• Beitrags-Kategorie:Tests
  • Beitrags-Kommentare:6 Kommentare
  • Beitrags-Autor:
  • Lesedauer:20 min Lesezeit

Ende 2022 hat der seit je her familiengeführte Schweizer Uhrenhersteller Titoni die überaus beliebte Seascoper-Modellreihe weiter ausbaut – und zwar mit der Seascoper 300, die Titoni eine Preisetage unterhalb der Seascoper 600 positioniert. Nun folgt Mitte 2023 eine sommerlich-frische orange DLC-Variante, die im direkten Vergleich die eher nüchterneren Farbvarianten schwarz, grün und blau ergänzt. Historisch steckt aber weit mehr als nur die Optik hinter orangen Zifferblättern…

Eckdaten Titoni Seascoper DLC Orange (Ref. 83300 B-BK-R-715):

  • Swiss Made
  • Gehäuse aus Edelstahl, DLC-beschichtet
  • Saphirglas, flach, beidseitig entspiegelt
  • Wasserdicht bis 300 Meter / 30 bar
  • Sellita SW200-1 Automatikwerk, Chronometer-zertifiziert (COSC)
  • Durchmesser 42mm
  • Horn-zu-Horn 52mm
  • Höhe 12,5mm
  • Lünette mit Keramikeinlage, unidirektional drehbar, poliert
  • Verschraubte Krone
  • Verschraubter Gehäuseboden
  • Vollintegriertes Kautschukband
  • Limitiert auf 100 Stück
  • Preis: 1700€, direkt bei titoni.ch oder verschiedenen Fachhändlern
Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00793
Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00798 Kopie

Titoni Seascoper 300 DLC Orange im Test

Das klassisch-schnörkellose Diver-Design der Seascoper 300 hat Titoni im Grunde unangetastet gelassen. Was Uhrenfreunde bei der neuen Variante aber natürlich direkt anspringt, ist das intensiv orange Zifferblatt, das vor allem in Verbindung mit den tiefschwarz umrandeten, applizierten Stundenindizes, dem schwarzen Zeigersatz und dem schwarzen Gehäuse extrem kontrastreich wirkt. Das beidseitig farblos entspiegelte Saphirglas leistet ebenfalls seinen Beitrag dazu, dass die Farbe richtig schön “knallt”.

Das Blatt ist dabei emailliert, d.h. mit einer harten, besonders glatten Schutzschicht überzogen. Emaille wird bei bei Temperaturen von über 480 °C aufgeschmolzen und gilt als besonders korrosionsbeständig, temperaturbeständig, schlag- und stoßfest, säureresistent und lichtecht, d.h. emaillierte Oberflächen behalten ihre Farbe, wie am ersten Tag. Auch bei dauerhafter Sonnenbestrahlung und intensiver UV-Strahlung verblassen emaillierte Oberflächen nicht oder verändern die Farbe.

Die Geschichte hinter orangen Zifferblättern bei Taucheruhren ist dabei noch ein paar zusätzlichen Zeilen wert: Diese gehen auf eine Entwicklung des Uhrenherstellers Doxa in den 60ern zurück, da diese (angeblich) unter Wasser besser ablesbar sein sollen. Der Hintergrund: Taucheruhren waren damals schließlich kein schickes Accessoire, um Shirt und Jeans abzurunden, sondern überlebenswichtige Grundlage für den Tauchgang. Doxa testete daher damals verschiedene grelle Farben wie Orange oder Gelb im trüben Neuenburgersee (Lac de Neuchâtel), um diejenige Farbe mit der besten Ablesbarkeit beim Tauchgang herauszufischen. Und die Entscheidung fiel eben damals auf die Farbe Orange.

