den Angaben zur Uhr finde ich den Lug-to-Lug Abstand immer ganz hilfreich. Ich tippe hier aufgrund der relativ kurzen Hörner auf 48mm.
Die Güte des Uhrwerks wäre freilich auch wichtig, um den Preis korrekt zu bewerten. Hier tippe ich auf „Standard“. STEINHART verbaut weitgehend das höherwertigere „Elabore“.
Diese ARISTO Taucheruhr ist gemäß ARISTO-Webseite auch mit blauem und grünem Zifferblatt sowie mit Pepsi-Alulünette erhältlich.
Schade, dass kein Kautschukband angeboten wird.
Mit vollständig polierten Gehäuse würde sie mir besser gefallen, ich bin derzeit auf dem Bling-Bling Trip. Aber freilich bin ich mir bewusst, dass man es als Hersteller nicht jedem recht machen kann.
In diesem Sinne wünsche ich Dir, lieber Mario, einen schönen Restsonntag.
Helau aus Määänz!
Frank
Hi Frank, danke für den Kommentar! Lug to Lug sind tatsächlich 50 mm 🙂
Offen gefragt: Was lässt Dich Aristo präferieren statt Steinhart?
Hallo Herr Klötenschniedel,
bei ARISTO handelt es sich um einen deutschen Traditionshersteller, bei STEINHART hingegen um einen relativ neuen Copyking.
Dennoch hat Herr Steinhart letzte Woche mit einer „Ocean Nova“ nachgelegt, so dass diese objektiv gesehen wohl die bessere Wahl darstellt.
Wer nicht den Taler zählen muss, sollte sich imo auch die DAVOSA Ternos Prof 68h anschauen insbesondere am „Jubileeband“ finde ich diese Taucheruhr recht reizvoll.
Ein interessanter Bericht. Wirklich „neu“ ist die Aquaristo im Aristo-Portfolio allerdings nicht. Ich habe vor ca. 10 Jahren beim hiesigen Juwelier/Uhrmacher eine Aquaristo 4H13TU zusammen mit einer Kampfschwimmer 3H39 als NOS/Schaufensterware kaufen können, die damals schon knapp 10 Jahre auf dem Buckel hatte. Sie kam allerdings ohne Lupe aus und hat – Baujahr-bedingt – ein ETA 2824-2 verbaut. Das Zeigerspiel ist auch leicht unterschiedlich, der Minutenzeiger verweist auf die Fliegeruhrentradition von Aristo.
Der Zungenschlag gefällt mir nicht. In China gibt es mittlerweile grundsolide Marken, die genau diese Uhr mit besserer Spezifikation und zu einem Bruchteil des Preises anbieten. Diese Vorstellung, dass man in chinesischen Hinterhöfen billige Kopien bastelt, ist von vorgestern.
Dass der Blog die deutsche Industrie unterstützen will, ist ok. Aber man muss schon ehrlich bleiben.
Grüß Gott, zusammen,
die Aristo Aquaristo sieht für mein Empfinden mit dem blauen Zifferblatt sowie als Pepsi-Variante wesentlich schicker aus.
Schönen Sonntag
Georg
Oh weh! Quo vadis Aristo?
Normalerweise sind solche Hommagen, sorry Aristo, immer so das Pfeifen im dunklen Wald. Masse, man gebe mir Masse. Dafür ist sie nicht billig genug. Nicht falsch verstehen, wahrscheinlich ist sie ihren Preis wert, aber wenn ich da auf Tisell und so kucke, dann wird es da eng. Da hilft auch kein schlaues Marketing.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass es ein Verbrechen ist, die gute, alte Sub zu kopieren, bzw. die Spezifikationen so sehr zu beachten, dass ein SubClone dabei herauskommt. Aber ich persönlich, brauche keine zwölfte Lookalike.
Aristo, bleib bei Deinen Leisten. Ich, und nur ich ganz persönlich glaube, dass das eine Fehlzündung wird! Möge man mich der Unkenntnis und des Nörgeltums bezichtigen! Aber ich persönlich wüsste nicht, warum ich mir das Ding hinlegen sollte. OK, ich habe das Original. Aber selbst, wenn nicht…. Und das Spangenband, das ist dann die letzte Schippe… Sorry Aristo, ich mag Euch. Aber das Ding? Ich verstehe es nicht.
Mario,
danke für die sehr ausgewogene Darstellung. Du hast recht, dass jeder selbst entscheiden muss, ob die Welt wirklich noch eine Submariner Hommage braucht.
Persönlich würde ich mir für einen Diver, der mit „Vintage“ beworben wird, ein Gehäuse mit einem um mind. 2mm geringeren Durchmesser, durchbohrten und weiter heruntergezogenen Hörnern, Zifferblatt mit „Old Radium“ Leuchtmasse sowie „dünnerem“ und graviertem Schrifttypus auf der Lünette wünschen. Das wäre insgesamt eigenständiger. und würde die Benennung „Vintage“ unterstreichen.
Übrigens scheint mir, dass Aristo die Zahnung der Lünette gegenüber den Katalog Abbildungen „geschärft“ hat, das erhöht bestimmt die Griffigkeit.
Um das Halbspangenband würde ich in jedem Fall einen großen Bogen machen.
Beste Grüße,
Konrad