2025 ist für die deutsche Uhrenwelt ein bemerkenswertes Jahr: Laco feiert sein 100-jähriges Jubiläum, Circula wiederum bringt es auf immerhin schon 7 Jahrzehnte – zusammen also 170 Jahre Uhrengeschichte aus einer Stadt, die mehr Tradition im Uhrmacherhandwerk summiert als viele Länder: Pforzheim. Und anstatt sich wie zwei rüstige Jubilare gegenseitig den Kuchen wegzufuttern, haben beide Marken etwas Ungewöhnliches getan: Sie haben sich zusammengesetzt. Nicht für ein Gruppenfoto, nicht für eine Werbeaktion, sondern für ein gemeinsames Uhrenprojekt zum Jahresendspurt 2025, das mich doch ziemlich überrascht hat: Die ProLab.
Die Grundidee: Man nimmt je ein typisches Modell der Marken – eine Fieldwatch von Circula und eine Fliegeruhr von Laco – und tauscht deren „Gesichter“, sodass sie zwar eigenständig bleiben, gleichzeitig aber ein visuelles Paar ergeben. So viel vorweg: Besser kann man die beiden Marken-DNAs meiner Meinung nach kaum verbinden.



Tipp: Die beiden Uhren gibt es auch in Bewegtbildern bei uns auf YouTube:
In Deutschland einmalig
Kooperationen zwischen mehreren Uhrenmarken gibt es hierzulande nur in homöopathischen Mengen (hier ein Beispiel). Und schon gar nicht solche, bei denen beide Partner im selben Uhrencluster beheimatet sind – da hat man eher das Gefühl, dass Nähe Reibung erzeugt, beispielsweise mit Blick auf Glashütte.
Wenn wir über Landesgrenzen hinweg schauen, finden wir aber Kooperationen wie beispielsweise:
- Fears x Studio Underd0g
- Studio Underd0g x Massena Lab
- Louis Erard x Massena LAB
- Moser & Cie. x Studio Underd0g
Im (Ultra)luxusbereich haben sich unter anderem schon zusammengetan:
(Swatch x Blancpain bzw. Swatch x Omega MoonSwatch klammere ich da mal bewusst aus, denn das ist offensichtlich eine Kooperation, die sich nur innerhalb des Swatch-Konzerns bewegt und eher das Ziel hat, die großen Luxusmarken zu stärken, als eine Kooperation auf Augenhöhe zu starten).
Allerdings ist aus den genannten Kooperationen meistens nur eine gemeinsame Uhr entstanden, während Uhrenfreunde bei der Laco x Circula ProLab ein Doppelpack bekommen – das ist meines Wissens nach in Deutschland auf jeden Fall bisher einmalig.
Der Name basiert dabei übrigens auf verschiedenen Gedanken: ProLab ist eine Wortneuschöpfung aus Pro, weil jeweils PRO-Modelle Pate standen (Circula ProTrail und Laco Flieger Pro), sowie (Co)Lab, angelehnt an das englische Wort für Zusammenarbeit (Collaboration). Als Doppelbedeutung ist das Wort Lab bekanntermaßen auch eine gängige Abkürzung für Labor – in Anlehnung daran, dass die beiden Kooperationspartner viel gemeinsam ausprobiert, getestet und feingetunt haben.

Dass die beiden Unternehmenslenker – Uwe Rücker und Cornelius Huber – seit Jahren verbunden sind, spielte bei der Projektinitiierung sicherlich eine nicht unwesentliche Rolle. Aus unzähligen Messegesprächen, technischen Diskussionen und Kaffee-Pausen wuchs irgendwann die Idee, für die beiden Jubiläen ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Dass beide Hersteller dabei konzernunabhängig sind (alles andere als eine Selbstverständlichkeit in der von Konzernen geprägten Uhrenwelt), hat die kreative Zusammenarbeit sicherlich deutlich vereinfacht (Stichwort: Agilität).


Die Circula-Laco-Kooperation kann man auch als eine Art Hommage an Pforzheim sehen, in der sich die Uhrenindustrie bis heute wacker hält: Beide Unternehmen stammen von dort, produzieren dort und bleiben dem Standort treu. Während anderswo gern über Swissness definiert wird, liefern Laco und Circula hier einen charmanten „Made in Germany“-Gegenentwurf.

