Auf den ersten Blick bleibt sich die neue Naos Edition Bauhaus X einfach „nur“ ihrer Linie und der Sternglas-DNA treu, angesiedelt im Design-Dunstkreis, der unter Uhrenfreunden als Bauhaus bekannt ist – klar, reduziert, ohne Schnörkel. Wer die Naos, das Aushängeschild der Hamburger Marke, kennt, wird sich auch hier sofort wohl fühlen. Und doch ist da dieses kleine „Moment mal…“-Gefühl, das einen spätestens beschleicht, wenn man die Uhr umdreht oder sich einfach nur im (Halb-)Dunkeln aufhält. Warum die neue Sternglas Naos Edition Bauhaus X die gestalterisch meiner Meinung nach bisher beste Naos ist, zeige ich euch in diesem Artikel.


Eckdaten Sternglas Naos Bauhaus Edition X:
- Durchmesser 38 mm
- Höhe 13 mm (inkl. gewölbtes Glas)
- Horn-zu-Horn 42,3 mm
- Full Lume-Dial
- Automatikkaliber Miyota 8215, Sichtfenster gefärbt in den Farben rot, gelb oder blau
- Im Set mit einer UV-Taschenlampe
- Limitiert auf 500 Stück pro Farbvariante
- Listenpreis 499€ (Early Bird-Rabatt: 469€), direkt über sternglas.de oder verschiedene Fachhändler





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Sternglas Naos Edition Bauhaus X im Test
Wir fangen ausnahmsweise mal auf der Rückseite der Uhr und beim tickenden Inneren an – und warum, das wird sofort deutlich. Das verbaute automatische Kaliber Citizen-Miyota 8215 ist – nüchtern betrachtet – kein „Schauwerk“. Es ist funktional, zuverlässig, aber bleibt in den meisten Fällen kein Augenschmaus – so auch bei der Sternglas Naos Edition Bauhaus X. Und genau hier kommt der Kniff: Statt ganz klassisch über einen dekorierten Rotor (z.B. Gravuren) noch ein bisschen Optik aus dem 8215 herauszukitzeln, dreht Sternglas den Spieß quasi einfach um: Die Glasböden sind farbig getönt, je nach Variante in Blau, Rot oder Gelb – die klassischen Primärfarben (Grundfarben) im künstlerischen Farbkreis nach Johannes Itten, ein Schweizer Maler, Kunsttheoretiker, Kunstpädagoge und lehrender Meister am Bauhaus in Weimar.





Die Farben des Glasbodens finden sich jeweils abgestimmt auch im Sekundenzeiger wieder und in den Kontrastnähten des Armbands – ein „roter Faden“ für die jeweiligen Varianten, im wahrsten Sinne des Wortes. Und wer sich ein bisschen mit der Bauhaus-Idee beschäftigt, weiß: Farbe war dort nie bloß Dekoration, sondern immer Teil einer gestalterischen Idee. Primärfarben, klare Kontraste, Reduktion auf das Wesentliche – das alles schwingt hier mit, ohne dass es einem mit dem Holzhammer präsentiert wird. Ich musste unweigerlich an meinen alten Satz von drei Bauhaus-Briefmarken denken, der bei mir seit Jahren in der Schublade liegt und den ich für die Fotos hier herausgekramt habe. Die Glasfärbung in Verbindung mit den abgestimmten Farbakzenten ist auf jeden Fall eine tolle Idee und sorgt für einen kleinen Wow-Effekt.






Nicht minder spannend wird es dann auf der Vorderseite: Das Zifferblatt hat eine „zweite Ebene“, die man erst bemerkt, wenn es dunkel wird. Es handelt sich um ein sogenanntes Full Lume-Dial, im Uhrensammlerjargon gern auch mal als „Leuchtkeks“ bezeichnet (fragt mich nicht, wer sich das ausgedacht hat). Heißt auf jeden Fall konkret: Das gesamte Zifferblatt ist mit Leuchtmasse beschichtet. Im Hellen wirkt es „ganz normal“ zurückhaltend-weiß. Im Dunkeln hingegen dreht sich das Bild komplett – die aufgedruckten Indizes und die applizierten Elemente erscheinen dann wie ein Negativ, weil sie selbst nicht leuchten und sich vom strahlenden Hintergrund abheben. Schöne Idee: Um diesen Effekt zu unterstreichen, legt Sternglas jeder Uhr eine UV-Taschenlampe bei – einmal kurz mit der Lampe über das Blatt und es strahlt fast schon selbst wie eine Taschenlampe (natürlich lädt die Leuchtmasse auf dem Blatt aber auch über „normales“ Tageslicht oder Kunstlicht auf, aber mit der UV-Lampe geht es einfach nochmal viel schneller und intensiver).





