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News: Breitling Navitimer Ref. 806 1959 Re-Edition – historisch-penible Breitling-DNA!

Bei vielen Breitling-Freunden hat sich der neue Geschäftsführer Georges Kern nicht grade beliebt gemacht. Der Grund: Unter dem Banner der Kult-Modellreihe Navitimer haute Kern kurz nach dem Amtseintritt ein paar Modellvarianten raus, die so rein gar nichts mit dem Testosteron versprühenden Chronographen mit Rechenschieberfunktion zu tun hatten, der die Marke groß gemacht hat. Ein Beispiel ist die Navitimer 8 in einem meiner Meinung nach austauschbar-langweiligen Design. Von der DNA der historischen Chronographen-Ikone und dem maskulinen Fliegeruhren-Marken-Kern keine Spur (wer den Wortwitz findet darf ihn behalten).

SCHWEIZ BREITTLING NAVITIMER 8 AUTOMATIC DAY & DATE
Breitling Navitimer 8 Automatic Day & Date 41, Bild: PPR/Breitling

Rein betriebswirtschaftlich ist Georges Kerns Vorgehens nachvollziehbar (und leider auch unvermeidbar, da seit 2017 der Finanzinvestor CVC die Mehrheit der Anteile an Breitling hält): Eine breitere Zielgruppe und vor allem den asiatischen Markt erreicht man nun mal nicht so umfassend mit großen, lauten Piloten-Uhren, denen auch ein gewisses Macho-Image anhaftet – letzteres wurde über die letzten Jahre ja auch bewusst von Breitling über Werbespots mit leicht bekleideten Frauen und männlichen Piloten mit Dreitagebart befeuert – wie dieser hier aus dem Jahre 2015:

In einem Interview mit Capital sagte Kern zwar versöhnlich: „[…] wir wollen weder asiatisch werden noch unsere Wurzeln verleugnen […] Wir wollen die Historie wieder aufleben lassen.“ Die Schubladen seien voll von tollen Geschichten.

Geschichten wie die, dass Breitling – ausgehend vom Know-How im Bereich Borduhren – später auch die Konzeption eines „Armaturenbrettes für das Handgelenk“ in Angriff genommen hat. Die Idee für einen Chronographen mit Rechenschieberlünette für die Navigation war geboren. 1952 präsentierte Breitling dann die erste Navitimer.

Erste Breitling Navitimer 1952
Allererste Breitling Navitimer aus dem Jahre 1952

Viel gekommen ist aber von Georges Kern aus meiner Sicht nicht – bisher jedenfalls. Denn kürzlich wurde die Neuauflage der Breitling Navitimer 806 aus dem Jahre 1959 angekündigt und meine Augen haben ganz schön zu leuchten begonnen…

Breitling Navitimer Ref. 806 1959 Re-Edition

Ich liebe historische Neuauflagen und mit der Breitling Navitimer Ref. 806 1959 Re-Edition hat das in Grenchen ansässige Unternehmen meiner Meinung nach voll ins Schwarze getroffen. Denn: Breitling wagt keine Experimente, sondern hält sich fast schon penibel nah am Original – hier ein Vergleichsbild (rechts: das Original der Navitimer 806 aus dem Jahre 1959, links: Neuauflage):

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Original vs. Neuauflage, Bild: PPR/Breitling
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Das Original der Navitimer 806 aus dem Jahre 1959, Bild: PPR/Breitling

Das Original wurde mit der Re-Edition alles in allem meiner Meinung nach hervorragend getroffen: Von der „Perlen“-Lünette (mit exakt 94 Perlen) über den Schliff bzw. Gehäuse-Finish, die von Hand aufgebrachte braune Leuchtmasse bis hin zu jedem noch so kleinen Detail auf dem Zifferblatt – alles wirkt sehr liebevoll und durchdacht umgesetzt.

Toll: Anstelle von Saphirglas verwendet Breitling originalgetreu-gewölbtes Acryl-Glas, welches den Retro-Charakter der Neuauflage hervorragend unterstreicht.

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Auch der charakteristische Breitling-Schriftzug in Grossbuchstaben und einem unsignierten Flügellogo blieb erhalten. Gut zu wissen: Dieses Logo wurde nur für europäischen Markt verwendet, während die in den USA verkauften Uhren mit einem signierten AOPA-Logo (Aircraft Owners and Pilots Association) versehen waren. 

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Sogar der Gehäuseboden entspricht dem unspektakulären Original – hier hätte es meiner Meinung nach aber durchaus gerne ein Boden mit schicker Jubiläums-Prägung oder ein Glasboden sein dürfen (Bilder gibt’s bei den Blogger-Kollegen von Fratello).

Nur bei genauem Hinsehen entdeckt man kleinere optische Unterschiede: Die Gehäusegröße ist beispielsweise moderat angestiegen – auf 40,9 mm anstelle der historisch korrekten 40 mm. Auch die Chronographendrücker haben einen größeren Abstand zur Krone, was durch das neue Handaufzugwerk bedingt ist: tickte in der Original Breitling Navitimer 806 noch das Venus 178 Handaufzugkaliber, ist es nun das COSC-zertifizierte Breitling B09 Manufakturkaliber (auf Basis des B01) mit satten 70 Stunden Gangreserve und Schaltradmechanismus (!). Ein Schaltrad-Kaliber ist deutlich aufwendiger in der Herstellung als gängige Chronographenkaliber mit sogenannter Kulissensteuerung, weshalb solche Werke heutzutage kaum noch verbaut werden – und falls doch, in der Regel bei sehr hochpreisigen Modellen, z.B. von Patek Philippe. Danke des Schaltradmechanismus dürften die Chronographendrücker der Navitimer 806 Re-Edition knackig-leichtgängig zu bedienen sein (mehr über den Schaltradmechanismus gibt’s in meinem Review des Seagull 1963 Flieger-Chronos mit einem Werk auf Basis des Venus 175).

Breitling schreibt in der Pressemitteilung zur Navitimer 1959 Re-Edition: „Breitling lanciert die erste Neuauflage eines historischen Zeitmessers, und für die Zukunft sind weitere geplant.“ Da sage ich nicht nein, wenn die weiteren Neuauflagen auch so genial werden 😉 Schade: Leider kommt die Breitling Navitimer Ref. 806 1959 Re-Edition in einer Limitierung von 1959 Stück.

Trotz des eher knackig wirkenden Preises in Höhe von 7700€ gehe ich davon aus, dass die 1959 Uhren ratz-fatz ausverkauft sein werden. Denn: Das Original ist nur selten in ordentlichem Zustand bei seriösen Händlern zu bekommen und wenn, dann nicht grade günstig: Im März 2019 beispielsweise war bei Juwelier Ralf Häffner die Navitimer 806 für knapp 14000€ im Angebot…

Eckdaten der Breitling Navitimer 806 1959 Re-Edition in der Übersicht:

  • Referenz AB0910371B1X1
  • B09 Schaltrad-Manufakturkaliber mit Handaufzug, COSC-zertifiziert
  • 40,9 mm Gehäusedurchmesser, Höhe 13,43 Millimeter
  • Acrylglas, gewölbt
  • Lünette beidseitig drehbar, mit Rechenschieber
  • Wasserdichtigkeit 3 bar / 30 Meter (spritzwassergeschützt)
  • Super-LumiNova®-Ziffern, -Stunden- und -Minutenzeiger
  • Schwarzes Lederarmband im Vintage-Stil mit Dornschliesse, 22 mm Bandanstoß
  • UVP 7700€

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