Circula ProLab
Die Circula ProLab kommt im Gehäuse der Circula ProTrail, wobei wir ja auch spätestens seit der ProFlight wissen, dass das kantig-markante Gehäuse der ProTrail auch wunderbar zu einer Fliegeruhr passt (und übrigens auch zu einer Taucheruhr – siehe Circula ProSea). Und so verwundert es keineswegs, dass die Circula ProLab ein Zifferblatt mit historischen Merkmalen des B-Muster-Fliegeruhren-Zifferblattes spendiert bekommen hat, das Kooperationspartner Laco durch die historische Brille betrachtet mitgeprägt hat. Charakteristisch: Große Minutenziffern im Außenbereich und ein Stundenring im Inneren sowie ein pfeilartiger zentraler Index auf „12 Uhr“.



Das klassische Laco-Blatt wurde aber nicht einfach 1:1 übernommen: Bemerkenswert bei der Circula ProLab ist, dass die Minutenziffern in einer modern-kantige Typographie, ähnlich zu der der Circula ProFlight, gehalten wurde – eine hervorragende Designentscheidung, um den modernen Charakter des Gehäuses zu unterstreichen.
Das Zifferblatt ist außerdem zweigeteilt: innen haben wir ein feines Schallplattenmuster, außen ist es matt, alles in tiefem Schwarz gehalten. Die Zeiger sind thermisch gebläut und setzen so einen richtig schicken Farbakzent. Als Leuchtmasse kommt Super-LumiNova BGW9 zum Einsatz, die im Hellen reinweiß ist und im Dunkeln einen knackigen modernen Blauton annimmt.
Am Handgelenk wirkt die Circula ProLab angenehm präsent, aber nicht wuchtig – vor allem dank des kompakten Horn-zu-Horn-Maßes von nur 46 mm. Das schwarze, auf der Innenseite mit Leder gefütterte, Segeltuchband trägt zur Toolwatch-Anmutung bei.


Wie wir es vom Circula-Gehäuse gewohnt sind, ist es auch wieder „tiefengehärtet“ bis 1200 Vickers – dank einer Methode, die wir aus dem Maschinenbau kennen: Kolsterisieren. Eine echte Besonderheit, die man nur selten vorfindet und die alle Uhrenfreunde freuen dürfte, die Kratzer in ihren Uhren hassen. Zum Vergleich: Unbehandelter Edelstahl kommt auf rund 220 Vickers.
Mehr: HART im Nehmen? Typische Materialien bei Uhren und ihre Härte nach Vickers
Als weiteres „Gutserl“ gibt’s bei der Circula ProLab – neben der Gehäusehärtung – obendrein auch noch eine antimagnetische Abschirmung: Durch einen Weicheisenkäfig (bestehend aus Zifferblattunterseite, Werkhaltering und Zwischenboden aus reinem Eisen) haben Magnetfelder, die von alltäglichen Gegenständen wie beispielsweise von handelsüblichen Lautsprechern, einem iPad oder dergleichen ausgehen können, deutlich weniger negativen Einfluss auf die Ganggenauigkeit des Sellita SW200-1 (gleich mehr zum Kaliber). Denn: Weicheisen ist ein Stoff, der sich leicht magnetisieren lässt, gleichzeitig aber eine geringe Remanenz, das heißt nach einer Magnetfeldeinwirkung geringe zurückbleibende Magnetisierung, aufweist – perfekt für die Anwendung bei einer mechanischen Uhr, deren Innenleben geschützt werden will. Um keine Schwachstelle bzw. ein „Loch“ im Weicheisenkäfig zu haben, durch das das Kaliber magnetisiert werden kann, verzichtet das Modell naheliegenderweise auf ein Datumsfenster.