Bei den erwähnten applizierten Elementen zeigt sich, dass hier jemand nicht nur ein Faible für Farben, sondern auch für Formen hatte: Die Stundenmarkierungen sind nämlich nicht einfach Striche oder Punkte. Stattdessen sind zu jeder zweiten Stunde kleine, dreidimensionale geometrische Körper aufgesetzt: ein Dreieck bei 12 und 6 Uhr, Kreise bei 2 und 8, Quadrate bei 4 und 10. Das Ganze ist spiegelbildlich angeordnet und wirkt dadurch ruhiger und ausgewogen. Die geometrischen Indizes sind dabei leicht erhaben, also plastisch, aber eben nicht aufdringlich. Man bemerkt sie eher nebenbei, wie ein kleines Easter Egg, das erst mal entdeckt werden muss.
Die Indexe passen auch richtig gut zum Bauhaus-Leitgedanken, bei der Geometrie eine zentrale Rolle spielt: Kreise, Quadrate und Dreiecke gelten dort als grundlegende Formen, aus denen sich komplexere Gestaltungen ableiten lassen. Es geht darum, visuelle Ordnung zu schaffen, Dinge zu strukturieren und gleichzeitig eine gewisse Klarheit zu bewahren. Genau das passiert hier im Kleinen auf dem Zifferblatt.

Hierzu ein Beispiel aus der bedeutenden Bauhaus-Designschule in Weimar: Im Hauptgebäude hat Gestalter Herbert Bayer dort gemäß der Bauhaus-Lehre Farbe und Form miteinander verknüpft: Ein behäbiger blauer Kreis verharrt im Erdgeschoss, ein dynamisch wirkendes rotes Quadrat belebt den ersten Stock, und ein luftig-gelbes Dreieck zeigt das Dachgeschoss an. Damit stehen die Stockwerke in Bezug zueinander, über den Verkehrsweg der Treppe hinaus – und da haben wir sie auch wieder, die klassischen Primärfarben (Grundfarben) im künstlerischen Farbkreis nach Johannes Itten.
Man könnte sagen: die Naos Edition Bauhaus X ist ein bisschen Kunsttheorie für’s Handgelenk.



Sternglas-typisch sind die Abmessungen der Naos Edition Bauhaus X eher kompakter, wobei die Höhe kaliberbedingt mit 12 mm (gemessen ohne das gewölbte Saphirglas) eher sportlicher ausfällt – das ist einfach ein Vorteil des Naos Pro-Reihe, die mit 9 mm (ohne Glas) merkbar flacher ausfällt. Die Höhe kaschieren die Hamburger aber ordentlich mit seinem sanften Zulaufen der Flanken Richtung Boden. Hier sehen wir die Uhr an meinem Handgelenk mit ca. 18 cm Durchmesser.




Abschließende Gedanken
Die Naos Bauhaus Edition X sprüht nur so vor Ideen, wirkt aber zu keinem Zeitpunkt kitschig oder überladen. Sie nimmt ein bekanntes Modell, bleibt dessen DNA treu und dreht an ein paar wenigen, aber entscheidenden Stellschrauben – Stellschrauben, die am Ende des Tages der selbstbewussten Namensgebung „Bauhaus X“ meiner Meinung nach absolut gerecht werden. Nicht jeder wird sich für farbige Glasböden oder geometrische Spielereien begeistern, und das ist auch völlig in Ordnung. Gleichzeitig hätte diese gelungene Edition meiner Meinung nach auch aus technischer Sicht ein nüchtern betrachtet besseres Kaliber Miyota 9015 verdient gehabt – so wie die kürzlich vorgestellte Sternglas Naos Pro Edition Tuxberg. Dennoch: Meiner persönlichen Meinung nach ist die Naos Edition Bauhaus X die bisher konsequenteste und – ja – designtechnisch bisher überzeugendste Naos von Sternglas.






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