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Innerhalb der traser P67 Officer Pro-Reihe stechen die früher lancierten Varianten wie Lime oder SkyBlue recht stark heraus. Mit den vier neuesten Ergänzungen der Modellreihe Black, Blue, Grey und Khaki gehen die Niederwangener aber wieder Back to the Roots

Eckdaten traser P67 Officer Pro:

traser P67 Officer Pro im Hands-On

Der Schweizer Uhrenhersteller traser ist seit je her vor allem auf professionelle Zeitmesser ausgerichtet – kein Zufall mit Blick auf das Mutterhaus mb-microtec AG, das mit der trigalight-Technologie in etlichen professionellen Anwendungen vertreten ist und so auch zum offiziellen Lieferanten der US Army wurde, was wiederum zur Marke traser führte (dazu gleich mehr).

Das “Gesicht” der traser P67 Officer Pro ist gewohnt klar und schnörkellos strukturiert und hundertprozentig funktional – mit üppig dimensionierten Stundenziffern in Ergänzung zu den Tritium-Indizes (dazu gleich mehr). Der farblich akzentuierte Sekundenzeiger sowie die farblich auf den Sekundenzeiger abgestimmte Dreieckmarkierung in zentraler “12 Uhr”-Position bieten zusätzliche Orientierung.

Vor allem wegen des charakteristischen Innenrings mit den kleinen Ziffern 13 bis 24, welche die Stundenziffern ergänzen, ist die traser P67 Officer Pro eindeutig im Field Watch-Dunstkreis zu verorten. Aber welcher Mensch braucht eine „Übersetzung“ von beispielsweise 2 Uhr auf 14 Uhr? Nun, das sind global betrachtet gar nicht so wenige: Anders als in Deutschland sind es beispielsweise Menschen in den USA gewohnt einfach nur von „2 Uhr“ zu reden, egal ob es Nachts oder Nachmittags ist (2 AM vs. 2 PM). Beim US-amerikanischen Militär ist allerdings traditionell beispielsweise die Rede von 1400 (Fourteen Hundred). Der Innenring soll entsprechend als Hilfestellung dienen, um die Zeit richtig zu „übersetzen“.

Dieses charakteristische Field Watch-Merkmal findet sich auch bei der früheren offiziellen US Army-Uhr, der P6500 Type 6, von der 300.000 Stück an Spezialeinsatzkräfte wie die Army Rangers, Army Special Forces (“Green Berets”), Navy SEALs (Sea, Air, Land) und EOD (Explosives Ordinance Demolition) geliefert wurden. Zuvor kamen Uhren für die US Army von Stocker & Yale und Marathon – mit trigalight an Bord. Die Entwicklung und Einführung dieser weltweit ersten selbstleuchtenden Uhr durch mb-microtec führte letztendlich zur Gründung der Marke traser.

Aber zurück zur traser P67 Officer Pro. Sehr gelungen ist die Integration des Datumsfensters: Anstatt der Tatsache, dass das Fenster die große “3” einfach nur “absäbelt” (so wie das bei einigen Herstellern leider manchmal praktiziert wird), rahmen Ober- und Unterseite der “3” das Datumsfenster ein – eine sehr geschickte Lösung, wie ich finde.

Licht aus – Spot an!

traser verpackt natürlich auch wieder die hauseigene Kernkompetenz des Mutterhauses mb-microtec auf dem Blatt: Zeiger, Zifferblatt und Stundenmarkierungen sind mit feinen trigalight-Röhrchen versehen (oder wie der Schweizer sagt: Röhrli).

Die Produktion dieser Röhrchen ist hochspannend: Ausgangsmaterial sind fingerdicke Glasrohre, rund 150 Zentimeter lang. Im sogenannten Ziehprozess werden sie nach Erhitzen in die Länge gezogen, bis am Schluss ein bis zu 0,3 mm kleines Röhrchen daraus geworden ist, der Innendurchmesser ist mit 0,1 mm so fein wie ein Haar.

Trigalight verwendet Tritiumgas, das mb-microtec aus Kanada bezieht, wo es im Betrieb bestimmter Atomkraftwerke (Schwerwasserreaktoren) anfällt. Das Tritium ist in den Glasröhrchen eingeschlossen. Diese Röhrchen sind außerdem mit fluoreszierenden Materialien beschichtet, die bei Kontakt mit der Betastrahlung des Tritiums zum Leuchten angeregt werden. Genauer: Die Betastrahlung des Tritiums regt die Elektronen in den fluoreszierenden Materialien an, wodurch sie in einen höheren Energiezustand versetzt werden. Wenn diese Elektronen in ihren ursprünglichen Zustand zurückkehren, emittieren sie Licht, das als Leuchten sichtbar wird.

Faszinierend: Die Röhrli sind so klein und so leicht, dass man sie problemlos auf Zeiger und Indizes von Uhren applizieren kann ohne dabei die Drehbewegung der Zeiger zu beeinträchtigen. Die mb-microtec AG ist unangefochtener Weltmarktführer in diesem Hightech-Bereich, der neben Uhren auch in Kompassen und anderen Instrumenten Anwendung findet – oder eben in allen anderen Bereichen, bei denen eine konstante und zuverlässige Beleuchtung in dunklen Umgebungen wichtig ist.

Die Verwendung von Tritiumgas ermöglicht eine langanhaltend-zuverlässige Lichtquelle, da Tritium ein radioaktives Isotop mit einer Halbwertszeit von etwa 12,3 Jahren ist. Dadurch bleibt die Leuchtkraft von trigalight über einen längeren Zeitraum erhalten, ohne dass eine externe Energiequelle erforderlich ist. Aber auch selbst nach 12,3 Jahren wird das Licht natürlich nicht einfach so “ausgeknipst” – eine Sichtbarkeit ist auch noch viele Jahre danach gegeben, nur eben langsam abnehmend (Stichwort: Halbwertszeit). Der traser-Service nimmt bei Bedarf entsprechend auch einen Tausch der trigalights oder des ganzen Blattes vor, um die ursprüngliche Leuchtkraft wieder herzustellen.