Laco ProLab
Die Laco-Seite des Sets wirkt vertraut, aber nicht repetitiv: Auch hier finden wir auf dem Blatt als verbindendes Elemente einen Innenring, allerdings mit 13-24-Stunden-Einteilung – das ist ein klassisches Merkmal von Field Watches seit dem Vietnamkrieg: Die Einteilung wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas befremdlich – denn in Deutschland wissen fast schon Kinder, dass beispielsweise 4 Uhr Nachmittags gleich 16 Uhr ist. Menschen aus anderen Kulturkreisen sind es allerdings oftmals gewohnt einfach nur von „4 Uhr“ zu reden, egal ob Nachts oder Nachmittags (in den USA beispielsweise 4 am vs. 4 pm). Im US-Militärjargon ist allerdings die Rede von 1600 (Sixteen Hundred). Der Innenring sollte von seiner ursprünglichen Idee her also den Soldaten als Hilfestellung dienen, um die Zeit richtig zu „übersetzen“.




Das Zifferblatt ist alles in allem optisch nah am Blatt der Circula ProTrail Field Watch, wobei hier ebenfalls die Typographie der äußeren Ziffern geändert wurde, um besser im Einklang mit dem Gehäusedesign zu sein – es handelt sich dabei um das charakteristisch sandgestrahlte, klassische Fliegergehäuse, das wir von der Pro-Serie von Laco kennen und von dessen toolig-dunkler Optik, die an Titan erinnert, ich ein großer Fan bin.


Den charakteristischen Sand-Farbton des Blattes, den wir von der Circula ProTrail Sand kennen, passt auch ganz hervorragend zum Laco-Gehäuse. Als Besonderheit befindet sich dabei im Außenring großflächig Super-LumiNova, wodurch die Ziffern als eine Art „Negativ“ auch im Dunkeln sichtbar sind.
Auf dem Blatt finden wir auch ein weiteres spannendes Kooperationsdetail, genau wie bei der Circula ProLab: die gemeinsame Doppel-Signatur in Form der beiden Schriftlogos. Auch die thermisch gebläuten Zeiger und die Eisenbahnminuterie halten das Set optisch zusammen.
Das sandfarbene Segeltuchband fügt sich optisch perfekt ein und unterstreicht ebenfalls die Verbindung zur Circula-Seite des Sets.


Beide Modelle setzen auf das Sellita SW200-1 in der höheren Qualitätsstufe Elaboré. 26 Steine, Sekundenstopp, zuverlässig, überall revidierbar, solide Technik und die goldrichtige Wahl in der Preisklasse dieser beiden Uhren. Für ein Kooperationsprojekt hätte man vielleicht auch zwei unterschiedliche Kaliber nehmen können, um die „Dualität“ noch stärker zu betonen, z.B. ein Sellita-Handaufzugskaliber. Aber gleichzeitig bleibt das Set dadurch natürlich pragmatisch.
Eine weitere Gemeinsamkeit beider Modelle ist mehr als gelungen: Der Gehäuseboden trägt die Gravur einer Pforzheimer-Stadtkarte, bei der die ursprünglichen Standorte von Circula und Laco mit goldfarbenen, applizierten Punkten markiert sind. Eine tolle Idee, die das Set hervorragend abrundet.



Abschließende Gedanken
Fieldwatches und Fliegeruhren teilen die gleiche Philosophie: Es geht um Zweckmäßigkeit, hervorragende Ablesbarkeit und Robustheit. Deshalb ist das Design-„Pairing“ der beiden Pforzheimer U(h)rgesteine alles andere als abwegig, denn sowohl Circula als auch Laco fokussieren sich stringent auf klare, funktionale Gestaltung.
Was daraus bei der ProLab geworden ist, wirkt wie ein Dialog: Zwei Designs mit unterschiedlicher Herkunft, die sich nicht gegenseitig übertönen, sondern „miteinander kommunizieren“ – Gemeinsamkeiten in Proportionen, den gebläuten Zeigern, der Doppel-Signatur, die Eisenbahnminuterie, dem tickenden Inneren und der Bänder sorgen dafür, dass man sofort versteht: Diese beiden gehören zusammen.





Die ProLab zeigt, dass ehrliche Zusammenarbeit auch zwischen Wettbewerbern möglich ist – und dass es Spaß machen kann 170 Jahre Pforzheimer Uhrengeschichte gemeinsam zu feiern und gleichzeitig zu zeigen, wie moderne deutsche Uhrmacherei aussehen kann. Gleichzeitig ist die Design-DNA beider Hersteller unverkennbar. Kritisch anmerken kann man vielleicht dennoch, dass beide Uhren konservativ bleiben. Ein „Lab“-Projekt hätte vielleicht noch einen Tick mutiger sein und beispielsweise neue Gehäusematerialien einbringen können (z.B. Titan). Hier blieb man in der Pforzheimer Komfortzone – das ist aber Meckern auf hohem Niveau.