In Welcher Tauchtiefe die Tests stattgefunden haben, ist allerdings nicht überliefert – das ist aber ein ganz wesentlicher Faktor: Hobby-Ozeanografen wissen nämlich, dass viele Fische in tieferen Tiefen eine rötliche Färbung aufweisen, sodass sie von Fressfeinden schwerer wahrgenommen werden können – das liegt ganz einfach daran, dass das Wasser den Rot-Anteil des Sonnenlichts absorbiert

Da Orange bekanntermaßen eine Mischung aus Gelb und Rot ist, schwindet die Farbe mit einer Wellenlänge von rund 600 nm bereits in rund 15 Metern Tiefe, sodass der Taucher die eigentlich knallige Zifferblattfarbe Orange nur noch als ein mattes Grau-Schwarz wahrnimmt. Zur Einordnung der Tiefe von rund 15 Metern: Die meisten Tauchorganisationen wie PADI empfehlen Sporttauchern eine Tauchtiefe von 40 Metern nicht zu überschreiten. Als Anfänger sollte man nicht tiefer als 15 Meter tauchen. Als ich vor einigen Jahren meine ersten “Gehversuche” beim Tauchen gemacht habe, war ich in 6 Metern Tiefe unterwegs.

Bild: Thomei08 / CC BY-SA via Wikimedia Commons

So oder so gilt grundsätzlich, dass der Kontrast zwischen Zeigern und Zifferblatt am Ende des Tages entscheidend ist hinsichtlich einer optimalen Ablesbarkeit. Und das ist bei der neuen Seascoper 300 dank der am Rand schwarz beschichteten, applizierten Indizes und dem schwarzen Zeigersatz mehr als gegeben – auch im Dunkeln. Schön: Konsequenterweise ist auch das applizierte Titoni-Logo,  eine stilisierte Blume in Anlehnung an die in Südwest-China beheimatete Meihua, die einen Hinweis auf Titonis starke, historisch gewachsene Marktposition in Asien gibt, schwarz beschichtet .

Was in jedem Fall bleibt ist eine überaus frische Optik, die mir bei Taucheruhren grundsätzlich sehr gefällt – eine perfekte Sommerfarbe eben.

Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00777

Das Gehäuse ist in Form und Abmessungen (42 mm Durchmesser, 52mm Horn-zu-Horn, angenehme 12,5mm Höhe) identisch mit dem der unlimitierten Standard-Seascoper 300. Neu ist aber, dass Titoni den knalligen Orange-Farbton mit einer komplett schwarzen, diamantähnlichen Kohlenstoffbeschichtung des Gehäuses verstärkt (Diamond-like Carbon – DLC). Die bietet auch ganz pragmatisch eine Reihe von Vorteilen, darunter vor allem Härte und Kratzfestigkeit: DLC-Beschichtungen bestehen aus einer dünnen Schicht aus amorphen Kohlenstoff, die mit einer Diamantstruktur vergleichbar ist (daher auch der Name). Diese Beschichtung verleiht der Oberfläche der Uhr eine hohe Härte und Abriebfestigkeit, wodurch die Seascoper 300 DLC widerstandsfähiger gegen Kratzer und Schrammen bei der alltäglichen Nutzung ist. Die schwarze DLC-Beschichtung schützt die Uhrenoberfläche außerdem vor Korrosion: Sie bildet eine Barriere gegen Feuchtigkeit, Schweiß und dergleichen.

Nun stößt man als Uhrenfreund ja hin und wieder über Vintage-Uhren, die mit einer schwarzen Beschichtung kommen, aber ziemlich runtergerockt aussehen, d.h. der Stahl scheint an allen Ecken und Enden durch die Beschichtung durch (zum Beispiel bei Porsche Design-Chronographen, die ab 1972 die allerersten Zeitmesser mit schwarz beschichtetem Gehäuse waren).

