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Unflexible Reaktionen auf die Wünsche der Aussteller und Besucher, überteuerte Preise, verpennte Digitalisierung: Nachdem sich u.a. die Branchenriesen Swatch (Blancpain, Longines, Glashütte Original, Omega etc.) Rolex, Patek Philippe und LVMH (Hublot, TAG Heuer, Zenith etc.) von der einst größten Uhrenmesse der Welt zurückgezogen haben, hat die MCH Messegesellschaft die Baselworld im Jahre 2020 begraben. Und schuld daran war ganz sicher nicht nur Corona.

Prompt wurde Mitte 2020 aber der Baselworld-Nachfolger, die Plattform Houruniverse angekündigt, mit dem alles digitaler, vernetzter, kundenorientierter, ja einfach besser, werden sollte. Im April 2021 sollte Houruniverse erstmalig stattfinden – vor Ort in Basel, wohlgemerkt. Eigentlich jedenfalls, denn der angepeilte Termin wurde im Februar 2021 doch noch mal verschoben – allerdings ohne einen festen Termin zu nennen.

Houruniverse war nie mehr als eine leere Hülle, bestehend aus einer Website und ein paar Social-Media-Postings. Und jetzt ist auch klar, warum: Die Baselworld ist ab 2022 zurück. Aber eigentlich auch nicht so richtig…

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Baselworld 2022 mit neuem Schwerpunkt

Nachdem in einer außerordentlichen Generalversammlung der MCH Group AG Ende 2020 unter anderem einer Kapitalerhöhung im Umfang von bis zu 104,5 Millionen CHF zugestimmt wurde und der Investor Lupa Systems LLC rund um James Murdoch (der Sohn des bekannten Medienunternehmen Rupert Murdoch) nun einen Anteil von 32,32 Prozent an MCH hält, kam es im Juni 2021 zur Kehrtwende: Houruniverse wurde schon wieder begraben. Baselworld is back! heißt es selbstbewusst auf der Website der Messe und in der offiziellen Pressemitteilung.

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Marke Baselworld nun doch erhalten bleibt – schließlich existiert(e) die einst stolze Basel-Messe seit 1917 und war viele Jahrzehnte lang Dreh- und Angelpunkt für die gesamte Uhrenindustrie. Zu ihren Hochzeiten stellten in ihren Hallen in Basel 1.500 Uhrenmarken ihre Neuigkeiten vor.

Dennoch darf man kritisch hinterfragen, was das Houruniverse-Intermezzo sollte. Falls es das Ziel war, Medien und Kunden maximal zu verwirren, so ist das auf jeden Fall gelungen.

Baselworld 1968

Baselworld 2022 – Termin und Ausrichtung

Die Baselworld konnte das letzte Mal im Jahr 2019 durchgeführt werden. Nun
soll sie vom 31. März bis 4. April 2022 wieder stattfinden – vor Ort in Basel und „synchron“ mit der zeitgleich in Genf stattfindenden Messe Watches & Wonders (früher Genfer Uhrensalon, SIHH).

Außerdem soll im Herbst 2021 eine digitale Baselworld-Plattform eingeführt werden, auf der beispielsweise Vorträge und Panel-Diskussionen der Baselworld live übertragen werden sollen.

„Auf unserer Plattform werden sich alle treffen. Die Marken, die Hersteller, die Händler, die Fans und die Medien», erklärt Managing Director Michel Loris-Melikoff.“ Wir werden attraktive Bedingungen und Preise für alle Marken offerieren, die von dieser einzigartigen Plattform profitieren wollen.“

Mit der alten Baselworld hat die neue Baselworld ganz offensichtlich nicht mehr viel zu tun – in der Pressemitteilung heißt es weiter:

„Anstatt den Fokus auf den spektakulären Auftritt von Luxusmarken im Uhren-, Schmuck- und Edelsteinbereich zu legen [Anmerkung: Die sind ja auch schließlich alle schon längst abgehauen], wird die neue BASELWORLD vor allem eine B2B
Plattform im mittleren Luxussegment
sein. Das künftige Konzept verbindet
Trends im Experience Marketing Markt mit den Bedürfnissen der gesamten
Community im mittleren und gehobenen Segment der Uhren-, Schmuck- und
Edelsteinindustrie.“

Bitter: Der Endkunde schaut bei der neuen Baselworld in die Röhre und wird ausgeschlossen. Wenn man mal ehrlich ist, ist das aber auch weniger dramatisch: Mit der Watchtime Düsseldorf gibt es bereits eine Messe, die für Otto-Normal-Endkunden geöffnet ist. Und: Auch bei der alten Baselworld konnte man als Endkunde nicht wirklich viel von den Neuheiten sehen – ohne Presseausweis und Termin ist in vielen Fällen maximal der Blick in die Vitrinen der Uhrenmarken drin gewesen.

Insofern ist der Schritt von MCH nachvollziehbar, dass man sich von vornherein abgrenzt. Spannend für mich als Blogger ist auf jeden Fall die Fokussierung auf Marken des „mittleren“ Preissegments, die ich besonders gerne auf CHRONONAUTIX.com behandle. „Man wird die dreistöckigen Paläste, wie man sie gekannt hat, nicht mehr sehen“, sagt Direktor Michel Loris-Melikoff in einem Interview dazu, ohne dabei konkrete Uhrenmarken zu nennen, welche die neue Baselworld umgarnen möchte.

Viel Fantasie brauche ich aber nicht dafür, dass sich die neue Baselworld wohl um eher kleinere, konzernunabhängige Marken wie die Sinns, Mühles, Meisteringers, Shorokhoffs, Lacos und Stowas dieser Welt bemühen dürfte, um diese als Kunden zu gewinnen – also Marken, die sich auf der alten Baselworld vornehmlich in Halle 2 tummelten. Diese dürften einer neuen Plattform gegenüber nicht abgeneigt sein.

Alexander Shorokov Baselworld 2017
CHRONONAUTIX trifft Alexander Shorokhoff auf der alten Baselworld

Die MCH Group scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie nicht mehr in der gleichen Liga spielt wie früher – und hat mit der Neuorientierung aus der Not eine Tugend gemacht, da die großen Luxusmarken, also Publikumsmagneten wie Rolex & Co., ohnehin längst nach Genf abgewandert sind. Man darf gespannt sein, ob der Neuanfang der Baselworld gelingt…

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Karsten

    Hallo, ich habe in den letzten fünfzehn Jahren als Endkunde die Baselworld besucht. Anfangs kam ich noch mit einigen Repräsentanten der Aussteller ins Gespräch. Zuletzt war es eine Messe zum Vergessen. Dass bei der Auflage 2022 die Endkunden nun ausgeschlossen werden, treibt mir keine Tränen ins Auge. Nach 2019 hatte ich mir sowieso geschworen: Nie wieder!
    Baselworld wird nie wieder die Bedeutung erlangen, die sie einmal hatte. Hier wird traditionell an etwas festgehalten, was nicht mehr zeitgemäß ist, ich meine damit die Uhrenseite, die Schmuckseite kann ich aus mangelnder Erfahrung nicht beurteilen.

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