Für Fans beider Marken ist die ProLab fast schon Pflichtprogramm. Und für alle anderen ist sie zumindest mal ein starkes Beispiel dafür, warum unabhängige Uhrenmarken so spannend sein können.
Die ProLab ist auf 170 (100 + 70) Sets limitiert, geliefert wird das Doppelset in einem tooligen Alukoffer, inklusive einer Sammler-Münze mit der individuellen Limitierungsnummer. Der Set-Preis bewegt sich mit 2.390 Euro in einem durchaus akzeptablen, aber nicht unbedingt schnäppchenverdächtigen Rahmen (der Preis der jeweiligen Pendants von Circula/Laco, auch wenn der Vergleich ein bisschen aus der Kategorie „Äpfel vs. Birnen“ ist, liegt bei insgesamt circa 2070€; Circula ProTrail am Segeltuchband = 990€; Laco Pro mit dunkel sandgestrahltem Gehäuse = 1080€). Der Vorverkauf startet im November 2025, die Auslieferung soll im Februar 2026 erfolgen.
| Circula | Laco |
| Gehäuse: Edelstahl, kratzfest bis 1.200 Vickers, ø 40 mm, Höhe 13,4 mm, wasserdicht bis 15 ATM, verschraubte Krone, geschlossener Boden mit Gravur und Limitierungsnummer, innen entspiegeltes Saphirglas, antimagnetisch (Weicheisenkäfig) | Gehäuse: Edelstahl, dunkel sandgestrahlt, ø 40 mm, Höhe 11,3 mm, wasserdicht bis 20 ATM, verschraubte Krone, geschlossener Boden mit Gravur und Limitierungsnummer, innen entspiegeltes Saphirglas |
| Uhrwerk: Automatikwerk Sellita SW200-1 (Elaboré), 26 Steine, 3 Zeiger, Sekundenstopp | Uhrwerk: Automatikwerk Sellita SW200-1 (Elaboré), 26 Steine, 3 Zeiger, Sekundenstopp |
| Zifferblatt: Schwarz, Kreisstruktur innen, matt außen, Zahlen und Indexe mit Leuchtmasse Swiss Super-LumiNova BGW9 | Zifferblatt: Sandfarben, Kreisstruktur innen, matt außen, äußerer Bereich mit Swiss Super-LumiNova Old Radium |
| Zeiger: Thermisch gebläute Zeiger, Stunde und Minute mit Leuchtmasse Swiss Super-LumiNova BGW9 | Zeiger: Thermisch gebläute Zeiger, Stunde und Minute mit Leuchtmasse Swiss Super-LumiNova BGW9 |
| Armband: Schwarzes Segeltuchband, Echtlederfutter, Schnellwechselfederstege, kratzfeste Schließe, Anstoßbreite 20 mm | Armband: Sandfarbenes Segeltuchband, Echtlederfutter, Schnellwechselfederstege, dunkle Schließe, Anstoßbreite 20 mm |
| Gewicht: 95 g | Gewicht: 72 g |
| Verpackung: Alukoffer als Etui inkl. Münze mit Limitierungsnummer Made in Germany, Preis: 2.390 € | |
Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei Facebook, Instagram, YouTube oder
Auch über WhatsApp kannst du immer auf dem neuesten Stand bleiben – jetzt abonnieren:

Darüber hinaus freue ich mich über Kommentare immer sehr (Kommentare werden in der Regel innerhalb kurzer Zeit geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Hallo Mario,
was Du bezüglich des Preises resümierst, war mein erster Gedanke, als mich vor drei Tagen Herrn Hubers Flyer zu diesem Thema erreichte: gibt es einen v e r n ü n f t i g e n Grund, die Uhren einzeln zu kaufen (wobei es jedem überlassen ist, auf einen Sitz zwei in ihrer Grundstruktur derart ähnliche Uhren zu kaufen), anstatt den Herren Huber und Rücker diesen für mich ent“rückten“ Preis zu zahlen ?