Dazu sei gesagt, dass Produktionstechniken heute natürlich viel besser sind als vor vielen Jahrzehnten – DLC-Beschichtungen kommen daher beispielsweise heute auch im Maschinenbau zum Einsatz, um die Leistungsfähigkeit von Werkzeugen und Bauteilen zu erhöhen. Darüber hinaus gehören zu den weit verbreiteten Anwendungen für DLC-Beschichtungen Hochleistungswellenlager und Planetengetriebe für Automobile und den Rennsport bis hin zu Windkraftanlagen, Schneidklingen und Kolbenpumpen aus Edelstahl für die Lebensmittelverarbeitung sowie gleitende Bauteile in Füll- und Abfüllanlagen. Unzerstörbar ist eine DLC-Beschichtung aber natürlich nicht: durch starke Stöße oder grobe Behandlung kann die Oberfläche in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das tiefschwarze Gehäuse wird von einer Lünette mit schwarzer, kratzfester, polierter Keramikeinlage abgerundet, die eine typische Diver-Einteilung beherbergt und das Markieren des Tauchstarts ermöglicht (zum Beispiel in Ergänzung bzw. als Backup zum Tauchcomputer, um eine ungefähre Vorstellung über das restliche Atemgasgemisch zu haben). Natürlich lassen sich auch ganz alltägliche Dinge wie beispielsweise Kochzeiten mit der Lünette messen.

Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00778

Für den Halt am Handgelenk sorgt ein angenehm flexibles, schwarzes und vollkommen geruchsneutrales Kautschukband mit schwarz DLC-beschichteter Faltschließe und seitlichen Drückern. Das Band ist dabei lobenswerterweise vollintegriert, was einfach hochwertiger und moderner aussieht.

Darüber hinaus ist auch ein zusätzliches Textilband mit klassischer Dornschließe Bestandteil des auf 100 Stück limitierten Gesamtpaketes. Das Band aus sogenanntem #tide Ozeanmaterial stammt von der gleichnamigen, in Basel ansässigen Firma Tide Ocean und wurde auf der Grundlage von Upcycling-Prozessen produziert.

Tide Ocean arbeitet seit kurzem beispielsweise mit der Umweltorganisation Sea Shepherd zusammen: Das gemeinsame Projekt widmet sich der Wiedergewinnung gebrauchter Fischereiausrüstungen, darunter die sogenannten Geisternetze (ghost nets), die oftmals aus Plastik sind und im Meer enden und dort Schaden anrichten. Auch nicht mehr gebrauchte Ausrüstungen werden direkt bei den Fischern eingesammelt. In einem Pilotprojekt haben Sea Shepherd und Tide Ocean auf der kroatischen Insel Općina bereits 20 Tonnen Netze eingesammelt.

Das Material wird von Tide Ocean zunächst zu Kunststoffgranulat verarbeitet. Für die Herstellung der jeweiligen Produkte wird das Granulat verflüssigt und anschließend in Form gebracht, beispielsweise zu Schnürsenkeln, Bucheinbänden und Bikinis – oder eben Textilbändern für Uhren, die im Falle der Bänder für die Seascoper 300 auch noch mit passender schwarzer Stahl-Hardware (Keeper, Schließe) ausgestattet sind. Mit dem #tide-Band wird man zwar sicher nicht zum Retter der Ozeane, aber die Idee schafft (davon mal abgesehen, dass sie thematisch auch hervorragend zu einer Taucheruhr passt) eine gewisse Sensibilität für die leider ungebrochen hohe Verschmutzung der Meere.

Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00781
Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00791
Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00790 Kopie

Für den Antrieb der Seascoper 300 DLC sorgt – wie auch bei der unlimitierten Standardvariante – das robuste und zuverlässige Schweizer Kaliber Sellita SW200-1. Dadurch grenzt Titoni die Seascoper 300 gegenüber der hochpreisigeren Seascoper 600 ab, die mit dem Manufakturkaliber T10 kommt.

Das Sellita SW200-1 in der Seascoper 300 ist außerdem von der COSC als Chronometer zertifiziert, d.h. gemäß Norm darf die Gangabweichung maximal -4 bis +6 Sekunden betragen. Bei der COSC werden die (unverbauten) Werke in fünf Lagen und bei drei verschiedenen Temperaturen (8 °C, 23 °C, 38 °C) für 15 Tage intensiv getestet, bevor sie wieder (samt Zertifikat) an den Hersteller geschickt werden. In der Preisklasse der Seascoper 300 ist ein solches Chronometer-Zertifikat alles andere als eine Selbstverständlichkeit – und dürfte viele Uhrenfreunde mit Blick für eine hohe Ganggenauigkeit sicherlich freuen.