Spannend: Wie das kostbare Tritium aus beispielsweise zurückgegebenen Zifferblättern gewonnen werden könnte, beschäftigte mb-microtec für einige Jahre. Nach intensiver Planung wurde erst kürzlich eine eigens entwickelte Recyclinganlage in Betrieb genommen. Sie funktioniert im Prinzip wie die Abwasserreinigung: Das Tritium wird gefiltert und kann letztendlich vollumfänglich wiederverwendet werden.

Kleines, aber feines Detail: traser verbaut bei der P67 Officer Pro erstmalig ein trigalight-Röhrchen vertikal in die Zwölf-Uhr-Markierung, eingelassen in der Rehaut – es ragt also hochkant in die Luft und schafft daher noch ein bisschen mehr Fläche zur Abgabe der Leuchtkraft, was der Ablesbarkeit zu Gute kommt.

Ein weiteres Gutsel ist, dass der Dichtungsring des Saphirglases, der seinen Beitrag zu den alltagstauglichen 10 bar Wasserdichtigkeit leistet, nachleuchtend und unterstreicht dadurch das Lichtspektakel auf imposante Art und Weise – dieser leuchtet aber ganz “Old School” auf der Grundlage von Super-LumiNova.

Das Gehäuse der P67 Officer Pro ist schnörkellos und matt in der Farbe Schwarz PVD-beschichtet – und damit weitgehend reflexionsfrei, so wie es sich für eine funktionale Field Watch gehört. Verräterische Sonnenreflexionen von Gewehrläufen, Zielfernrohren, Trinkflaschen oder anderen Ausrüstungsgegenständen wie eben Uhren sind nämlich logischerweise zu vermeiden – ganz im Sinne des Einmaleins der Tarnung.

PVD-Schichten sind extrem dünne Schichten (bis 5 Mikrometer), die in der Regel durch moderne Aufdampftechnologie im Vakuum erzeugt werden. Dünne Beschichtungen, die in einer solchen Umgebung hergestellt werden, zeichnen sich durch eine signifikante Verbesserung verschiedener Eigenschaften aus, darunter eine Erhöhung der Oberflächenhärte auf solche Werte, die selbst für die härtesten Stähle unerreichbar sind (>1500 Härte nach Vickers). Daher sind moderne PVD-Beschichtungen sehr kratzfest und langlebig, gleichzeitig aber natürlich nicht unzerstörbar. Die PVD-Beschichtung diente ursprünglich vor allem dem Schutz und der Veredelung von Werkzeugen – quer durch viele Branchen und Anwendungsgebiete, zum Beispiel im Maschinenbau.

Mit 42 mm Durchmesser (Horn-zu-Horn = 49,4 mm) und relativ schlanken 11 mm Bauhöhe ist das Gehäuse für traser-Verhältnisse fast schon “klein” – Modelle wie die traser P69 Black Stealth sind mit 46 mm deutlich ausladender und martialischer dimensioniert. Die 42 mm der P67 Officer Pro wirken am Arm zwar deutlich weniger präsent, sind aber hinsichtlich Tragekomfort bei langer Tragezeit im Alltag schlicht angenehmer.

Für den Antrieb der traser P67 Officer Pro sorgt das Schweizer Quarzwerk Ronda 715. Die Ganggenauigkeit beträgt -10 bis +20 Sek pro Monat. Die Batterielaufzeit wird von Ronda mit 45 Monaten angegeben.

trasers Sortiment umfasst überwiegend den Bereich ernstzunehmender bzw. “echter” Einsatzuhren. Der Einsatz eines Quarzwerkes ist entsprechend nur logisch, denn so gut auch Stoßsicherungen in mechanischen Kalibern wie Incabloc, Novodiac & Co. heutzutage sein mögen – an die Stoßfestigkeit von Quarzwerken kommen diese niemals ran, da diese naturgemäß nun mal keinerlei bewegliche Teile wie eine Unruh mitbringen, welche die Zeit regulieren (in Quarzuhrwerken wird die elektrische Energie aus einer Batterie verwendet, um den Quarzkristall zu schwingen. Die Schwingung des Quarzkristalls wird dann elektronisch stabilisiert und so umgewandelt, dass die Zeiger die korrekte Uhrzeit anzeigen). Dennoch schade ist, dass traser nicht beispielsweise auf das Ronda 715Li mit 10 Jahren Batterielaufzeit setzt – das wäre natürlich noch das i-Tüpfelchen gewesen. Auch ein solarbetriebenes Quarzwerk wäre eine naheliegende Option.

Mehr: “Longlife”-Batterien für Quarz-Uhren

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Abschließende Gedanken

Die P67 Officer Pro ist sowas wie die Quintessenz einer traser: Ohne Schnickschnack, ohne Schnörkel, robust, funktional, massiv und natürlich mit der trigalight-Technologie an Bord, die mich immer wieder begeistert und definitiv ein gutes Kaufargument ist. Die traser P67 Officer Pro in den neuen Farben Schwarz, Blau, Grau und Khaki ist am Textil- (529€) oder am PVD-beschichteten Edelstahlband (639€) erhältlich, unter anderem direkt bei traser. Wer noch auf der Suche nach einer hochwertigen und robusten Einsatzuhr und Quarz gegenüber nicht abgeneigt ist, dem seien die neuen Varianten absolut empfohlen.

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