Abschließende Gedanken

Als ich die Pressemappe mit den Renderings gesehen habe, war ich ehrlich gesagt zunächst nicht so ganz überzeugt davon, ob das orange Blatt in Verbindung mit dem schwarzen Gehäuse der modernen Seascoper 300 steht. Ich muss aber sagen, dass (und ich hoffe, dass ich das mit den Bildern hier transportieren konnte) die Seascoper 300 Orange DLC in natura richtig richtig gut aussieht. Und auch qualitativ gibt es, bis runter auf Makro-Ebene, keinerlei Anlass zur Kritik. Insbesondere auch die COSC-Zertifizierung rundet das Gesamtpaket wunderbar ab.

Die auf 100 Stück limitierte Titoni Seascoper 300 Orange DLC ist ab sofort zum Preis von 1700€ direkt bei titoni.ch oder verschiedenen Fachhändler erhältlich. Preislich liegt die DLC-Variante damit unwesentlich über der unlimitierten bzw. unbeschichteten Variante. Übrigens: Unter der Referenz 83300 B-BK-R-716 gibt es auch noch eine neue “Tarnkappen”-Variante (limitiert auf 500 Stück).

Titoni Seascoper 300 Orange Limited 83300 B BK R 715 00782

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei FacebookInstagram, YouTube oder

Auch über WhatsApp kannst du immer auf dem neuesten Stand bleiben – jetzt abonnieren:

DSxOAUB0raA (1)

Darüber hinaus freue ich mich über Kommentare immer sehr (Kommentare werden in der Regel innerhalb kurzer Zeit geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei...
6 Kommentare
Neueste Kommentare
Älteste Kommentare Kommentare mit den meisten Votings
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Steve
10 Monate zurück

Schöner Bericht, wie immer. Die Uhr finde ich ganz nett, so ganz überzeugt mich das Design nicht. Ich habe das Gefühl, so langsam sättigt sich mein Blick für Orange (Taucher)Uhren. Ich mag orange, aber vielleicht habe ich zu viele in letzter Zeit angeschaut 😊

Prem Amido
10 Monate zurück

Hallo,

Danke für den Bericht.

Die farbliche Kombination von Zifferblatt + Gehäuse der limitierten Seascoper 300 Orange DLC gefällt mir ziemlich gut, optisch würde sie vermutlich gut zu mir passen.
Interessant bei Titoni finde ich aber vor allem das eigene Manufaktur-Kaliber T10 in einer noch relativ erschwinglichen Taucheruhr. Wenn überhaupt, werde ich mir darum irgendwann die Seascoper 600 näher ansehen.

Schade für mich, dass es die Seascoper 600 nicht in diesem tollen Orange-Schwarz plus einem entsprechenden Metallband gibt.

Liebe Grüße

Prem Amido

Dr. med. Rainer Michels
10 Monate zurück

Ja, wie immer cooler Artikel, aber mir gefällt die Uhr schlicht nicht. Ich würde mein Geld eher in die Anomaly Evolution von code41 investieren. Auch in diesem Blog bereits vorgestellt.

LG Rainer

U.Hohn
10 Monate zurück

Wie immer ein toller Beitrag mit Bildern, deren Emotionalität immer super zu den vorgestellten Uhren passen wie hier eine robuste, schwarze (orangene) Taucheruhr. Ich finde es aber leider schade, dass einige Hersteller den “orangenen” Trend regelrecht verpennt haben und jetzt erst mit solchen Ziffernblattfarben hinterher rennen. (Wie auch Formex) PS: Ich würde lieber die Certina DS Super PH 500M in Edelstahl / orange bevorzugen – kostet nur 1000 Euro und hat nicht die PVD-Problematik. Weiter so – Hasta luego.

Andi
10 Monate zurück

Sehr guter und interessanter Bericht. Aber geht es nur mir so, dass ich die Uhr für zu teuer halte? Wäre froh um eure Meinung und Ansichten.
Lieber Gruss
Andi

Tobias Rottenbach
10 Monate zurück

Wie immer ein sehr interessanter und umfangreicher Artikel. Die Black Stealth Variante gefällt fast ein bissle besser als das Orange. Insgesamt eine sehr schöne Uhr.